Lernbehinderter Nachbar wird auf der Arbeit ausgenutzt

    • Andryze
      Andryze
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.01.2012 Beiträge: 64
      Ein 25 jähriger Nachbar von mir, der eine Lernbehinderung hat (ich glaube das ist so etwas zwischen "normal" und geistig behindert - er hat immerhin einen Hauptschulabschluss), soll laut seinem Arbeitsvertrag 18,5h pro Woche dort spülen.
      Tatsächlich sind es aber meist 28,5h die er dort arbeitet, unbezahlt... ihm selber war das bis vor kurzem nichtmal bewusst, dass er dort viel zu viel arbeitet.
      Außerdem hat er noch eine Vorspastizität in beiden Händen (ich weiß nicht was es genau ist, aber seine Hände sind nicht so ganz gelenkig).

      Er hat seinen Chef schon öfter gefragt ob er nicht noch einen Spüler einstellen kann, weil er ist unter der Woche der einzige Spüler dort und manchmal muss er noch Teller stehen lassen weil er es nicht fertig bekommt und dann muss er am nächsten Tag eher anfangen und die Teller vom Vortag noch spülen.

      Er ist dort nicht normal angestellt, sondern ist "integriert", ich glaube dass Hotel bezahlt nur einen Teil und den Rest der Staat, weil er halt behindert ist.
      Es gibt auch so einen Integrationsfachdienst der wohl hinzugezogen werden kann, wenn es Probleme gibt.

      Mein Nachbar lässt sich aber vom Chef einschüchtern glaube ich und möchte den Fachdienst nur im Notfall hinzuziehen.
      Er sagte er habe mit dem Küchenchef gesprochen und der wollte für ihn mit dem Hotelchef sprechen, dass er nächste Woche Unterstützung bekommt beim Spülen.
      Damit hat sich mein Nachbar dann zufrieden gegeben.

      Aber das kanns doch nicht sein ? Hat er Recht darauf die ganzen Überstunden der letzten Monate noch bezahlt zu bekommen, bzw. als Urlaubstage gutgeschrieben zu bekommen oder so?

      Diese Woche hat er bisher schon 19 Std. gearbeitet und morgen soll er wieder von 15 Uhr bis ca. 22 Uhr arbeiten.
      Falls er für die vergangenen Monate nichts mehr bekommen kann, soll er dann morgen schon auf Bezahlung der Überstunden bestehen ?

      Er selber möchte morgen die Überstunden einfach noch hinnehmen und dann abwarten, dass es sich nächste Woche bessert...

      Ich kann das nicht mit ansehen wie er dort verarscht wird, aber ich möchte ihm da auch keine Probleme einhandeln...
      Er ist unbefristet dort eingestellt, kann also nicht so einfach gekündigt werden soweit ich weiß.
  • 12 Antworten
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      Global
      Dabei seit: 07.11.2012 Beiträge: 257
      Solche Fragen sollte dieser Herr wirklich mit dem Fachdienst besprechen (und dir als Vertrauensperson sollte der Herr die Sachlage nicht optimal vortragen können)

      Es gibtn Arbeitsrecht und wenn er Mehrarbeit leistet, sollte er dies vergütet bekommen - entweder monetär oder durch Zeitausgleich.
    • Andryze
      Andryze
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.01.2012 Beiträge: 64
      okay soweit, aber...

      Original von ilikemilkandcookie
      (und dir als Vertrauensperson sollte der Herr die Sachlage nicht optimal vortragen können)
      den Part verstehe nicht nicht so ganz ?
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      Global
      Dabei seit: 07.11.2012 Beiträge: 257
      d.h. wenn du hier schon vom Fall erzählst, kann es ja sein, dass du mit dem Herrn in engerem, freundschaftlichem Kontakt stehst und seine Sachlage bei einem Gespräch mit einem Fachdienst besser erläutern kannst als er selbst

      hab das "," zwischen Vertrauensperson und sollte vergessen


      btw. Er soll mal in seinen Arbeits-/Integrationsvertrag schauen ob Überstunden monetär
      oder durch Zeitausgleich geregelt/ausgeglichen/vergütet werden

      Und für die Zeit nach Klärung der aktuellen Sachlage:
      Falls ihm der Job dort Spaß macht, kann er sich ja auch mit dem Unternehmen auf einen
      neuen Arbeitsvertrag zu verbesserten Konditionen einigen.
      Er kommt ja deinen Aussagen nach monatl. auf ca. 30-40 Überstunden. :f_eek:
    • Andryze
      Andryze
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.01.2012 Beiträge: 64
      Original von ilikemilkandcookie
      d.h. wenn du hier schon vom Fall erzählst, kann es ja sein, dass du mit dem Herrn in engerem, freundschaftlichem Kontakt stehst und seine Sachlage bei einem Gespräch mit einem Fachdienst besser erläutern kannst als er selbst

      hab das "," zwischen Vertrauensperson und sollte vergessen


      btw. Er soll mal in seinen Arbeits-/Integrationsvertrag schauen ob Überstunden monetär
      oder durch Zeitausgleich geregelt/ausgeglichen/vergütet werden

      Und für die Zeit nach Klärung der aktuellen Sachlage:
      Falls ihm der Job dort Spaß macht, kann er sich ja auch mit dem Unternehmen auf einen
      neuen Arbeitsvertrag zu verbesserten Konditionen einigen.
      Er kommt ja deinen Aussagen nach monatl. auf ca. 30-40 Überstunden. :f_eek:
      Okay verstehe, ja ich stehe in freundschaftlichem Kontakt zu ihm und werd ihm da helfen wo ich kann.
      Einen Arbeitsvertrag hat er keinen "Richtigen", erst hat er dort ein paar Wochen komplett ohne Vertrag gearbeitet und musste den Chef mehrmals drauf ansprechen.
      Ich habe den Vertrag noch nicht gesehen, aber ich sage es mal mit den Worten von meinem Nachbarn: "Es ist nur ein kleiner Vertrag, da steht aber alles wichtige drauf, also dass ich dort unbefristet eingestellt bin und ein Stempel und eine Unterschrift sind auch drauf."

