Fachbegriffe richtig benutzen - Für eine bessere Verständigung in den Strategieforen [Sammelthread]

    • FatVicious
      FatVicious
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2009 Beiträge: 2.146
      Hi Leute,

      immer wieder lese ich in Threads, dass gerade Anfänger die Pokerlingo nur begrenzt richtig, bzw falsch benutzen. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, es nervt nur wenn man irgendeinen Beitrag überfliegt, drauf antwortet und dann merkt das man totalen Käse redet, weil Hero einfach falsche Bezeichnungen und Fachbegriffe benutzt hat. Sicher gibt es für solche Missverständnisse schon das Glosssar, aber és geht meistens gar nicht darum, dass irgendwelche Wörter nicht benutzt, sondern einfach in ihrem Sinn zweckentfremdet werden.

      Dachte mir es wäre vor allem für Anfänger sehr gut, wenn wir hier mal ein paar solcher Fauxpas sammeln würden. Ich fange gleich mal an und werd dann eure Beiträge, so fern erwünscht, in den OP übernehmen. Am besten schön alphabetisch und übersichtlich..

      Na dann...

      MISSVERSTÄNDLICHE BEZEICHNUNGEN UND DEREN EIGENTLICHE BEDEUTUNG



      - 3betting, 3bet pre und postflop, 3bets in general:
      Hier tun sich immer wieder Missverständnisse auf. Oftmals hört man solche Aussagen wie "Ich bette den Flop und Villain 3bettet mich", oder "Ich raise, Villain 1 reraist und Villain 2 3bettet mich"
      Hier muss man folgende Unterscheidung machen: PREflop steht der Bigblind für die quasi "Erste Bet". Wenn Hero nun raist bringt er eine "Zweite Bet". Wenn nun ein Villain erneut erhöht, bringt er die "Dritte Bet" oder eben die "3bet". POSTflop sieht die Sache nun anders aus. Hier gibt es ja keinen Blind mehr der sinnbildlich für die "Erste Bet" steht. Sagen wir nun wir befinden und HU am Flop. Wir betten und Villain raist uns. Dann ist unsere Bet, eben auf Grund des fehlenden Blinds, die "Erste Bet". Villains Raise ist die "Zweite Bet". ENtscheiden wir nun weiter zu erhöhren, Villains raise also zu reraisen, dann haben wir die "Dritte Bet", die "3bet".


      - Der Unterschied zwischen Set und Trips
      Oft liest man in den HBFs folgende Thread Titel: "Set auf drawheavy Board". Macht man den Thread dann auf sieht man beispielsweise dieses: Hero opened A:d5 am BU, der BB bezahlt und der Flop ist 5:c5:h6. Hero fragt nun wie er sein "Set" am Besten weiterspielen soll. Das Hero hier aber gar kein Set hält führt schon früh zu Verwirrungen.
      Der Unterschied: Wann immer wir ein Pocketpair halten (22, 33, 44, etc...) und wir floppen/turnen/rivern eine Dritte, zu unserem Pocketpair gleiche Karte, so halten wir ein SET.
      Wann immer wir mit 2 unterschiedlichen Holecards spielen und es erscheinen auf Flop/Turn/River 2 Karten, die eine unsere Karten matchen, so halten wir TRIPS.


      - Das "Raise"und "Bet" Problem:
      Dies ist ein eher kleinere Fehler, der vor allem Spielern die vorher viel live gespielt haben, immer wieder widerfährt. Da wird dann wie wild postflop geraist und gebettet, obwohl oftmals das Gegenteil der Fall ist. Nicht weiter Schlimm, hier die Erklärung: Eine BET liegt vor, wenn niemand vor uns einen Einsatz getätigt hat, den es zu erhöhen gibt. Bin ich also Postflop 1st to act, so "Bette" ich. Ist vor mir bereits eine "Bet" getätigt worden, dann "bette" ich diese nicht, nein, ich erhöhe sie, sprich ich "raise" oder bringe ein "Raise".


