Jonny K. – Keine Anklage wegen Mord oder Totschlag

    • beni
      beni
      Black
      Dabei seit: 17.10.2006 Beiträge: 11.684
      Wer erinnert sich noch an den jungen Mann, der einem anderen helfen wollte und deshalb von einer Bande anschließend totgeschlagen wurde?

      Jonny mischte sich ein. "Was soll das?", soll er gefragt haben. Dann fiel die Meute über ihn her, trat immer wieder gegen seinen Kopf, bevor sie in der Nacht verschwand.
      ...
      Die Ermittlungen haben ergeben, dass zwei der vier angeklagten Tatverdächtigen – Osman A. und Melih Y. – auf das Opfer bis zur Bewusstlosigkeit eingeschlagen und eingetreten hatten. Als sich ein Begleiter des getöteten Johnny K. einmischte, schlugen die beiden anderen Angeklagten, Hüseyin I. und Memet E., auf diesen ein.

      ganzer Artikel

      Als juristischer Laie könnte man auf die Idee kommen, dass dies Mord oder Totschlag wäre, aber als Profi weiß man: Körperverletzung mit Todesfolge.


      Wer öfter solche Fälle verfolgt weiß, dass das im Prinzip immer so läuft. Ich finde das falsch. Eure Meinungen bitte...
  • 15 Antworten
    • Rubnik
      Rubnik
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2006 Beiträge: 10.288
      Ist doch egal wie mans nennt. In dem Fall Körperverletzung mit Todesfolge, max. 15 Jahre (1o J. falls Jugendstrafrecht).

      Wenn der Tötungsvorsatz nicht NACHGEWIESEN werden kann (ja, Rechtsstaat) ist das eben so.
    • Fio1616
      Fio1616
      Bronze
      Dabei seit: 20.10.2008 Beiträge: 1.085
      Für mich auch total unverständlich warum es auf Körperverletzung mit Todesfolge hinausläuft.

      Dolus eventualis reicht ja um den subjektiven Tatbestand zu bejahen.

      Edit: Beim Totschlag - Mordanklage halt nicht wegen mangelnder Fähigkeit eine "Absicht" zu beweisen.

      D.h. der Täter muss den Taterfolg für möglich erachten und ihn billigend in Kauf nehmen.



      Denke jeder Depp erachtet es für möglich dass der Taterfolg -> Tod eintritt wenn er ihm aufm Kopf rumspringt


      Frage mich auch warum hier keine Anklage wegen Totschlages erfolgt.
    • JimCooper
      JimCooper
      Bronze
      Dabei seit: 29.05.2007 Beiträge: 9.608
      Ich sehe das wie Rubnik, die Tötungsabsicht muss nun mal nachgewiesen werden. Von dieser kann man nicht grundsätzlich ausgehen, wie bei einem Angriff mit einem Messer oder ähnlichem.

      Zusätzlich kommt dazu ja noch folgender Fakt:

      Ein Mord- oder Totschlagsprozess hätte nur geführt werden können, wenn Jonny K. direkt durch Schläge oder Tritte zu Tode gekommen wäre. Das rechtsmedizinische Gutachten ist jedoch eindeutig. Der 20-Jährige starb an Hirnblutungen, die durch den ersten Sturz verursacht wurden. Dass er ohne die Attacke gar nicht mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen wäre, spielt nach der Gesetzeslage keine Rolle.

      http://www.bz-berlin.de/tatorte/gericht/anklage-im-fall-jonny-k-erhoben-article1649119.html
    • soneji
      soneji
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2006 Beiträge: 6.928
      so siehts wohl aus, hoffe das sie trotzdem ein paar jahre einsitzen.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.195
      Außerdem zwingt das BVerfG dazu Mord und Totschlag sehr restriktiv auszulegen
    • Muffin
      Muffin
      Bronze
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 703
      Hier nochmal ein interessanter Link zu dem Thema: http://www.welt.de/politik/deutschland/article111464365/Waere-das-Opfer-tuerkisch-gaebe-es-einen-Aufschrei.html

      So läufts: http://www.mopo.de/nachrichten/er-hat-nichts-gelernt-neue-anklage-gegen--20-cent--schlaeger-onur-k-,5067140,20960594.html
    • SevenTwoOff
      SevenTwoOff
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2007 Beiträge: 5.953
      Original von beni
      Als juristischer Laie [...]


      Wer öfter solche Fälle verfolgt weiß, dass das im Prinzip immer so läuft. Ich finde das falsch. Eure Meinungen bitte...
      kann dann zu

      wenn man keine ahnung hat einfach mal ...
    • Bingo
      Bingo
      Bronze
      Dabei seit: 09.04.2005 Beiträge: 570
      Der Haupttäter hat doch die deutsche Staatsbürgerschaft abgelegt und chillt in der Türkei und gibt Interviews in der Bild ?(
    • marcoborn
      marcoborn
      Bronze
      Dabei seit: 02.10.2007 Beiträge: 786
      Wie dieser "Mensch" (Onur) einen Menschen tötet durch seinen Faustschlag und Monate darauf wieder Menschen schlägt, offensichtlich grundlos. Da staut sich in mir alles auf. Da fehlen mir komplett die Worte, wenn ich so etwas getan hätte, würde ich nur noch heulend rumsitzen und mich fragen, warum ich nur so ein falscher Mensch bin. Das kann doch einfach nicht wahr sein... einfach nur unfassbar. Ich weiß nicht wie das Gefühl ist einen Menschen getötet zu haben, aber seid doch mal ehrlich, man kann doch nicht normal sein um dann einfach so weiter zu machen wie gehabt oder? So ein kranker Mensch...
    • Malone32
      Malone32
      Gold
      Dabei seit: 04.10.2006 Beiträge: 2.860
      Original von SevenTwoOff
      Original von beni
      Als juristischer Laie [...]


