Unfähig zur Tiltkontrolle - Was sagt das über mich aus?

    • yinpin
      yinpin
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2011 Beiträge: 951
      Liebe Pokerstrategen,

      heute war wieder so ein Tag mit -20 Stacks auf 500 Hände, was auch Anlass zu dem Thread ist ;-)

      Meine Frage ist aber etwas allgemeiner gehalten, weil ich persönlich auch nicht glaube, dass ich das so schnell in den Griff bekomme, mich aber andererseits die Gründe dahinter interessieren.
      Welche Eigenschaften glaubt ihr, sind bei einem Menschen, der besonders tiltanfällig ist, stark ausgeprägt? Was sagt es über mich als Mensch aus, dass ich so tiltanfällig bin? Wo sonst in meinem Alltag habe ich davon noch Nachteile (oder vielleicht sogar Vorteile?)?
      Und auf der anderen Seite natürlich: Welche Eigenschaften weisen Menschen auf, die besonders tiltresistent sind? Was sind die Grundvoraussetzungen dazu?

      Mich nervt es einfach so sehr, weil ich mir nach wie vor einbilde, ein guter Pokerspieler zu sein, wenn nicht das Problem mit dem Tilt wäre. Ich kämpfe dagegen nun schon seit meinem Anmeldungsdatum an und jedes mal wenn ich tilte (was sehr oft ist), ist nicht nur mein Stack im Arsch, sondern - was für mich eigentlich sogar fast schlimmer ist - ist meine Stimmung auch total am Boden.

      Ich würde mich einfach über eure Einschätzungen freuen und gerne ein wenig gemeinsam mit euch philosophieren. Vielleicht hilft mir das ja dann irgendwann mal indirekt und möglicherweise gewinnt auch Jemand von euch neue Erkenntnisse dadurch.

      Liebe Grüße,
      Euer yinpin :-)
  • 12 Antworten
    • Extramask
      Extramask
      Bronze
      Dabei seit: 05.12.2007 Beiträge: 5.038
      Sorry aber du bist definitiv ein Fisch (soll nicht beleidigend sein^^). Ich denke nicht, dass du nach der Anmeldung hier zu einem guten Pokerspieler gereift bist. Vll. vom spieltechnischen her, aber definitiv nicht vom psychologischen und mentalen Bereich also ein mentaler Fisch. Das lässt sich auch gut aus deinem Post herauslesen.

      Um auf deine Frage einzugehen. Es gibt verschiedene Arten von Tilt und eben verschiedene Emotionen, die uns zum Tilten bringen. Angst, Motivation und Selbstbewusstsein sind die 3 Emotionen an denen du arbeiten musst und eben die verschiedenen Gefühle, die die unterschiedlichsten Tiltarten auslösen können. Tilt ist ja meistens Wut/Zorn + schlechtes Spiel. Daher musst du sehen auf welcher (emotionalen) Ebene dein Tilt ausgelöst wird. Meistens ist es eben eine Mischung aus verschiedenen Bereichen, daher kann es eben nicht pauschal beanwortet werden. Kenne ich von mir selbst. Spieltechnisch war ich immer Winning Player, aber wenn dann mal der Down kam habe ich alles vertiltet. Habe es schon 2x geschafft gut voran zukommen, nur um meine BR wieder wegzutilten. Aufgegeben habe ich aber nie und immer wieder mein Spiel versucht zu verbesseren. Tatsache war, dass mein Bestes Poker immer besser wurd, aber auch mein schlechtestes Poker noch schlechter wurde. Ich habe nie gewusst woran das lag, bis ich irgendwann mal mitbekommen habe, dass ich ein mentaler Fisch bin und ich mein Spiel auf der emotionalen, psycholgischen und mentalen Ebene verbessern musste.

      Daher mein Tipp: Les das Buch "The mental game of poker" ;)

      Dort wirst du ca. 90% der Fragen oben selbst beantworten können.
    • yinpin
      yinpin
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2011 Beiträge: 951
      Hey Extramask,

      zunächst mal Danke für deine ehrlichen Antworten. Dass ich ein Fisch bin höre ich zwar nicht gerne, aber gänzlich von der Hand zu weisen ist diese Aussage sicherlich nicht.

