SH Fishe exploiten?

    • tobyy321
      tobyy321
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2012 Beiträge: 226
      Hi,

      ich hab mal eine Frage und zwar überlege ich mir grade eine Openraisingrange für SH (spielte bis vor kurzem FR) nun habe ich etwas aufgelockerte Range gewählt und habe die mal getestet. Ergebnis: Schlecht, spiele zu wenige Hände und blinde dadurch runter.

      Nun kommt mein Anliegen, wenn ich jetzt die Range noch mehr aufloose, exploiten mich doch die Spieler bzw. die Fische am Tisch extrem. Ich mein selbst ein Fisch wird irgendann mal rausfinden, dass er mein CO Openraise mit vielem 3betten kann, worauf ich dann folden muss?!

      Wie handelt ihr das denn? Insbesondere würde mich mal euer PFR für Shorthanded interessieren..


      Grüße
  • 17 Antworten
    • shorshi
      shorshi
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2010 Beiträge: 4.476
      Original von tobyy321
      Hi,

      ich hab mal eine Frage und zwar überlege ich mir grade eine Openraisingrange für SH (spielte bis vor kurzem FR) nun habe ich etwas aufgelockerte Range gewählt und habe die mal getestet. Ergebnis: Schlecht, spiele zu wenige Hände und blinde dadurch runter.

      Nun kommt mein Anliegen, wenn ich jetzt die Range noch mehr aufloose, exploiten mich doch die Spieler bzw. die Fische am Tisch extrem. Ich mein selbst ein Fisch wird irgendann mal rausfinden, dass er mein CO Openraise mit vielem 3betten kann, worauf ich dann folden muss?!

      Wie handelt ihr das denn? Insbesondere würde mich mal euer PFR für Shorthanded interessieren..


      Grüße
      Genau das ist ja die Kunst beim Pokern... Dynamiken am Tisch lesen und verstehen, readen, backplayen, adapten.
      Deine Grundannahme halte ich aber für sehr gewagt... Viele Fische spielen ihr starres System, unabhängig von Villain (also hier Hero)... Jemand, dessen gameplan is nur QQ+, AK zu 3betten ums zu broken, wird das nicht ändern, nur weil du statt 24% jetzt 29% am CO openesd... (Wie gesagt wir reden hier von den Fischen)

      ka ob du mit der antwort jetzt so viel anfangen kannst^^
    • bobbels
      bobbels
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2009 Beiträge: 153
      Könnte ein kleines Anfänger Coashing anbieten ....
    • tobyy321
      tobyy321
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2012 Beiträge: 226
      Original von bobbels
      Könnte ein kleines Anfänger Coashing anbieten ....
      Für SH? würde ich gerne wahrnehmen bin ziemlich planlos im moment
    • Apsalar
      Apsalar
      Gold
      Dabei seit: 25.01.2008 Beiträge: 1.900
      Original von tobyy321
      Ich mein selbst ein Fisch wird irgendann mal rausfinden, dass er mein CO Openraise mit vielem 3betten kann, worauf ich dann folden muss?!

      Grüße
      Ich glaube, da überschätzt du die Fishe! ;-)

      Wie sehen denn deine OR-Stats aus?
    • bobbels
      bobbels
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2009 Beiträge: 153
      ok, gerne....

      kannst mich bei skype adden: fabsaufskype
    • tobyy321
      tobyy321
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2012 Beiträge: 226
      Ich hab leider noch keine Samplesize, hab erst 1200Hände gespielt. Falls es dich trotzdem interessiert 19/15/3/ WTSD 28% / Won 60%
    • tomsnho
      tomsnho
      Silber
      Dabei seit: 24.11.2006 Beiträge: 7.565
      Fische exploiten dich ziemlich sicher nicht mit lighten 3bets gegen eine große CO-Raising-Range.

      Das machen wenn dann Regs und bis NL25/NL50 auch nur die Wenigsten. Also mach dir keine großen Sorgen, dass die Leute dich dauer3betten.


