6max meine Call Ranges PRF

    • CaptainCrook
      CaptainCrook
      Bronze
      Dabei seit: 06.04.2012 Beiträge: 4
      Moin liebe Leute,

      Folgende Situation: Ich stehe Preflop am Button und sehe mich mit Openraise com CO konfrotiert.

      Mithilfe des Equilabs möchte ich nun herausfinden welche Holecards ich gegen seine Range möglichst +EV spielen kann (vor allen Dingen wie Stark die verschiedenen Holecards in meiner Call Range sind)

      Mein Problem ist nun, dass ich nicht genau weiss wie ich mit der Mindestequity gegenüber Villains Range umgehen soll. Leider habe ich gerade keinen passenden Artikel gefunden und die SuFu hat auch nichts ausgespuckt Daher die Frage:

      Gibt es einen mathematischen Ansatz um dieses Problem zu lösen, irgendwelche kreativen ideen eurerseits, artikel, Denkanstösse etc.?

      Einen schönen abend wünscht euch

      Crook
  • 5 Antworten
    • Trickshot625
      Trickshot625
      Bronze
      Dabei seit: 14.03.2007 Beiträge: 1.010
      auf jeden Fall wird dir in No Limit die equity gegen seine Range nicht viel weiter helfen.
      Das was einer mathematischen Lösung solcher Probleme am nächsten kommt (an Sachen, die ich gesehen habe) sind die Theorievideos von Matthew Janda auf Cardrunners, wobei die halt immer nen radikalen GTO-Ansatz beschrieben und man sich zu Adaptions woanders schlau machen muss, oder aber den eigenen Kopf benutzen.

      Falls du so überhaupt keinen Plan hast, was du in verschiedenen Spots coldcallen kannst würde ich dir empfehlen jede Menge Session-Reviews von guten Coaches zu schauen. Letzten Endes ist es aufgrund der hohen Komplexität solcher Entscheidungen eher mit Erfahrung und Intuition zu lösen als mit mathematischen Ansätzen.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Das Thema Preflop Coldcalls ist extrem eng mit deinem Postflopansatz verstrickt und lässt sich leider nicht ohne weiteres verallgemeinern.

      Lange galt das Matra, dass man am besten ausser Pocketpairs überhaupt nichts coldcalled und viel 3-bettet, weil man so die Intiative über den Pot behält und alles irgendwie vereinfacht.
      Jetzt gibt es dabei ein Problem - aufmerksame Spieler werden schnell merken, wenn ein Spieler nur sehr wenige Hände coldcalled und seine Sets nicht mehr oft genug ausbezahlen. Prinzipiell ist es daher notwendig auch Hände in der Callingrange zu haben, die keine Pocketpairs darstellen, um die eigene Range Postflop undurchsichtig zu machen.

      Ein sinnvoller Ansatz wie du mit Händen entscheidest, ob du callst oder 3-bettest oder foldest ist folgende Idee in meinen Augen. Du gibst deinem Gegner eine Openraisingrange und schaust dir deine Hand an.

      1. Welche Equity hat diese Hand gegen die gegnerische Openraisingrange? Wenn die Equity > 50% liegt, dann hast du definitiv schonmal eine Hand mit der es sich lohnt weiterzuspielen.

      Der zentralste Aspekt ist die Range mit der dein Gegner gegen dich antritt. Wenn du z.b. AQo 3-bettest und du weisst das dein Gegner nur QQ+, AK auf die 3-Bet weiterspielt, dann reduzierst du seine Range massiv und zwar zu deinem Nachteil, wenn er vorher eine Range hatte, die du mit AQ dominiert hattest -> z.b. wenn du mit AQo im Button sitzt, dein Gegner rund 30% seiner Hände im CO eröffnet, aber auf eine 3-Bet nur mit QQ+, AK weiterspielt.


             Equity     Win     Tie
      BU    58.91%  56.72%   2.20% { AQo }
      CO    41.09%  38.89%   2.20% { 22+, A2s+, K9s+, Q9s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, A9o+, K9o+, Q9o+, J9o+, T9o }


      Solche Situationen sind prinzipiell ganz gut für einen Call geeignet, weil du so lauter dominierte Hände in der Range hälst von denen du Postflop MEHR gewinnen könntest als durch eine 3-Bet (die 3-Bet wäre in diesem Fall ein Bluff und würde nur auf der Foldequity aufbauen - das ist nicht unbedingt schlecht und grade für Anfänger und Fortgeschrittene tendenziell sogar empfehlenswerter, wenn ein Gegner zuviel folded).



