Handreading NL 5

    • Myroon
      Myroon
      Bronze
      Dabei seit: 11.08.2012 Beiträge: 11
      Moin,

      mein erster Versuch. Hoffe bin hier richtig.

      Also, mein Problem ist das herrausfinden von Handranges. Warum? Nun, sagen Wir mal mein Gegner ist ein ganz normaler TAG und sitzt IP. Selbst wenn Ich die beste Starthand habe (AA), raise und er callt und alle anderen steigen aus und das Board kommt sagen wir mal 2h,7d,9s und Ich c-bette und er callt, dann ist doch alles möglich oder nicht? Seine ganz normale Range wäre doch, alle Broadwaykarten alle Paare und vielleicht alle oder einige Ax und Axs Hände. Wenn Ich jetzt auf dem Turn wieder bette und er callt dann kann er mich mit 22,77,99 schon geschlagen haben und Ich verliere meinen ganzen Stack oder wenn Ich aufhöre zu betten, bekomme Ich nicht seinen Stack wie z.B. von allen Paaren besonders von TT, JJ oder A9 oder allen twopairs. Also was tun ???

      Und was wenn er auf dem River gas gibt, denn mit allen overpairs denkt er doch er liegt vorne.
      Oder ist die Wahrheit in dieser Situation gehe Ich broke, das ist nunmal so? Hop oder Top. Und was wenn Ich in dieser Situation TT oder JJ habe, er könnte doch Overkards haben und wartet auf eine hohe Karte und ich liege vorn, aber das führt wohl zuweit, vielleicht kann Mir ja einer helfen.

      In hoffnungsvoller Erwartung


      Myroon
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    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Den ersten wichtigen Schritt hast du schon getan:

      1. die sogenannte Range Reduction: Du gibst deinem Gegner eine Range (ob diese jetzt so stimmt oder nicht lassen wir mal aussen vor - jeder Spieler hat individuelle Züge in seinem Spiel) und entfernst bestimmte Handgruppen aus dieser Range aufgrund der Action.

      Er wird wahrscheinlich am Flop eine Hand wie KQo nicht halten, wenn er den Flop callt.

      2. Die gesamte Dynamik am Tisch: Ranges verändern sich in Abhängigkeit einer Vielzahl von Faktoren. Es ist schwierig alle zu erfassen, aber hier mal ein paar, die mir spontan so einfallen (nicht nach Wichtigkeit sortiert):

      i) Gameflow -> d.h. aktuelle History mit dem Gegner.

      ii) Positionen -> d.h. wo sitzt du und wo sitzt dein Gegner

      iii) Action -> was ist passiert bisher

      iv) involvierte Spieler -> häufig ändern sich Ranges, wenn besonders schlechte Spieler in Pötten involviert sind (z.b. kann es da passieren, wenn du in MP openraist und BU - Reg callt und im BB sitzt der Tischfisch, dass der BU mit Aces auftaucht)


      Auf NL5 werden die meisten regulären Spieler noch ein sehr unkreatives Spiel haben und sich primär auf sich selber konzentrieren. D.h. ich würde nicht annehmen, dass sie sich großartig und vor allem korrekt auf Tischdynamiken einstellen, sondern irgendwie (deine Aufgabe ist es im Endeffekt herauszufinden, wie sie das machen und was sie machen).


      3. Du setzt Ranges in ein Verhältnis. Viele Anfänger machen den Fehler gegnerische Ranges Postflop von oben nach unten aufzubauen - d.h. sie sehen immer zuerst alle Hände, die sie schlagen (so hast du das btw. auch gemacht^^) und machen sich erst danach Gedanken darüber was sie alles so schlagen.

      Wenn ich eine Hand wie AA habe, dann überlege ich mir nicht was mich alles geschlagen hat und verfalle in eine Starre, sondern überlege was ich alles schlage und mit welcher Line ich daraus Value extrahiere.

      Das wichtigste ist dann die Fassung einer Valueline am Flop. D.h. du überlegst dir am Flop welche Hand(gruppen) du mit AA angreifen willst und welche Line du dafür wählst auf dem entsprechenden Board:

      Z.b. auf dem 972r Board kommst du zu dem Schluss, dass du A9, K9s, Q9s, J9s, T9s, 88, 7xs mit Backdoorflushdraw, JT, T8s, 68s oder so angreifen willst.

      i) du weisst jetzt welche Made Hands du angreifen willst

      ii) du weisst jetzt auf welche Draws du achten musst

      => es ist sehr wahrscheinlich, dass du Bet Flop - Bet Turn spielen wirst (um 9x und Draws anzugreifen) und unter Umständen (eher wahrscheinlich) auch Bet River.

