4 Wochen unbezahle Probearbeit?

    • LordPoker
      LordPoker
      Bronze
      Dabei seit: 05.03.2007 Beiträge: 12.784
      Hallo Smalltalker =)

      Vorab: Wir brauchen mal ein eigenes Rechtsfragen-Forum :]



      Zum Case:
      Ich habe von einer Bekannten gehört, die nach einigen Jahren der Arbeitslosigkeit nun wieder ins Arbeitsleben einsteigen wollte und sich daher in einem Laden beworben hat. In dieser Art von Laden hat A früher nach der Schule eine Ausbildung gemacht, die sie mit sehr guten Noten abgeschlossen hat. Sie besitzt also eine Einzelhandelskauffrau Ausbildung in der Branche, in der sie sich jetzt bewirbt.

      Nun kommt beim Initiativ Bewerbungsgespräch folgendes zur Sprache:
      Inhaberin des Ladens X möchte gerne, aufgrund der langen Arbeitslosigkeit, welche mit dem Großziehen der Kinder begründet wurde, eine Probearbeit mit der A vereinbaren. X schlägt vor eine 4-wöchige, unbezahlte Probearbeit zu vereinbaren. Gleichzeitig offenbart X, dass bei Nicht-Erreichen einer gewissen Umsatzzahl an Primär- und Sekundärgütern schnell eine Kündigung kommt. Der Betrieb gehört zu einer Kette und fällt damit unter das Kündigungsschutzgesetz.


      Meine Fragen dazu:
      1) Ist eine 4-wöchige, unbezahlte Probezeit rechtens?
      2) Was passiert mit der Probezeit, wenn sie nur mündlich geschlossen wurde?
      3) Darf man personenbedingt (verhaltensbedingt?) bei Nicht-Erreichen von Umsatzzielen kündigen?





      Meine Überlegungen:

      Zu 1) Finde ich erstens einmal frech, zum anderen sehe ich hier einen Konflikt mit §612 I BGB, der besagt, dass eine Vergütung als stillschweigend vereinbart ist, wenn die Dienstleistung (das Verkaufen) nur gegen Vergütung zu erwarten ist. Man kann der A nicht unterstellen, sie arbeite nur, weil sie arbeiten will.
      Die Probezeit kann ja als solches gelten, dass man vereinfachte Kündigungsmöglichkeiten hat, aber unbezahlt finde ich geht nicht.

      Zu 2) Sehe ich unkritisch im Bezug auf eine Probezeit. Auf den Arbeitsvertrag hingegen hat es nach §14 I S.1 TzBfG i.V.m. Abs. 4 zur Folge, dass der Vertrag unbefristet ist.

      Zu 3) Sehe ich sehr kritisch, da bei einem Arbeitsvertrag vom AN kein Erfolg, sondern lediglich die Arbeit geschuldet wird.



      VG,
      LordPoker
  • 22 Antworten
    • NiceToMeetYou
      NiceToMeetYou
      Bronze
      Dabei seit: 01.07.2007 Beiträge: 5.833
      Original von LordPoker

      Zu 2) Sehe ich unkritisch im Bezug auf eine Probezeit. Auf den Arbeitsvertrag hingegen hat es nach §14 I S.1 TzBfG i.V.m. Abs. 4 zur Folge, dass der Vertrag unbefristet ist.
      Was du meinst, ist eine Befristung. Die ist in der Tat ungültig, wenn sie nicht schriftlich vereinbart ist. Eine Probezeit, die nicht schriftlich vereinbart ist, ist zwar auch nicht gültig. Die Folge ist aber kein unbefristeter Arbeitsvertrag, sondern das Greifen der gesetzlichen Regelung zur Probezeit (6 Monate?), also kein Vorteil für deine Bekannte.

      Ansonsten ist es natürlich wirklich eine Frechheit, ihr soetwas anzubieten. Wenn überhaupt, dann sollen sie es als 4-wöchiges Praktikum auslegen, da wäre das vielleicht noch vertretbar, wenn auch immernoch nicht schön.

