Die gegenseitigen Effekte von Online-Poker und Offline-Glücksspiel

  • 8 Antworten
    • Gunius
      Gunius
      Bronze
      Dabei seit: 28.04.2009 Beiträge: 13.296
      Edit by HockeyTobi
      Wenn du nicht diskutieren willst, dann lass das posten doch bitte ganz
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Hat schon jemand geschafft, mehr als nur den Abstract runterzuladen oder zu öffnen? Ich nicht.
    • Tunnelblicker
      Tunnelblicker
      Bronze
      Dabei seit: 31.10.2007 Beiträge: 5.260
      Original von cjheigl
      Hat schon jemand geschafft, mehr als nur den Abstract runterzuladen oder zu öffnen? Ich nicht.
      Da oben ist so nen "one click download" button. Bei mir lädt er da das ganze paper runter, bin aber auch über die Uni eingelogt. Hab aber nur die news gelesen bisher.

      Weiß nicht ob das ganze so positiv ist. Letztendlich beweist es, auf nem gewissen Level, das Online Poker spielsüchtig macht. Für die Casinos selber mag das eine positive Nachricht sein, für den Staat ist das eher ein Alarmzeichen.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Edit: scheint am Firefox zu liegen. Mit Chrome habe ich es geschafft.

      Ich habe mir jetzt die Studie durchgelesen. Leider ist mir noch einiges unklar, da die verschiedenen Modelle, mit denen die Korrelationen getestet wurden, nicht beschrieben werden. Auch nicht beschrieben wird, ob es eine zeitliche Komponente in der Studie gibt, oder ob nur eine Momentaufnahme gemacht wurde. Ohne zeitliche Komponente, mit der Veränderungen des Spielverhaltens über die Zeit gemessen werden, gibt die Studie das behauptete Ergebnis nicht her.

      Ich denke, es wurde folgendes gemessen: wer online Poker spielt, ist auch eher bereit, im offline Casino Glücksspiele zu zu spielen, und wer offline im Casino spielt, ist eher bereit, auch online Poker zu spielen. Nicht gemessen wurde jedoch, ob eine Öffnung des online Pokermarktes auch zu einer Steigerung der Casinoumsätze führen würde und genau das wird ja behauptet. Um das zu untersuchen, hätte man aber im gleichen geographischen Markt das Spielverhalten zwischen vorher und nachher bei Einführung/Öffnung/Schliessung des online Pokermarktes testen müssen. Genau das wurde meiner Meinung nach nicht gemacht.

      Der Schluss, dass eine Legalisierung von online Poker eine gesteigerte Spiellust für andere Glücksspiele verursacht, ist bei dieser Datenlage nicht zulässig (ausgeschlossen ist es aber auch nicht).
    • ICFiedler
      ICFiedler
      Bronze
      Dabei seit: 31.07.2006 Beiträge: 399
      @tunnelblicker:
      Exakt. Während sich die Industrie über die Studie freuen dürfte, ist sie für die Suchtprävention ein Fiasko. Onlinepoker führt offensichtlich zu mehr Spielern an den Automaten - und die haben das höchste Suchtpotential aller Glücksspiele und sind zudem finanziell sehr ungünsitg für die Spieler gestaltet. Gleichzeitig hat natürlich auch Onlinepoker ein hohes Suchtpotential. Dank des inhärenten Geschicklichkeitsanteils und den vergleichsweise geringen Gebühren sind die finanziellen Konsequenzen für Pokersüchtige zwar nicht zwingend derart negativ wie bei z.B. den Automatenspielern. Allerdings kann man verlorene Lebenszeit und Vernachlässigung des persönlichen Umfelds auch als Kostenform interpretieren.

      @cjheigl:

      Das Papier ist für das Journal "Gaming Law Review and Economics" geschrieben. Das lesen hauptsächlich Juristen. Daher haben wir die technische Komponente versucht so gering wie möglich zu halten und die Modelle nicht einzeln beschrieben.

      In jedem Fall haben wir aber keine zeitliche Komponente mit betrachtet. Es ist also keine Zeitreiehenanalyse. Das wäre natürlich schön gewesen, aber dafür fehlt es an Daten. Zum Onlinepoker gibt es eben nur diese eine Momentaufnahme aus 2009/2010. Eine Folgestudie wird aber voraussichtlich eine weitere Momentaufnahme in 2012/2013 machen. Aber auch dann wäre eine Zeitreihe noch lange nicht aussagkräftig. Eigenltich bräuchte man Quartalszahlen über 3 Jahre. Aber auch dann gibt es so viele exogene Schocks in dem Markt (Gesetzgebung), dass es einem die Zeitreihenanalyse zerschießen würde.

