Don't play suicide: Coaching "Martingale-Taktik"

    • irkognito
      irkognito
      Bronze
      Dabei seit: 26.11.2011 Beiträge: 189
      Auf der Suche nach Verbesserung auf den höchsten Microlimits habe ich vor einer Woche bei jemanden (den ich hier nicht nennen möchte) ein kostenloses privates Coaching genommen. Anders als erwartet hat mir der Coach jedoch keine taktischen Verbesserungen vermittelt sondern zeigte mir eine Spieltsrategie, die bei ihm extrem gut funktionierte: Innerhalb weniger Tage hat er aus 25$ Anfangskapital gigantische 1.600$ gemacht, belegt durch einen öffentlichen Graphen.

      So weit so gut. Seine Strategie war, mit vielen Karten (deutlich mehr als das PS-ORC empfiehlt) extrem aggressiv zu spielen UND bei Verlusten ein höheres Limit zu wählen, um diese reinzuholen bis man wieder im Plus ist. Dabei nie allzu lange an einem Tisch spielen.

      Ich habe es live miterlebt. Wir fingen mit Limit 1$ an. Und kurz darauf spielte er bereits auf Limit 30$ / 60$ um wieder ins Positive zu kommen. Und beendete die Session mit mir mit einem Plus in guter zweistelliger Höhe.

      Ich gebe zu ich war erst einmal verdutzt. Mir klang das alles andere als solide. Aber sein Gewinn und sein Graph mit +1.600$ in wenigen Tagen waren einfach beeindruckend. Ich musste drüber schlafen.

      Und dann wurde mir recht schnell klar, dass sein Spielprinzip auf einer Strategie beruht, die ich schon vor 20 Jahren (ja, ich bin schon etwas älter) bei Roulette privat ausgetestet habe: Es heißt Martingale und klingt für den naiven Zuhörer überzeugend und vielversprechend. Untersucht man die mathematischen Zusammenhänge genauer und macht sich klar, dass es einen Limit auf jeder Pokerplattform gibt und auch in der eigenen Bankroll, dann hat dieses System einen negativen Erwartungswert.

      Mit anderen Worten: Du kannst ne Weile damit Gewinne machen und gehst dann irgendwann aber definitiv völlig broke.

      Daher für alle Anfänger, die auf solche Strategien - ob nun im Coaching oder auf irgendeiner Webseite - mal stoßen sollten:

      Spielt niemals solche Strategien. Die solide Pokerschule und Pokerstrategie, wie sie bei PS gelehrt wird, ist der absolut richtige Weg, sich kontinuierlich und nachhaltig zu verbessern, langsam auf den Limits aufzusteigen und das Risiko einer Totalpleite durch Beachtung der Regeln für das Bank Roll Management weitestgehend zu minimieren.

      PS: Auf seine Bitte hin, in seinem Thread über das Coaching etwas zu schreiben, habe ich ihm nett erklärt, dass ich die Spielweise für zu risky halte, sie mir nicht weiterhilft und ich mich lieber enthalte.
  • 9 Antworten
    • 2plus2is4
      2plus2is4
      Black
      Dabei seit: 20.05.2008 Beiträge: 4.335
      vor allem wirds beim pokern beim aufsteigen auch zusätzlich schwerer und machts somit noch mehr ev-
    • beg0r
      beg0r
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2006 Beiträge: 2.945
      edit: ich mach dafür lieber einen eigenen thread auf! hajnis name soll nicht länger mit geldgierigen schmutzfinken, die kein poker spielen können, in verbindung gebracht werden!
    • PplusAD
      PplusAD
      Bronze
      Dabei seit: 30.01.2007 Beiträge: 391
      @ OP
      Zum Glück hast du Fuchs das durchschaut :D
    • aaaRt
      aaaRt
      Black
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 17.605
      das system hat keinen eigenen erwartungswert. nur den entscheidungen innerhalb der spielgrenzen kannst du erwartungswerte zuordnen, die aussage

      Untersucht man die mathematischen Zusammenhänge genauer und macht sich klar, dass es einen Limit auf jeder Pokerplattform gibt und auch in der eigenen Bankroll, dann hat dieses System einen negativen Erwartungswert.
      ist irreführend bzw. falsch. Ansonsten stimmt es natürlich, dass es so ein narrensicheres System aufgrund der realen Gegebenheit nicht existieren kann.

      Das wurde hier übrigens auch schon 100x durchdiskutiert :)
    • Mardin
      Mardin
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2006 Beiträge: 901
      Gut, dass du ihm auf die Schliche gekommen bist...aber ich hab da ein System, wie man beim Roulette innerhalb weniger Stunden über 1000$ machen kann...gegen eine kleine Bearbeitungsgebühr schicke ich Interessenten mein 12-seitiges Erfolgsbuch "Roulette mit System: vom Loser zum Millionär"!