      Warum arbeitet sie nicht erstmal wie eine normale Aushilfe z. B. auf 400€-Basis? Da kann die Chefin sie auch jederzeit rausschmeißen wenn sie unzufrieden ist (gibt zwar auch da eine Kündigungsfrist, aber sie braucht sie ja einfach nicht mehr einsetzen).

      Generell würde ich mir anstelle deiner Bekannten auch ernsthaft überlegen, ob ich in solch einem Laden überhaupt arbeiten will, in dem die Mitarbeiter offensichtlich null respektiert werden und Gesetze großzügig ausgelegt werden. Nicht unbeding der Arbeitgeber, den man sich wünscht.

      Ich verstehe schon, dass ein Arbeitgeber nach längerer Arbeitslosigkeit sehen will, ob sie was kann. Aber dafür reichen auch drei Tage Probearbeit und dann gibts ja immernoch die normale Probezeit.

      Welche Art von Einzelhandel ist das denn? Lebensmittel, Klamotten, ...?

      Die Frage ist am Ende auch, wie "nötig" hat sie es? Klingt ja als hätte sie abgesehen von der Ausbildung noch keine Berufserfahrung. Da wird es natürlich nicht besonders leicht und ich hab keine Ahnung, wie die Jobchancen allgemein in der Branche sind. Wenn sie also der Meinung ist, das wäre ihre einzige Chance, wieder in den Beruf zu kommen, könnte sie es trotzdem machen, aber dann auch nur mit dem Ziel, so schnell wie möglich woanders hin zu wechseln (was aus nem Job heraus ja immer einfacher ist).
    • Vorlop
      Vorlop
      Bronze
      Dabei seit: 05.10.2007 Beiträge: 566
      Grundsätzlich hab ich keine Ahnung, aber:

      1. Wenn A damit einverstanden ist, sehe ich kein Problem. Allerdings würde persönlich aus Prinzip nicht umsonst arbeiten. Im Einzelhandel werden auch gerne mal unbezahlte Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht.

      2. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zeit eventuell mit angerechnet werden muss, wenn dann ein richtiger Vertrag zu Stande kommt. Also dann gibt es anstelle von 6 Monaten Probezeit nur 5 Monate.

      3. Wenn eine bestimmte Leistung (=Umsatz) verlangt wird, warum soll man dann wenn der Arbeitnehmer die Leistung nicht bringt ihn noch weiter einstellen?
    • NiceToMeetYou
      NiceToMeetYou
      Bronze
      Dabei seit: 01.07.2007 Beiträge: 5.833
      Wovon soll sie in der Zeit eigentlich leben? Das Arbeitsamt zahlt ja dann nicht mehr wenn sie einen "festen Vertrag" hat, oder?
    • maaR
      maaR
      Bronze
      Dabei seit: 02.06.2006 Beiträge: 2.645
      würde ich nicht machen ... das arbeitsamt geht auf solche deals wohl ein und zahlt in der zeit weiter weil sie dann ja eine chance hat vom arbeitsamt weg zu kommen ... aber persönlich finde ich es ist einfach ne abzocke aus der not der leute..

      würde dennen eine woche probe anbieten maximal .. je nach verdienst? ich meint wenn sie eh nur so nen hungerlohn von 1.7k brutto bekommt sollen die sie halt in der probezeit entlassen lächerlich sowas :s_cry:
    • Jakomo
      Jakomo
      Bronze
      Dabei seit: 04.03.2006 Beiträge: 1.498
      Möglich wäre auch, dass die Chefin sich einfach nicht mit den Begrifflichkeiten auskennt oder gezielt täuschen will und einfach ein Parktikum vergeben will.

      Ist die Kette für schlechte Arbeitsbedingungen/Personalausbeutung bekannt? Name?
    • PokerAss0815
      PokerAss0815
      Silber
      Dabei seit: 18.09.2007 Beiträge: 2.075
      Arbeite jetzt auch schon seit etwa 3 Wochen unentgeltlich, nach 3 Monaten Hartz.
      Hatte dann die Zusage fürn Arbeitsvertrag ab 01.04.

