BB Stealsituation Strategie/Mathematik

    • Schneider1987
      Schneider1987
      Bronze
      Dabei seit: 30.08.2007 Beiträge: 134
      Hallo,

      die ORCs und die ganzen anderen statischen Charts sind ja recht und gut, können aber nicht pauschalisiert werden, Sie werden wahrscheinlich gegen einen Durchnisttvillain errechnet worden sein.

      Ich mache mir in letzter Zeit immer wieder Gedanken über das dynamische Spiel. Ich frage mich oft was mir die HM Stats und evtl getstovte Equities sagen wollen. Ich muss gestehen mehr als mein Bauchgefühl unterstützen tun sie im Moment nicht.

      Deswegen möchte ich hier einmal an einem Beispiel im BB ein paar Fragen stellen:
      Hero sitz im BB Villain(CO) setzt 3 BB. Ich stelle genervt fest dass er das häufig macht (50%). Ich nehm mir das Equilab zu Hand: Meine Hand gegen seine 50%-Range. Ich bekomme ein Ergebnis wie zum Beispiel 53%.
      Hmmm... da haben wir den Salat ich hab keine Ahnung was mir das jetz sagen soll.

      Call/ 3Bet / Fold?
      Ist Fold sobald Equity < 50% richtig oder gibts was was ich wissen muss?
      Warum und wann überhaupt 3bet?
      Warum und wann überhaupt Call?
      Wann ist das alles mathematisch (EV technisch) richtig?

      Diese Fragen sind sehr abstrakt über die Equity gedacht, gerne höre ich so eine Antwort. Lasst euch von dem spezifischen Beispiel oben nicht beirren, das sollte nur mein Problem verdeutlichen.

      Gruß
  • 5 Antworten
    • Benzodiazepin
      Benzodiazepin
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 16.07.2009 Beiträge: 3.456
      rein mathematisch errechnet sich die benötigte EQ aus
      [zu callender betrag]/[gesamtpot]

      in deinem beispiel:
      du musst 2bb zahlen, um 6,5bb zu gewinnen also 2/6,5 = 0,31 ->31% EQ benötigt.

      bessere beispiele:
      villain pottet den river 50bb in 50bb pot. 50/150 = 0,33 -> 33% EQ
      villain 5bettet 100bb all-in über deine 25bb 4bet: 75/200 = 0,375 -> 37,5% EQ

      warum sind die beispiele besser? weil wir entweder all-in sind oder am river die action abschließen, dh unsere EQ wird zu 100% REALISIERT. der gestovte wert ist immer eine "momentaufnahme" und gilt für zufällige boardverläufe bis zum river hin.

      wenn wir also festellen, dass zb eine hand wie 22 gegen eine 50% range 47% EQ hat

      de.pokerstrategy.com
      Equity Win Tie
      MP2 46.68% 46.16% 0.52% { 22 }
      MP3 53.32% 52.79% 0.52% { 44+, A2s+, K2s+, Q4s+, J7s+, T7s+, 97s+, 87s, A3o+, K7o+, Q8o+, J8o+, T8o+ }

      müsste man sie ja defintiv callen können. selbst sowas wie 85o wäre in deinem spot ein "EQ-call". würde villain jedes board runterchecken oder jede street mit 100% seine range betten und du immer downcallen, dann wäre das play +EV, du würdest deine EQ also realisieren.

      mit einer hand wie 22 haben wir nun ohne set allerdings
      1. auf vielen flops wenig EQ gegen villains range -> "EQ-shift"
      2. kommen wir schwer zum sd, wenn villain mehrfach bettet
      3. werden wir villain mit set selten stacken, weil seine range loose ist und er oft keine starke hand hält, die uns action gibt
      4. floppen wir keine draws und können nicht profitabel semibluffen
      -> wir realisieren unsere EQ also nicht und 22 ist gegen einen soliden reg trotz guter EQ nicht unbedingt ein guter call.


      damit kommen wir zum begriff der playability. je mehr streets noch kommen und je größer die stacks sind, desto wichtiger wird es, unsere EQ auch realisieren/mit EQ bluffen=semibluffen zu können und die playability einer hand ist dafür entscheidend.



      welche range man in deinem beispiel nun callen kann, lässt sich mathematisch nicht so einfach erfassen. entscheiden sind faktoren wie stacksizes, villains verhalten auf 3bets (callt/foldet er viel, 4bettet er light), seine cbet und barreltendenzen (kann man ihn bluffraisen/floaten), etc.


      1. Warum und wann überhaupt 3bet?
      2. Warum und wann überhaupt Call?
      3. Wann ist das alles mathematisch (EV technisch) richtig?


      1. weil wir
      - for value 3betten können, dh mehr als 50% gegen seine calling range haben
      - wir als bluff 3betten können, weil wir er zu oft foldet. mit einer 10bb 3bet investieren wir bb vs co 9bb um 4,5bb zu gewinnen. 9 / 4,5 + 9 ist die formel dazu und ergibt mindestens 66% foldEQ
      - er zu viel auf 3bets callt und wir profitabel cbetten können
      - er zu light 4bettet und wir profitabel 5betbluffen können

      2. weil wir u.a.
      - keine value 3bet haben (EQ<50%) aber unsere hand auch nicht zum bluffen verwenden wollen, die sie gute EQ+payability hat, um sie passiv zu defenden, zb sowas wie KJs,...
      - wir calls hinter uns zb durch fische induzieren wollen
      - wir squeezes induzieren wollen
      - trappen wollen
      - etc

      3. s.o.
    • mnl1337
      mnl1337
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 13.01.2008 Beiträge: 15.462
      equity ist egal, übertrieben gesagt. 67s defendet sich besser als k2o. was, wieviel und wie du defendest hängt vom gegner ab.
    • Schneider1987
      Schneider1987
      Bronze
      Dabei seit: 30.08.2007 Beiträge: 134
      Sehr aufschlussreich! Danke.