      Meldet euch bei mir über den MSN Messenger
    • irkognito
      irkognito
      Bronze
      Dabei seit: 26.11.2011 Beiträge: 189
      Beim Poker mag das tatsächlich nicht zutreffend sein, da es ja auch auf Skills ankommt.

      Bei Roulette ist die Aussage jedoch (bzgl. Martingale) korrekt. Hier gibt es einen mathematisch belegbaren negativen Erwartungswert, weil hier ausschließlich Wahrscheinlichkeiten des Spiels eine Rolle spielen und keine Entscheidungen mehr getroffen werden können. Alles andere (positiver Erwartungswert) wäre für jedes Casino ja untragbar.

      Gewinn-Wahrscheinlichkeit

      Für 12 Spiele hintereinander zu verlieren:

      (19 / 37) ^ 12 = 0,0336 % (d. h. ca. 1 : 2974)

      Somit zu gewinnen:

      1 - (19 / 37) ^ 12 = 99,9664 %

      Sind nach einer tollen Chance aus. Aber im Falle des Gewinns gewinnt der Spieler bei einem Basiseinsatz von 10 € auch nur 10 €; im Falle eines Verlustes ist er direkt 40.950 € los (nämlich 10 + 20 + 40 + .... + 20.480 = 40.950). Und daher .....

      Gewinn-Erwartung bei Basiseinsatz 10 €

      0,999664 * 10 € - 0,000336 * 40950 € = -3,77 €

      und damit ganze 37,7% des Basiseinsatzes.

      Prego Signore!
    • Krupsinator
      Krupsinator
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 24.05.2010 Beiträge: 13.186
      Weitere Probleme bei dem System:

      1. Der Rake drückt dich ins Minus selbst wenn du und dein Gegner gleich gut sind (wie die 0 beim Roulette)

      2. Der Skill der Gegner wird auf höheren Limits höher, da kann man aggressiv und unberechenbar spielen wie man will, irgendwann gewinnt man bei weitem nicht mehr die Hälfte der der Partien, dann noch der Rake und.... alles Geld weg.

      Wenn ich Midstakes Heads-Up Regular wäre würd ich sagen: Probierts aus Leute!

      Aber im Ernst, ist natürlich ne Taktik die (sofern man sich nicht auch auf höheren Limits ne Edge gibt und dann würd man da auch spielen) longterm für die allermeisten Spieler -EV ist.

      Gruß
      Krupsinator
    • GoozM4n
      GoozM4n
      Bronze
      Dabei seit: 15.09.2007 Beiträge: 474
      Original von irkognito
      Gewinn-Erwartung bei Basiseinsatz 10 €
      0,999664 * 10 € - 0,000336 * 40950 € = -3,77 €
      und damit ganze 37,7% des Basiseinsatzes.
      Deine ev-Rechnung für eine Session, die exakt 12 Spielrunden dauert, stimmt so leider nicht.
      Du musst noch berücksichtigen, dass man innerhalb von 12 Runden nicht nur einmal, sondern höchstwahrscheinlich mehrmals gewinnt.
    • irkognito
      irkognito
      Bronze
      Dabei seit: 26.11.2011 Beiträge: 189
      Eeee... nö!

      Ich betrachte nicht zwölf Spiele, wie Du annimmst. Sondern den Erwartungswert.

      Du bist es, der nicht berücksichtigt, dass bei mehrmaligem Spiel die Chance auf die 12 Verluste natürlich steigt. Das führt wiederum zu meiner ursprünglichen Rechnung.

      Oder andersrum: Läßt Du 10.000 Leute für 10 Euro spielen, so wird das Casino Plus und nicht Minus gemacht haben, auch wenn eine extreme Mehrheit der Spieler mit 20 Euro nach Hause gehen. Die wenigen, die Pech haben, zahlen dafür eine Riesensumme und damit mehr als das Casino an die Gewinner ausschüttet.

      Am einfachsten verstehst Du das, wenn Du Dir einen Münzwurf vorstellst. Zwei mal eine Münze werfen und bei Kopf 10 Euro gewinnen und bei Zahl verlieren bedeutet einen Erwartungswert von 0 Euro Gewinn bei zwei Würfen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür nur 50% und nicht 100% (sonst wäre jedes Ergebnis ja sicher), 25% dass Du 20 Euro verlierst und 25% dass Du 20 gewinnst. Also eben 0.5 * 0 + .25 * -20 + .25 * 20 = 0!