      Hartz läuft den Monat noch.

      Von daher is ja egal, dass ich bei der Firma nur n "unbezahltes Praktikum" gemacht hab. Kohle is da.

      Hatte ich aber auch mehr oder weniger so vorgeschlagen und diese Einarbeitungszeit als Investition gesehn.

      zum topic, solang agentur für arbeit zahlt, kann man diese unbezahlte probezeit ja ruhig machen.

      +EV für die Firma
      +EV für dich (freundin) (zeigen von Flexibilität, Ergeiz usw. gegenüber neuem AG)
      +EV für Agentur für Arbeit, weil sie jmd. in den Arbeitsmarkt integrieren
    • dertakman
      dertakman
      Bronze
      Dabei seit: 23.09.2007 Beiträge: 1.191
      -EV für die normal Beschäftigten

      Wenn die Leute shcon umsonst wochenlang arbeiten, da schmeiße ich doch als schlauer Arbeitgeber die Leute so schnell wie möglich raus um neue umsonst arbeiten zu lassen und dann noch die ganzen Vermittlungssubventionen zu kassieren.

      Man drückt die Löhne, macht Arbeitsplätze kaputt und der Staat ist noch froh Arbeitsstellen so zu subventionieren. Doofes System.

      Lieber paar Wochen mehr arbeitssuchend sein und was ordentliches finden.
    • Duo41
      Duo41
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2010 Beiträge: 2.863
      Schließe mich den bisherigen Meinungen an. Auf so einen Arbeitgeber kann man wohl gut und gerne verzichten. Halte es für eine absolute Frechheit, dass das von ausgebildetem Personal verlangt wird. Jeder Azubi würde in der gleichen Zeit sogar Geld verdienen, also bitte.
    • LordPoker
      LordPoker
      Bronze
      Dabei seit: 05.03.2007 Beiträge: 12.784
      zu den ersten beiden Fragen sehe ich mich hier bestätigt. Dreckiger Arbeitgeber und einfachnurfrech


      Zu 3.

      Original von Vorlop

      3. Wenn eine bestimmte Leistung (=Umsatz) verlangt wird, warum soll man dann wenn der Arbeitnehmer die Leistung nicht bringt ihn noch weiter einstellen?

      Hier greift u.U. das deutsche Arbeitsrecht. Wie oben Geschildert schuldet der AN eine ordnungsgemäße Arbeit, so gut er die leisten kann. Die Knüpfung an Umsatzziele ist meines Erachtens kritisch, konnte dazu aber nichts vernünftiges finden. Weiß dazu jemand mehr?
    • wonm123
      wonm123
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2005 Beiträge: 1.154
      Meine Meinung als Arbeitgeber (mal mehr, mal weniger)

      Jemanden umsonst 4 Wochen arbeiten zu lassen ist nicht die feine Art. Wobei unterschieden werden muss, werden die 4 Wochen vom Amt bezahlt oder nicht. Wenn ja, ist es meines Erachtesn OK, wenn ein ernstes Interesse beiderseiten besteht. Wenn die 4 Wochen nicht vom Amt bezahlt werden, ist es für mich ein klares NoGo. Da sind ein paar Tage, vielleicht eine Woche in Ordnung.

      Mein Problem als Arbeitgeber ist das deutsche Gesetz. Wenn erstmal der Vertrag unterschrieben wurde, habe ich mindestens 2 Wochen eine Lohnfortzahlung. Unabhängig ob Leistung kommt oder nicht. Ich kann und darf nicht jemanden einfach von heute auf morgen vor die Tür setzen (Ausnamen gibt es)

      Leider gibt es auch, und das nicht zu wenig, Arbeitnehmer, die nur den Job der Kohle wegen annehmen.
      Um das als AG rauszufinden, ist eine Probezeit, entgeldlich oder nicht, unabdingbar. Je kleiner eine Firma, desto wichtiger ist der Punkt "Spaß und Freude" an der Arbeit für den AG.

