Kurzfragen zum Gameplan

    • chrsbckr75
      chrsbckr75
      Bronze
      Dabei seit: 15.02.2007 Beiträge: 3.693
      Hi,


      ich möchte nochmal einige Punkte für mich zum s.g. Gameplan erläutert bekommen und wäre für eine Beantwortung meiner Fragen dankbar:

      Bestandteile des Gameplan (GP)


      1. Spielen eines eigenen Charts für OR, 3bets etc.

      Das ein Chart zum GP gehört ist klar. Frage ist, ob das Gegnerspezifische anpassen der zB Opening Range schon im Gameplan drin ist oder, ob man das INgame quasi als Exploit anpasst.
      Läuft natürlich final aufs gleiche heraus, aber wenn man sich jetzt einen GP zusammenschustert (und der Vorteil soll ja sein, dass man INGAME nicht zuviel "denken" sollte oder tiltmoves macht), würde ich das gerne vorab wissen. Stichwort: EV-Klassifikation <----- ist das jetzt eher ein Ingame Konzept weil Gegnerspezifisch oder Sollten man halt schon einen Gameplan zB "HeroBU vs NITSB" haben?

      2. Man wird ja nie ALLE Situation vorher auf +EV gecheckt haben. Aber ist folgende Situation auch schon Teil eines Gameplans oder wird dies wieder eher Ingame beurteilt--->Hero flopped Set als Aggressor Villain called und Turn bringt den möglichen Flush. Das heißt hier muss ich für eine gewisse Anzahl an Gegnern (die alle anhand ihrer Posi auch noch unterschiedliche Ranges haben) ein StandardPlan haben, den ich dann auch strikt befolge und von dem ich nur abweiche wenn ich entsprechende READS habe oder wenn es die TischDynamik erfordert. Oder muss halt hier immer Ingame beurteilt werden, ob eine vbet angebracht ist anhand der Boardstruktur.


      Sind diese Punkte so einigermaßen korrekt oder was muss ich noch beachten?
  • 5 Antworten
    • DrObst
      DrObst
      Bronze
      Dabei seit: 18.04.2007 Beiträge: 737
      bei mir läufts das so:

      ich habe meinen grundsätzlichen gameplan, der auf das spiel gegen den durchschnittlichen reg zugeschnitten ist, auf den ich im spiel gegen unknowns zurückgreife. von dem weiche ich ab, wenn es eine veranlassung dafür gibt (stats, reads, table-dynamik, eigenes image, stacksize, timing, etc.). solche situationen, die ständig wiederkehren wie heroBU vs. NITSB hast du bald so verinnerlicht, dass du ingame nicht mehr darüber nachdenken musst, wie du in so einer situation von deinem ausgangsgameplan adapten musst.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Du musst dir Gameplan als Konzept vortellen und nicht als Regelwerk. Der SHC + der Postflopartikel dazu stellen auch einen Gameplan dar - dieser ist nur so simpel, dass er unendlich viele +EV Spots überhaupt nicht berücksichtigt.

      Ein 'Problem' beim Gameplankonzept wie es oft hier im Forum seitens KTU genutzt wird, ist das du eine gewisse Erwartungshaltung bei deinen Gegnern aufbaust bevor du dich überhaupt an den Tisch setzt. D.h. du erwartest gewisse Verhaltensweisen und triffst dementsprechend Annahmen darüber welche Lines vermutlich +EV gegen die Durchschnittspopulation eines Limits sein werden. Der Ansatz ist auf jeden Fall valide, hat aber das Problem in unbekannten Populationen möglicherweise völlig verdrehte Annahmen zu nutzen, die dann letztendlich nicht +EV sind. (der Ansatz ist gut nicht falsch verstehen^^)

      Je mehr Faktoren und Informationen und Annahmen in deinen Gameplan einfliessen und je besser diese die Population deines Limits/deiner Seite repräsentieren, desto stärker ist der 'Eigen'-EV des Gameplans.