      - Der Unterschied zwischen Equity und Expected Value:[/B]
      Ok, jetzt wirds schon ein wenig kniffliger. Manchmal lese ich das Spieler folgendes behaupten: "Mein EV ist hier mindetsens 36%, deswegen calle ich" oder "Der Spielzug hat nenegative Equity imo". Machen wir es also kurz und übersichtlich, und JEDEM verständlich ;) : Spreche ich von Outs und Odds, wie oft also mein Draw ankommt, oder was mir im Moment prozentual zusteht, bzw wie gut meine Hand gegen die Range von Villain performed, dann ist die Rede von EQUITY. Möchte ich wissen wieviele DOLLAR ich im longrun mit diesem Spielzug verliere/gewinne, so spreche ich vom EV, oder halt dem Expected Value.


      - Stakes und Stacks: Ein sehr leidiges Thema, selbst erfahrene Spieler machen hier oftmals noch Fehler. Hier die Erläuterung: Der Stapel der vor mir steht, ist der sogenannte Stack, also das Geld was ich zur Verfügung habe im Moment am Tisch. Mein Stack kann deep werden oder short, hier auch zu beachten die SSS (ShortStackStrategie oder die BSS(BigStackStrategie). Mit Stakes sind die u.a. die Blinds gemeint, (vgl. High Stakes Poker, eine beliebte Poker Fernsehserie bei der die Grundeinsätze exorbitant hoch sind) also z.B. NL50, ein Spiel mit den Stakes .25$/.50.
      Ein weiterer Unterschied ist das "Staking" und das "stacken". Wenn ich einen Spieler "stake" dann gebe ich ihm ein bestimmtes Grundkapital zum spielen, und an dem womöglichen Gewinn profitieren wir beide. Wenn ich einen Spieler "stacke" heisst das, ich habe ihm seinen Stack abgenommen/wir haben einen Pot "for Stacks" gespielt.



      So, das wars erst mal von mir, ich hoffe ihr werdet aktiv und delivered mir viel Content den ich dann in ner kurzen Erklärung in den OP übernehmen kann. Ich denke wir tun uns und vor allem den Anfängern was Gutes damit :)

      €: ich denke ein mod könnte den thread auch in ein strategieunterforum oder ins einsteigerforum verschieben, aber das überlass ich euch, je nach dem wo ihr denkt dass der thread besser aufgehoben ist! :)
  • 5 Antworten
    • HockeyTobi
      HockeyTobi
      Bronze
      Dabei seit: 03.12.2005 Beiträge: 23.227
      Mit gefällt er hier gut :f_thumbsup:
    • FatVicious
      FatVicious
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2009 Beiträge: 2.146
      geupdatet
    • Mati312
      Mati312
      Bronze
      Dabei seit: 27.04.2010 Beiträge: 1.009
      Verstehe deine EV/Equity Unterscheidung nicht. Wenn ich in einer bestimmten Hand x% Equity hab, dann ist das genau der expected value den ich longterm habe. Sehe zwischen den beiden Begriffen nicht wirklich einen Unterschied.
    • FatVicious
      FatVicious
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2009 Beiträge: 2.146
      Original von Mati312
      Verstehe deine EV/Equity Unterscheidung nicht. Wenn ich in einer bestimmten Hand x% Equity hab, dann ist das genau der expected value den ich longterm habe. Sehe zwischen den beiden Begriffen nicht wirklich einen Unterschied.
      Hi,

      nett das hier mal Leben rein kommt, also zuersat mal Danke für dein Feedback.
      Nun, ich möchte hier natürlich ungern Bullshit verzapfen, aber du hast da imo nen Denkfehler drin. Lass es mich anhand eines Beispiels deutlich machen was ich meine:

      Sagen wir wir halten A :club: 5 :club: an einem NL200 Tisch am BU. UTG opened 3BB, MP callt, CO callt und wir callen auch. Die beiden Blinds folden und wir sehen zu 4. folgenden Flop:

      8 :club: 9 :club: K :diamond:

      Der Pot istz nach der pre Action 13,5BB oder 27$.