      Punkt 2)
      Meines Wissens nach, gibt es Verträge, die nur schriftlich eine gültigkeit haben. Und das ist auch beim Arbeitsvertrag so. Zumal mündlich alles und nichts gesagt oder ausgemacht werden kann. Deshalb, auch wenn eine 4 Wochen Probezeit oder Praktikum vereinbart wurde, immer alles schriftlich. Und auch beim schriftlichen ist nicht immer alles rechtens.

      Punkt 3)
      Die Kündigung aus mangelden Umsatzzahlen.
      Auch da muss man unterscheiden, zwischen einer kleinen Firma und einem Weltkonzern. Außerdem muss man Konjunturbedingte oder Jahreszeitbedingte Faktoren mit berücksichtigen. Ebenso den Faktor Zeitspanne. Eine 2wöchige "Flaute" rechtfertigt sicherlich keine Kündigung. Hält diese "Flaute" aber an, muss man über Personalentlassungen nachdenken. Und das wird meist nach Eintrittszeit, persönlichen Umsatzzahlen und anderen Faktoren ermittelt.


      Wie du siehst, es ist alles nicht so einfach, bzw. kann nicht in einem schwarz/weiß Spektrum betrachtet werden.

      Es gibt den AN, der viel Dinge naturgemäß anders sieht als der AG.

      ich hab in meiner Sturm- und Drangzeit als AN auch nur gefordert "Das steht mir zu, das steht im Gesetz, dann gehen wir halt vor Gericht"
      In den letzten fast 20 Jahren als Selbständiger mit mal mehr oder weniger Angestellten, habe ich die andere Seite mehr als deutlich kennengelernt.

      Ich bezahle heute meine Angestellten vernüpftig, möchte aber auch Leistung sehen. Und bei neuen Leuten bin ich immer vorsichtig. Denn: nur weil in der Bewerbung steht "Zuverlässig, Pünktlich etc." heißt das noch lange nicht, ob dem auch so ist.

      Gruß, Sven
    • nornof
      nornof
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2007 Beiträge: 2.397
      Original von wonm123
      Meine Meinung als Arbeitgeber (mal mehr, mal weniger)

      Jemanden umsonst 4 Wochen arbeiten zu lassen ist nicht die feine Art. Wobei unterschieden werden muss, werden die 4 Wochen vom Amt bezahlt oder nicht. Wenn ja, ist es meines Erachtesn OK, wenn ein ernstes Interesse beiderseiten besteht. Wenn die 4 Wochen nicht vom Amt bezahlt werden, ist es für mich ein klares NoGo. Da sind ein paar Tage, vielleicht eine Woche in Ordnung.

      Jo, fänd ich als Arbeitsgeber auch toll, wenn ich eine kostenlose Arbeitskraft hätte. Aber warum eigentlich nur 4 Wochen, wenn dann doch gleich 3 Monate oder wieso nicht gleich 6?
      Wenn man jemanden kostenlos beschäftigen möchte, dann ist doch höchstens eine Dauer von 2 Wochen (=> Kündigungsfrist während der Probezeit) angemessen. Wenn das Arbeitsamt regelmäßg die Bezahlung für einen beliebigen Zeitraum fortsetzt, welcher Arbeitgeber sollte denn dann nicht sagen: ja klar stell ich den ein, aber nur, wenn du liebe Arbeitsagentur die ersten 2 oder 3 Monate sein Arbeitslosengeld weiter zahlst und er mich nix kostet (...und dann schmeiß ich ihn halt anschließend mit einer Kündigungsfrist von 2 Wochen wieder raus)


      Mein Problem als Arbeitgeber ist das deutsche Gesetz. Wenn erstmal der Vertrag unterschrieben wurde, habe ich mindestens 2 Wochen eine Lohnfortzahlung. Unabhängig ob Leistung kommt oder nicht. Ich kann und darf nicht jemanden einfach von heute auf morgen vor die Tür setzen (Ausnamen gibt es)