      Ich denke, bei mir ist es vor allem das Selbstbewusstsein. Angst ist es nicht und eine gute Motivation scheine ich auch zu haben, wenn ich nach über einen Jahr immer noch versuche, das Game zu schlagen ;-)
      Eigentlich ist es bei mir fast immer "Winner's Tilt", d.h., wenn ich mal übertrieben gut runne, dann meine ich immer, dass dies so weiter geht und ich eine riesen Edge auf das Limit habe, was dann z.B. in absurd hohe 3- und 4-bet-Werte ausartet. Das geht dann vielleicht 1-2 mal gut und dann aber natürlich langfristig schlecht und schon sinkt der Gewinn. Das löst dann in mir den Gedanken "ach, das hab ich gleich wieder drin" aus und die Folge ist natürlich klar ;-) Komischerweise tilten mich bad beats / unter EV runnen dagegen ziemlich wenig, so lange ich das Gefühl habe, trotzdem gut zu spielen.

      Auf jeden Fall möchte ich jetzt wieder ein paar Tage das Finger von dem Spiel lassen, um mich innerlich wieder zu sammeln. Ob ich dann einzahle und das Risiko eingehe wirklich noch zum Losingplayer zu werden (ein großes psychisches "Problem" für mich!), oder ob ich es nochmal mit meiner Rest-BR versuche, weiß ich aber noch nicht.

      Deine Story, dass du schon 2x komplett die BR vertiltet hast, gibt mir ein wenig Zuversicht, dass auch ich es irgendwann vielleicht schaffe. Bist du denn jetzt mental gefestigt? Wie lange hast du dafür gebraucht (zeitlich)?

      Okay, das Buch wurde jetzt schon so oft empfohlen, dass ich es wohl wirklich mal lesen muss :-)
    • Extramask
      Extramask
      Bronze
      Dabei seit: 05.12.2007 Beiträge: 5.038
      Ich habe im Live Cashgame mir ne ganz ordentliche BR aufgebaut, weil ich dort im Vergleich zum online nur wenig tilte und eben die Handanzahl pro Stunde viel geringer ist. Außerdem spielt man bei meinen Privatrunden NL50 bis NL200. Das Niveau ist dann aber eher so NL2 bis NL25 im Online Poker.

      Aber mein mentaler Skill ist nun viel besser geworden. Habe vieles geändert. Spiele momentan auch endlich mal getrackt auf WPT Poker. War sonst nur bei Bwin, Titan und William Hill. Habe jetzt in 1.5 Monaten 146.080 Hände gespielt und auf NL 10 1119,33$ gemacht (bei Stars + WPT Poker), ohne Rakeback + Promo + FDB oder ähnliches, was 7,66bb/100 macht. Vor allem das enorme Pensum von 146k Hände zeigt, dass ich mentaler viel stärker geworden bin. Was denkst du wohl wie viel Suckouts etc. mit dabei waren. ;) Bin aber jetzt gefestigter. Habe einen völlig anderen Approach an das ganze und gehe mit Varianz völlig anders um. Du kannst ja mal bei PTR nach meinem Namen suchen bei Stars. Da sieht man in dem Graphen ganz gut, dass ich immer auf die 2k zugesteuert bin und es dann steil nach unten ging wegen dem Tilt. Ich war vorher auch viel mehr der Live Cash Game Spieler und kam auf Online Poker nie klar, weil ich dort eben viel öfters Suckouts erlebt habe. Ich habe zwar immer an meinem Spiel gearbeitet, wodurch ich live sehr viel gewonnen habe und eben nichts weggetiltet habe, aber für die Onlinewelt hat es nie gereicht bis ich eben dieses Buch gelesen habe und mir klar wurde, dass ich ein mentaler Fisch bin. Zwar war ich skilltechnisch ein Winning Player/Regular, ABER eben auf emotionaler und psychischen Ebene ein totaler Fisch. In dem Buch wurde dann auch genau beschrieben, wie man dieses Problem beheben kann und wo man ansetzen musste. Auch dein Problem mit dem Winning Tilt wird dort genau erläutert. Aber ich gehe das ganze auf mentaler Ebene nun viel professioneller an.

