?? Fold equity ??

    • murph369
      murph369
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 801
      Zum Thema equity hat mir dieses Forum sehr geholfen. Drum eine andere Frage:


      Kann mir einer erklären was mit fold equity gemeint ist, wie man die ermittelt und wie man mit ihr umgeht?

      Auf den Begriff treff ich immer öfter, kann mir aber nicht so recht was drunter vorstellen...
  • 11 Antworten
    • Kofi
      Kofi
      Bronze
      Dabei seit: 11.05.2006 Beiträge: 2.324
      Fold Equity ist einfach die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner blufft. Wenn du also bettest, hast du immer die Chance, dass der Gegner foldet, was den Move noch profitabler machen kann.

      Beispiel: Der Pot ist 5 BB groß und du sitzt in Position. Deine Equity beträgt gegen die Range des Gegners ca. 40% (und wir nehmen mal an, dass die Riverkarte diese Prozentzahl nicht groß ändern wird). Also wäre das richtige Play: check behind turn, call River bet. Der Erwartungswert wäre dann:

      EQUITY*POT_AM_SHOWDOWN - KOSTEN = 0.4*7BB - 1BB = +2.8 BB

      Würden wir beide Straßen betten und der Gegner würde immer callen und nie folden, beträgt das ganze

      0.4*9BB - 2BB = +1.6 BB

      Also immernoch positiv, aber weniger als der erste Weg. Ist ja auch klar, wir haben weniger als 50% Foldequity. Realistischerweise wird der Gegner aber ja manchmal auch eine bessere Hand folden, darum kann eine Turn bet auch eine positive Erwahrtung haben. Angenommen wir spielen bet Turn, check behind River, dann ergibt sich, angenommen der Gegner foldet zu 40%:

      FOLD_EQUITY*POT_BEI FOLD + (1 - FOLDEQUITY)*EQUITY*POT_AM_SHOWDOWN - KOSTEN = 0.4*6BB + (1-0.4)*0.4*7BB - 1BB = +3.08 BB

      Also wäre eine Bet hier profitabler.

      Vernachlässigt ist hier natürlich, dass der Gegner natürlich mit eher stärkeren Händen unsere Bet callen würde, das heißt unsere Equity beträgt nach einem Call von ihm weniger als 40%. Es ist also wichtig, dass auch bessere Hände folden, ansonsten hat man auch keine Foldequity.
    • tagwandler
      tagwandler
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 15.352
      @Kofi: das Beispiel finde ich gut, aber in deiner Erklärung sind ein paar Fehler.

      1.) Foldequity ist nicht die Wahrscheinlichkeit, der Gegner blufft. Foldequity ist der Anteil, um den unsere Basis-Equity (Gewinnwahrscheinlichkeit am Showdown) gesteigert wird, wenn wir durch Aggression den Gegner zum Folden bringen. Wenn der Gegner Foldet, gibt er seinen Equity-Anteil am Pot auf.

      HU wäre die FE also sowas wie:
      FE = (Equity des Gegners) * (W'keit, dass er foldet)

      2.) Daher muss es auch nicht zwingend eine stärkere Hand sein, die Villain foldet, sondern kann auch eine Hand mit Outs sein. Hände mit Outs gegen Hero haben einen Equity-Anteil am Pot, der auf Hero übergeht, falls diese folden.

      @murph: Leider gibt es keine Formel, mit der man die Foldequity berechnen kann, weil du nicht genau weißt, mit welcher W'keit der Gegner folden wird. Man kann aber mit einiger Übung abschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Gegner foldet. Das hängt im Wesentlichen vom Gegner, vom Board und von deinem Table-Image ab.

      Bei vielen Gegnern ist die FE eher gering, weil du kaum alle zum folden bekommst und die Equity von den Spielern, die doch folden, nicht direkt auf Hero übergeht sondern quasi an die übrigen Spieler verteilt wird.

      Oder wenn Villain auf einem sehr gefährlichen Flop schon gecallt hat, wird er bei einer Blank auf dem Turn nur selten folden. In so einem Fall ist die FE auch sehr gering.

      Wenn Scarecards auftauchen (z.B. A auf dem Turn, nachdem im Flop nur Rags lagen), dann ist die Foldequity schon deutlich höher, weil Villain den Flop noch mit Overcards gecallt haben kann, und nun UI aufgeben muss. Manchmal wir er auch ein Pocketpair folden, weil er glaubt, dass Hero selbst das A hält.