      Wie die Fische exploitest, hängt sehr stark davon ab welche Sorte von Fisch Villain ist. Stations exploitest dadurch, dass mit Valuehänden groß durchbettest. Maniacs exploitest, indem Hände runtercallst, die gegen viele andere Gegner schon aufgegeben hättest. Und gegen Leute die Preflop zwar alles Mögliche allen, postflop aber HitOrFold spielen (60%++ FoldToCbet) kannst IP alles Mögliche raisen (aber: Gegner hinter dir beachten!) und mit einer 1/2 - 2/3 Cbet regelmäßig den Pot am Flop mitnehmen.

      Wie du konkret am Tisch den/die Fisch(e) exploitest, musst dir jedes Mal aufs Neue überlegen - und auch Dinge wie die anderen Gegner, die Stacksizes usw. in deine Überlegungen miteinbeziehen.
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von tomsnho
      Fische exploiten dich ziemlich sicher nicht mit lighten 3bets gegen eine große CO-Raising-Range.
      Das ist der entscheidende Punkt.

      Wie definieren wir denn bei dieser Thematik "Fisch"?

      In erster Linie beziehen wir uns dabei doch auch loose-passive Spieler, auf Calling Stations, auf Gegner die da mit 60/0 rumlaufen und jeden Schrott callen.

      Dagegen wollen wir durchaus viele Pötte spielen, aber immer auf Equity/Playability achten weil wir Postflop häufig mit einer "Standard-Cbet" ohnehin nicht viel Foldequity erreichen.

      Dort musst du ansetzen und überlegen wie du die Pots Postflop spielst (eher light for Value betten, wenig (semi)bluffen, wenn du aber bluffst auch mal über mehrere Streets etc.).

      Aber solch ein Fisch wird doch nicht mit lighten 3-bets antworten? Warum sollte er, du openraist da ja nun keine 100%?

      Bei den meisten dieser Spieler geht es doch nur darum dass sie den Flop sehen wollen um zu hitten. In diese Spielweise sind sie verliebt und davon werden sie auch kaum abweichen.

      Es passt da gar nicht in ihr Spiel nun auf einmal viel zu 3-betten und damit komplett neue für sie unbekannte Spots zu erschaffen.


      Arbeite lieber am Postflop-Play und lass die Hände in den HB-Foren kontrollieren, das wird am meisten bringen. Und da kannst du ja Beispiele zeigen wo tatsächlich eine Calling Station nun der Meinung ist dich durch 3-bets zu exploiten. ;)
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich würde noch einen Schritt weitergehen und den Fisch nicht als Fisch bezeichnen, sondern als Mitspieler (warum wird gleich klar).

      1. Jeder Spieler am Tisch verfolgt eine bestimmte Gewinnstrategie, die sich aus seiner persönlichen Überzeugung ergibt.

      Viele Freizeitspieler werden in der Regel eine irrationale Gewinnstrategie verwenden, die sich hauptsächlich aus ihren persönlichen Erfahrungen und Meinungen ergeben wird. D.h. sie werden nicht hergehen und eine bestimmte Hand so und so spielen, weil der theoretische Erwartungswert maximal ist, sondern sie werden bestimmte Hände häufig nach bestimmten Mustern spielen.

      Diese Muster sind die Folge ihrer Erfahrung. Wenn wir z.b. mal die Psychologie einer Callingstation durchleuchten, dann möchte dieser Spieler mit einem Paar immer in Richtung Showdown, weil er annimmt (häufig sogar nur sehr indirekt), dass er geblufft wird.

      2. Es ist daher extrem wichtig, dass du nicht alle Spieler über einen Kamm scherst, sondern eine Unterteilung vornimmst.

      tomsnho hat eine sehr grobe Unterteilung vorgegeben, die sich jedoch im Idealfall noch sehr verfeinern lässt. So kannst du den Maniac z.b. noch differenzierter betrachten und nicht nur den Calldown als mögliche Konterstrategie wählen, sondern gegen Maniacs die zuviel bluffen auch selber eine Bluffstrategie wählen.

      3. Jetzt ist es so, dass DU höchstpersönlich überhaupt in der Lage sein musst einen schlechten Spieler zu exploiten. Es ist vielleicht ganz nett, wenn ich dir erzähle, dass Spieler X,Y und Z schlecht spielt und Leaks A, B und C hat.

      => du musst jedoch verstehen warum diese Leaks ein Problem darstellen und wie du diese Leaks möglichst effizient angreifen kannst.