      Zwar habe ich immer noch einige Leaks, die ich auch vorher hatte, nur treten die viel seltener auf und mein schlechtestes Poker ist um einiges besser geworden. Habe auch den Fehler gemacht immer nur an meinen Stärken zu arbeiten, anstatt an meinen Schwächen. Durch das Buch bin ich aber jetzt endlich drüber aufgeklärt worden, woran es genau hapert und wie man es lösen kann.

      In dem Sinne good luck! :f_cool: :s_cool:
    • Vollspack
      Vollspack
      Bronze
      Dabei seit: 07.02.2012 Beiträge: 311
      ich bin auch unfähig.

      hab immer wieder eingecasht und gespielt. immer wieder durch Tilt oder wutattacken winnings verbrannt. dananch gings weiter berg ab.

      zum glück bin ich so schlau gewesen, dass ich immer bei -5 stacks ausgecasht und mich mmer für nen halbes jahr ausgeschlossen habe.

      natürlich hab ich lifetime beim pokern geld gelassen. dürfte jetzt in 5 jahren knapp 3-4k euro gewesen sein. was mich auch nicht besonders stört.

      ich bin zu ergebnisorientiert beim pokern, kann nicht longterm denken, und wenn ich dann jeden river ausgesuckt werde, dann bin ich in rage.

      bin echt froh, dass ich nie auf höhere limits gegangen bin und alles verzockt hab.

      na ja, ich bin der meinung, dass ich viel theoretisches background wissen habe, aber meine emotionen stehen mir im wege.

      ich hab aber auch kein bock daran zu arbeiten. Für NL50 usw ist mir das nicht wert.

      die leute sind grundauf solide. kein payoff, just suckouts etc etc.

      ich bin auf jedenfall für ne weile weg was pokern angeht. auf jeden fall minimum 1 jahr.


      euch allen viel erfolg auf euren wegen. i quit
    • don2412
      don2412
      Bronze
      Dabei seit: 11.12.2010 Beiträge: 274
      hab auch das gleiche problem

      habs etwas in den griff bekommen, seitdem ich mein BRM im cashgame auf >100 geschraubt habe. wenn ich dann mal tilte und wieder 20 stacks verbrate sind noch über 80% übrig.

      btw: spiele aber sss bzw. mss
    • Multo
      Multo
      Bronze
      Dabei seit: 26.09.2006 Beiträge: 784
      Original von yinpin

      ... und jedes mal wenn ich tilte (was sehr oft ist), ist nicht nur mein Stack im Arsch, sondern - was für mich eigentlich sogar fast schlimmer ist - ist meine Stimmung auch total am Boden.

      ...
      Ist deine Stimmung am Boden wegen dem verlorenen Geld, oder wegen den falsch getroffenen Entscheidungen bzw. weil du dich mental nicht unter Kontrolle hattest?

      Ich meine, versuchst du im Tilt, das verlorene Geld ´auf Teufel komm raus` wieder reinzuholen, oder ballerst Du aus Wut/ Zorn über Bad Beats dann nur sinnlos rum am Tisch?

      Bei mir ist es so, dass mir das Geld, ob gewonnen oder verloren, egal ist. Das Geld, mit dem ich pokere, bin ich auch bereit zu verlieren. Mich tilten dann eher so absolute braindead-moves meiner Gegner, so dass ich dann zu loose werde oder einfach mal höhere Limits shotte. Hierbei weiss ich dann im Nachhinein genau, dass ich gerade im PLO mit sowas besser umgehen müsste und das ärgert mich dann richtig.

