So wars im Osten

    • SimonS79
      SimonS79
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2009 Beiträge: 968
      Weils anscheinend doch ein paar Leute interessiert und im Sinne der Völkerverständigung eröffne ich mal den Ostthread. Ich kopiere mal meinen Text aus dem ichbinaltthread hier rein weil ich ein fauler ossi bin und keine Lust hab alles nochmal zu schreiben :f_biggrin:

      hab gestern meinem kleinen Bruder ( 17) paar stories aus meiner Kindheit erzählt, wird jetzt hier ein wenig off topic, aber ich gebs mal zum besten.
      Ich bin zur Wende 10 Jahre alt gewesen und kann mich LEIDER an vieles aus der Zeit erinnern
      Was abends im TV geschaut wurde entschieden die Eltern, die Kinder mussten damit leben, denn wir hatten nur EINEN Fernseher.
      Wenn ich Raumschiff Enterprise (obv die originale Serie) verpasst habe, hatte ich deshalb den ganzen tag schlechte laune, es gab nämlich nicht die Mögllichkeit das irgendwo im netz zu streamen, dann hatte man PECH!

      Ich geh mal ein wenig zurück zur Wendezeit, glaube nur wenige hier haben das im Osten bewusst miterlebt, dann haben die Wessikinder hier mal was zu lachen.

      Unser erstes Westauto war ein 15 Jahre alter Opel für 9000 mark, mein Vater hielt das für ein Superschnäppchen, der Verkäufer lacht sich wahrscheinlich heute noch kaputt.

      Pizza war uns völlig unbekannt niemand konnte sich vorstellen das sowas schmeckt (nochmal zur erinnerung, ich war 10).
      Meine Erste Tafel milka hat 3 mark gekostet, ich hab sie mit meine beiden besten Freunden geteilt und sie war für uns wie das pure Ambrosia.

      Unsere erste Coppenrath und Wiese Torte haben wir gefroren gegessen, wir wussten nicht das man die auftauen muss und dachten das wäre eine Eistorte.

      Ich erinnere mich noch an das Entsetzen meiner Oma als die Mauer fiel, wir haben das zusammen im Fernsehen gesehen (sie hatte einen Farbfernseher, die alte Bonze ) sie konnte nicht verstehen das die leute alle in den Westen wollten wo obv alle drogensüchtig auf der Strasse lebten.

      Ich könnte noch soviel erzählen, aber das wäre vermutlich ein riesiger text und off topic. Es kommt mir vor als wäre das alles schon 100 Jahre her aber es war ein geile Zeit die ich da miterlebt habe und ich lache über viele Sachen noch heute.


      Über die DDR gibt es an sich eigentlich wenig zu erzählen was nicht schon in drölfzig dokus breitgetreten wurde, ich kann halt nur erzählen wie ich es als Kind erlebt habe, manche erinnerungen mögen nicht ganz korrekt sein, vielleicht kann mich jemand berichtigen der älter ist und sich besser erinnert.

      Das es keine Bananen gab ist ein Mythos, es gab sie nur nicht immer. Überhaupt gab es an obst und gemüse eben was gerade saison hatte, im Dezember gabs eben keine Erdbeeren und im Sommer nunmal keine Orangen ( ausser diese grünen kubanischen die heute niemand mehr kaufen würde).

      Der Essensplan richtete sich danach was es gab. Gab es schnitzelfleisch beim Fleischer, gab es am Wochenende Schnitzel oder was man halt ergattern konnte.
      Es ist tatsächlich so gewesen das es viele Dinge schwer gab, daher war man als Verkäufer jemand der allergrössten Respekt genossen hat, denn man konnte vielleicht was zum tauschen besorgen. Niemandem wäre es eingefallen sich beim Fleischer über wellige Wurst zu beschweren, sonst gabs eben zu Weihnachten kein Rouladen für solche Unkunden.

      Meine Mutter hat im "Delikat" gearbeitet, das war in der DDR sozusagen der Verkaufsolymp. Dort gabs dann sowas aufregendes wie Pfirsiche in der Dose ( 8 Mark) oder besondere Wurst. Das war auch der ort wo es gelegentlich Westprodukte gab, allerdings nur in der Theorie, normal ging sowas unter der Hand weg.

      Wenn der Ossi irgendwo eine Schlange gesehen hat, hat er sich angestellt, was es da gab hat niemanden interessiert, es war ganz sicher was besonderes. Als ich zur Schule kam wurde ich von meiner Mutter mal morgens losgeschickt brötchen holen. Ich kam zurück mit einer Wassermelone, denn als pfiffiger Jungossi hatte ich erkannt das es Brötchen immer gab, melonen aber nicht!

