Analyse der Cbettingfrequenzen Headsup am Flop

    • MyLady17
      MyLady17
      Black
      Dabei seit: 11.03.2007 Beiträge: 7.992
      Heute mal ein Thread mit einigem Input und noch mehr Fragen :P

      Villain ist Unknown:

      1. Fall: Wir sind MP2 raisen mit 66+, A8s+, KTs+, QTs+, JTs, T9s, ATo+, KJo+

      im 2. Fall: Wir sind am Button und raisen mit 22+, A2s+, K2s+, Q4s+, J6s+, T6s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A2o+, K7o+, Q7o+, J8o+, T8o+, 98o, 87o, 76o

      Villain callt und der Pot ist 4,5 SB groß. Villain checkt und bekommt auf unsere Bet 5,5:1 Pot Odds. Das führt dazu, dass wir, damit wir 100% cbetten können um ein optimales Valuebet/Bluffverhältnis zu haben, 84.6% oder mehr unserer Range Valuebets sein müssen. Sonst haben wir anteilig bei 100% cbet zu viele Bluffs in der Range. Villain bekommt einen profitablen check/raise bei 2,5:1 Odds. Bet/folden wir am Flop mehr als 28,6% der Range, ist für ihn ein check/raise als Bluff profitabel. Betrachten wir nun mal ein Board wie Q33 rainbow.

      Gegen die MP2 Range würde eigentlich nur T9s direkt auf einen check/raise folden, viele peelen wir wohl nochmal mit JT in der Hoffnung auf ein Pair oder einen K oder eine 9. KJs, KTs und KJo werden hier meist auch nochmal callen. Selbst wenn KJs-KTs, JTs, T9s, KJo foldet, beträgt die Foldequity am Flop nur 15,73%, ein Bluff würde also frühestens am Turn oder River profitabel sein, wenn Villain hier in der Lage ist seine Ax Bluffcatcher zu folden (ich schließ aus der Betrachtung mal aus, dass Kx durchaus auch Bluffcatcher sein können)

      Gegen die BU Range sieht das Ganze schon anders aus.

      K8s-K2s, J9s-J6s, T6s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, K9o-K7o, Q9o-Q7o, J9o-J8o, T8o+, 98o, 87o, 76o könnte hier direkt folden (244 Kombos)

      Die direkte Foldequity wäre in diesem Fall also 38,24%, fast 10% über dem Wert für den es für Villain profitable ist any2 zu check/raisen (natürlich im Vakuum betrachtet)

      Folglich ergibt sich daraus für mich, dass wir bei weiten Ranges eine check behind Range am Flop haben sollten. Kobeyard bezieht sich in seinem Artikel ja ausschließlich auf Headsup, aber für 6max gelten die Gesetzmäßigkeiten ja auch. Dort wird auch sehr gut erklärt, welche Hände sich warum dafür eignen.

      Meine Fragen dazu:

      1. Wenn ich ungebalancte cbetting-Frequenzen bei Villain entdecke, mit welchem Teil meiner Defendingrange attacke ich solche Boards? Klar ist nur, dass ich bei 100% passiven Defends mehr Bluffs in der Range haben muss, weil ich mir das obere Ende meiner Range preflop nicht selbst abschneide.

      2. Wie mache ich das Ganze OOP? (SB vs BB, ich im SB). Da muss ich theoretisch das Ganze durch checks balancen (?), das finde ich in der Praxis allerdings sehr schwer. Ich bin dauernd im SB in Spots wo ich mir denke, dass Villain FE gegen meine halbe Range hat, aber dies auf meinem Limit zum Glück nicht so ausgenutzt wird wie es theoretisch möglich wäre.
  • 5 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.651
      Bei einer Contibet gibt es mehrere Faktoren:

      1. wie gut ist unsere Equity?
      2. wie gross ist die Chance, den Gegner zum folden zu bekommen?
      3. wie gross ist die Gefahr, dass der Gegner uns attackiert?


      1. Je besser unsere Equity, desto grösser können wir den Pot machen. Wenn wir einen Vorteil haben, machen wir Gewinn mit jeder Bet, die in den Pot kommt, vorausgesetzt, der Gegner ist bereit, zu bezahlen. Das gilt vor allem mit Händen, die ein Paar getroffen haben. High Cards haben das Problem, dass sie auf vielen Boards keine so tolle Equity mehr haben, wenn der Gegner checkraist. Das hängt von der Boardstruktur ab.