      Das alles hat mich mit meinen ca. 40-50k Händen, die ich bisher gespielt habe, schon einiges an Geld gekostet (glücklicherweise lifetime noch up). Ist ja auch klar, dass bei mangelnder BR für höhere Limits die üblichen Swings nicht gerade gut tun =)

      Meine Konsequenz daraus: Hab jetzt erstmal ausgecasht, Motorrad gekauft (-> Sommer kommt) und werd mich frühestens im nächsten Herbst/ Winter wieder mit Poker beschäftigen.
    • yinpin
      yinpin
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2011 Beiträge: 951
      Original von Multo
      Ist deine Stimmung am Boden wegen dem verlorenen Geld, oder wegen den falsch getroffenen Entscheidungen bzw. weil du dich mental nicht unter Kontrolle hattest?
      Eigentlich fast nur weil ich schlecht gespielt habe. Deshalb habe ich ja auch weniger Probleme damit unter EV zu laufen solange ich das Gefühl habe, gut zu spielen.
      Klar ärgert mich das Geld auch ein wenig (zumindest auf für meine Verhältnisse höhere Limits), aber ich würde wohl auch um Playmoney Poker spielen, wenn es eine kompetitive Szene dafür gebe.

      Original von Multo
      Ich meine, versuchst du im Tilt, das verlorene Geld ´auf Teufel komm raus` wieder reinzuholen, oder ballerst Du aus Wut/ Zorn über Bad Beats dann nur sinnlos rum am Tisch?
      Mein Tilt ist dann eigentlich ziemlich irrational. Mir fällt das eigentlich gerade ziemlich schwer, deine Frage richtig zu beantworten, einfach, weil ich es selber nicht genau abschätzen kann. Es ist so eine Mischung aus vielerlei schlechter Gefühle und Einflüssen.

      Original von Multo
      Bei mir ist es so, dass mir das Geld, ob gewonnen oder verloren, egal ist. Das Geld, mit dem ich pokere, bin ich auch bereit zu verlieren. Mich tilten dann eher so absolute braindead-moves meiner Gegner, so dass ich dann zu loose werde oder einfach mal höhere Limits shotte. Hierbei weiss ich dann im Nachhinein genau, dass ich gerade im PLO mit sowas besser umgehen müsste und das ärgert mich dann richtig.
      Ja! Ich denke, da sind wir relativ ähnlich! Nur, dass mich nicht nur die Moves meiner Gegner ärgern. Das besänftige ich nämlich meistens damit, dass ich mir erfolgreich einrede, dass sie mit dieser Spielweise eben nur manchmal einen riesen Erfolg haben, aber meist aufs Maul bekommen. Zur Not gucke ich dann noch bei PTR nach, um mich zu vergewissern (und habe immer recht) :D
      Aber mich tiltet es vor allem, wenn ich selber schlechte Moves mache. Das kann durch eine allgemeine Unkonzentriertheit ausgelöst werden, oder aber auch wie oben schon geschrieben, durch eine Überschätzung meiner Fähigkeiten, wenn ich gerade im upswing bin. Ich weiß dann eben selber, dass ich gerade Mist gebaut habe (ohne Ergebnisorientiert zu sein) und bin auf mich selber sauer.
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      Original von Extramask
      Sorry aber du bist definitiv ein Fisch (soll nicht beleidigend sein^^). Ich denke nicht, dass du nach der Anmeldung hier zu einem guten Pokerspieler gereift bist. Vll. vom spieltechnischen her, aber definitiv nicht vom psychologischen und mentalen Bereich also ein mentaler Fisch. Das lässt sich auch gut aus deinem Post herauslesen.

      Um auf deine Frage einzugehen. Es gibt verschiedene Arten von Tilt und eben verschiedene Emotionen, die uns zum Tilten bringen. Angst, Motivation und Selbstbewusstsein sind die 3 Emotionen an denen du arbeiten musst und eben die verschiedenen Gefühle, die die unterschiedlichsten Tiltarten auslösen können. Tilt ist ja meistens Wut/Zorn + schlechtes Spiel. Daher musst du sehen auf welcher (emotionalen) Ebene dein Tilt ausgelöst wird. Meistens ist es eben eine Mischung aus verschiedenen Bereichen, daher kann es eben nicht pauschal beanwortet werden. Kenne ich von mir selbst. Spieltechnisch war ich immer Winning Player, aber wenn dann mal der Down kam habe ich alles vertiltet. Habe es schon 2x geschafft gut voran zukommen, nur um meine BR wieder wegzutilten. Aufgegeben habe ich aber nie und immer wieder mein Spiel versucht zu verbesseren. Tatsache war, dass mein Bestes Poker immer besser wurd, aber auch mein schlechtestes Poker noch schlechter wurde. Ich habe nie gewusst woran das lag, bis ich irgendwann mal mitbekommen habe, dass ich ein mentaler Fisch bin und ich mein Spiel auf der emotionalen, psycholgischen und mentalen Ebene verbessern musste.