      1. D.h. deine Frage lässt sich nur damit beantworten, dass du nicht 'den' unexploitbaren Gameplan haben wirst (den hat keiner bisher denke ich), sondern mit deinen Annahmen direkt Exploits bezogen auf dein Limit einbaust. Deine 3-Bet Strategie baut darauf auf:

      Polarisierte 3-Bets vs Depolarisierte 3-Bets -> beide Strategien sind unter gewissen Bedingungen möglich, wobei sich im Bereich NL200 - 600 (darüber und darunter weiss ich nicht so genau) hauptsächlich polarisierte 3-Bet Ranges bei den Regs etabliert haben (das kann sich auch wieder ändern).

      Um die 3-Bet Strategie für dein Limit zu entwickeln musst du in der Lage sein typische Schwachpunkte im Durchschnittspiel deiner Gegner zu analysieren. Dazu kategorisierst du diese und dann analysierst du:

      A. Fisch -> das ist ein Spezialgebiet, bei den Knaben geht es nur um EV Maximierung

      B. Fischreg -> Schwachpunkte identifizieren und Angriffsstrategien überlegen und in den Gameplan einbauen

      C. guter Reg -> hier wirds jetzt schwierig. Gegen solche Typen ist es meistens besser erstmal die Finger rauszulassen, weil du diese meistens nur noch über Frequenzbasierte Leaks bekommst (C/R Blufft ein paar % zuviel, hat in dem und dem Spot zu oft ne gecappte Range und folded ein paar % zuviel et.).

      => das tolle an dieser Auflistung ist, dass du deine eigene Spielstärke immer relativ dazu sehen kannst. Vergiss nicht die guten Regs zu analysieren und vor allem Spots in denen sie dich dauernd vor ein Problem setzen - meistens sind das die Lines warum sie gut auf ihrem Limit sind. Einerseits kannst du ihre Lines möglicherweise in dein Spiel übernehmen und anderseits kannst du Schwachpunkte in deinem Spiel erkennen und ausbügeln.


      EV-Klassifikation <----- ist das jetzt eher ein Ingame Konzept weil Gegnerspezifisch oder Sollten man halt schon einen Gameplan zB "HeroBU vs NITSB" haben?
      Du machst die EV-Klassifikation meistens nicht Preflop, sondern sie beginnt am Flop, wenn es mehrere mögliche Lines und Boardrunous gibt und versuchst durch dieses Konzept den EV mehrerer möglicher Lines gegeneinander abzuwägen. Z.b. hast du AJ gegen Nit im BU geraist und er called im BB. Flop ist Axxr und du überlegst dir jetzt wie du Geld gewinnst.

      1. B B B -> 3x Valuebets

      2. B C B -> 2x Valuebets

      3. B C C > 1x Valuebets

      etc.

      => du kannst dir jetzt zusätzlich noch überlegen, wie du durch Verlagerung der Bets auf unterschiedliche Straßen den EV möglicherweise maximierst und solltest auch einen Plan im Hinterkopf haben wie du auf bestimmte Aktionen deines Gegners reagierst BEVOR er sie macht. D.h. am Flop betten und dann beim C/R erstmal 30 Sekunden tanken ist meistens ein Zeichen dafür, dass jemand keinen Plan gefasst hat vor seiner Bet.

      Dazu brauchst du aber wieder Annahmen über das durchschnittliche Verhalten der Nits auf deinem Limit bzw. einen spezifischen Read auf diesen Gegner.



      2. Je mehr Informationen und gute Annahmen du hast, desto eher wirst du wissen wie sich der Durchschnittsgegner auf dem Turn gegen eine Bet verhalten wird und ob es ausreicht eine Valuebet zu rechtfertigen. Spezifische Informationen sind natürlich immer deutlich besser, weil du dort das letzte bisscchen EV herauskitzeln kannst.

      Du musst dir Gameplan nicht als ABC-Konzept vorstellen wo du jetzt deine absolute Handstärke nimmst und immer sagst: Ja Toppair B/F 3x und Set immer All In und busted Nutflushdraw auf XYZ Boardrunout immer 3-Barrelbluff.

      Dein Gameplan ist vielmehr die Summe deiner Annahmen und Strategien, um EV aus den durchschnittlichen Fehlern deiner Gegner zu quetschen. Je mehr Erfahrung und Intuition du sammelst, doest besser werden deine Annahmen und Konterstrategien.

