Postflop: Mathematik des Pokerns - Odds & Outs

    • BigRazorVic
      BigRazorVic
      Bronze
      Dabei seit: 14.07.2008 Beiträge: 237
      Kann dieses Konzept wirklich funktionieren funktionieren? Die Variabel "Zufall" kann nicht mit eingerechnet werden. Klar, die Chance in dem Beispiel des Artikels beträgt 5:1, aber bei jeder neuen Situation rechnet die Pokersoftware ja nicht, dass Spieler1 diese Situation schon z.B. 4 mal gespielt hat und beim nächsten mal aufjedenfall gewinnen muss. Die Karten werden jedesmal neu gemischt. Und wenn es mal länger dauert, bis die Situation eintrifft, wird das dann Varianz genannt?

      Hier der Link:

      http://de.pokerstrategy.com/strategy/fixed-limit/173/1/

      Oder verstehe ich da irgendwas falsch? Hoffe Ihr könnt mir helfen.

      Danke euch!
  • 5 Antworten
    • Mythoughts
      Mythoughts
      Bronze
      Dabei seit: 27.08.2009 Beiträge: 631
      Original von BigRazorVic
      ...aber bei jeder neuen Situation rechnet die Pokersoftware ja nicht, dass Spieler1 diese Situation schon z.B. 4 mal gespielt hat und beim nächsten mal aufjedenfall gewinnen muss.
      So funktionieren Wahrscheinlichkeiten nicht.
      Die Chance ist jedesmal 5:1, es kann sein, dass er 10mal hintereinander verliert oder 10mal hintereinander gewinnt, aber auf langfristige Sicht (=sehr große Handanzahl gespielt) wird sich die Häufigkeit, wann was passiert, der mathematischen Vorhersage annähern.
    • MyLady17
      MyLady17
      Black
      Dabei seit: 11.03.2007 Beiträge: 7.975
      Es gibt keine Variable Zufall. Wenn ich 20mal einen OESD habe und ich 20mal meine Straße nicht treffe, aber die richtigen Pot Odds hatte, dann war ein Call immer noch jedes Mal korrekt.

      Dieses Pech ist dann eben die Varianz an dem Ganzen. Ich denke du hast es schon richtig verstanden.
    • Nani74
      Nani74
      Black
      Dabei seit: 15.12.2005 Beiträge: 12.377
      Wow! Ich glaube nur im FixedLimit Forum gibts auf diesen Beitrag ernsthafte Antworten und der Threadersteller wird mit Respekt behandelt.

      Umso schlimmer dass dieser Variante und diesen oldschool Respekt und Liebe schenkenden Menschen in aktuellen Videos hier so wenig Beachtung geschenkt wird.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.495
      Das Odds und Outs Konzept dient dazu, den Faktor Zufall in den Griff zu bekommen. Im Poker hat man es anders als im Schach mit Unwägbarkeiten zu tun, da vor dem River noch nicht alle Karten auf dem Tisch liegen. Das heisst aber nicht, dass wir diesen Unwägbarkeiten hilflos ausgeliefert sind. Wir können sie mathematisch beschreiben und daraus Schlussfolgerungen ziehen.

      Es ist richtig, dass man in einer bestimmten Situation (Draw) nicht mit 100%iger Sicherheit vorhersagen kann, welches Ereignis eintritt (Draw kommt an oder kommt nicht an). Solange die entscheidende Karte nicht gefallen ist, ist der Ausgang offen. Wir können aber beschreiben, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Draw ankommt. Im Falle eines Flush Draws auf dem Turn liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man den Flush am River trifft bei 9/46, das sind ungefähr 19,6%.

      Wir haben also ein Risiko, dass der Flush nicht eintrifft. Wenn wir jetzt überlegen, ob wir Geld auf diese Chance investieren wollen, dann müssen wir uns an diesem Risiko ausrichten. Das maschen wir, in das zu riskierende Geld ins Verhältnis setzen zu dem Geld, das wir gewinnen können. Müssen wir weniger bezahlen, als es der Gewinnchance entspricht, dann ist die Situation profitabel. Das ist sie auch dann, wenn wir hinterher feststellen, dass wir den Flush nicht getroffen haben. Im Voraus stand das ja nicht fest und es hätte auch anders kommen können. Die Wahrscheinlichkeiten bzw. die Odds sagen uns, wie oft der Gewinn im Durchschnitt eintritt.

      Das gilt in jeder einzelnen Situation und zwar absolut unabhängig davon, wie oft man sie schon gespielt hat oder wie oft man sie noch spielen wird. Es spielt überhaupt keine Rolle, wie oft man diese Situation noch spielt oder wie oft man sie schon gespielt hat. Der Zufall hat kein Gedächtnis. Wenn sich ein Ereignis wiederholt, dann hat der Ausgang der vergangenen Ereignisse keinen Einfluss auf den zukünftigen Ausgang der Ereignisse. Es wird nicht wahrscheinlicher, dass man seinen Flush trifft, wenn man ihn die letzten 5 Male nicht getroffen hat. Ebenso wenig wird es unwahrscheinlicher den Flush zu treffen, wenn man ihn die letzten zwei Male getroffen hat. Da in jedem neuen Spiel die Karten neu gemischt werden, hängen diese Ereignisse nicht voneinander ab.

      Dieses letzte Konzept ist absolut wesentlich, um zu verstehen, wieso Odds und Outs funktioniert. Odds und Outs hängen nur von vier Grössen ab: der Zahl der Outs, der Zahl der unbekannten Karten, der Potgrösse, die man gewinnen kann und dem Einsatz, den man bezahlen muss. Wie oft man schon einen Flush Draw hatte und wie oft man den getroffen hat, kommt in dieser Formel nicht vor und es spielt auch keine Rolle.

      Die Ansicht, dass der Ausgang vergangener zufälliger Ereignisse einen Einfluss auf die Zukunft hat ist übrigens weit verbreitet, vor allem bei Roulettespielern. Schon sehr viele Leute haben auf Grund dieses Fehlschlusses ihr Geld verloren. Rot wird nicht wahrscheinlicher dadurch, dass die letzten 15 mal Schwarz gefallen ist. Dazu gibt es auch einen eigenen ->Wikipediartikel.
    • BigRazorVic
      BigRazorVic
      Bronze
      Dabei seit: 14.07.2008 Beiträge: 237
      Vielen Dank für eure ernsthaften Antworten. Ich hab es jetzt endlich richtig verstanden.

      Danke euch!

      Gruss

      Big