      Daher mein Tipp: Les das Buch "The mental game of poker" ;)

      Dort wirst du ca. 90% der Fragen oben selbst beantworten können.

      hallo Extramask,

      Ich finde inhaltlich geht dein post in die richtige Richtung.

      Nur finde ich, der Begriff "Fisch" hat darin nichts verloren. Zum einen finde ich es nicht hilfreich, jemanden, der sich selbstkritisch und lernwillig öffnet soetwas an den Kopf zu werfenm (du hast die Kurve noch gekriegt, indem du dich selbst miteinbezogen hast)
      aber noch viel mehr finde ich, dass der OP eben mit seiner selbestkritik und lernbereitsschaft genau eben solche Grundhaltungen und Charactereigenschaften verinnerlicht, die das gegenteil eines Fisches ausmachen.

      Yinpin stellt genau die richtige Fragen! Es ist der richtige Schritt zum winningplayer.

      Ich hab auch eine gute Antwort für dich, Yinpin.

      Beim Tilt geht es fast immer um das Ego. Ego ist ein grosser Stolperstein beim Poker.

      Du solltest unbedingt in folgenden Thread reinsehen.

      poker ist so sick

      Dort wird auf die emotionale seite und damit auf deine Frage, "was löst Tilt aus" eingegangen.

      Gruss,

      mergelina


      edit: ...yinpin, du willst philosophieren? Was sollst, ich hab mir gerade meinen alten Post angesehen und entschlossen, ihn hier nocheinmal hineinzuposten, denn er enthält Antworten, nach denen du suchst:

      Original von mergelina
      hi chrissdepiss,

      Man könnte dir jetzt "Kopf hoch" "das wird schon wieder..." und "die Fische brauchen auch Futter" und sowas sagen, aber ich denke, das kennst du alles schon. Oder ist es das was du willst?

      Das überlasse ich dann anderen.

      Ich versuche einen anderen Ansatz.

      Mal ganz philosophisch pauschal.

      Glück findet man, aber wer es sucht, hat bereits verloren.

      Was erwartetst du dir an den Tischen bei einem Spiel, das bekanntermasen so bescheuert laufen kann?

      Ich geh jetzt mal davon aus, dass du trotz des miesen Laufs ein Spieler bist, der die nötige edge hat und diese auch einzusetzen weiss, damit er langfristig ein winningplayer ist.

      Das ist es auch schon, mehr ist es nicht. Du setzt dich an den Tisch, upswing hin, downswing her und spielst dein Spiel. Was dein Treiben in diesem Bereich wert ist, sagt dir nicht die session, die du im plus oder im minus abschliesst, sondern der Schnitt, den du nach einem Zyklus aller zu erwartenden Ereignissen machst.

      Klar, das ist sehr "akademisch" und sachlich, wo doch Poker, obwohl wir es alle sachlich spielen wollen, so ein hochemotionales Spiel ist.

      Warum eigentlich? Warum regt es uns bis ins Mark auf, wenn wir von so einem hirnlosem Scheisshaufen am River an der Bubble ausgesuckt werden, wenn wir doch wissen, dass hier nur eines, der zu erwartenden Ereignisse stattfand, in einem Spiel, welches wir begreifen und uns ausgesucht haben?

      Ein gutes Mindset zu haben beruht nicht nur auf dem Verständnis des Spiels und der Zusammenhänge. Es bedarf eines emotionalen Abstands. Ihn erreicht man zwar nicht ohne das Begreifen der Zusammenhänge, nicht ohne die theroretischen Kenntnisse, den skill aber DAS ALLEINE REICHT NICHT!