      Man könnte auch einfach einen befristeten Arbeitsvertrag für 2-4 Wochen schließen. Gegebenenfalls mit einer geringen Lohnzahlung als für eine unbefristete Vollzeitstelle um das eigene Risiko einer Pflaume als Arbeitsnehmer zu minimieren. Wenn der Arbeitsnehmer den Vertrag unterschreibt und nicht zur Arbeit kommt bzw. sie verweigert kann der Arbeitgeber immer noch fristlos Kündigen -> keine Lohnzahlung mehr

      Leider gibt es auch, und das nicht zu wenig, Arbeitnehmer, die nur den Job der Kohle wegen annehmen.
      Um das als AG rauszufinden, ist eine Probezeit, entgeldlich oder nicht, unabdingbar. Je kleiner eine Firma, desto wichtiger ist der Punkt "Spaß und Freude" an der Arbeit für den AG.

      Einen Job im Einzelhandel wollen wohl 99,5% der Arbeitnehmer wegen der Kohle, wohl kaum um sich selbst zu verwirklichen. Aber gerade wenn sie den Job wegen der Kohle haben wollen, kann man doch wohl kaum davon ausgehen, dass sie nachdem der Vertrag unterschrieben ist, nix mehr tun und in der Probezeit wieder gefeuert werden, weil dann bekommen sie auch keine Kohle mehr ;)

      Punkt 2)
      Meines Wissens nach, gibt es Verträge, die nur schriftlich eine gültigkeit haben. Und das ist auch beim Arbeitsvertrag so. Zumal mündlich alles und nichts gesagt oder ausgemacht werden kann. Deshalb, auch wenn eine 4 Wochen Probezeit oder Praktikum vereinbart wurde, immer alles schriftlich. Und auch beim schriftlichen ist nicht immer alles rechtens.

      Es gibt bestimmte Dinge die schriftlich festgehalten werden müssen, damit sie gültig sind. Wie schon genannt sind dies bsw. Befristungsabreden. Arbeitsverträge generell bedürfen nicht der Schriftform damit sie gültig sind - Kündigungen hingegen schon!

      Punkt 3)
      Die Kündigung aus mangelden Umsatzzahlen.
      Auch da muss man unterscheiden, zwischen einer kleinen Firma und einem Weltkonzern. Außerdem muss man Konjunturbedingte oder Jahreszeitbedingte Faktoren mit berücksichtigen. Ebenso den Faktor Zeitspanne. Eine 2wöchige "Flaute" rechtfertigt sicherlich keine Kündigung. Hält diese "Flaute" aber an, muss man über Personalentlassungen nachdenken. Und das wird meist nach Eintrittszeit, persönlichen Umsatzzahlen und anderen Faktoren ermittelt.

      Die Festlegung einer Kündigungsmöglichkeit wegen mangelnden Umsatzzahlen eines einzelnen Angestellten ist nicht zulässig.Betriebsbedinge Kündigungen (wg. mangelnder Auftragslage o.ä.) sind zwar zulässig, allerdings greift da bei mehr als 10 Arbeitnehmern das Kündigungsschutzgesetz. Hiernach ist dann eine Sozialauswahl durchzuführen bei der Kündigung.Eine Regelung im Arbeitsvertrag, wonach eine Kündigung bei mangelndem Umsatz des einzelnen Mitarbeits möglich ist, ist unzulässig.

      ....

      Ich bezahle heute meine Angestellten vernüpftig, möchte aber auch Leistung sehen. Und bei neuen Leuten bin ich immer vorsichtig. Denn: nur weil in der Bewerbung steht "Zuverlässig, Pünktlich etc." heißt das noch lange nicht, ob dem auch so ist.

