Poker - (k)ein kriegsspiel?

    • Acryl
      Acryl
      Silber
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 2.411
      hey leute,

      was mich in letzter zeit beschäftigt da ich wieder mehr poker spiele ist die negative emotion die dahinter steht. sprich der umgang mit verlusten, unerfüllten erwartungen, neid und eben alles was die kehrseite des spiels ausmacht.

      ich finde mich regelmäßig in bewusstseinszuständen wo ich mein "gegenüber" (online) einfach nur hasse und verachte, ich habs mir weitestgehend abgewöhnt "gegner" zu flamen aber ich empfinde trotzdem oft tiefste verachtung. im nachhinein ists mir oft peinlich wie ich emotional ausgeufert bin und irgendwelchen leuten (meist regs, keine fische) mental die pest an den hals gewünscht hab nur weil sie, im grunde genau wie ich, versuchen kohle zu machen.

      kurz gesagt, ich befinde mich mental öfter im kriegszustand wenns nicht so läuft wie ichs gerne hätte und da wir alle wissen wie ausgeprägt die varianz ist, wird sich daran wohl nichts ändern wenn ich meine betrachtungsweise nicht änder.

      mir ist völlig bewusst dass poker ein kriegsspiel sein KANN, wenn man es dazu macht, was bei mir wohl der fall ist, was ich mir wohl schnellstens abgewöhnen sollte weil ich einfach merke dass es sehr ungesund ist (schlechter schlaf, allgemeine mieße laune nachwirkend) und natürlich auch den fokus vom wesentlichen nimmt: gutem spiel.

      ich tilte zwar nicht wirklich aber ich denke schon dass der einfluss jeglicher emotion (positiv sowie negativ) gedankengänge eher im negativen sinne verzerrt / blockiert.


      wie geht ihr mit verlusten um? beneidet ihr leute die "mehr" glück haben als ihr? seid ihr gute verlierer und falls ja, was denkt ihr, macht euch dazu?
  • 11 Antworten
    • FatVicious
      FatVicious
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2009 Beiträge: 2.146
      Ich kenn das. Was war ich ein Vollidiot früher... Habe bei Stars wohl mehr Zeit im Chat vebracht als am Tisch selber. Jeder Freizeitspieler war sofort ein Hurensohn, Fisch, Vollidiot... und das waren noch die mildesten Beschimpfungen :facepalm: Irgendwann hab ich mich dann aktiv mit meiner Verhaltensweise auseinandergesetzt (viel geholfen hat mir die Tilt no more Vidserie hier und das Buch The mental game of poker. Man muss einfach VOLL UND GANZ verinnerlichen dass einem Spieler die "glück" haben, also einen aussucken, im longrun das meiste Geld bringen. Man muss AKZEPTIEREN das beim pokern zu velieren das normalste der Welt ist und es einfach zum Spiel dazu gehört. Ich kanns nur immer wieder sagen, stell dir mal das Traumszenario vor. Du hast AA und ein Gegner vor dir, der sich schon laufend durch komische Moves geäußert hat geht einfach All in für 500BB. Du hast ihn covert und kannst es gar nicht erwarten deinen Stack hineinzubringen. Himmel, aucxh noch so deep!!! Im Kopf passiert jetzt grade folgendes: Die Synapsen feiern ne Party, deine Hirnanhangsdrüse ist so damit beschäftigt Endorphine auszuschütten dass du gar nicht mehr klar denken kannst. Du siehst schon den monströsen Pot auf deiner Bankroll gutgeschrieben. Es kommt zum Showdown... Villain zeigt 93o. Lol, so ein Trottel, wie gut dass es solche Deppen gibt die mir einfach Geld schenken.- Leider... kommt der das Board jetzt halt 56A78... Was... Das kann nicht sein!!!!!???!! OMG OMG OMG!!!!!111 So ein Wichser, so ein dummer kleiner Hurensohn, wie kann man bitte mit 93o All In gehen... und dann auch noch so rumlucken, ja ne is kla!!!!!!

      Du kennst so ne Reaktion sicherlich ;) Und sie ist auch nicht verwunderlich nachdem was vor dem austeilen des Boards in deinem Kopf vorging. Du bist jetzt enttäuscvht, traurig... du versuchst dir mit so nem Shitstrom im Chat Luft zu verschaffen....


      STOP!!!