             Equity     Win     Tie
      MP2    43.74%  43.02%   0.72% { 22 }
      MP3    56.26%  55.54%   0.72% { 22+, A2s+, K9s+, Q9s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, A9o+, K9o+, Q9o+, J9o+, T9o }


      Hände wie 22 oder JTs haben gegen diese Range eher nur grenzwertige Equity. Hier basiert der Sinn darin, dass man mit dem Preflopcall Postflop Geld gewinnst und zwar indem man dem Gegner

      a) das Set/Toppair oder so verkauft, wenn man tatsächlich den Draw hat

      b) den Draw verkauft, wenn man tatsächlich das Set, Toppair oder so hat

      Der GTO Ansatz den Trickshot da anspricht ist im Prinzip der Ausgangspunkt in dem du kein Geld gewinnen kannst und gleichzeitig kein Geld verlieren kannst. D.h. du solltest ein halbwegs gesundes Verhältnis zwischen Bluffs und Valuehänden haben.


      2. Wenn du Hände wie JTs oder Axs oder KQ callst, dann ist es häufig notwendig Postflop anders zu spielen als du bisher gelernt hast. Das ist darin begründet, dass dir bei solchen Coldcalls die Foldequity der Contibet fehlt (und ein nicht unwichtiger Anteil deiner Gewinne kommt durch Foldequity). D.h. du bist darauf angwiesen Hände zu gewinnen, die du eigentlich nicht gewinnen solltest (z.b. musst du in solchen Situationen mit Gutshots callen oder bluffraisen je nach Board und dem Gegner eine Handrange verkaufen bzw. wenn der Gegner dich nicht liest seine Tendenzen ausnutzen etc.)


      Prinzipiell kannst du eine Menge Hände coldcallen (sowohl IP als auch OOP), allerdings solltest du erstmal mit den etwas stärkeren anfangen und dich langsam nach unten tasten (grade wenn du nicht konstant Feedback bekommst, ob das was du da Postflop dann betreibst gut ist - grade wenn du OOP coldcallst, dann sind sehr lighte C/Raises und vermutlich auch viele Donkbets notwendig)

      3. Die Bluff 3-Bet. Genau wie deine Postfloprange willst du auch deine Prefloprange irgendwie balancen theoretisch, wenn du eine Hand wie 57s oder 56s oder K3s hast (sehr kleine suited connectors, die Postflop passiv extrem schwer zu spielen sind, weil du so häufig nur das 2nd oder 3rd Pair hast mit irgendwelchen Backdoors etc.), dann sind solche Hände manchmal geeignet für Bluff 3-Bets (hauptsächlich, wenn du Position hast). Manchmal wird dein Gegner doch mal callen mit so Händen wie 66 - JJ, AQs, KQ oder sowas und damit bist mit K3s nicht völlig verloren, 56s ist von dieser Range kaum berührt (d.h. wenn du z.b. Twopair oder 55x Boards triffst, dann kann der Gegner dich nicht so oft dominieren).
      Der Grund: Genauso wie du dem Gegner Postflop etwas mehr als Sets verkaufen willst, willst du dem Gegner Preflop etwas mehr als QQ+, AK verkaufen, wenn du 3-bettest.


      Frage an dich: Achten deine Gegner auf deinem Limit darauf was du am Tisch tust? Tendenziell wird die Antwort nein lauten und daher fällt der Balancingaspekt völlig raus. Relevant ist daher nur wie dein Gegner spielt und das du dagegen den profitabelsten Spielzug machst. Dein Gegner cbettet in 90% der Fälle, aber am Turn nur in 20%? Klar coldcalle ich viel und calle fast jede Flopbet, wenn ich auch nur den Hauch einer Equity habe - der Gegner checkt ja am Turn in 80% der Fälle zu mir. Warum also 3-betten mit T9s, wenn der Gegner dir am Flop eine weitere Bet gibt, um dann am Turn aufzugeben.

      3-Bets werden dann profitabler gegen diesen Spieler, wenn er zusätzlich noch oft auf 3-Bets folded - dann würde ich aber Hände mit weniger Postflopotenzial als T9s nutzen.

      Was ist mit Spielern, die Postflop Hände überspielen und deine Implied Odds mit Händen wie T9s extrem hoch sind? Auch dann werden Coldcalls interessanter, denn tendenziell haben Spieler, die Hände überspielen aggressive Tenzenden und T9s möchte nicht mit einer 4-Bet konfrontiert werden, wenn diese 4-Bet Range nicht grade supertight ist.