      Das ein Arbeitgeber (gerade bei Kleinstbetrieben) stark auf die Einsatzbereitschaft und Leistung jedes einzelnen Mitarbeits angewiesen ist, ist natürlich vollkommen nachvollziehbar. Wenn ich jemanden beschäftigen sollte, dann würde ich mir die Entscheidung auch nicht leicht machen - aber 4 wöchiges kostenloses Probearbeiten, geht halt garnicht ;)
    • NiceToMeetYou
      NiceToMeetYou
      Bronze
      Dabei seit: 01.07.2007 Beiträge: 5.833
      Wenn du so viel Angst hast, einen unfähigen Arbeitnehmer bezahlen zu müssen, sei es auch nur die 2 Wochen Kündigungsfrist in der Probezeit, kannst du doch anfangs zum "testen" auch erstmal einen VErtrag auf STundenbasis vereinbaren, also der AN bekommt nur die Stunden bezahlt, die er auch arbeitet (wie ein Student im Supermarkt) und wenn er doof ist, lässt du ihn nicht mehr antanzen und musst dann auch nix zahlen.

      Wenn die Komponente Umsatz so wichtig ist, muss man meiner meinung nach auch ein umsatzabhängiges Gehalt vereinbaren. Also Grundgehalt + Erfolgskomponente und dafür Ziele vereinbaren. Das Grundgehalt dann relativ niedrig, die Erfolgskomponente so dass sie ein wirklicher Anreiz ist.
    • DuskoPull
      DuskoPull
      Bronze
      Dabei seit: 02.01.2008 Beiträge: 2.593
      Natürlich nich das Gelbe vom Ei, als Langzeitarbeitsloser würde ich aber wohl in den sauren Apfel beissen, wenn ich denke, die Firma/ Stelle ist einigermaßen vernünftig. Geht ja vor allem auch erstmal darum, wieder nen Fuß in den Arbeitsmarkt zu bekommen.
    • TempoKamille
      TempoKamille
      Bronze
      Dabei seit: 27.05.2010 Beiträge: 4.980
      Bei so einem Angebot würde ich mich undrehen und gehen.

      Wenn der AG schon am Anfang so einen Terz macht, dann will ja da bestimmt nicht für Monate/Jahre arbeiten!
    • DuskoPull
      DuskoPull
      Bronze
      Dabei seit: 02.01.2008 Beiträge: 2.593
      Denke halt, dass viele AG - mehr oder weniger berechtigte - Vorbehalte gegenüber Langzeitsarbeitslosen haben. Die kannst du halt in diesen vier Wochen entkräften.

      Sehe das also quasi wie PokerAss0815 als Investition. Azubi, Studium, Praktikum... macht man ja auch nich weil man da so ein geiles Gehalt verdient.

      Generell steh ich unter- bzw. unbezahlter Arbeit/ befristeten Verträgen usw. aber auch sehr kritisch gegenüber. Wollte als Student auch nie ein Praktikum machen, dass für 40h+/ Woche nicht wenigstens in etwa meine Lebenshaltungskosten deckt. Stell ich mir schon sehr demotivierend vor, zu arbeiten und dabei noch draufzuzahlen (es sei denn, es ist wirklich so ein Hammer-Praktikum/-Referenz, dass ich im Anschluß daran von sehr viel besseren beruflichen Aussichten ausgehen kann).

      In dem Fall hier kommt's halt auf die Perspektiven von OPs Freundin an - hat sie die Aussicht, schnell was besseres zu finden? Ansonsten ist das halt besser als nichts und ein potentieller Wiedereinstieg. Außerdem zahlt das Arbeitsamt afaik während solcher Geschichten das Arbeitslosengeld weiter...
    • MonkeyApe
      MonkeyApe
      Global
      Dabei seit: 30.05.2007 Beiträge: 225
      Original von TempoKamille
      Bei so einem Angebot würde ich mich undrehen und gehen.
      #2

      viel spaß wenn sie nach den 4 wochen nicht genommen wird.
      machen viele unseriöse arbeitgeber neuerdings so.
      alles was mehr als 1 tag unentgeldliche probearbeit ist, sollte ein fold sein
    • AyCaramba44
      AyCaramba44
      Black
      Dabei seit: 27.04.2010 Beiträge: 11.742
      Grundsätzlich sehe ich es natürlich auch eher negativ an, wenn man 1Monat umsonst arbeiten soll, allerdings kann ich den Arbeitgeber auch verstehen. 400€ Job oder so bringt ja beiden nicht viel, wenn man weiterbezahlt wird.

