Stats auf den micros

    • agonyship
      agonyship
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2009 Beiträge: 4.929
      bis NL10. Hab in letzter Zeit öfter im Handbewertungsforum und werde das Gefühl nicht los, dass sich viele Leute mit Stats auf den micros irgendwie selbst lvln. Missinterpretationen, zu kleine sample oder sogar das sogn. "Scooop'sche Syndrom" treten imo nicht selten auf.
      Ich selbst spiele erfolgreich auf den micros ohne stats, nur mit gelegentlichen notes und fahre ganz gut damit. Deshalb frage ich mich, ob es überhaupt Sinn macht auf den micros mit stats zu spielen. Und wenn ja: Können viele microgrinder einfach gar nicht richtig damit umgehen? Was meint ihr?
  • 3 Antworten
    • SonMokuh
      SonMokuh
      Bronze
      Dabei seit: 21.04.2010 Beiträge: 2.861
      Stats sind zusätzliche Informationen, die richtig eingesetzt logischerweise nen positiven EV haben. Ich denke gerade für Micro Spieler sind stats wichtig, da das Spiel gegen Regs oder gegen Fische grundverschieden ist. Ich hatte ab NL2 den Hold'em Manager und bereu es absolut nicht. Jemand der sich sein Game mit stats versaut, versaut es sich mMn auch ohne. Die meisten, die scheitern, scheitern wahrscheinlich am grundlegenden ABC Poker. Dagegen gibt's keine Medizin :D
    • niceup1
      niceup1
      Bronze
      Dabei seit: 27.09.2012 Beiträge: 447
      Spiele NL10 und würde ohne Stats garnicht mehr klar kommen, merke ich wenn Hem2 mal wieder abkackt, obwohl ich nur 4 Tische spiele.
      Schaue eigentlich bei jeder Action auf die Stats, denke das ist auch nicht verkehrt zur Übung für höhere Limits bzw mehr Tische.
      Was man dann mit den Stats macht ( 100 Vpip auf 2 Hände -> Fisch!!!111) ist jedem selbst überlassen, das sollte man aber natürlich realistisch einschätzen
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich stimme der These im Ausgangspost zu. Meiner Erfahrung nach werden Stats überaus häufig falsch interpretiert und das liegt daran, dass die wenigsten Leute ein Verständnis von Statistik haben (in der Schule wurde es mir z.b. nicht erklärt - hab da das erste mal wirklich was von im Studium erfahren).

      Statistik ist ein sehr komplexes und abstraktes Thema, hilft aber dabei in relativen Bedingungen zu Denken (für einen erfolgreichen Pokerspieler ist das oft essentiell) und nicht das Alltags Schwarz-Weiss Denken anzuwenden. Genau letzteres bricht aber vielen Spielern das Genick - sie sehen 80% Vpip und 60% Pfr. Tick Tick im Artikel so und so steht, dass dies Indikatoren für einen Maniac sind. Tick Tick ich lege den Spieler in Schublade Maniac ab und schwups steckt eine Nit in der Schublade Maniac, weil die Samplesize nicht berücksichtigt wurde.

      Stats konvergieren immer nur relativ zur Samplesize gegen ihren tatsächlichen Erwartungswert. Preflopstats konvergieren meistens sehr schnell (vor allem wenn Spieler sehr viele Hände spielen), Postflopstats dagegen eher langsamer. Es musst berücksichtigt werden, dass man selbst bei einer Sample von 1000 Händen gar nicht mal soviele Riversituationen von einem Spieler erfassen wird, wenn er z.b. 30/20 spielt mit 40% Fold to Flopbet, 40% Fold to Turnbet oder so.

      Von seinen 1000 Händen spielt er sowieso nur 300. Davon wirft er 40% am Flop weg => 300*0,6 = 180 => davon wirft er nochmal 40% am Turn weg => 180*0,6 = 108

      Wenn man jetzt einen Wert wie Bet/Shove River interpretieren wird und im Endeffekt genau diese Situation 2x vorgekommen ist (und der Stat entsprechend 50% anzeigt, wenn der Gegner einmal gecallt hat und einmal geshovt hat), dann merkt man wie klein eine Sample von 1k Händen doch eigentlich ist.


      Was viele imo auch massiv unterschätzen: Stats am Tisch sind eine zusätzliche Information. Unser Gehirn ist aber nur in der Lage eine bestimmte Menge an Informationen aufzunehmen und umzusetzen - was helfen da unendlich viele Stats am Tisch, wenn man möglicherweise nur einen Bruchteil überhaupt nutzen (kann) und aufgrund der erhöhten Menge Energieverbrauch kürzere Sessions spielen muss.

      Häufig erlebe ich in Coachings auch, dass Spieler durch/mit ihren Stats die wesentlichen und essentiellen Dinge am Tisch einfach übersehen.