      Der Angriff einer Callingstation ist im ersten Ansatzpunkt z.b. relativ einfach - du nimmst Hände mit Showdownvalue, die gegen seine Callingrange vorne sind und valuebettest sie. Du bluffst diesen Gegner wenig/gar nicht, weil er nicht/selten folden wird und Bluffs sehr teuer werden. Die meisten Ansätze gehen auch davon aus, dass du Preflop eine sehr starke Rangeselektion betreibst.

      Mit den Jahren hat sich das aber geändert und das Ziel ist es mittlerweile geworden möglichst viele marginale Situationen einzugehen, weil es im Verhältnis zu halbwegs soliden Spielern immer weniger richtig schlechte Spieler gibt. D.h. man möchte mit möglichst vielen Händen in einem Pot mit einem schlechten Spieler verwickelt sein. Das bedingt aber

      i) das du mit diesen Händen eine Skilledge generieren kannst

      ii) MEHR gewinnst als mit einem anderen Ansatz


      => grade für Microlimitspieler ist dieser Ansatz überhaupt nicht so gut geeignet, weil sie sich in zig marginale Situationen verstricken, die sie mit ihrem Handwerkszeug noch nicht lösen können UND häufig gibt es auf den Limits (grade SH) noch genug schlechte Spieler.


      Ich habe jetzt den Vorteil, dass ich mir dein Video angesehen habe (und leider noch nicht kommentieren konnte :( ) - man sieht dort ziemlich gut, dass du völlig im Tunnel spielst. D.h. du wählst das andere extrem und gehst den schlechten Spielern quasi völlig aus dem Weg. Und der Grund ist simpel: Du identifizierst sie überhaupt nicht.


      => die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. D.h. du willst deinen Fähigkeiten entsprechend in günstigen Situationen anfangen mit schlechten Spielern profitable Situationen erzeugen. Dafür musst du drei Dinge tun:

      i) die Schwachstelle des Gegners erkennen

      ii) den Gegner in eine Situation verwickeln in der seine Schwachstelle ein Problem darstellt für ihn

      iii) eine Handlung durchführen, die genau diese Schwachstelle zu seinem Nachteil (und deinem Vorteil) manipuliert


      Das klingt jetzt irgendwie alles ganz abstrakt, aber mal ein ganz einfaches Beispiel:

      Du hast einen loose/passiven Spieler vor dir, der IMMER Preflop called und er called auch jetzt im CO wieder seinen BB. Du hälst jetzt AA und bisher hast du wahrscheinlich irgendeine 4BB + xBB pro Limper Strategie verfolgt.

      Du weisst jetzt aber

      i) das dein Gegner eine Schwachstelle hat -> er called IMMER

      ii) du verwickelst ihn durch einen Isoraise in eine Situation, die ein Problem für ihn darstellt.

      iii) Anstatt jetzt aber auf 5BB zu raisen wie du es gegen einen unbekannten Spieler z.b. tun würdest, isoraist du jetzt auf 10BB oder 20BB, weil dieser Spieler sowieso called.

      => du schlägst also aus einem "Fehler" des Gegners (in dem Fall das er ZUVIEL called) Profit indem du ihn MEHR bezahlen lässt.



      Ich denke das System dahinter ist jetzt klar geworden erstmal.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich doppelposte jetzt, weil es sonst zu unübersichtlich wird:

      Neben Manipulation von Betsizegrößen gegen sehr schlechte Spieler (du musst nicht nur overbetten, du kannst auch Underbets nutzen z.b. wenn du es angemessen empfindest für Semibluffs z.b.), kannst du sogenannte Rangemanipulation betreiben.

      D.h. du greifst mit bestimmten Händen die Range deines Gegners an. Dazu ein simples Beispiel:

      Spieler A ist ein Spieler, der sehr viel folded

      Spieler B ist ein Spieler, der sehr wenig folded

      Du hälst KQ auf Q343r und kennst die Range deiner Gegner (sie haben zufälligerweise die gleiche Range):

      AQ, A4s und TT

      Wenn du diese Range im Equilab eingibst, dann siehst du, dass du dagegen vorne liegst knapp:


      Board: Q:heart: 3:spade: 4:diamond:  3:heart:
             Equity     Win     Tie
      MP2    52.97%  51.37%   1.60% { KQs, KQo }
      MP3    47.03%  45.42%   1.60% { TT, AQs, A4s, AQo }


      Jetzt stellt sich die Frage, ob du hier setzen oder checken sollst und hier kommt wieder das oben erwähnte Schema zur Anwendung.