      Je nach Beruf heißt es wohl für sie entweder 1 Monat nichts machen oder eine Chance zu bekommen. Gerade da sie dort schonmal gearbeitet hat würde ich mein Bauchgefühl entscheiden lassen ob er es Ernst meint. Wenn der Job damals dort Spaß gemacht hat wäre es sicherlich ein weiterer Pluspunkt.

      Und zu den "Rechtssachen", wenn man sich jetzt schon mit dem Chef anlegen möchte, dann wird das auf keinen Fall einen längere Beschäftigung. Würde mir daher den Stress in dieser Richtung erst gar nicht an tun.
    • wonm123
      wonm123
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2005 Beiträge: 1.154
      @nornof
      Wie geschrieben sehe ich das auch so wie du. 4 Wochen ohne Bezahlung geht nicht. Aber wenn das Amt die 4 Wochen übernimmt, kommt die Freundin von OP, abgesehen von eventuellen Fahtkosten, ja nicht schlechter weg, als wenn sie zuhause bliebe.

      Die Frage ist, wie ist das Gespräch genau verlaufen? Ist tatsächlich eine Festanstellung in Aussicht gestellt, oder nur 4 Wochen ohne Lohn zu arbeiten? Und selbst das macht sich im Lebenslauf für später gut. Man zeigt dem nächsten AG einsatzwillen.

      Und für diejenigen, die sich umdrehen und gehen sei gesagt, dass jeder in den Strudel Hartz4 rutschen kann. Mit Studium oder ohne. Und wenn man nichts hat, keine Perspektive durch Alter, Geschlecht, Aussehen oder sonst was (auch wenn diese Punkte durch den AG nie offen zugegeben werden) bleibt einem nicht viel übrig, als auch mal in den sauren Apfel zu beißen. Sofern wirklich eine Aussicht auf Erfolg da ist.

      Wie heißt es in der Pokersprache? Crying Call?
    • dvrvm
      dvrvm
      Bronze
      Dabei seit: 31.01.2007 Beiträge: 3.956
      Original von DuskoPull

      Sehe das also quasi wie PokerAss0815 als Investition. Azubi, Studium, Praktikum... macht man ja auch nich weil man da so ein geiles Gehalt verdient.

      [...]

      Außerdem zahlt das Arbeitsamt afaik während solcher Geschichten das Arbeitslosengeld weiter...
      Das ist aber was anderes. Als Azubi ist die Leistung des Arbeitgebers vor allem deine Ausbildung. Und beim Studium bekommst du zwar kein Geld, erschaffst aber auch keinen Mehrwert. (Idealerweise ist ein Praktikum auch vor allem Ausbildung, obwohl ja schon bekannt ist, dass das heutzutage oft missbraucht wird.)

      Zum Zweiten: das ist IMO eher das Problem als die Lösung. Wenn das Arbeitsamt da weiterzahlt, sind das drölf Euro mehr Sozialausgaben des Staats, die sich real das Unternehmen als Lohnkosten spart. D.h. der Steuerzahler finanziert nicht mehr die Arbeitslosen und sozial Schwachen, sondern jetzt plötzlich die Arbeitgeber. Und eine Umverteilung vom Staat an die Unternehmer kann jetzt wirklich nicht im Sinne des Sozialstaats sein.

      Ob man so ein Angebot jetzt aus Mangel an Alternativen annimmt oder nicht, ist natürlich dann eine Einzelfallentscheidung der jeweiligen Person. Ein Kumpel von mir hat in einer ähnlichen Situation die Stelle angenommen (allerdings geht es da um Forschung und eine Doktoratsstelle in Aussicht.) Ziemlich daneben vom AG finde ich es aber auf jeden Fall.
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