      In den Sommerferien sind so gut wie alle Kinder ins Ferienlager gefahren. Normalerweise so für 2-3 Wochen, das kostete so um die 20 Mark ( kanns nicht beschwören, war aber auf jeden Fall billig). Wer nicht dahingefahren ist war eine ganz arme wurst und wurde von allen bemitleidet.
      Wenn man was leckeres hatte war es standard das es geteilt wurde, wer seine schokolade ganz allein gegessen hat wurde verachtet weil er ein wirklich asozialer Mensch war :f_o:

      NIEMAND hatte ein Telefon, es wurde eigentlich alles per post erledigt oder man ist hingegangen wo man heute einfach anrufen würde.
      JEDER hat westfernsehen geschaut, abgesehen von ein paar ganz paranoiden vielleicht im Ostfernsehen kam nichts interessantes und Werbung für Traktoren hat auch niemanden dazu motiviert sich einen Traktor oder eine Melkmaschine zu kaufen :f_biggrin:

      Autos hatten bekannterweise nur wenige Leute, ein 20 jahre alter Trabant hat nicht weniger gekostet als ein neuer, einfach weil man keinen bekommen hat.
      Der Vater von einem Kumpel hat auf dem Schwarzmarkt ( ja den gab es) einen Lada ergattern können, für 100k mark ( die Ostmakr war vom Wert her für uns nicht anders als für westdeutsche die DM, das war kein kurs wie zsloty oder so). Der Mann hat sich gefreut wie ein Schnitzel, das war ein halbes Jahr vor der Wende, ein Jahr später hat er sich nicht mehr so gefreut :D

      Es war völlig normal das mindestens drei Leute in der klasse dasselbe T-Shirt hatten wie man selbst, sowas gabs eben schlecht. So kann es schonmal passieren das man wenn man aus dem Schwimmbad kommt auf einmal ein viel zu grosses shirt anhatte weil man aus versehen das von dem fettesten kumpel gegriffen hat der obv dasselbe motiv trug.

      Ich mach hier mal schluss sonst wirds zu lang, ich schreib sonst vielleicht noch wie wir als kinder die wende erlebt haben falls es interessiert ;)
  • 246 Antworten
    • FjodorM
      FjodorM
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2006 Beiträge: 11.238
      also ich war zur Wende 9 (Westler). Und zwei Fernseher gabs in meiner vierköpfigen Familie nicht bis ich mit 21 ausgezogen bin. Also das scheint mir nicht ein Los der Ossis zu sein :D

      Der Rest ist aber schon hart :s_grin:
    • Pansen1987
      Pansen1987
      Global
      Dabei seit: 16.11.2009 Beiträge: 3.599
      Edit by Nadine: Bitte unterlass so einen Umgangston hier!
    • SimonS79
      SimonS79
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2009 Beiträge: 968
      Ein Schwarzweissfernseher hat so um die 7000 Mark gekostet wenn ich mich recht erinnere. Farbfernsehen war sehr schwer zu bekommen und was mit fernbedienung undenkbar. Es hatte auch nicht jeder einen Fernseher, bisschen beziehung braucht man da schon :f_biggrin:
    • Qinii
      Qinii
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 03.01.2012 Beiträge: 29.852
      Habe gerade mit einem Lächeln deinen Post gelesen. Gern mehr. :s_grin:
    • AGGROFORST
      AGGROFORST
      Bronze
      Dabei seit: 26.04.2008 Beiträge: 3.805
      [x] booked

      Danke Simon für die Einlicke. Ich war beim Mauerfall 17 und Mangels Verwandschaft im Osten war die DDR für mich terra incognita.
    • cHaiNSawMasSacRe
      cHaiNSawMasSacRe
      Silber
      Dabei seit: 05.11.2011 Beiträge: 4.899
      Original von SimonS79
      Überhaupt gab es an obst und gemüse eben was gerade saison hatte, im Dezember gabs eben keine Erdbeeren und im Sommer nunmal keine Orangen ( ausser diese grünen kubanischen die heute niemand mehr kaufen würde).
      ...
      Der Essensplan richtete sich danach was es gab. Gab es schnitzelfleisch beim Fleischer, gab es am Wochenende Schnitzel oder was man halt ergattern konnte.
      ...
      In den Sommerferien sind so gut wie alle Kinder ins Ferienlager gefahren. Normalerweise so für 2-3 Wochen, das kostete so um die 20 Mark ( kanns nicht beschwören, war aber auf jeden Fall billig).
      ...
      Wenn man was leckeres hatte war es standard das es geteilt wurde, wer seine schokolade ganz allein gegessen hat wurde verachtet weil er ein wirklich asozialer Mensch war :f_o:
      würde der heutigen zeit gut tun, wenn einiges davon wieder in mode käme.

