C-Bet am Flop mit Midpair: Wann und warum?

    • vKevin90
      vKevin90
      Bronze
      Dabei seit: 15.12.2008 Beiträge: 70
      Mich beschäftigt eine eher allgemeine Frage bezüglich folgender Situation:

      Wir haben preflop gebettet und damit die Initiative an uns genommen. Es gibt nur einen Caller.
      Am Flop treffen wir ein Midpair bzw. es gibt mind. eine Overcard gegen unser Pocketpair. Damit halten wir zwar eine Hand mit Potential, jedoch nicht unmittelbar die beste Hand.

      Zwei Fälle möchte ich unterscheiden:

      1. Wir spielen OOP:
      Macht hier eine C-Bet Sinn? Mein Gedanke ist, dass wir mit einer C-Bet meistens wohl nur schlechtere Hände zum folden bringen, während bessere Hände uns callen. Also spielt man dann in so einer Situation lieber Ch/C oder Ch/F, je nachdem wie hoch die Bet und unsere Odds auf Verbesserung sind. Und versucht man anschließend die Hand möglichst billig zum Showdown zu bringen ohne weiter Geld reinzubekommen?


      2. Wir spielen IP:
      Gleiche Situation, nur dass wir Position haben und vor uns gecheckt wird. Macht hier eine C-Bet mehr Sinn oder bringt sie hier auch nicht wirklich was.


      Noch eine zusätzliche Frage dazu: Wenn wir nicht wollen, dass schlechtere Hände folden, aber auch nicht betten, weil nur bessere Hände callen würden, wie schafft man es dann, dass man trotzdem von den schlechten Händen noch mehr Geld in den Pot bekommt? Ich hoffe ihr versteht, was ich damit meine :-)

      Bin mir mit solchen Situationen ziemlich unsicher und deshalb frage ich hier mal nach. Danke für jegliche Hilfe :)
  • 5 Antworten
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      1. Du solltest dir überlegen vor der Bet, ob du mit dieser überhaupt Geld gewinnst.

      Stell dir vor du hast 88 auf einem K96r Board und hast einen Spieler, der eher nur so 40% am Flop foldet und dementsprechend andauernd in der Lage ist marginale Hände zu callen.

      => du cbettest jetzt und er callt und was machst du am Turn? Der Plan die Hand billig an den Showdown zu bringen wird gar nicht mal so oft funktionieren, weil so ein Spieler, dann mit JT oder QJ oder T8 oder 65 durchaus in der Lage sein könnte Turn und River zu betten (und nebenbei auch noch manchmal trifft).

      => d.h. vor deiner Bet am Flop solltest du dir Gedanken machen, ob du überhaupt für diese eine Bet an den Showdown kommst oder ob du oft noch eine oder zwei weitere Bets zahlen musst und das mit deiner Hand kannst.


      2. Es hängt zusätzlich viel davon ab wie oft dein Gegner am Flop C/Raist. Wenn du da so einen Kandidaten hast, der im Schnitt relativ passiv ist und irgendwas um die 5 - 7% C/R hat, dann besteht seine Range aus ausschliesslich starken Händen und B/F ist eine valide Strategie (grade IP). Sobald deine Gegner aber anfangen 10% - 20% (wobei 20% schon recht viel ist) zu C/Raisen, wird es besser mit Händen, die akzeptablen SD Value haben (und nicht unbedingt 4 Bets bezahlen können für diesen) behind zu checken und dann eher einen Bluff zu induzieren.


      Noch eine zusätzliche Frage dazu: Wenn wir nicht wollen, dass schlechtere Hände folden, aber auch nicht betten, weil nur bessere Hände callen würden, wie schafft man es dann, dass man trotzdem von den schlechten Händen noch mehr Geld in den Pot bekommt? Ich hoffe ihr versteht, was ich damit meine :-)


      Hier musst du mir/uns mal auf die Sprünge helfen, da ich keine Idee habe was du meinst.
    • nurscheisskarten
      nurscheisskarten
      Bronze
      Dabei seit: 25.07.2011 Beiträge: 1.054
      ich denke die letzte frage lässt sich ganz einfach damit beantworten, dass der gegner bluffen soll.

      wenn er keine bessere hand folded und keine schlechtere callt, haben wir kein argument dass für eine bet spricht. (auser halt dead money einsammeln und equity share zum folden zu bringen) so ist die einzige möglichkeit mehr geld zu bekommen, wenn er eine schlechtere hand bettet und wir callen. so verlieren wir auch am wenigsten wenn wir beat sind ...
    • vKevin90
      vKevin90
      Bronze
      Dabei seit: 15.12.2008 Beiträge: 70
      zu 1. Der Plan, die Hand billig zum SD zu bringen bezieht sich auch eher darauf, dass ich checke und auf ein Check vom Gegner hoffe bzw. auf eine kleine Bet, die sich callen lässt. Andernfalls wirds dann halt Check/Fold.
      Wenn ich den Flop bette und er raist, dann folde ich. Callt er nur, dann gebe ich die Hand am Turn ohne Verbesserung auf, sprich spiele ab dort ch/f.

      zu 2. Leider spiele ich ohne Stats und ein Programm zu kaufen ist mir für das NL2-4 Limit auch zu teuer, deshalb kann ich lediglich grob nach Gefühl spielen, vor allem, wenn ich die Gegner nicht von früher kenne. Aber momentan spiele ich in der Situation wohl meistens Bet/Fold.