      Du brauchst ein Selbstverständnis (sprich Selbsbewustsein), welches dieses hochlabile, weil von Varianz geprägte Tagesschäft verkraftet.

      Etwa das Selbstverständnis eines Profis, der kohlemäsig längst ausgesorgt hat, sich den downswing des Lebens vergolden lassen kann, weil er gar nicht auf die winnigs angewiesen ist, sondern nur seinen Marktwert arbeiten lässt. Der ärgert sich über den suckout ungefähr so wie du, wenn dir der Buss vor der Nase davon fährt. (und das kann auch ganz schön nerven :D aber 5 min später ist es egal, läst es dich kalt.)

      Das Selbstverständnis eines Freizeitspielers, der erkennen muss, dass er wohl auf Dauer doch eher einzahlt als kassiert und sich die Frage stellt, obs nicht doch mehr spass macht, das geld beim Billaird oder Bowling mit Freunden durch zubringen.

      Diese Leute schalten den Rechner aus und kehren zu ihrem stabilen Gefüge zurück.

      Aber was ist mit den Vielen, die Ambitionen und Hoffnungen haben, die mit den pokerwinnings kalkulieren oder auf sie angewiesen sind, die vielleicht einmal davon leben konnten oder es sich erhoffen, die sich quasi vollzeit damit beschäftigen?

      Sie brauchen eine sehr stabile Psyche, solange sich die edge am Tisch nicht auch im Real-life manifestiert. Wenn du also jeden Monat auscashst und trotzdem ein angemessenes BRM fahren kannst (und wir reden hier von einem sehr viel konservativeren BRM als das eines Spielers, der nicht mit cashouts kalkuliert), dann verfügst du eigentlich über die Basis, um solchen Emotionen standzuhalten.

      Ist das nicht so, gerätst du finanziell allmählich unter Druck oder ist es so, dass du zwar finanziell nicht darauf angewiesen bist, du dir selbst aber Rechenschaft schuldig bist für die Tage, Wochen, Monate, die du Stunde um Stunde am PC verbringst ( WAR ALLES UMSONST? BIN ICH DER TOTALE LOOSER???), dann verfügst du nicht über ein stabliles Fundament, das die psychischen Belastungen, die das gasz normale Tagesgeschäft, ganz normale bubble-vollpfosten-suckouts mit sich bringt, standhält.

      Dann baust du auf Sand.


      Nun zu dem, was Du Dir am Tisch erwartest und erwarten darfst.

      Der Fisch kam ITM und du warst raus, mit der besseren hand und mit dem bessere skill.
      Er bekam das, was dir zugestanden hätte?

      Nein!

      Das war genau das Ereigniss, in dem du trotz deiner edge, trotz der hohen equity rausgeflogen bist. Auch AA hat keine 100%, du weisst das! (natürlich)

      Und trotzdem bist du so unzufrieden mit dem Ablauf, gleichbedeutend mit dem Program eigentlich, dass du diesen Thread eröffnet hast.


      Hinterfrage dich, in wie weit dein Selbsverständnis und Selbsbewustsein vom Poker abhängig ist und untersuche kritisch ob Deine Erfolge (sei es winnings, cashouts oder Lernvortschritt) ein brauchbares Volumen bilden für ein Fundament, das eben diesen Psychischen Anforderungen standhält.

      Tun sie das, dann lass dich emotional nicht soweit reinziehen, damit meine ich, suche Bestätigung deines Egos nicht durch einen gewonnen showdown, denn dieser entwieht sich deiner Kontrolle, sondern mache einfach deine Arbeit und hol dir deine Streicheleinheiten woanders.

      Tun sie das nicht, klammerst du dich womöglich bereits an einen Strohhalm?

      Dann lautet der beste Rat: Bring dein Leben in Ordnung, verdränge nicht, sondern ordne bewusst, wieviel Zeit du in Aufwendungen zum Lebenserhalt und wieviel zeit du in Aufwendungen in Weiterbildung, langfristige Investition oder auch nur einfach Leidenschaft investieren willst und vor allem kannst.

      Ordne sachlich, mache einen Plan, der auch aufgehen kann!