      2. Es ist in Ordnung, wenn der Gegner unsere starken Hände nicht jedesmal auszahlt. Dann ist er nämlich in der Lage zu folden, wenn wir einmal eine schlechte Hand haben. In dem wir unsere starken Hände betten, bekommen wir Foldequity für unsere schlechten Hände. Besitzen wir Foldequity, dann ist es meistens gut, die Contibet zu setzen. Besitzen wir keine Foldequity, dann werden wir unsere Range splitten müssen und nicht zu 100% contibetten.

      3. Je weniger der Gegner uns attackiert, desto weniger müssen wir folden. Unsere guten und mittelmässigen Hände haben dann keine Probleme und mit den schlechten sehen wir immerhin die Turnkarte und oft auch die Riverkarte für eine SB. Erst wenn uns der Gegner oft angreift, müssen wir überlegen, was gut für uns ist.

      Sollte der Gegner oft angreifen, dann profitieren unsere starken Hände, da wir aus ihnen maximalen Value ziehen können (+3 BB oder mehr nach dem Flop). Hände mit Showdownvalue profitieren um so mehr, je mehr Bluffes in der Range des Gegners sind. Hände mit wenig Showdownvalue haben offensichtlich ein Problem, es sei denn, es wird durch Foldequity auf dem Flop ausgeglichen (Gegner spielt checkraise oder fold).

      Auf einem Q33 Board kann ein Angreifer nicht sonderlich viel repräsentieren. Ein solches Board lädt scheinbar zu Bluffes ein, da der Stealraiser es nicht oft getroffen hat und mit der Q ein potenzielles Paar vorhanden ist, gegen das er nur wenige Outs hat. Es ist klar, dass auf einem solchen Board der Showdownvalue der Hand sehr wichtig ist, weil man nicht nach Odds und Outs weiterspielen kann. Showdownvalue hat man dann, wenn der Gegner viel blufft und man eine high Card hält. Es ist daher wichtig, die Tendenz des Gegners zu einem Bluffraise zu kennen.

      BU gegen BB:
      Zunächst macht es einen starken Unterschied, ob BB preflop 3-bettet oder nicht. Wenn BB seinen Blind aus Prinzip passiv verteidigt und nicht 3-bettet, dann hat er eine sehr viel stärkere Range als ein Spieler, der seine besseren Hände 3-bettet.

      Board: Q 3 3

      Hand..........Equity gegen BB-Call von 3-Bettor........Equity gegen No 3-bet
      A9o............62..................................................54
      KTo............54..................................................45
      JTo............41..................................................35
      J7s.............38..................................................32
      T8s............34...................................................30
      87s.............26..................................................23

      Ein grosser Anteil der Equity der schwachen Hände (Equity < 40) kommt von ihren Outs. 6 saubere Outs haben eine Equity von 24%. Bei den suited Händen haben 3/4 von ihnen einen backdoor Flush Draw auf dem Flop, der etwas mehr als 3% wert ist.

      Ob eine Hand theoretisch genug Equity für einen Calldown nach einem check behind hat, sieht man auf dem Turn bei einer Blank. Es wird mindestens

      2/(2,25+2*2) = 32% benötigt.

      Turn: 2
      Hand..........Equity gegen BB-Call von 3-Bettor........Equity gegen No 3-bet
      A9o............68..................................................58
      KTo............56..................................................44
      JTo............38..................................................30
      J7s.............35..................................................26
      T8s............28...................................................23
      87s.............17..................................................15

      Ferner hat BB mit A4o auf dem Flop eine Equity von 44%. BU kann nicht erwarten, dass BB ein Ass foldet. KJo hat gegen BU eine Equity von 35,5% und ist nicht mehr gut genug für einen Calldown. BU kann also damit rechnen, dass BB K high irgendwann folden muss und er kann prinzipiell seine mittleren Asse gegen den 3-Bettor für Value durchbetten, falls BB passiv bleibt. Gegen no 3-bet kann er das unter Umständen nicht, da sein Vorteil zu knapp ist (jedoch besteht die Möglichkeit, dass no 3-bet seine Range zwischen verschiedenen Linien aufsplittet).

