Ranges, Stats und Exploits

    • Ruslan89
      Ruslan89
      Bronze
      Dabei seit: 10.01.2008 Beiträge: 707
      Hallo zusammen,
      in diesem Thread möchte ich:

      1. Mein Gefühl für Ranges/Stats verbesser
      2. Gegner Stats in bestimmten Situationen analysieren
      3. Exploits vorbereiten, die als Note festgehalten werden

      Vorab möchte ich erwähnen, dass ich das grade zum erstem mal mache und alles Abschätzungen meinerseits sind, also bitte nicht wundern, wenn was unschlüßig oder umständlich ist, ich bin für jede Verbesserungsvorschläge offen :)


      Bsp. 1







      Wir haben es mit einem (zumindest Preflop) eher looserem Spieler zu tun. Schon im Spiel ist mir sein sehr hoher openraise Wert im SB aufgefallen. Ich möchte mir jetzt gerne einen Gameplan für diesen Spieler in dieser Situation erstellen und überhaupt mal konkreter mit Ranges arbeiten und ein Gefühl dafür bekommen, was denn nun ein openraise von 51% bedeutet und wie die 3 und 4 bet ranges daraus entstehen.

      Schritt 1:
      Zunächst gebe ich die (mutmaßliche) range im Equilab ein:

      22+, A2s+, K2s+, Q2s+, J7s+, T7s+, 96s+, 85s+, 74s+, 64s+, 54s, 43s, 32s, A2o+, K6o+, Q7o+, J9o+, T9o, 98o, 87o, 76o, 65o

      Schritt 2:
      Geschockt sein :f_o: ...kA ob das ein bug ist, oder ich da was falsch rauslese, wobei ich nicht weiß was man bei "raise 1st" falsch verstehen kann. Es ist aber auch nicht so wichtig, da es mir hier eher um ein grundlegendes Konzept geht und da ist die Anfangsrange eher nebensächlich.

      Schritt 3:
      Ich schaue mir seinen fold to resteal, call 3bet und 4bet Wert an:

      F.t.resteal: 47% // Sind sicherlich auch die anderen Position inbegriffen, aber allgemein foldet er 48% oop auf 3 bets, sodass sich das in etwa deckt.
      Das bedeutet, wenn ich das richtig verstehe, dass er von den 51%, 53% (1-0,47) weiter spielt, sei es mit einem call der 3bet oder einer 4bet. Daraus bilde ich eine range, die so aussehen könnte:

      22+, A2s+, KTs+, QTs+, J8s+, T7s+, 96s+, 86s+, 75s+, 65s, A9o+, K9o+, QTo+


      Sein 4bet Wert schwankt zwischen MP-SB zwischen 5,7 und 6,6%. Daraus bilde ich seine 4bet range:

      QQ+, AKs, A9s-A6s, K9s-K8s, AKo, ATo-A9o // Da er anscheinen gerne so viel callt, würde ich vermuten, dass er da nicht seine Toprange 4bettet, sondern AJ, KQ lieber callt. Konkrete reads habe ich jedoch nicht. Alternativ wäre das seine Toprange, die in weiterführenden Überlegungen einfließen könnte:

      JJ+, AQs+, KQs, AJo+, KQo


      Um die calling range zu ermitteln müssen wir ja nur noch die 4bet range von der ersten range abziehen und sehen, was er so oop auf eine 3bet callen könnte:

      JJ-22, A9s-A2s, KJs-KTs, QTs+, J8s+, T7s+, 96s+, 86s+, 75s+, 65s, ATo-A9o, KJo-K9o, QTo+


      Schritt 4:
      Nun kommt die Hauptaufgabe, wie adepte ich auf sein Spiel?
      Ich möchte ein calling, 3betting und pushrange definieren um gegen diesen Villain profitabel spielen zu können. Zudem muss ich abschätzen, in welcher line nun der max EV liegt. Dazu schaue ich mir seine Postflop stats an und sehe, dass er für seine weiter range ganz schön viele contis setzt und auch am Gas bleiben kann:

      Cbet oop im raised pot (F/T/R): (68% / 62% / 41%)
      Cbet oop im 3betted pot : (68%, 80%, 100%)

      Würde er nun, viel auf 3bets folden oder zumindest postflop schnell aufgeben, würde ich ihn quasi nie 3betten und mit händen wie A9+,KT+ und allen pockets callen.
      Nun stelle ich mal die these auf, dass es langfristi mehr Profit bringen kann, wenn man A9+, KT+,66+ gegen ihn 3bettet. Zwar liegt man gegen seine 3bet callingrange nur knapp über 50%, aber man muss ja auch noch bedenken, dass er irgendwann seine openraise range senken muss, da er niemals da oop gegen mich langfristig mit der range +EV spielen kann und ich dann seltener um meinen BB kämpfen muss UND nicht gezwungen bin A4o mit weakem TP gegen seien 3 barrels allen zu müssen.

      Da sind schon mal eine menge Gedanken und ich würde gerne erstmal eure Meinung dazu hören, ob der Ansatz schlüssig ist und der Exploit und Rangedefinition in die richtige Richtung geht. Anschließend können wir uns noch mit der 4bet bzw. push auf 4bet range beschäftigen.
  • 9 Antworten
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Grundsätzlich hast du dir sehr viele Gedanken gemacht, vielleicht sogar etwas zu viel. ;)

      Der Typ sieht schon recht regular aus, vielleicht mit dem Haken dass er im SB zuviel stealt.