      4. Vor Coldcalls musst du die Tischbedingungen aussondieren.

      i) Fisch openraist, du sitzt im BTN und im SB und BB sitzen 2 Regs

      => in solchen Fällen ist es manchmal besser sehr light zu 3-betten, um mit dem Fisch einen HU Pot zu spielen

      ii) Spieler openraist UTG, du sitzt in UTG2, hinter dir kommen noch 6 Spieler dran und du hälst 89s. Tendenziell ist es ein Fold, weil du

      a) keine gute Equity gegen eine durchschnittliche UTG Openraisingrange hast


             Equity     Win     Tie
      MP2    39.27%  37.92%   1.35% { JTs }
      MP3    60.73%  59.39%   1.35% { 22+, ATs+, KTs+, QTs+, JTs, AJo+, KQo }



      (da sind 4% Equitydifferenz zwischen gegenüber der 30% Range) und du gegen diese Range Postflop viel seltener einen "Move" profitabel machen kannst, weil die Range halt viele gute Hände enthält (an FR Tischen ist selbst meine 10% Range hier viel zu weit gefasst, da würde ich eher von 7 oder 8% ausgehen).


             Equity     Win     Tie
      MP2    37.27%  35.75%   1.52% { JTs }
      MP3    62.73%  61.21%   1.52% { 66+, AJs+, KQs, QJs, JTs, AJo+, KQo }



      b) zig Spieler nach dir kommen und dich in eine Multiwaysituation verwickeln können in der du zwischen Preflopaggressor und den Spielern hinter dir einklemmt bist im Sandwich (das sind die schlechtesten Situationen, abgesehen vom SB :-D ).

      iii) Position ist Gold. Tendenziell ist es am besten, wenn du anfängst Coldcalls zu machen, wenn du

      a) den BU hast

      b) den BB hast und SB openraist

      Alle anderen Coldcallspots sind mit Problemen behaftet. Wenn du gegen ein BU Raise im SB callst, dann ist BB nach dir noch dran (und hat einen perfekten Squeezespot); sitzt du im BB gegen den BU, dann fehlt dir die Position und du musst es durch Postflopüberlegenheit ausgleichen etc.

      Du musst also schauen welche Faktoren dir Probleme bereiten können, wenn du Coldcalls. Eine Hand wie A6s ist im SB auf NL400 gegen einen BU Openraise wahrscheinlich uncallbar, wenn BB halbwegs was drauf hat und BU auch nicht grade eine Tröte ist. Auf passiveren Limits wird sie wahrscheinlich doch wieder callbar, weil BB deinen Coldcall nicht angreift; BU tendenziell nicht aggressiv genug Postflop sein wird etc. Auf passiven Limits hast du viele Möglichkeiten die Gegner so tanzen zu lassen wie du es willst, wenn du ihre Tendenzen einmal durchschaut hast - die Gegner sitzen nicht am Tisch und sind supergut, sondern meistens nur schwacher Durchschnitt.
    • Valyrian
      Valyrian
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 24.188
      du solltest definitiv mal ein Buch schreiben GM^^
      einfach mittels c&p deine epischen Beiträge aus dem Strategieforum zu einem PDF bündeln, sagen: das beste deutsche Pokerbuch - 50$ pro Stück (oder 500$ um den amerikanischen ebook Preisen nahezukommen^^) und du bekommst vermutlich sehr schnell einiges zusammen ;)
    • Skyhand
      Skyhand
      Global
      Dabei seit: 04.09.2006 Beiträge: 2.057
      Vom BU vs. CO open gefällt mir nach wie vor die "alte Schule", äußerst wenig zu coldcallen. Der Hauptgrund dafür ist, dass ein Coldcall nen super Squeeze Spot für die Blinds eröffnet. Da du normalerweise einiges 3betten würdest gegen ein CO open, "wissen" Regs in den Blinds ja, dass du meistens Müll hast wenn du nur coldcallst.
      Deshalb ist es übrigens v.a. in aggressiven Games oft ne gute Idee, in dem Spot AA und KK nur zu coldcallen, um damit ein Squeeze vom SB oder BB zu provozieren. Hab ich schon oft gesehn guten NL400+ Coaches, die machen das die ganze Zeit.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Die coldcallen AA und KK dort, um ihre Coldcallingrange zu protecten und nicht weil die Gegner soviel hirnlos 3-betten ;)

      Im übrigen eröffnet das für deine 3-Bettingrange auch ein erhebliches Problem, sie beinhaltet dann nicht mehr KK und AA ;)