      Aber was meinst du mit
      for value 3betten können, dh mehr als 50% gegen seine calling range haben

      Meinst du damit die 3betCalling Range? Also so dass ich qausi bevor ich 3bette schon wissen muss was er callen könnte und dagegen vorne liegen muss?
    • mnl1337
      mnl1337
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 13.01.2008 Beiträge: 15.462
      ja das meint er, aber das ist auch nicht ganz korrekt in NL. es spielen noch andere faktoren rein die für 3bet und gegen call sprechen können, wenn man schlechte equity hat, wie zb position, initiative, isolation. zb ist KJo gegen ein fisch IP ne 3bet, auch wenn man gegen seine callingrange hinten ist.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Das Equitykonzept ist ein FL-Konzept und dort sehr gut anwendbar, weil der Preis für den Showdown in den meisten Fällen schon sehr früh feststeht, da die Betsizes fix sind.

      In NL kannst du nicht sagen: Ja ich bekommen so und so Odds und brauch XY% Equity und mach jetzt einen Call - denn der Preis für den Showdown wird nicht nur 2,5 Bets kosten, sondern unter Umständen den ganzen Stack. Diese Problematik kann weder Equity noch das Odds und Outs Konzept vernünftig abbilden.

      => aus dem Grund ist es oft auch nicht möglich irgendwelche konkreten Aussagen zu treffen, wie eine gute Blinddefending Strategie aussieht. Diese hängt vielmehr davon ab

      A. welchen Fehler dein Gegner gegen deinen Defend machen wird (d.h. wieso verliert er Geld, wenn du Geld investierst?)

      B. Eine Konterstrategie entwickeln. Wenn ein Spieler z.b. zuviel openraist (und eine schwache Range hat), dann kannst du auf zwei Arten seine Range angreifen:

      i) du greifst direkt Preflop durch eine 3-Bet an und lässt den schwächsten Teil seiner Range folden.

      Möglicherweise hast du aber auch einen Gegner, der Preflop nicht oft genug mit seiner eigentlich schwachen Range foldet, aber oft genug callt und dann am Flop foldet.

      ii) du greifst Postflop an, indem du Preflop passiv defendest. Diese Strategie ist etwas diffiziler, weil es schwieriger ist den Punkt zu erkennen an welchem du angreifen willst

      => eine aggressive Konterstrategie Preflop ist meistens etwas einfacher als eine passive Strategie, wobei sie nicht zwangsläufig besser ist. Grade mit Händen, die mittelstark sind und eigentlich Postflopotenzial haben, sind auch Calls als Defend oft ganz gut (wobei dieses Postfloppotenzial auch genutzt werden muss erstmal, um den Call > 3-Bet zu machen)


      Worauf es immer hinausläuft ist es Fehler in den Frequenzen deines Gegners zu finden - d.h. du musst herausfinden, ob er irgendwas zu oft oder zu selten macht und dir dann überlegen wie du daraus Kapital schlagen kannst. Wenn z.b. jemand auf 3-Bets nach einem BU Steal zu 80% foldet, dann hast du entdeckt, dass du durch 3-Bets Geld gewinnst, weil er zuviel foldet.

      Wenn jemand nach Call von 3-Bets zu 60% am Flop auf eine Cbet foldet, dann kannst du durch die Cbets in diesem Spot sofort Profit machen etc.


      Wichtig beim Blinddefend ist (wie in jeder anderen Situation), dass du einen sinnvollen Plan hast, der einerseits berücksichtigt welche Schwachstelle die gegnerische Stragegie hat und andererseits wie du diese Schwachstelle gewinnbringend angreifst. Das Stichwort dabei ist Angriff - ich coache gelegentlich noch Microlimitspieler und diese haben teilweise schon recht aggressive Preflopstrategien, was jedoch oft auffällt ist, dass sie diese aggressiven Strategien Postflop nicht fortführen.

      => d.h. grade wenn du Situationen erzeugst in denen Ranges weiter und schwächer werden (sowohl deine als auch die gegnerische), gewinnt meistens der Spieler, der besser darin Position zu nutzen, den Gegner unter Druck zu setzen und generell dem Gegner dauernd Fragen zu stellen, die er nicht beantworten kann.


      mnl1337 sagt es schon, dass häufig gar nichtmal die Hand so wichtig ist, sondern andere Dinge in NL teilweise eine viel höhere Priorität haben.

      Was ich persönlich übrigens immer empfehle ist es nicht den krassen Fokus auf so Sachen wie Blinddefense bzw. generell das Spiel gegen (schwache) Regs am Anfang zu legen, sondern den Fokus auf das Spiel gegen richtige Fische. Es ist einfach unglaublich was ich manchmal im Coaching beobachten kann und wieviel Geld die Leute gegen Fische verlieren bzw. nicht gewinnen, weil sie entweder in den falschen Spots zu tough folden oder in den richtigen Spots wichtige Bets auslassen.