      Dieser Spot kommt ohnehin nur vor, wenn du direkte Position auf ihn hast, also sitzt der Typ da, wo auch ein netter Fisch sitzen könnte. =)

      Nun hast du also direkte Position auf dich und der Typ stealt viel...mit Ranges ist es da so eine Sache, er wird sicherlich einfach stats basierend spielen und any2 stealen wenn er der Meinung ist Villain foldet zu viel (dieser Gegner bist ja nicht immer du).

      Kann im Klartext auch heißen: Dass er gegen dich anders spielt (z.B. deutlich tighter) oder aber dass er sein Spiel natürlich variiert wenn du mehr defendest (er wird weniger raisen/mehr 4-betten etc.).

      Grundsätzlich ist der Spot ja gut für dich, du im HU in Position gegen eine solch weite Range, da kann ja gar nicht so viel schief gehen.

      Worauf du bspw. gar nicht eingehst: Du callst Preflop in Position, Villain cbettet recht viel für seine weite Range, wie wäre es also mit Floats/double Floats?

      Seine Range müsste doch also Postflop sehr angreifbar sein? Sprich man callt any Flop und fängt an zu betten wenn Villain checkt. Über eventuelle Turn- oder gar Riverstats verlierst du aber kein Wort.

      Letztlich foldet er mit 50% nicht übermäßig viel, ich denke es wäre gut möglichst viele Spots auf Postflop zu verlagern und dann zu floaten was das Zeug hält.

      Zudem die Value-3-bet-Range etwas erweitern.
    • Ruslan89
      Ruslan89
      Bronze
      Dabei seit: 10.01.2008 Beiträge: 707
      Ich danke dir für die Antwort, mit den floates ist schon mal ein guter Ansatz. Auch wenn ich die stats tatsächlich zu allgemein betrachtet habe, sollte es ja eher ein Konzept darstellen. Also die genauere Range ist gar nicht so wichtig und wir können diese als "vs. Hero" betrachten. Wie genau wurdest du die 3 betting Range aufloosen? wir gehen immer noch davon aus, dass er wenig auf 3 bets foldet und light 4 bettet. Ich meine ich packe AQ, KQ und JJ rein, das ist ja noch klar, aber wie entscheide ich, wie tief ich mit den pairs und broadways runter gehen kann?
    • Maskoe
      Maskoe
      Bronze
      Dabei seit: 08.11.2009 Beiträge: 2.007
      Naja gegen jemanden der Preflop und am Flop so aggro ist, könntest du auch einfach tighter werden. Soll er dich doch ständig 3 und 4betten und ch/r wenn du vllt mit ner 10-15% Range gegen ihn spielst.


      Oder du wirst halt noch aggressiver, und 3bet/push 4bet/callst alle PPs pre. Wird halt so noch +EV sein, interressant wirds aber erst wenn er readaptet und von da an jeglichen müll gegen dich pre reinbringt :f_biggrin:
      Dann wär wieder tight pre werden ne coole adaption, er redet sich halt auch erst 10x ein "ja ich bin son LAG, er muss halt auch mal TT+ AQ haben" während du nur noch mit TT+ AQ+ pre broke gehst :f_biggrin:

      Repeat.
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von Ruslan89
      Ich danke dir für die Antwort, mit den floates ist schon mal ein guter Ansatz. Auch wenn ich die stats tatsächlich zu allgemein betrachtet habe, sollte es ja eher ein Konzept darstellen. Also die genauere Range ist gar nicht so wichtig und wir können diese als "vs. Hero" betrachten. Wie genau wurdest du die 3 betting Range aufloosen? wir gehen immer noch davon aus, dass er wenig auf 3 bets foldet und light 4 bettet. Ich meine ich packe AQ, KQ und JJ rein, das ist ja noch klar, aber wie entscheide ich, wie tief ich mit den pairs und broadways runter gehen kann?
      Du solltest nur die PPs 3-betten womit du bereit bist broke zu gehen.

      Da ist sicherlich JJ/TT die Grenze, wobei du diese Hände eben auch callen kannst.

      AQ klingt auch vernünftig, AJ wäre dann wohl schon eher ein Call.

      Du brauchst da keine große 3-bet-Range, letztlich ist doch jeder Spot Postflop in Position +EV für dich. Einfach for Value 3-betten, auf Bluff-3-bets würde ich da erstmal komplett verzichten (das wird der sowieso nicht mitbekommen).
    • CryingAce
      CryingAce
      Bronze
      Dabei seit: 18.03.2010 Beiträge: 989
      Kommen noch weitere Gegner und Situationen ?
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von CryingAce
      Kommen noch weitere Gegner und Situationen ?
      Dafür müsste OP wohl erstmal wieder Gold werden. ;)

      Aber natürlich können auch andere Beispiele von anderen Usern gepostet werden, geht ja eher um eine allgemeine Gegneranalyse.
    • CryingAce
      CryingAce
      Bronze
      Dabei seit: 18.03.2010 Beiträge: 989
      Ach so :-)

      Ich bin gerade mit anderen Situationen beschäftigt, werde aber gerne die Tage darauf zurückkommen .
    • topspit
      topspit
      Bronze
      Dabei seit: 07.02.2008 Beiträge: 4.138
      Original von CryingAce
      Ach so :-)

      Ich bin gerade mit anderen Situationen beschäftigt, werde aber gerne die Tage darauf zurückkommen .
      hau raus :) spiele derzeit auch NL10, spielst du grade auch oder? und bin auch die ganze Zeit nur am Hyperexploiten von Regs :D ob das profitabel ist, k.A :f_biggrin:
    • CryingAce
      CryingAce
      Bronze
      Dabei seit: 18.03.2010 Beiträge: 989
      Für dein Spielverständnis 100% ;-)