      Kurz gesagt: Foldequity ist nicht genau zu berechnen, aber mit einiger Erfahrung gut abzuschätzen. Für die strategischen Entscheidungen spielt sie definitiv eine wichtige Rolle und es macht viel Sinn, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
    • nrockets
      nrockets
      Black
      Dabei seit: 11.02.2007 Beiträge: 7.042
      Ich kann mich Tagwandler eigentlich nur anschließen :)

      Eine kleine Einschränkung zu Tagwandlers Auszug :

      Die Equity geht doch zu großen Teilen auf Hero über, wenn andere Spieler folden ( natürlich unter der Annahme, dass Hero zu dem Zeitpunkt vorneliegt)
    • Knuddelbar
      Knuddelbar
      Bronze
      Dabei seit: 28.12.2006 Beiträge: 352
      hey kofi schomal dran gedacht einen artikel zu schreiben? wo du das mit der formel und der Range nochmal ausführlich für "einsteiger" erkläst? und dann noch auf mit guten möglichkeiten wie Scarecards und angekommende draws verbindest. ich glaube einen eigenständigen artikel gibts darüber nicht und es wird in allen andren nur teilweies angesprochen dafür aber andere sache ntausenmal wiederhohlt.

      falls ich quark laber und es den artikel schon gibt ich ich ihn nur übersehen hab würde ich mich auch drüber feruen wenn mir einer sagt wo das ganze drin steht.
    • murph369
      murph369
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 801
      Die Sache mit dem Artikel ist eine echt supergeile Idee. Da könnte man das Thema wohl am besten abhandeln und müsste dann hier, im Forum nur noch Fragen zu bestimmten Abschnitten des artikels behandeln!

      Hat ja auch den Vorteil, dass man darüber dann leichter, mehr erfährt als wenn man sich immer wieder übers Forum damit auseinander setzen muss...


      Noch eine Frage zum Thema selbst:

      Diese Rechnung von Kofi

      FOLD_EQUITY*POT_BEI FOLD + (1 - FOLDEQUITY)*EQUITY*POT_AM_SHOWDOWN - KOSTEN = 0.4*6BB + (1-0.4)*0.4*7BB - 1BB = +3.08 BB


      beruht doch auf einer Abschätzung der FE, die völlig individuell ausfällt.
      Der eine denkt (auf Grund vorhergegangener Beobachtungen), dass Villain foldet und gibt ihm daher eine höhere FE als der, der einen Fold (auf Grund von anderen Beobachtungen) nicht sieht und daher eine deutlich tiefer FE ansetzen wird...
      Das basiert also alles auf Einschätzung und Reads bzgl. villain!!!

      und noch was (von kofi) :

      Deine Equity beträgt gegen die Range des Gegners ca. 40% (und wir nehmen mal an, dass die Riverkarte diese Prozentzahl nicht groß ändern wird)


      Die equity z.B. bei einem FD oder str8-draw kann doch je nachdem ob der Draw improved oder nicht von z.B. 36% am flop (FD) über 20% am turn auf fast 0% am river abfallen.


      [Danke ALLEN bisherigen und (hoffentlich baldigen) Anwortern.]
    • Kofi
      Kofi
      Bronze
      Dabei seit: 11.05.2006 Beiträge: 2.324
      Original von tagwandler
      HU wäre die FE also sowas wie:
      FE = (Equity des Gegners) * (W'keit, dass er foldet)
      OK, wieder was gelernt, ich habe den Begriff dann immer anders benutzt bisher.



      Original von murph369
      Diese Rechnung von Kofi

      FOLD_EQUITY*POT_BEI FOLD + (1 - FOLDEQUITY)*EQUITY*POT_AM_SHOWDOWN - KOSTEN = 0.4*6BB + (1-0.4)*0.4*7BB - 1BB = +3.08 BB


      beruht doch auf einer Abschätzung der FE, die völlig individuell ausfällt.
      Der eine denkt (auf Grund vorhergegangener Beobachtungen), dass Villain foldet und gibt ihm daher eine höhere FE als der, der einen Fold (auf Grund von anderen Beobachtungen) nicht sieht und daher eine deutlich tiefer FE ansetzen wird...
      Das basiert also alles auf Einschätzung und Reads bzgl. villain!!!
      Ja, natürlich kommt das sehr auf den Gegner an und Foldequity lässt sich sehr schwer abschätzen (man macht es, indem man die Range betrachtet, die der Gegner in etwa hat und dann versucht - unter Berücksichtigung seines Spielstils - aberzuschätzen, welche Hände er davon folden würde. Grundsätzlich bleibt das aber natürlich eher ungenau).