      Spieler A:

      i) seine Schwachstelle ist das er am Turn zuviel folded

      ii) ein Problem wäre für ihn, wenn du entsprechend setzt (da er TT und A4s folded)

      iii) da du jedoch KQ hälst ist eine Bet nicht sinnvoll, weil du gegen seine Range grade vorne bist und mit einer Bet alle Hände aus dem Pot beförderst die du schlägst und dich gegen eine bessere Hand isolierst.

      Hättest du jedoch eine andere Hand (die gegen ihn am Turn nicht vorne wäre), dann hättest du einen Anreiz zu setzen, weil dieser Gegner so oft folded (und du aufgrund der Foldequity gewinnst)

      => d.h. du nutzt seine Schwachstelle aus indem du am Turn MEHR bettest (und zwar als Bluff)

      Spieler B:

      i) seine Schwachstelle ist das er am Turn zuwenig folded

      ii) ein Problem ist für ihn daher, wenn du entsprechend setzt

      iii) da da er nie folded gewinnst du mit einer Bet gegen ihn Geld, da du gegen seine Callingrange vorne liegst

      => d.h. du nutzt seine Schwachstelle aus indem du am Turn vermehrt Hände setzt, die seine Range schlagen (eine Hand wie Q8s z.b. wäre in diesem Fall eine einfache Valuebet


      Board: Q:heart: 3:spade: 4:diamond:  3:heart:
             Equity     Win     Tie
      MP2    52.94%  51.34%   1.60% { Q8s }
      MP3    47.06%  45.45%   1.60% { TT, AQs, A4s, AQo }



      Auffällig ist, dass du irgendwas immer mehr MEHR machst bisher als du es normalerweise tun würdest, weil dein Gegner selber etwas zuviel macht (bzw. zuwenig macht).


      Du musst dir das ganze im Prinzip vorstellen wie eine Waage. Im Gleichgewicht der Waage spielt dein Gegner perfekt und macht keine Fehler - bei den meisten Spielern ist diese Waage aber im Ungleichgewicht und eröffnet daher Spielraum für Fehler. Deine Aufgabe ist es diese Fehler zu finden - dadurch gewinnst du.


      D.h. um "Fische" zu exploiten musst du verstehen wie der Spieler denkt, seine Schwächen identifizieren und verstehen wie du diese Schwäche zu deinen Gunsten nutzt. Es gibt leider im Internet fast überhaupt keine schriftliche Literatur wie man schlechte Spieler richtig krass exploitet - daher ist es wichtig, dass du dir hier selber dein Hirnschmalz anwirfst.

      ---------------------------------------------------------------------------------------

      Jetzt wird jede Aktion, die du tätigst eine Reaktion mit sich bringen. Schwache Spieler verfolgen (zumindest solange sie nicht tilten) eine statische Strategie in den meisten Fällen. D.h. sie interessieren sich (genausowenig wie du dich bisher für die Spieler um dich rum interessiert hast - ich hoffe das änderst du jetzt) nicht für das was um sie rum passiert, sondern spielen ihren Stiefel runter. Das ändert sich in den meisten Fällen auch nicht, wenn du anfängst sie gezielt anzugreifen.

      Bsp:

      Du hast einen Freizeitspieler, der typische "Regfish"-Stats hat (30/12 oder so sind das meistens). Diese Spieler sind nicht unendlich schlecht in der Regel, aber auch nicht besonders gut. Du findest heraus, dass er bisher JEDE deiner 3-Bets gecalled. Du denkst dir jetzt:" Hmm was tun? ".

      Häufig habe ich in Coachings erlebt, dass nicht MEHR 3-bettet wurde, sondern tendenziell eher noch weniger. Der Grund? Der Gegner folded ja sowieso nie.