      in jedem fall: geilo bericht. :f_love: war leider etwas zu jung (6, ost) als die mauer fiel. kann mich also nich an so viel erinnern.

      bin gespannt auf weitere erfahrungen :heart:
    • Fantomas741
      Fantomas741
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 7.641
      Ich war immer auf Usedom im Urlaub und am Tante Emma Laden um die Ecke gabs immer lecker schoki für 2 Mark ^^
    • eroticjesus
      eroticjesus
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2009 Beiträge: 4.875
      Mein Vater war zu meiner Geburt im Knast, weil nicht systemtreu, damit ist alles gesagt, kann zu der Scheiß hier.
    • Osirius23
      Osirius23
      Bronze
      Dabei seit: 09.01.2008 Beiträge: 1.435
      War beim Mauerfall 6 Jahre alt...war eine meiner frühsten Erinnerungen

      Ich saß mit Papa vor dem Fernseher und wir haben die jubelnden Ossis angeschaut :heart: :heart: :heart:

      Mein Vater sagte nur: Jetzt kommen die ganzen Osis zu uns :facepalm:


      Und ich nur: ?(


      Jetzt erzählt er mir aber oft das alle aus dem Osten so nett sind :heart: :heart:
    • flashfy
      flashfy
      Bronze
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 5.241
      .
    • GermanEagle89
      GermanEagle89
      Bronze
      Dabei seit: 15.12.2007 Beiträge: 23.847
      Interessant ist eher, dass einer, der nur 10 Jahre im Osten gelebt hat, das Statement macht: So wars im Osten

      Ich kenne vieles nur aus Erzählungen von der Familie, aber in einigen Punkten klingt das schon übertrieben iwie.
    • GrunerR
      GrunerR
      Bronze
      Dabei seit: 20.12.2009 Beiträge: 23
      Solche Aussagen wie von Pansen1987 sind echt armsehlig
      und das 22 Jahre nach der Wende! Diese Feindseligkeit
      Innerhalb eines Volkes ist echt traurig aber leider immer
      wieder zu beobachten, gerade bei der älteren Generation
      oder Jugendlichen die eigendlich keine Ahnung haben können,
      Weil Sie zu der zeit noch nicht einmal geboren waren.

      Die Mauer ist fast ein viertel Jahrhundert Vergangenheit,
      Doch die Mauer in den Köpfen wird anscheinend von
      Generation zu Generation weiter vererbt.


      Ich persönlich sehe aber auch das es anders geht, durch
      mein Erstes Hobby neben Pokern bin ich viel in ganz
      Deutschland unterwegs und habe überall bekannte und
      Kollegen gefunden. Auch beruflich bin ich schon etwas
      rum gekommen, wo man sich aber öfter mal ein paar
      Spitzen gefallen lassen muss gerade von den älteren.
    • Dominik7
      Dominik7
      Bronze
      Dabei seit: 15.06.2006 Beiträge: 8.052
      markiert :f_grin:
    • buschips
      buschips
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 25.10.2010 Beiträge: 13.460
      Ich habe zur Geburt einen Trabi bekommen. Vielleicht wäre er dann rechtzeitig zum Führerschein geliefert wurden.

      Und ich habe 5 DM von einer Omi geschenkt bekommen, als wir kurz nach dem Mauerfall den "Westen" besucht haben. Da haben meine Eltern geguckt. :D
      Weiterhin noh Haufen Spielzeug abgefasst, das verschenkt wurde.
    • karofuenf
      karofuenf
      Bronze
      Dabei seit: 27.11.2007 Beiträge: 1.198
      schoener post simson, danke.

      wollte schon immer mal fragen, meine (west-)nachbarin behauptet sie waere vor der wende mehrfach mit dem wagen durch die zone bis nach ruegen gefahren um von dort mit der faehre nach daenemark ueberzusetzen, kann das sein?
    • Trixi85
      Trixi85
      Bronze
      Dabei seit: 10.01.2007 Beiträge: 1.719
      Original von karofuenf
      schoener post simson, danke.

      wollte schon immer mal fragen, meine (west-)nachbarin behauptet sie waere vor der wende mehrfach mit dem wagen durch die zone bis nach ruegen gefahren um von dort mit der faehre nach daenemark ueberzusetzen, kann das sein?
      ja, kann sein. imo gab es die verbindung sassnitz (oder neu mukran)/rügen -> rønne/bornholm schon vor der wende
    • SimonS79
      SimonS79
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2009 Beiträge: 968
      Original von GermanEagle89
      Interessant ist eher, dass einer, der nur 10 Jahre im Osten gelebt hat, das Statement macht: So wars im Osten