      Aufgrund dessen stellt man die Gleichung normalerweise zur Foldwahrscheinlichkeit um und versucht abzuschätzen ob die Wahrscheinlichkeit darüber oder darunter liegt. Hauptsächlich braucht man die Betrachtung der Fold Equity ja dann, wenn man ausrechnen möchte ob ein Semibluff profitabel wäre oder man einfach flat callen sollte (wenn man nicht auf einem Draw ist, hat man je meistens eh mehr als die Durchschnittsequity so dass Bet oder Raise einfach for Value ist, im Unterschied zum Semibluff). Und dann ist es leichter, abzuschätzen, ob die Foldwahrscheinlichkeit über einem gewissen Wert liegt als den Wert selber genau abzuschätzen.


      Original von murph369
      Noch eine Frage zum Thema selbst:
      und noch was (von kofi) :

      Deine Equity beträgt gegen die Range des Gegners ca. 40% (und wir nehmen mal an, dass die Riverkarte diese Prozentzahl nicht groß ändern wird)


      Die equity z.B. bei einem FD oder str8-draw kann doch je nachdem ob der Draw improved oder nicht von z.B. 36% am flop (FD) über 20% am turn auf fast 0% am river abfallen.
      Ja, natürlich. Aber trotzdem gewinnen wir ja zu 40% den Showdown. Wenn man in meinem Beispiel auf einem Draw sitzt, dann wird man natürlich immer bei Improvement den River betten, sodass wir auch noch Implied Odds haben, aber wie gesagt, es ist alles etwas einfacher.


      Ach ja: Es gibt einen Artikel zum Thema Semibluff, dort wird das alles sehr ausführlich behandelt.
    • tagwandler
      tagwandler
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 15.352
      Original von murph369
      Das basiert also alles auf Einschätzung und Reads bzgl. villain!!!
      völlig richtig! =)

      Original von murph369
      und noch was (von kofi) :
      Deine Equity beträgt gegen die Range des Gegners ca. 40% (und wir nehmen mal an, dass die Riverkarte diese Prozentzahl nicht groß ändern wird)


      Die equity z.B. bei einem FD oder str8-draw kann doch je nachdem ob der Draw improved oder nicht von z.B. 36% am flop (FD) über 20% am turn auf fast 0% am river abfallen.
      Gegen eine bestimmte Hand beim Gegner hast du schon recht, denn nach der Riverkarte liegen wir entweder vorne oder hinten (0% oder 100% Equity), okay manchmal gibt's auch nen Split. Da Kofi aber von einer Handrange spricht, ist das Beispiel schon gut so. Oft wird sich die Equity natürlich ändern, aber als vereinfachende Annahme für ein Beispiel ist es schon okay. Stell dir folgende Situation vor:

      Hero K:spade: K:heart: , Board A:diamond: K:club: 3:heart: 6:spade:

      Ein ultra-passiver Spieler gibt dir viel Action, daher setzt du ihn auf AK oder AA. Deine Equity gegen diese Range beträgt am Turn knapp 50%, daran werden auch die meisten Riverkarten nix ändern (außer A oder K). Foldequity gibt's bei diesem Beispiel übrigens ziemlich sicher keine. ;) Mit einem reinen Draw wird sich die Equity in abhängigkeit der Riverkarte i.d.R. massiv ändern, aber wenn Hero eine made Hand hält, dann ist die Annahme von Kofi für ein Beispiel gerechtfertigt und nicht unrealistisch.
    • murph369
      murph369
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 801
      Schon wieder ein scheibar wichtiger Begriff:

      Was ist denn die "Range" eines Gegners?

      thx, murph
    • hwoarang84
      hwoarang84
      Black
      Dabei seit: 24.03.2006 Beiträge: 5.044
      Eine begrenzte anzahl von Händen auf die du dein Gegner setzt.
      Z.b. wenn du glaubst er hat AA, KK oder AK dann ist das die range
    • murph369
      murph369
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 801
      Das mit der Range wäre wohl nicht verkehrt in jeder Hand BEWUSST zu machen, oder? Und wenns nur zur Übung ist. Kann mir vorstellen, dass das sehr wichtig ist um erfolgreich zu sein...
    • megabjoernie
      megabjoernie
      Bronze
      Dabei seit: 04.08.2006 Beiträge: 4.321
      Das ist sogar essentiell, um erfolgreich zu sein. ;)
      Du sprichst immerhin von den Reads auf den Gegner.