      Hier kommt jetzt die Idee zum tragen, dass ein Gegner der nicht folded doch gut ist. Eine Hand wie AQ oder AJ oder KQ wird plötzlich 3-betbar, weil dieser Spieler nicht folded. Die Idee:


             Equity     Win     Tie
      MP2    45.60%  42.14%   3.46% { 22+, A2s+, KTs+, QTs+, J9s+, T9s, ATo+, KQo }
      MP3    54.40%  50.94%   3.46% { AQs, AQo }


      Diese Range stellt sowohl seine Openraisingrange als auch seine 3-Bet Callingrange dar. Aufgrund der Tatsache das dieser Spieler ZUVIEL called, kannst du jetzt anfangen wieder nach dem Schema vorzugehen:

      i) der Gegner called zuviel -> Schwachstelle

      ii) er hat geraist und du könntest ihn reraisen -> Schwachstelle angreifbar

      iii) du hast eine Hand, die gegen ihn vorne ist UND du kannst ihn in eine HU Situation verwickeln (in der du zusätzlich noch Position hast, wenn du z.b. im BU bist)

      => du greifst ihn also an indem du ihn ÖFTER 3-bettest


      Beispiel 2:

      Du hast einen Spieler, der mit 16/12 unterwegs ist und du hast herausgefunden, dass er OOP auf 3-Bets nur mit AK und QQ weiterspielt. Dieser Spieler openraist aus dem CO seine Range

      22+,A2s+,KTs+,QTs+,J9s+,T9s,ATo+,KQo und du hast eine X.

      i) der Gegner folded zuviel -> Schwachstelle

      ii) er hat geraist und du könntest ihn reraisen -> Schwachstelle angreibar

      iii) du hast irgendeine Hand und 3-bettest ihn, weil er sowieso immer folded

      => du greifst ihn also an indem du ihn öfter 3-bettest


      Es ist wahrscheinlich etwas seltsam im ersten Moment, dass du sowohl die Callingstation als auch den Rock mit der gleichen Adaption angreifst. Entscheidend ist hier aber letztendlich die Auswahl der Hände; ersteren greifst du mit einer reinen Valuerange an und beim zweiteren ist es völlig gleichgültig was du hälst.


      Was jetzt noch entscheidend ist:

      Wenn du selber eine Adaption machst und etwas ÖFTER machst, dann machst du etwas anderes relativ dazu betrachtet SELTENER. D.h. wenn du eine Callingstation ÖFTER valuebettest, aber ansonsten immer noch soviel bluffst wie vorher, dann bluffst du relativ zu deiner Valuerange weniger.

      => deine persönliche Waage verändert sich als auch und zwar in Abhängigkeit der gegnerischen Gewichtung der Waage. Grob gesagt: Du machst immer genau das Gegenteil von dem was dein Gegner tut.

      i) dein Gegner folded zuviel -> du bluffst mehr

      ii) dein Gegner called zuviel -> du valuebettest mehr

      iii) dein Gegner ist Phil Ivey -> du stehst vom Tisch auf



      Vielleicht wird dir nach diesen beiden Posts jetzt deutlicher was ein Leak darstellt und wie du ein Leak angreifen kannst.


      Cliffnote bzw. Kernbotschaft: Es reicht nicht aus nur einen Spieler als schlecht zu identifizieren (d.h. die bloße Erkenntnis das der Gegner 70/10 spielt), sondern du musst auch wissen wie du diese Schwachstelle angreifst.

      Ich häre z.b. häufig, dass der Gegner ja ein Fisch ist und man gegen ihn zu gewinnen hätte gefälligst. Der Gegner verfolgt eine individuelle Strategie und diese Strategie hat genausoviel "Recht" zu gewinnen, wie deine Strategie ;) Deine Strategie muss erstmal besser sein, um gegen die Strategie deines Gegners überhaupt gewinnen zu können.