      Ich kenne vieles nur aus Erzählungen von der Familie, aber in einigen Punkten klingt das schon übertrieben iwie.
      Es sollte vielleicht richtigerweise heissen, so wars ALS KIND im osten. Ich maße mir auch nicht an zu behaupten das es in allen Punkten tatsächlich so war wie ich es empfunden habe. Ich kann und möchte auch zu dieser ganzen Geschichte von wegen alle waren eingesperrt und niemand durfte laut sagen was er gedacht hat nichts sagen, denn erstens habe ich davon nichts mitbekommen und zweitens würde das wieder eine endlose Diskussion lostreten das in der DDR alles schlecht war. Ich möchte auch gar nicht leugnen das da so einiges im Argen war, es geht mir nicht um romantische Ostverkläreung sondern einfach darum wie ich ( oder gern auch andere) das Leben in der DDR erlebt haben, offensichtlich geistern da viele falsche Vorstellungen herum.
      Was heisst ausserdem NUR 10 Jahre? Du erinnerst dich doch sicher auch an dinge aus deiner Kindheit oder fängt deine Erinnerung erst bei 10 an? ;)

      Sowas wie mein Vater war nicht systemtreu und im Knast ist bedauerlich, keine Frage, wenn man aber sowas hier zum besten gibt sollte man vielleicht die ganze Geschichte erzählen, es kam niemand ins Gefängnis nur weil er nicht in der Partei war. Wäre schon interessant was da war, finde es aber unfair das man gleich schreibt "kann zu der scheiss hier" nur weil man daran keine guten Erinnerungen hat.
    • GermanEagle89
      GermanEagle89
      Bronze
      Dabei seit: 15.12.2007 Beiträge: 23.847
      Ok, gut, dass du das nochmal revidierst :)

      Ne, klar erinnert man sich an vieles aus der Kindheit, aber es gleich auf das gesamte Leben in der DDR zu beziehen fand ich etwas komisch^^
    • Syton
      Syton
      Global
      Dabei seit: 06.06.2012 Beiträge: 52
      Ok, ich will dann auch mal:

      Also ich bin in West-Berlin groß geworden.
      Zur Zeit der Wende war ich 22 (´67 geboren)

      Meine Großeltern mütterlicherseits wohnten in Ost-Berlin in Mahlsdorf in einen Einfamilienhaus mit riesengroßem Garten.
      Dort habe ich die schönste Zeit meiner frühen Kindheit verbracht und war immer unendlich traurig, wenn´s wieder zurück nach Westberlin ging.

      In Westberlin fuhren 2 U-Bahnen (Linie 6 und Linie 8) von West-Berlin durch Ost-Berlin wieder nach West-Berlin. (Also in Wirklichkeit fuhren sie von Süden nach Norden).
      Die Ansage des Bahnhofspersonals lautete dann auch immer "Letzter Bahnhof in West-Berlin", obwohl man nach durchqueren der Ost-Bahnhöfe wieder im Westen war.
      An den Ost-Bahnhöfen (Geisterbahnhöfe) konnte man nicht ein- oder aussteigen. Die hatten nur so eine Notbeleuchtung und es standen immer 1 oder 2 Grenzposten mit Machienenpistolen da.
      Als 7 -10 jähriges Kind war das immer eine aufregnde Sache, man hing immer an der Scheibe und hat rausgeglotzt.

      In West-Berlin gab es an jeder 10. Ecke so eine Ausichtsplattform.
      Von dieser konnte man immer nach Ost-Berlin rüberschauen.
      Naja, wirklich viel hat man nicht gesehen, außer den Todesstreifen.

      Ich erinnere mich noch, ich war damals vielleicht 8 oder 9 Jahre, da haben 2 Freunde und ich von soeiner Plattform kleine Steinchen über die Mauer geworfen.
      Auf einmal ging eine Tür in der Mauer auf (diese Tür war von Westseite überhaupt nicht zu erkennen) und die Grenzsoldaten sind rausgekommen und haben uns verjagt. Man sind wir gerannt. Von diesem Zeitpunkt an haben wir nie wieder Steine über die Mauer geworfen.

      Also wenn ich jetzt zurückdenke, waren die 70er Jahre für ein Kind schon ne schöne Zeit.

      Ich könnte auch noch so viel erzählen.

      siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Geisterbahnhof
      siehe auch: http://www.gelbmann.de/Fotos_Berlin.php