      Gut, die Session ist durch, es ist beschissen gelaufen.

      Wie auch immer es bei dir genau aussieht: Was du jetzt brauchst sind seelische "Streicheleinheiten".

      Die DARFST du dir nicht durch eine gewonnenen 4-bet showdown suchen!
      (kurz nochmal: das ist der Grundstein zur Spielsucht)

      So viel viel viel viel bessere Steicheleinheiten geben dir deine Freundin! ;)

      Du hast keine? Dann eben der beste Kumpel (natürlich auf angemessene Weise) - geht in eine Bar, labert Scheisse, bis die Tränen fliessen, Tränen des Lachens. :D

      Hol dir nen Hund aus dem Tierheim, wenn du keine freundin und keinen brauchbaren besten freund hast. Der gibt dir mehr Liebe und Treue zurück, als jede beste Freundin oder freund.

      ...

      ein wenig Abstand ist eigentlich IMMER gut. So oder so, du würdest dich wundern, mit was für einem Gefühl man am Tisch sitzt, wenn man mal 3 Monate ganz was anderes gemacht hat.

      So gehts mir zb gerade, ich habe mein Leben seit einiger zeit ganz umstruktutriert und kann das Pokern (fast schon - wir wollen die Kirche mal im Dorf lassen ;) ) geniessen. Das Fell ist zehnmal dicker!

      Spühl mal dein Hirn ein paar Tage durch. Charts, strategien raus, neue reizpunkte.

      Du wirst es nicht verlernen, viel eher kriegst du eine neue Perspektive auf das Spiel, wenn du zurückkehrst.


      Sollte ich etwas übers Ziel hinaus geschossen sein, dann nichts für ungut, möchte dir nicht zunahe treten. Aber vielleicht ist trotzdem was dabei, was du für dich verwenden kannst? ;)

      viel Glück im Spiel UND in der Liebe,

      mergelina
    • Shandout
      Shandout
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2010 Beiträge: 2.909
      http://tiltbreaker.com

      Das Tool ist bei ner Diskussion zuletzt recht gut weggekommen. Verhindert zumindest "Kurzschlussreaktionen" und kann sich damit recht schnell "bezahlt" machen. Auf jeden Fall ist es ne gute Absicherung, bis Du das Problem an der Wurzel gepackt hast. Ansonsten kann ich Dir leider kaum Ratschläge geben, da ich eher der "unaufgeregte Typ" bin, mir blöd gelaufene Hände beim Pokern also nur den Puls um maximal zwei Punkte hochtreiben.
    • Extramask
      Extramask
      Bronze
      Dabei seit: 05.12.2007 Beiträge: 5.038
      Naja mir musste man auch erst die Augen direkt öffnen, denn ich bin immer davon ausgegangen, dass ich durch Pokerstrategy definitiv kein Fisch bin, ABER ich war einer! Spieltechnisch war ich zwar Winning Player, ABER eben nicht auf der mentalen/emotionalen Seite. Wollte damit OP ja nicht persönlich angreifen. Durch das von mir empfohlene Buch wurde ich halt endlich mal drauf hingewiesen. :rolleyes:
      Ich musste nun mal eine völlig neue Haltung einnehmen. Diese habe ich eben durch den Satz "Du bist ein mentaler Fisch", welchen ich in dem Buch gelesen habe, verstanden und eben für mich positiv nutzen können. Ich habe mich ja auch lernbereit und selbstkritisch gezeigt, aber dadurch, dass ich die absolute Haltung hatte, KEIN FISCH zu sein, war es eig. eben kein Wunder, dass eben so ein "komischer" Graph zustande kam. Man muss eben genau differenzieren zwischen spieltechnischen Skill und eben mentaler/emotionalen Skill. Nur die Kombination aus beiden werden dafür sorgen, dass man eben langfristig Erfolg hat. Ich habe mich ja auch immer versucht weiterzubilden (vor allem hier über Ps.de), ABER mir wurde nie so wirklich klar wie wichtig, denn noch ein richtiges Mindset sind, und wie man dieses sich erarbeiten kann. Das Buch hat mir jedenfalls viel gebracht und war genau das was ich gebraucht habe. Daher bin ich davon ausgegangen, dass ich OP genau das aufzeigen möchte, woran auch ich zu knappern hatte, da es eben auch Parallelen zwischen seiner Situation und meiner gab. Ich bin eben davon ausgegangen, dass eben diese Verdeutlichung ihm wohlmöglich auch die Augen öffnen würde, so wie es bei mir der Fall war.