      Weg vom Tisch, entspannen, die Wut beim Sport rauslassen. Und jetzt nochmal zur Hand. Wir kamen für effektig 5 Stack Pre All In, mit AA. Wir sind fast 9:1 Favorit. Hm... 9:1... Is ja unglaublich viel!!! Also wie konnten wir nur velieren, wie konnte dieser Huso...

      Hey, ich hab doch STOP gesagt! ;)

      Auf was ih eigentl raus will: Jedes 10. Mal ca, werden wire, so heftig dass dann in dem Moment auch sein mag, eben verlieren. Und das, GENAU DAS, musst du bis zum umfallen verinnerlichen! Dann, NUR dann wirst du es AKZEPTIEREN können! Sei eins mit der Varianz, sei eins mit Poker, VERSTEHE Poker! Das hört sich jetzt nach unheimlich philosophischem Schwachsinn und Humbug an. Aber glaub mir, es schont deine Nerven, deinen Geldbeutel und deine Mitmenschen wenn du gelernt hast, das Verliren genauso dazu gehört wie Gewinnen. Auch hundertmal hintereinander. Auch tausendmal hintereinander... Ich kann mich an eine Session erinnern in der ich NL25 deep gespielt habe. Es lief über gut 1k Hands immer BE. Dann AA, KK, AKs und AQs jeweils für 250BB pre gegen den Tablemaniac shipp0rn können. Und alle verloren, am schlimmsten der Suckout mit den AA. Der Suckout den ich oben beschrieben hatte. Die anderen Händ ebenfalls alle mit mind 70% Favorit reingebracht. Was ich gemacht habe?
      Nun, ich hab gequittet. Für mehrer Tage sogar. Es hat einfach so sehr in mir gebrodelt... ich wäre am liebsten zu demTypen gefahren und hät dem iwas angetan. Kein Scherz. Das war der schlimmste pokertag in meinem bisherigen Leben. Und dann? Dann hab ich frischen Mutes die Tables wiedr gejoined. Und ER war auch wieder da. Ob ich noch sauer auf ihn war? Nö, denn ich wusste ich würde iwann mein Geld wiederbekommen. Ob ich damit gerechnet habe wieder zu velieren? Klar, so wie ich gegen ihn verliren kann, kann ich gegen jeden am Table verliren, Shit happens! Das ist jetzt gut 2 Wochen her. Seitdem war der Typ jeden Tag an meinen tischen. Und seitdem hat mir der Typ mein Geld fast doppelt zurückgegeben. klar, klingt jetzt erfunden und eher wie ein Märchen. Aber selbst wenn ich noch 1000 Stacks an den verloren hätte, iwann, ja, IRGENDWANN wäre es doppelt und dreifach wieder an mich zurück gegangen.

      LERNE ES ZU VERSTEHEN!!! :)


      MfG
    • FISCH00
      FISCH00
      Bronze
      Dabei seit: 31.12.2011 Beiträge: 335
      Also wenn es mal wieder ;( scheiße Läuft dann Verachte/Hasse ich nicht den Gegner sonder das Spiel an sich.
      Denn es ist nun mal das Spiel "Poker" was die Varianz mit sich Bringt und ich weiß vorher worauf ich mich einlasse und einen schlechter Gegner der mich gestackt hat den kann ich ja nicht wirklich hassen da ich ja solch Leute brauche am Tisch.

      Denke aber mittlerweile das der Glücksfaktor schon enorm Groß ist und dem sollte man sich immer bewusst sein.
      Gerade durch solch Seiten wie PS&co ist es mmn nur mit relativ großen Aufwand (zumindest ab einen Bestimmten Level) verbunden sich eine Edge den Gegner zu verschaffen was die Varianz wiederum erhöht.
      Die eigentlich Gewinner sind andere. Die Pokeranbieter, diverse Seiten und vieleicht 10% der Spieler die es eben schaffen da dennoch was zu "reißen";) ....
      PS:FatVicious war schneller ^^
    • Acryl
      Acryl
      Silber
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 2.411
      danke für euren einwurf, leute. mich nerven eher leute gg die ich regelmäßig spiele gg die ich immer wieder verliere und bei denen ich der ansicht bin dass sie einfach permament über EV runnen bzw besser als ich. mir fällt es schwer mich damit abzufinden weil ich mich an diesem spiel auch irgendwo messe, was wohl ein fehler ist.