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dem Vertrag der ihm ausgehändigt wurde nichts bzgl. Überstunden steht - der Chef ist sich denke ich mal voll und ganz bewusst, dass er ihn unbezahlt Überstunden machen lässt...

      Btw. es sind "nur" um die 10 Stunden, die er dort zuviel macht.
      Laut Vertrag soll er dort 18,5h arbeiten, es sind aber um die 27-30h~ meist.
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      Global
      Dabei seit: 07.11.2012 Beiträge: 257
      ja die rund 10h je Woche summieren sich ja auch auf 30-40 Überstunden im Monat.


      Wenn nichts im Vertrag zur Überstundenregelung steht, dann müssen sie nach Arbeitszeitgesetz mit dem normalen Stundenlohn vergütet werden, sofern es keine Branchenzuschläge gibt.


      Wie lang arbeitet er schon bei dem Hotel mit einem Arbeitsvertrag, sprich offiziell ?

      Länger als 1 Monat: Dann soll er seinen Lohnnachweis selbst/vom Fachdienst checken lassen, sprich schauen ob die Mehrarbeit mit vergütet wurde
      ggf. das Thema beim Hotel ansprechen oder über den Fachdienst, wenn Probleme/Klärungsbedarf bestehen/besteht.

      Kürzer als 1 Monat: (d.h. er hat noch kein Gehalt erhalten) Abwarten bis er zum 1. Mahl Lohn bekommt und bis dahin sämtliche Überstunden tagesgenau irgnwo aufschreiben (auch die Vergangenen aus dem Gedächtnis heraus)
      um die Anzahl dann mit den vergüteten Arbeitsstunden vergleichen zu können
    • Andryze
      Andryze
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.01.2012 Beiträge: 64
      Ja ist richtig, 30-40h pro Monat.

      Er arbeitet schon ca. 2 Jahre dort mit einem Arbeitsvertrag, Überstunden wurden nie bezahlt.
      Es werden die Arbeitsstunden ja auch nirgendwo aufgeschrieben.
      Am Ende des Monats werden immer nur die 18,5h bezahlt.
      Wie schon gesagt, ihm selber war das gar nicht bewusst wieviele Überstunden er immer macht, erst seitdem ich das mit ihm mal ausgerechnet habe wieviel er da arbeitet.

      Hat er denn möglicherweise noch Anspruch auf Bezahlung oder Urlaubstage für die Überstunden der vergangenen Wochen / Monate ?
      Die Stunden wurden zwar nirgends notiert, aber der Küchenleiter und seine anderen Arbeitskollegen wissen ja wie lange er immer in etwa da ist und können das bezeugen.
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      Dabei seit: 07.11.2012 Beiträge: 257
      Ich weiß nur, dass die Mehrarbeit in seinem Fall als normaler Lohnempfänger vergütet werden muss,
      ob rückwirkend über die letzten 2 Jahre kann ich dir leider nicht beantworten, da ich selbst auch nur
      Laie bin und der Fall deines Kollegens ja schon eine besondere Sachlage mitsichbringt.
      Allein schon durch die Mitwirkung eines Fachdienstes, sprich einer Institution ö.R..

      Aus den Erfahrungen meines Berufslebens heraus kann ich nur sagen, dass meine Überstunden
      bei meinem letzten Arbeitgeber bei Nicht-Inanspruchnahme 3 Monate nach Jahreswechsel verfielen.
      Bei anderen Arbeitgebern werden sie am Jahresende ausbezahlt/oder abgefeiert.
      Bei der Metro Cash & Carry bspw. darf ein nomaler Mitarbeiter bis Abteilungsleiter Stand 2008 nur -24h/+30h Überstunden haben, sonst wird bei Ihm höflich angefragt
    • Andryze
      Andryze
      Einsteiger
      Dabei seit: 16.01.2012 Beiträge: 64
      Ok, dann werden wir wohl mal den Fachdienst zu Rate ziehen.
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      Global
      Dabei seit: 07.11.2012 Beiträge: 257
      Jut, dann macht das.

      Was ich noch sagen kann ist: Die Protokollierung und Aufführung von Mehrarbeitsnachweisen ist Aufgabe des Arbeitgebers.
    • wusah
      wusah
      Bronze
      Dabei seit: 06.02.2006 Beiträge: 15.792
      Viel Glück bei der Sache.
      Ich finde mega cool dass du da hilfst.
      Solche Arbeitgeber sind einfach zum kotzen.
    • fretless
      fretless
      Bronze
      Dabei seit: 04.01.2009 Beiträge: 272
      Hier mal die Nummer vom BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) zum Thema Arbeitsrecht:

      Arbeitsrecht:

      030 221 911 004


      http://www.bmas.de/DE/Service/Buergertelefon/inhalt.html
    • JesterIF
      JesterIF
      Bronze
      Dabei seit: 26.02.2007 Beiträge: 845
      Ätzend sowas.

      Imo sollte er auf jeden Fall alle rechtlichen Mittel nutzen die er zur Verfügung hat. Angst vor Jobverlust braucht er soweit ich weiß nicht zu haben, da sein Vertrag unbefristet ist und es für den Arbeitgeber aufgrund der Behinderung wohl sehr schwer bis unmöglich sein dürfte ihn zu entlassen wenn er nicht gerade beim Klauen erwischt wird o.ä.