      Z.b. werden viele neue Spieler eine Donkbet (die sie als Bluffdonkbet interpretieren) ohne Showdownvalue oft direkt am Flop raisen. Ein stärkerer Gameplan könnte damit aber bis zum Turn oder sogar bis zum River warten und gewinnt 1 - 2 Bets mehr vom Gegner, wenn er tatsächlich blufft. Der stärkere Spieler hat somit einen Gameplan der nicht nur am Flop passiert, sondern macht sich Gedanken wie Turn und Riververläufe ihm mehr Gewinn versprechen können.


      Vielleicht sagt Arne selber noch was dazu (ich glaub er hat das Konzept hier im Forum eingeführt), da er und ich etwas abweichende Interpretationen der ganzen Sache hatten - das Ergebnis war zwar immer das gleiche, aber der Weg anders :p
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich doppelposte jetzt mal kurz. Ich coache häufig Microlimit und Lowstakesspieer und mir ist dabei aufgefallen, dass diese trotz Stats und Reads einfach viel zu krass ihren Stiefel runterspielen und oft gar nicht wissen, dass sie grade ein riesiges Leak beim Gegner identifiziert haben. Es ist wirklich wichtig, dass du übst ausgehend von deinem soliden Gameplan (der vermutlich ein paar BB/100 + machst, wenn er gut ist) stark gegnerbezogene Exploits zu machen. D.h. probierst mit den Fischen in Pötte zu kommen, Position benutzen um andere Regs anzugreifen und versuchst bei alles und jedem am Tisch Schwachpunkte zu identifizieren (natürlich liegt der Fokus immer auf dem Fisch - der macht die potenziell größten Fehler).

      Wenn ich mir das manchmal anschaue, dann sitzen die Leute da ne Stunde am Tisch (haben unter Umständen tatsächlich den Fisch gefunden) und wissen nach 100 Händen mit ihm nichts über ihn, weil sie weder in der Lage sind seine Stats irgendwie zu interpretieren, noch irgendwas mit den aufgeschnappten Reads anzufangen. Ich glaube GrrGrrBla hat da vorgestern ein ziemlich schickes Video rausgehauen wie man auf Basis von Informationen (Reads) Schlussfolgerungen für Angriffsstrategien ableitet. (ist aber ab Gold)
    • chrsbckr75
      chrsbckr75
      Bronze
      Dabei seit: 15.02.2007 Beiträge: 3.693
      thx
    • jigger1977
      jigger1977
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2009 Beiträge: 1.471
      Original von Ghostmaster
      Wenn ich mir das manchmal anschaue, dann sitzen die Leute da ne Stunde am Tisch (haben unter Umständen tatsächlich den Fisch gefunden) und wissen nach 100 Händen mit ihm nichts über ihn, weil sie weder in der Lage sind seine Stats irgendwie zu interpretieren, noch irgendwas mit den aufgeschnappten Reads anzufangen. Ich glaube GrrGrrBla hat da vorgestern ein ziemlich schickes Video rausgehauen wie man auf Basis von Informationen (Reads) Schlussfolgerungen für Angriffsstrategien ableitet. (ist aber ab Gold)
      Ich glaube ein Problem ist, zumindest gehts mir manchmal so, dass man nicht weiß, worauf man achten soll. Welche Informationen sind verwertbar?

      Und wenn ich dann Reads aufschnappe, wie z.B. Fisch flattet den BB geg. ein Steal häufig und spielt in einer hohen Frequenz c/c, c, donk. Angenommen ich sehe Villain 2 mal am SD, das eine Mal hat er eine Valuehand, das andere Mal war es eine Bluffline. Was bringt mir diese Information konkret?

      Im nächsten Schritt wird die Konterstrategie entwickelt. In diesem Beispiel würde ich jetzt spontan tighter openraisen, eher for Value cbetten, Blufffrequenz runterschrauben und Monster am Turn behindchecken und den River shippen.

      Um die Frage nochmal auf den Punkt zu bringen: welche Informationen will ich haben, und wie entwickle ich dann Konterstrategien?