      2 spieler mit gleichem skill können über n zeitraum von nem jahr das gleiche volumen absolvieren und am ende kann einer der beiden das 10fache up sein. das zu akzeptieren find ich schwer, wenn man nicht gerade der ist, der das 10fache up ist.

      ich schätze ich habs einfach schwer mich mit der varianz abzufinden, wenn ich mit AA gg 72o gg n fish im preflop-allin verlier stört mich das nicht besonders, es ist eher was anderes...


      vllt sollte ich mir auch mal das buch "the mental game of poker" kaufen. mir ist schon bewusst dass es diese varianz ist die für jeden alles möglich werden lässt, die dafür verantwortlich ist dass das spiel so attraktiv ist und in diesem umfang existiert, aber ich finde es schwer mich damit abzufinden weil ich der meinung bin dass ich in meiner karriere nie das große glück hatte wie es andere hatten/gehabt haben, von denen ich der meinung bin dass sie nichts besser gemacht haben. ich sehe darin sowas wie ne "kosmische" ungerechtigkeit und ich kann mich damit nur schwer zufrieden geben.


      ich mein klar hundertausende spielen das spiel und es liegt innerhalb der ettlichen möglichkeiten die die varianz produziert dass ein gewisser teil davon einfach absurd gut runnt und man diese spieler immer wieder oben sehen wird, einige davon sind sicherlich auch ausnahme spieler, andere wiederum haben schlicht ne menge glück.


      naja is vmtl sinnloses rumgeflenne und ihr habt recht, ich muss es einfach akzeptieren lernen dass es zum spiel dazugehört...
    • BradNitt
      BradNitt
      Silber
      Dabei seit: 22.07.2011 Beiträge: 28.492
      wenn du gg leute spielst die dich nerven gibt es ja eigtl 2 möglichkeiten.
      entweder du leavst einfach und suchst dir andere tische oder du analysierst ihr spiel und schaust was sie so machen. ob sie wirklich einfach nur sick runnen was auch vorkommt oder ob sie vlt auch bei dir gewisse schwachstellen gefunden haben die sie ausnutzen, dadurch kannst du dich verbessern und vlt gewisse dinge auch in dein spiel einarbeiten.
      das wird auch mehr selbstbewusstsein geben und man kann da auch positive dinge für einen selber finden. bringt auf jedenfall nichts sich davon abfucken zu lassen iwo solls ja auch noch spass machen
    • exium
      exium
      Bronze
      Dabei seit: 30.04.2012 Beiträge: 276
      Denke immer daran wenn DU richtig gespielt hast und dein Geld reinbekommst ist doch alles zu 100% richtig .. Was dann mit den zufälligen 5 Karten passiert kannst du nieeeemals beeinflussen. Du kannst nur dafür sorgen das du Als Favorit All-in kommst und hoffen das die Varianz nicht immer wieder zuschlägt ;)
    • Acryl
      Acryl
      Silber
      Dabei seit: 17.01.2005 Beiträge: 2.411
      ja, das sag ich mir auch immer aber ich kann manchmal nur schwer glauben dass manche leute zufällig mehr glück haben als andere und dann werd ich wütend lol.. es ist schon ziemlich primitiv und dumm aber ich denke ich werde das in den griff kriegen. etwas zu wissen bedeutet halt doch nicht immer völlig von einer sache dann auch überzeugt zu sein
    • precognitive
      precognitive
      Bronze
      Dabei seit: 01.01.2011 Beiträge: 1.986
      fällt mir auch schwer. vor allem wenn man sieht das manch ein regular da doppelte von meinen winnings in der hälfte der gespielten sng´s macht und subjektiv selten ausgesuckt wird und schlechte all ins gewinnt. wenn ich merke ich werde sauer regge ich mich nicht mehr, so verhinder ich zu tilten. wenn du (positive oder negative) Emotionen fühlst ist es meist schon zu spät. mitlerweile spiele ich mein spiel so gut es geht trotzdem einfach weiter. dabei das dann durchzuhalten hat geholfen den leuten ein "nh" oder gl all " in den Chat zu schreiben. (klappt so lange die suckouts nicht überhand nehmen ganz gut). im grunde genommen schreibe ich das nh rein, da ich mich im grunde genommen über den spielstil freue (n sollte). wurde ja oben beriets erwähnt, dass wir nen Großteil unser Geld quasi durch solche (misslungenen) suckouts machen.