      Ich hab vor 2 Tagen ein Video gesehen bzw. überflogen. Q8s auf T74dd war die Situation gegen einen eher passiven und callfreudigen Spieler. Wie oft sehe ich grade Anfänger diese Boards wild cbetten mit der Begründung "der Gegner könnte ja dies und das folden". Wenn man mal so recht drübernachdenkt, dann könnte er das natürlich tun. Seine Strategie ist aber sich Turns und Rivers anzugucken und wenn du eine Hand hälst, die abgesehen von ein paar Backdoors nicht so richtig viel zu melden hat, dann ist die richtige Strategie ihn nicht NOCH mehr zu bluffen, sondern weniger zu bluffen und MEHR zu valuebetten.
      Natürlich könnte man jetzt sagen: " Ja aber ich kann ja einfach 3x bluffen und dann folded der Gegner am River bestimmt". Klar kann man so argumentieren, aber es ist nicht ohne weiteres möglich bei Spielern mit weiten Ranges herauszufiltern wie oft sie was und wann folden. Dafür braucht es häufig eine Historie mit diesem Spieler und genau diese baut man in den Microlimits oft gar nicht auf. Da stammt auch der Spruch her "Never bluff a fish" - und du solltest jetzt wissen wieso in diesem Spruch überhaupt keine Wahrheit enthalten ist ;)
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Dritter Post ;p

      Ich würde mir erstmal überhaupt keine Gedanken darüber machen, ob einer deiner Gegner das durchschaut was du da betreibst, weil du damit annehmen würdest, dass dein Gegner ein dynamischen Spielansatz betreibt.

      Natürlich spielst du nicht in einem Vakuum in dem nur du existierst als dynamische Einheit und deine Gegner eine statische Einheit darstellen. Dinge wie Veränderung des Spiels aufgrund von Tilt oder eine offensichtliche Anpassung (z.b. der Rock, der jetzt plötzlich anfängt Hände wie AQ oder KQ zu callen) solltest du natürlich berücksichtigen. Ich würde aber nicht aus deinen Handlungen zwangsweise eine dynamische Reaktion deiner Gegner erwarten.

      Beispiel:

      Du 3-bettest jetzt das dritte mal nacheinander den Rock und jetzt 4-bettet er. Du könntest natürlich annehmen, dass er weiss das du ihn jetzt 3x nacheinander 3-bettest hast und er weiss das seine 4-Bet stark aussieht und jetzt blufft er. Geh auf eine ganz grundlegende Ebene: Der Gegner ist ein Rock und seine 4-Bets sind keine Bluffs. Punkt und Ende.

      Du solltest einen trifftigen Grund haben anzunehmen, dass dein Gegner sich an dich angepasst hat und grade in den Micros wird das nur sehr selten passieren. Das liegt primär daran, dass jeder hauptsächlich mit seinem eigenen Spiel beschäftigt ist und alles um ihn herum nicht wahrnimmt ;)


      Edit: Ich hab übrigens kein Video von OP gesehen - ich hatte grade noch irgendwie einen anderen Thread offen und habe da wen vertauscht ;p
    • yinpin
      yinpin
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2011 Beiträge: 951
      Ghostmaster :f_thumbsup:
    • Apsalar
      Apsalar
      Gold
      Dabei seit: 25.01.2008 Beiträge: 1.900
      Original von yinpin
      Ghostmaster :f_thumbsup:
      Signed! ;-)
    • tobyy321
      tobyy321
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2012 Beiträge: 226
      Tolle Zusammenfassung ghostmaster! Ich werde das mal üben :]

      Grusse
    • pocketquads
      pocketquads
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2007 Beiträge: 3.639
      Fantastischer Thread! :heart:
    • bobbels
      bobbels
      Bronze
      Dabei seit: 10.02.2009 Beiträge: 153
      @ghostmaster: da könnte man nen Video draus machen ... :)

      @alle: Nach meinem kleinen Coashing mit toby kann ich nur sagen, dass ich niemals erwartet hätte, dass ein NL4 "Fisch" (not srsly toby) sich schon so viele und GUTE Gedanken über Ranges etc. macht...RESPEKT toby und "no value in poker" ;)
    • tobyy321
      tobyy321
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2012 Beiträge: 226
      Original von bobbels
      @alle: Nach meinem kleinen Coashing mit toby kann ich nur sagen, dass ich niemals erwartet hätte, dass ein NL4 "Fisch" (not srsly toby) sich schon so viele und GUTE Gedanken über Ranges etc. macht...RESPEKT toby und "no value in poker" ;)
      Thx :f_love: wenn wir mal mehr zeit hätten würde es auch öfter klappen ;(