      Wir haben daher nicht einzelne Zeitpunkte miteinander verglichen, sondern die Staaten der USA und Kanadas. Das erlaubt uns durchaus Aussagen wie: Wenn in einem Staat offline mehr gespielt wird, dann wird auch mehr online gespielt (und umgekehrt). Die Ergebnisse sind statistisch signifikant. Und ja, unserer Meinung nach kann man daraus folgern, dass eine Vergrößerung des Onlinmarktes den Offlinemarkt vergrößert (und umgekehrt). Allerdings kann man nicht sagen, dass eine Öffnung des Onlinemarktes dasselbe bewirkt. Das liegt einfach darin begründet, dass eine Öffnung den Markt nicht zwingend größer machen muss (Stichwort taxing and fencing).
    • misterlinus21
      misterlinus21
      Bronze
      Dabei seit: 10.11.2006 Beiträge: 1.048
      Hallo Ingo,

      sehr interessantes Paper! :)

      Ich hätte einige Fragen/Anmerkungen zur Methodologie:

      - Habt Ihr Granger-Tests oder ähnliche Verfahren genutzt, um die Richtung der Kausalität festzustellen? Ich würde nämlich vermuten, dass gerade junge Spieler tendenziell eher online zu spielen beginnen und später in Casinos gehen.
      - Gibt/gab es kein Endogenitätsproblem?
      - Das Einkommen insignifikant ist, ist unter dem Aspekt der Suchtprävention ebenfalls potentiell problematisch, da die Nachfrage von Süchtigen ohnehin wenig von Ihrem verfügbaren Einkommen abhängt. Maximal die gespielten Stakes.
      - Ich erinnere mich dunkel an meine Mikroökonomie-Vorlesungen. Da wurden Substitute und Komplemente mit Hilfe der partiellen Ableitungen nach dem Preis des anderen Gutes definiert. Hier wäre ein Datensatz, der die Zeit z.B. einer Offline-Glückspielsteuererhöhung abbildet super interessant, weil man dann eine Proxy für eine Preiserhöhung hat.

      Grüße,
      Linus
    • ICFiedler
      ICFiedler
      Bronze
      Dabei seit: 31.07.2006 Beiträge: 399
      Danke für die Anregungen! Ich werde sie mit Kahlil (Hauptautor, hat die empirische Untersuchung gemacht) diskutieren.
    • ICFiedler
      ICFiedler
      Bronze
      Dabei seit: 31.07.2006 Beiträge: 399
      Zu Deinen Fragen/Anregungen, misterlinus:

      1) Granger Tests auf Kausalität sind nur bei Zeitreihen möglich. Die haben wir nicht.

      2) Endogenität ist eigentlich in allen nicht-experimentellen Studien ein potentielles Problem. Wir haben noch einige möglich andere Variablen durchgetestet, die (mit)erklärend sein könnten wie zum beispiel, Religion, Alkohol, Tabak aber nichts signifikantes gefunden. Hast Du einen bestimmten Grund, weshalb Du Endogenität vermutest?

      3) Ja, genau darüber haben wir auch nachgedacht und werden versuchen das in einer anderen Studie näher zu untersuchen. Eventuell ist Spielsucht ein Grund für eine fehlende Signifikanz des Einkommens. Im gesamten Modell ist das Einkommen hingegen signifikant. Außerdem ist auch die Nachfrage von süchigen elastisch - wenn auch weniger stark. Hinzu kommt, dass natürlich nicht die gesamte Nachfrage von Süchtigen kommt. Und da vorhergegangene Studien einen Einkommenseffekt gefunden haben glauben wir eher, dass die Unterschiede zwischen den Staaten zu klein waren, um zu einem signifikantem Ergebnis in den Teilmodellen zu führen.

      4) Unsere abhängige Variable ist ja Onlinepoker und nicht Offline-Gambling. Insofern wäre eigentlich eher zu untersuchen was pasiert, wenn sich beim Onlinepoker etwas tut. Aber dazu bräuchte man eine Zeitreihe...