      das man sich vom glück benachteiligt fühlt leigt daran, dass wir versuchen als Favorit reinzustellen. die Chancen den Gegner auszusucken verringern sich dadurch enorm
    • ilernkatheorie
      ilernkatheorie
      Bronze
      Dabei seit: 23.12.2011 Beiträge: 62
      Ich hatte das Problem auch, dass ich bei suckouts über Gegner herzog, manchmal im Chat aber fast immer lautstark zuhause.
      Mir hat dann das Schach(das ja irgendwie Kriegsspiel ist und man sich mental definitiv im Kriegszustand befindet) sehr geholfen. Dort musst du dem Gegner sogar live gegenübersitzen und da ist Beherrschung angesagt! Habe viele Partien,manchmal auch unglücklich verloren gegen schlechtere Spieler(ja Glück gibts auch im Schach kurzfristig vom Amateur bis sogar zum Meisterniveau) und dann innerlich den Gegner sowas von beschimpft am Anfang. Das Spiel hat mir aber mittlerweile beigebracht, dass der effektivste Umgang mit der Niederlage die nachfolgende Analyse ist. So versuch ich es jetzt auch beim Poker, denn bei vielen sogenannten "suckouts" kommt man später in einem ruhigen Moment zum Schluss, dass man ja selber die hand auch nicht sauber gespielt hat...
    • Phonosapien
      Phonosapien
      Bronze
      Dabei seit: 25.04.2007 Beiträge: 2.251
      Leave your ego at the door ;)
    • n0land
      n0land
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2012 Beiträge: 28
      Ist sicherlich zuletzt auch ne Erfahrungssache. Ich habs bei mir gemerkt, dass ich mit der Zeit die Karten genommen habe, wie sie kamen, auch wenns mal voll gegen mich lief (solange es nicht in der Endphase eines MTTs ist ^^)
      Ich denke, wenn man mal richtig Pech hat, an mehreren Tischen gleichzeitig in kurzer Zeit, wird jeder beeinflusst. Liegt auch immer dran, worum es ging.
      Aber mit der Zeit (und vor allem, wenn du besser wirst) lernst du damit umzugehen. Wenn ich manchmal in Coachingvideos sehe, wie die da mit Suckouts umgehen (lachen und sich fast schon drüber freuen und dann weiterspielen als hätten sie gewonnen), dann wird mir auch immer wieder klar: wenn ich weiß, ich habe keinen Fehler gemacht, ist alles halb so schlimm!
    • josch2001
      josch2001
      Black
      Dabei seit: 25.03.2006 Beiträge: 16.971
      Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich in meinen Anfangszeiten schon im Dreieck gesprungen bin wenn meine AA mal nicht gehalten haben und wenn ich mal mit nem Flush gegen nen höheren Flush verloren habe, hab ich gedacht die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen :D
      Mit der Zeit wird man in dieser Hinsicht immer abgehärteter. Trotzdem gibt es teilweise arge Verluststrecken in denen ich mich dann wieder genau so fühle wie damals.
      Meist gegen irgendwelche hirntote Spieler, die halt jetzt zum xten mal mit ihrem eigentlich dummen Spiel schon wieder ihre Miraclecard gerivert und den 47. von 50 Showdowns gewonnen haben.
      Da ich fast nur noch HU Spiele kommt sowas schon mal vor und das innerhalb kürzester Zeit gegen immer den gleichen Gegner.
      Da muss zuhause dann schon mal irgendwas zum Aggressionsabbau herhalten. Kaputt machen tu ich da aber nie was. Sind immer harmlose Gegenstände die dann einfach mal durch den Raum geballert werden :D
      In den Chat schreibe ich auch selten was, meist bleibt es dann auch bei harmloseren Bezeichnungen wie lucky fish oder so. Idiot ist schon das höchste der Gefühle, das aber extrem selten.
      Schlimmere Schimpfwörter kommen nur bei Gegnern die mich ebenfalls beschimpfen. Das hat aber nix mit Tilt zu tun sondern geht eher Richtung Trashtalk weil ich denke, dass ich diese Art von Spielern dadurch selbst zum tilten bringen kann.
      Live tilte ich eigentlich extrem selten. Liegt glaube ich daran, dass diese extremen Negativerlebnisse durch die beschränkte Handanzahl/Tag gar nicht möglich sind.
      Beschimpfen kommt live gar nicht in Frage. Erstens ist da die Hemmschwelle durch die nicht vorhanden Anonymität natürlich höher (ich habe aber auch garn nicht das Bedürfnis dazu ;) ) zum anderen eben kein Tilt.