      BB hat mit allen Händen J oder schlechter eine Equity unter 28% am Flop. J high und schlechter sind 216 Hände. Die Range eines 3-Bettors enthält 493 Hände, die eines no 3-Bettors 684 Hände. Potenziell kann BB mehr als 20% der Hände am Flop folden. Damit ist es für BU profitabel, Trash zu bluffen, falls BB seinen Trash nicht bluffraist. JT und schlechter sind 60/459 = 13% der Gesamtrange von Button. Sofern BU nicht einen erheblichen Teil seiner Range am Flop checkt, machen Bluffs nur einen sehr kleinen Teil der Range von BU aus. Er ist viel zu klein, um dagegen profitabel zu 100% zu rebluffen. Ein Checkraise Bluff am Flop hat 2:5,5 Pot Odds und benötigt eine Foldequity von 2/7,5 = 26,7%. BU kann bis zur Hälfte seiner Range am Flop checken, damit BB nicht profitabel zu 100% am Flop bluffraisen kann.

      Die Valuerange von BB (Pair oder besser) ist 18% für den 3-Bettor und 25,7% für no 3-bet. No 3-bet könnte auch AK für Value checkraisen (59% EQ), was die Valuerange auf 27,6% erhöht. Die Valuerange für BB ist daher recht klein. Er kann nicht sehr oft bluffraisen, weil das dann gegen einen showdowngebunden BU zu teuer wird. Die Bluffrange von BU ist zu klein, um exzessiv bluffraisen zu können. Gegen no 3-bet kommt mit den K high Händen ein Check behind stark in Frage. Stärkere Hände werden nicht folden und kein K ohne Pair hat mehr als 50% Equity. Damit können 96 Hände aus der Contibet-Range von BU rausfallen. Es bleiben aber noch genügend Hände übrig, dass die Bluffrange unter 25% bleibt. Es sind eben nur 60 Hände JT und schlechter.

      So toll sieht das nicht aus für einen Angriff auf BU, wenn BU einen Bluff vermutet und showdowngebunden spielt. Es gibt nicht viel Grund für BU, auf eine Contibet zu verzichten, weil BB das Board so selten getroffen hat. BB kann zu selten einen Checkraise profitabel spielen, um den Wert der Contibet zu gefährden. Das Board Q33 eignet sich für einen Angriff viel schlechter, als es auf den ersten Blick aussieht.

      Das optimale Spiel für BB enthält nicht viele Bluffs, weil sie zu teuer sind und er viele Hände hat, gegen die keine stärkere Hand foldet, und die weniger als 50% Equity haben (A high). Diese Hände kann er nicht gut checkraisen.

      2. Ausser Position hast du immer ein Problem, weil der Gegner gar nicht raisen muss. Er kann auch floaten. Aus dem SB ist deine Range viel grösser und damit viel schwächer als die von BU. Check behind steht dir nicht zur Verfügung. Willst du check Flop spielen, wirst du als Balancing auch checkraise mit Initiative einbauen müssen. Allerdings muss cf Flop mit Trash nicht gebalanced werden, weil du zu selten die beste Hand foldest. Die Frage ist lediglich, wieviel Foldequity du auf dem Flop hast. Prinzipiell enthält deine Range jede Menge Trash, so dass du nicht alles bluffen musst. Deine Valuerange fängt ziemlich genau bei K high an. Deine Trashrange enthält knapp 250 Hände, deine Valuerange 750 Hände. 1/3 deiner Range ist Trash. Wenn du deinen kompletten Trash bettest, kann der Gegner profitabel any 2 bluffraisen. Es gibt daher in der Tat eine Range, die du cf spielen solltest.
    • schnizm
      schnizm
      Black
      Dabei seit: 17.06.2006 Beiträge: 1.967
      Original von MyLady17
      Das führt dazu, dass wir, damit wir 100% cbetten können um ein optimales Valuebet/Bluffverhältnis zu haben, 84.6% oder mehr unserer Range Valuebets sein müssen. Sonst haben wir anteilig bei 100% cbet zu viele Bluffs in der Range.
      Versuchst du spieltheoretische Überlegungen von one street games auf das Spiel am Flop zu übertragen? Ich glaube nicht, dass du mit dem Ansatz weit kommen wirst.
    • MyLady17
      MyLady17
      Black
      Dabei seit: 11.03.2007 Beiträge: 7.992
      Die zahlen stammen nicht von mir, sondern von Philip Newall
    • schnizm
      schnizm
      Black
      Dabei seit: 17.06.2006 Beiträge: 1.967
      Und er geht von einer realen Hand ohne Vereinfachungen wie Showdown nach Flop Betting Round aus?
    • sonnensb
      sonnensb
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2007 Beiträge: 2.545
      Wenn dem so wäre, ist der Content wenig wert. Hatte mir das Buch eigentlich als nächstes vorgenommen, aber wenn der Autor wirklich solche eklatanten Fehler macht, dann sag' ich mal Vorsicht.