LP gegen Blinds vs TAG

    • GrindoDingo
      GrindoDingo
      Gold
      Dabei seit: 28.02.2008 Beiträge: 1.833
      Hi,

      ich lese derzeit das Buch The Poker Blueprint, welches einige hier vielleicht kennen. Im Anfangsteil des Postflop Teils wird unter dem Allgemeinbegriff Continuation Bet das Spiel gegen einen TAG behandelt.

      Gegen einen TAG soll man alle dry Boards cbetten und alle wet Boards behind checken, wenn man nichts getroffen hat. Dies ist sehr logisch und auch klar. Nun kommen wir zu meiner eigentlichen Frage zu folgendem Beispiel:

      Ich openraise 4bb vom CO mit

      7 :heart: 5 :heart:

      und der Bigblind called meinen Openraise

      J :spade: 5 :club: 2 :diamond:

      auf diesem Flop setze ich eine cbet mit 2/3 Potsize an und werden auf das 3fache meiner cbet geraised, Villain hat hier also einen c/r gespielt.

      Laut dem Buch kann ich hier quasi nicht folden, weil Villain eine sehr kleine Value Range hat und meine Hand stark genug ist um weiterzuspielen. Seine stärksten Hände (JJ, 55, 22) würden auf diesem trockenen Flop wohl c/c spielen, wobei die meisten TAGS 55/22 preflop OOP weglegen und JJ wohl in diesem Spot 3betten würden. Diese Annahme bringt uns dazu, dass er seinen c/r mit AJ und QQ+ durchgezogen hat, wobei man wiederrum davon ausgehen kann, dass er QQ+ ge3bettet hätte.

      Meiner Meinung nach würde Villain hier AJ wahrscheinlich 3betten, aber alle anderen Jacks würde er hier Preflop nur flatten (KJ, QJ vllt JT). Weitere Hände mit denen er sein c/r durchziehen könnte wären 77-TT um mich mit jeder anderen Hand die keinen Jack enthält aus dem Pot zu vertreiben.

      Kann ich davon ausgehen, dass ich diese Gedankengänge auf den Micros vernachlässigen kann?
  • 4 Antworten
    • Woerni
      Woerni
      Bronze
      Dabei seit: 11.09.2006 Beiträge: 639
      Vorne weg, ich bein kein besonders guter Pokerspieler. Trotzdem würde ich mal meine Gedanken dazu kund tun.

      Ich spiele ziemlich tight und kann sagen, dass ich bestimmt 80%+ mit 22, 55, jj auch oop - in den Blinds - nach einem raise weiter spielen würde und zwar for value. Im SHC steht ja was von "mitgehen 20" und daran halte ich mich in der Regel. JJ würde ich wohl auch 3-betten.

      Wenn ich dann treffe, spiele ich in letzter zeit oft c/r da ich es vorher oft erlebt habe nach check/call auf dem Flop, auf dem Turn keine Bet mehr zu erwarten ist. Drum nehme ich den Pot lieber auf dem Flop mit bevor V auf Turn + River improved.

      Sind Gedankengänge eines Anfängers. ;) Aber ich lerne sehr gerne dazu. :)
    • GrindoDingo
      GrindoDingo
      Gold
      Dabei seit: 28.02.2008 Beiträge: 1.833
      Original von Woerni
      Vorne weg, ich bein kein besonders guter Pokerspieler. Trotzdem würde ich mal meine Gedanken dazu kund tun.

      Ich spiele ziemlich tight und kann sagen, dass ich bestimmt 80%+ mit 22, 55, jj auch oop - in den Blinds - nach einem raise weiter spielen würde und zwar for value. Im SHC steht ja was von "mitgehen 20" und daran halte ich mich in der Regel. JJ würde ich wohl auch 3-betten.

      Wenn ich dann treffe, spiele ich in letzter zeit oft c/r da ich es vorher oft erlebt habe nach check/call auf dem Flop, auf dem Turn keine Bet mehr zu erwarten ist. Drum nehme ich den Pot lieber auf dem Flop mit bevor V auf Turn + River improved.

      Sind Gedankengänge eines Anfängers. ;) Aber ich lerne sehr gerne dazu. :)
      Problem an der "mitgehen 20" Regel ist, dass sie stark veraltet ist. Früher hat man mit deutlichen tighteren Ranges gespielt un heutzutage kriegt man gegen LP Openraises kaum Payout mit Sets. Diese "mitgehen 20" Regel spiel ich nurnoch gegen UTG Openraises, da die Gegner hier eine viel tightere Openraising Range haben und ich dadurch viel mehr Payout für meine getroffenen Sets bekomme.
    • eroticjesus
      eroticjesus
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2009 Beiträge: 4.875
      Ich flatte kleine Pockets auch in den Blinds vs BU (NL200), allerdings nicht primär wegen setvalue, sondern ich turne halt manchmal in einen bluff postflop und bin mit kleinen pockets auch overall up deshalb.