      Nun cbette UTG 14$, MP u Co folden. Wir haben nun einen Pot der 41$ groß ist und müssten 14$ zahlen um die Turnkarte zu sehen. Sprich PotOdds von 41:14 oder einfacher von ca 3:1. Unsere Odds die wir zum Turn brauchen um unseren Draw zu komplettieren betragen 4:1 nach Outs (9). Wir haben also ca. 20% EQUITY unseren Flush am Turn zu machen. D.h. konkret uns gehören im Moment 20% vom Pot. Sollte es hier reingehen haben wir fast die doppelte EQUITYbis zum River, nämlich 36% (wenn Villain kein :club: blockt etc).

      Diese Equity ist aber NICHT der EV!!!

      Der besagt lediglich, ob wir longterm Geld verlieren oder gewinnen. Sollten wir hier also den Call machen, unseren Flush hitten und KEIN WEITERES GELD (implied Odds) mehr in den Pot bekommen, velieren wir stetig Cash, da unsere Odds nicht ausreichen (4:1 brauchen wir, 3:1 bekommen wir). In Zahlen: Wir zahlen 5 Mal 14$ um 41$ zu gewinnen. Von diesen 5 Mal gewinnen wir einmal und verlieren 4 Mal. 41$ Gewinn - 5*14$ = -29$. Bei jedem Call velieren wir durchschnittlich rund 6$. Das macht den Call MINUS EV. Er hat also einen negativen Erwartungswert oder englisch expected value.

      (Die Angaben habe ich jetzt mal unter Vorbehalt von Villains Range gemacht, sonst wirds zu kompliziert, da man ja sonst noch evaluieren müsste wiviele Outs wir haben wenn der Turn pairt und Vilain evtll schon FH hat etc pp)


      Für etwaiige Rechenfehler keine Gewähr.

      Ich weiss, es gibt Leute die das besser erklären können, aber ich hab mein Bestes versucht :P
    • zomg13
      zomg13
      Bronze
      Dabei seit: 29.10.2012 Beiträge: 396
      Ich finde es immer schlecht, wenn eine Abkürzung für mehrere Begriffe benutzt wird. Beispiel CB wird von manchen im Sinne von Continuationbet und von anderen für checkbehind (was imo mehr Sinn macht, da man die Continuationbet auch mit Cbet abkürzen kann, was auch allgemein so getan wird)

      Ein anderes Beispiel, wobei man hier aus dem Zusammenhang leichter erkennen kann, was gemeint ist, sind die Abkürzungen für eine Folge von Aktionen auf einer bestimmten Street.
      Beispiel: Hero spielt am Flop check/call. Dies wird von vielen Spielern c/c abgekürzt, wobei für den Check und den Call die gleiche Abkürzung benutzt wird. Hier ist noch klar ersichtlich, was gemeint ist.
      Ein anderes Beispiel: Hero ist am Flop im Sandwich (ein Spieler kann vor ihm agieren und der andere nach ihm) und er spielt wieder c/c. Jetzt kann das aber bedeuten, dass Spieler A bettet, Hero callt und Spieler B raist, worauf Spieler A und Hero callen. In diesem Szenario spielt Hero also call/call.
      Es kann aber auch sein, dass Spieler A und Hero checken und Spieler B darauf hin bettet. Jetzt callen Spieler A und Hero und Hero spielt damit check/call.
      Es wäre schön wenn hier eine einheitliche und vor allem klare Abkürzung benutzt wird. Da finde ich die Variante die im HoldemManager benutzt wird und die auch einige Spieler hier im Forum verwenden recht gut. Man kürzt dabei den Check nicht mehr wie den Call mit einem c ab sondern benutzt dafür ein x. Ein check/call wird dann mit x/c abgekürzt.