      Peace out! :D
    • Naems
      Naems
      Bronze
      Dabei seit: 27.05.2008 Beiträge: 1.919
      Ich bin von Natur her auch eher tiltanfällig. Ich bin eher so der Künstlertyp.
      Also mag Musik, kreatives Schreiben usw.. Vielleicht bin ich einfach emotionaler
      und damit nicht ganz so rational/fähig für Pokern. Ich kann Tilt ganz gut vermeiden, wenn ich mich um mein mindset kümmer. Also mir einen mentalen State schaffe, in dem ich zufrieden bin. Dann helfen mir Theoriesessions. Ich weiß nicht warum, aber desto mehr Theorie ich mache, desto weniger tilte ich.

      Dann hiflt es auch zu wissen, welcher Art von Tilttyp man ist. Ich tilt z.B.: gar nicht, wenn ich mit KK < AA runne oder Set over set. Shit happens. Ich tilte immer dann, wenn ich Selber einen Fehler mache.

      Auch hilft mir, weniger Tische zu spielen und mir feste Zeiten fürs Spielen auszusuchen.

      Aber am allermeisten hilft mir trotzdem: ausgiebige Theoriesessions/Hände bewerten und Videos schauen.
    • sleeper1979
      sleeper1979
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 08.06.2007 Beiträge: 6.505
      Original von Naems
      Ich bin von Natur her auch eher tiltanfällig. Ich bin eher so der Künstlertyp.
      Also mag Musik, kreatives Schreiben usw.. Vielleicht bin ich einfach emotionaler
      und damit nicht ganz so rational/fähig für Pokern. Ich kann Tilt ganz gut vermeiden, wenn ich mich um mein mindset kümmer. Also mir einen mentalen State schaffe, in dem ich zufrieden bin. Dann helfen mir Theoriesessions. Ich weiß nicht warum, aber desto mehr Theorie ich mache, desto weniger tilte ich.

      Dann hiflt es auch zu wissen, welcher Art von Tilttyp man ist. Ich tilt z.B.: gar nicht, wenn ich mit KK < AA runne oder Set over set. Shit happens. Ich tilte immer dann, wenn ich Selber einen Fehler mache.

      Auch hilft mir, weniger Tische zu spielen und mir feste Zeiten fürs Spielen auszusuchen.

      Aber am allermeisten hilft mir trotzdem: ausgiebige Theoriesessions/Hände bewerten und Videos schauen.
      Deine Beschreibung trifft auch ganz gut auf mich zu. Sehe mich selber auch als eher
      "sensiblen" Menschen (was natürlich nicht heißt, das alle anderen unsensibel sind ;) ),
      was meine Tiltschwelle, zumindest empfinde ich es so, deutlich herabsetzt.

      Auch die Sache mit der Theorie kann ich zum Teil bestätigen. Je mehr ich mich damit
      befasse, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit zu tilten. Ganz weg geht es damit
      nicht, aber es braucht dann schon etwas mehr, bis ich an meine Grenze komme.

      Feste Spielzeiten sind ebenfalls eine gute Hilfe. Im Prinzip alles, was eine gewisse
      Routine in den Spielalltag bringt scheint sich für mich positiv auszuwirken.

      Was mir persönlich am meisten zu schaffen macht, ist die Tatsache das ich während
      meines Tilts ganz bewusst Fehler mache. In diesen Momenten ist mir völlig klar, das die
      Bet, das Raise oder der Call gerade zu 99% ein grober Fehler ist. Trotzdem mache ich es
      und zwar nicht nur einmal. Am Ende der Session, und eigentlich auch immer am Tag
      danach, fühle ich mich dann einfach nur schlecht und frage mich, warum das immer wieder
      passiert.