      Dieser Plan ist jetzt gefasst bevor du überhaupt ne Turn und Riverkarte gesehen hast und dient als Ausgangspunkt.


      Jetzt musste dir auf jeder folgenden Straße überlegen, ob die Karte, die Range des Gegners dermaßen stark verbessert, dass dein ursprünglicher Plan Bet - Bet - Bet nicht mehr gut ist und evtl. geändert werden muss. Z.b. wenn das Board 9728T wird, dann ist Check River wahrscheinlich besser als Bet River oder wenn Turn 9729 kommt und der größte Teil seiner schlechteren Made Hands 9x ist, dann wird Check Turn > Bet Turn.


      Grundsätzlich ist es so, dass der Gegner bei einer Bet immer mehr schlechtere Hände als bessere Hände weiterspielen sollte, um auf den ersten Satz wieder zurückzukommen.


      4. Wie gegen Aggression umgehen:

      Das ist sehr wichtig, dass du dir auch hier schon am Flop überlegst wie du Postflop vorgehen willst. Macht dein Gegner den Fehler zuviel am Flop zu callen ODER zuviel am Flop zu raisen? Auf den Micros machen die meisten Gegner den Fehler zuviel zu callen (oder zu folden).

      => B/F ist mit Toppairs und Overpairs oft (nicht immer!!) deutlich besser als eine alternative Line (ich will jetzt nicht zu tief gehen).

      Wenn du jedoch den Eindruck hast, dass dein Gegner zuviel raist, dann kann auch B/C oder Bet/Reraise ein solider Plan werden.


      5. Falls der Gegner aggressiv ist und zuviel raist, dann musst du über die Struktur seiner Raisingrange Gedanken machen. Es gibt im Prinzip nur zwei Strukturen:

      i) polarisierte Range: die Range besteht aus einem Teil Monster (z.b. Sets) und der Rest ist kompletter Garbage (z.b. KQo oder viele Gutshots). In diesem Fall ist es notwendig, dass du den Rest im Pot behälst. Weil KQo auf aktive Gegenwehr sofort werfen würde wahrscheinlich (ausser der Gegner ist ein Maniac), musst du dich eben mit passiver Gegenwehr wehren.

      Achte hier natürlich darauf, dass der Gegner nicht zu selten blufft.


      ii) depolarisierte Range: Die Range besteht aus Monstern, Semibluffs und mittelstarken Händen (wie A9s oder TT z.b.)

      Diese Ranges anzugreifen kannst du sowohl mit aktiver Gegenwehr (sprich Reraises) als auch passiver Gegenwehr (sprich Calls). Manche Spieler "protecten" am Flop z.b. A9s oder TT, aber geben dann auf aktive Gegenwehr auf - sind jedoch bereit unter Umständen am River noch ne Bet zu callen (meistens läufts dann so, dass du B/C Flop, Check Check Turn und Bet River spielst und eine Bet mehr gewinnst). Manche Spieler semibluffen auch den Flop, um sich einen "freien" River zu kaufen - da ist es dann meistens besser selber etwas aktiver zu sein (vor allem OOP).

      Da musste selber mal experimentieren was in deinem Playerpool besser funktioniert und wie die Gegner reagieren. Mache nicht den typischen Fehler deine eigenen Maßstäbe auf das Verhalten der anderen zu übertragen (das ist zwar am "einfachsten", aber führt meistens zu stark verzerrten Entscheidungen) - beobachte die anderen Spieler und interpretiere nicht ;)
    • 1667Paranoid
      1667Paranoid
      Bronze
      Dabei seit: 02.03.2011 Beiträge: 1.995
      :megusta:
    • Myroon
      Myroon
      Bronze
      Dabei seit: 11.08.2012 Beiträge: 11
      Danke!
    • Witz84
      Witz84
      Bronze
      Dabei seit: 20.11.2007 Beiträge: 6.145
      Man oh man, was der ghostmaster hier immer für content liefert! Wirklich mal Hut ab wie du hier hilfst. Ich hoffe PS.com bezahlt dich wenigstens angemessen ;)

      Grüße
      Witz