      Zur Eingangsfrage: das ist auch alles eher readabhängig, im Blueprint steht halt nur drin, was der Regelfall ist, was heißt dass Villain da kaum eine Valuerange hat, weil du ja erkannt hast, dass overplay, oder raisen von sets in dem Spot nicht so gut ist, ausser ihr habt history und Villain fängt da an TPTK zu overplayen, weil er es denn obv for thin Value macht, oder aufgrund der History seine sets raist, keine Ahnung welches Limit du spielst, aber ein Microspieler raist seine guten Hände da einfach so, weil er es halt immer macht, ob das gut ist oder schlecht, steht nicht zur Debatte. Aber viele raisen diese boards auch, weil sie ein Level weiter denken und sich denken: "hey, der hat hier auch nicht oft getroffen ---> bluffraise.

      Daher ist hier oft ein call korrekter als man denkt, auch wenn die Hand sehr marginal scheint.

      Aber wie gesagt, es ist halt auch gegnerabhängig, einige Gegner haben dort in der Tat nur eine Valuerange, andere nutzen trockene Boards zum Bluffen (was meist falsch vs. thinking-player ist, ausser man geht gegen raise nochmal drüber -.-).
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Das "Problem" ist, dass im Blueprint ein Typ von Tag beschrieben wird, den du in den Microlimits nicht finden wirst.

      Ein Tag ist nach der Definition von Aaron ein Spieler, der sowohl Preflop als auch Postflop selektiv mit seinen Händen umgeht, allerdings sehr aggressiv vorgeht und Pötte gewinnen möchte. Du lernst hier in der Anfängersektion kein Tagspiel, sondern spielst (sehr) tight/passiv - d.h. du kannst nicht deine Maßstäbe als Tagspiel anlegen, wenn du dich hauptsächlich an der Anfängersektion orientierst.

      Ein wichtiger Punkt ist, dass du auf den Micros generell sehr wenige richtige Tags findest, sondern vor allem Spieler, die ihre Ranges in eine bestimmte Richtung extrem gewichten - die meisten regulären Spieler werden wahrscheinlich sehr wenige Hände spielen und sehr sehr wenig bluffen

      => d.h. ihre Ranges sind sehr toplastig

      Die anderen Spieler werden sehr weite Ranges spielen (zu weite) und diese entweder zu passiv oder zu aggressiv spielen.

      => d.h. ihre Ranges sind irgendwo zu weit und exploitbar


      Ein guter Tag kann ein J52r Board mit einer relativ weiten Range C/Raisen, weil er

      a) in der Lage sehr dünn zu valueraisen ist TT,Jx Hände zu C/Raisen

      b) sehr dünne Semibluffs macht

      => das schwierige bei einer solchen Range ist folgendes:

      Wenn du 75s hier hast, dann stehst du nach seinem C/R vor der superhässlichen Entscheidung, ob er grade ein besseres Pair als du hast oder A4 oder A3 oder KsQs. Seiner Range ist zwar weit, aber so "gebalanced", dass du mit 75s hier am allerliebste gar nicht erst cbetten würdest.

      Der durchschnittliche Microlimitreg hat aufgrund seiner Übertightness weder A4 noch A3 in seiner Range, noch wird er mit QJ hier C/Raisen. Dazu kommt (wie auch Aaron sagt, dass ein aggressiver Spieler QJ und JK manchmal 3-bettet - im Bigblind wird aber öfter gecalled, da niemand mehr squeezen kann; im SB würde das wahrscheinlicher werden). Der durchschnittliche Microlimitreg hat hier eine C/R Range, die extrem polarisiert sein wird -> zwischen AJ, 3 Sets und Air.
      Die einzige Frage, die du dir beantworten musst -> C/Raist der Microlimitreg überhaupt Air und jetzt kannst du dir deine eigene Strategie mal überlegen und wie oft du hier bluffst. Die meisten deiner Gegner werden vermutlich auch diesen Ansatz wählen.


      An einem bestimmten Level (das ist nicht NL10) werden deine Gegner und auch du erkennen, dass es in NLHoldem extrem schwer ist Made Hands zu treffen und das Spiel wird extrem aggressiv (das ist es auf den Micros nicht - wenn du denkst das du auf NL25 oft 3-bettet wirst oder reraist wirst, dann hast du noch nie NL1k gespielt ;) ) und die Leute probieren soviele Hände wie möglich zu gewinnen - das ist übrigens auch der Grund warum viele gute Spieler positive Redlines haben bis in die Midstakes -> sie kämpfen um Pötte und versuchen Schwäche beim Gegner anzugreifen. Wenn da jemand im Bigblind sitzt und 80% seiner Hände folded, dann wird der BU wahrscheinlich zu 100% geraist.
      Du wirst Postflop mit B/F Lines in vielen Situationen hoffnungslos verloren sein, weil deine Gegner anfangen zu (semi)-bluffen, wenn sie eine Valuerange repräsentieren. Deine Gegner werden schlichtweg schwieriger zu durchschauen und dadurch schwieriger zu spielen.