      Ich merke halt oft, dass ich in der Situation überfordert bin. Ich habe dann dort keine richtige oder gute Strategie. Meistens c-bette ich einfach und hoffe auf ein Fold des Gegner. Mittlerweile versuche ich auszumachen, ob der Flop geeignet ist für eine c-bet und ob er der Range meines Gegners dienen könnte.


      @nurscheisskarten: Das trifft meine Frage sehr gut. Fragt sich nur, ob ein vermeintlicher Bluff des Gegners in so einem Fall callbar ist. Momentan spiele ich es aber oft genauso mit ch/c oder ch/f je nach Bet und Boardentwicklung.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      1. Du solltest aber im Vorfeld antizipieren, ob die Boardstruktur/der Gegner/die Dynamik dazu ausreicht, um den Plan B/F Flop X/F Turn X/F River zu verfolgen.

      Ich sehe z.b. häufig Cbets auf so Boards wie K95r oder Q84ss mit Händen, die da nix zu suchen ahben (z.b. 88 bzw. 77) gegen Gegner, die nicht unbedingt vor lauter Panik ihre Gutshots oder Pairs folden.

      Wenn du solche Boards bettest mit dem Plan günstig danach an den Showdown zu checken, dann ist dein Plan meistens schlecht - weil die Handrange des Gegners oft aus marginaleren Händen bestehen kann und wenn du nicht weisst wie diese am Turn und River in etwa spielen, dann ist C/F Flop gar nicht mal so schlecht in vielen Fällen.

      2. Du musst auch nicht mit Stats spielen, sondern solltest dir angewöhnen relativ wenige Tische zu spielen und zu probieren besonders schlechte Gegner möglichst schnell zu identifizieren (und dann flaggen farblich oder mit einem Symbol). Grade schlechte Spieler haben oft extreme Ausprägungen in ihren Spielzügen - entweder sind sie viel zu passiv oder viel zu aggressiv in bestimmten Spots. Die meistens durchschnittlichen Spieler sind nur ein bisschen zu passiv oder bisschen zu aggressiv in vielen Spots (da braucht man dann schon eher ein Hud, wenn du Regs exploiten willst bzw. überhaupt dort Schwachpunkte finden willst)



      Das Stichwort Range erwähnst du ja schon selber. Je genauer deiner Annahmen über die gegnerische Range sind und je öfter du mit deinen Annahmen richtig liegst, desto größer wird dein Erfolg sein - wenn du den Fokus auf sehr schwache Spieler legst (die ihre Handrange in vielen Spots offen auf den Tisch legen - weil sie viel zu oft super polarisiert sind), dann wirst du auch schnell vorran kommen. Schwierig wird das ganze erst, wenn deine Gegner ihre Ranges so zusammenstellen, dass du die ganze Zeit ein großes Fragezeichen über dem Kopf hast.
    • vKevin90
      vKevin90
      Bronze
      Dabei seit: 15.12.2008 Beiträge: 70
      Original von Ghostmaster

      Wenn du solche Boards bettest mit dem Plan günstig danach an den Showdown zu checken, dann ist dein Plan meistens schlecht - weil die Handrange des Gegners oft aus marginaleren Händen bestehen kann und wenn du nicht weisst wie diese am Turn und River in etwa spielen, dann ist C/F Flop gar nicht mal so schlecht in vielen Fällen.

      So einen Plan würde ich nie verfolgen. Ich würde nie einen Flop betten, mit der Absicht günstig zum SD zu kommen. Da verstehst du mich falsch.

      Nehmen wir dein Beispiel:
      mit 77 am K95r Flop (ich denke das r steht für rainbow?). Dort wäre mein Plan günstig zum Showdown zu kommen und zwar mit der Strategie Ch/C bzw Ch/F. Ich würde ja nicht C-betten in der Hoffnung, dann am Turn und River billig durchzukommen, denn dann würde ich den Pot ja selbst aufblähen, obwohl ich ihn gern gering halten würde.



      In letzter Zeit versuche ich mich sehr darauf zu konzentrieren, wo die schlechten Spieler sitzen und wie sie spielen, mache mir diesbezüglich auch oft Notes.
      Auch schreibe ich mir auf, ob ein Gegner fähig ist auf eine C-bet hin zu folden oder ob er gerne Ch/R am Flop spielt, um mir dadurch einen Vorteil zu verschaffen.