      Wer öfter solche Fälle verfolgt weiß, dass das im Prinzip immer so läuft. Ich finde das falsch. Eure Meinungen bitte...
      kann dann zu

      wenn man keine ahnung hat einfach mal ...
      Wo ist denn dein Problem?

      Ich weiss nicht, was mich mehr anwidert. Typen die so eine Tat begehen oder die deutschen Gesetze.
    • DrPepper
      DrPepper
      Gold
      Dabei seit: 20.10.2006 Beiträge: 1.332
      Ich möchte ja nicht komisch klingen, aber um ganz ehrlich zu sein, gehört für mich jemand, der einen anderen mit oder ohne Grund halb tot prügelt, ein Leben lang in Sicherheitsverwahrung - nicht aus Wut oder Unverständnis gegenüber solch einer Tat, sondern zum Schutz der Gesellschaft. Wenn jemand zeigt, dass er imstande ist, so dermaßen auszurasten, dass er einen anderen Menschen (fast) umbringen will, dann hat er damit für mich alles getan was nötig ist um zu zeigen, dass er eine immer währende Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und sich unsere Gesellschaft dieser Gefahr nicht aussetzen kann.
    • beni
      beni
      Black
      Dabei seit: 17.10.2006 Beiträge: 11.684
      [quote]Original von JimCooper
      [I]Ein Mord- oder Totschlagsprozess hätte nur geführt werden können, wenn Jonny K. direkt durch Schläge oder Tritte zu Tode gekommen wäre. Das rechtsmedizinische Gutachten ist jedoch eindeutig. Der 20-Jährige starb an Hirnblutungen, die durch den ersten Sturz verursacht wurden.

      http://www.bz-berlin.de/tatorte/gericht/anklage-im-fall-jonny-k-erhoben-article1649119.html[/quote]Kennt sich jemand damit aus und kann erklären wie man sowas rauskriegen kann?

      Ich fass das mal zusammen:
      Es wird behauptet er wäre an den Folgen eines Schlages, welcher ihn zu Fall gebracht hat gestorben und alles was danach kam, nämlich, dass wiederholte Treten gegen seinen Kopf wäre praktisch egal, da sein Schicksaal schon besiegelt war.

      Für mich ist das sehr schwer vorstellbar. Ein Mensch stirbt nicht daran wenn er mal stürzt.
    • JimCooper
      JimCooper
      Bronze
      Dabei seit: 29.05.2007 Beiträge: 9.608
      Das wird schon auf wissenschaftlicher Basis festgestellt worden sein. Mal ganz davon ab, dass das ja auch nur ein zusätzlicher Punkt ist. Man hat also nachgewiesen, dass der Tod wohl aufgrund des Sturz folgte, aber wäre dem nicht so, könnte man die Tötungsabsicht wohl trotzdem nicht nachweisen. So ist eben die anklage gar nciht erst zulässig.

      Original von beni


      Für mich ist das sehr schwer vorstellbar. Ein Mensch stirbt nicht daran wenn er mal stürzt.
      Naja, bei Kampfsportarten, die ohne Kopfschutz betrieben werden, wird der Sturz auf den (Hinter)Kopf oftmals als mindestens so gefährlich betrachtet, wie Schläge und Tritte des Gegners.


      hier nochmal ein direktes Zitat:
      „Wir haben eine relativ klare Lage. Wir können nachweisen, dass Osman A. und Melih Y. direkt an dem tödlichen Angriff auf Jonny K. beteiligt waren. Das Opfer ist schnell zu Boden gegangen, unglücklich aufgeschlagen und hat dabei eine Hirnblutung erlitten“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft
    • beni
      beni
      Black
      Dabei seit: 17.10.2006 Beiträge: 11.684
      Dann ist es praktisch also gar nicht möglich ohne Waffen einen Totschlag zu begehen?
      Mehr als dem bewusstlosen Opfer weiter auf den Kopf einzutreten kann man schließlich als Täter nicht tun.

      Diesen Eventualvorsatz sehe ich als Laie hier auf jeden Fall als erfüllt an. Sie mussten damit rechnen, dass er daran sterben kann.
    • JimCooper
      JimCooper
      Bronze
      Dabei seit: 29.05.2007 Beiträge: 9.608
      Original von beni
      Dann ist es praktisch also gar nicht möglich ohne Waffen einen Totschlag zu begehen?
      Doch schon. Wenn das ganze durch Kameras festgehalten wird oder es sehr genaue Zeugenaussagen gibt, lassen sich möglicherweise konkretere Anschuldigungen beweisen. Wenn zum Beispiel gezielt und sehr hart auf einen Kopf getreten wird, der auf dem Bordstein liegt.

      Außerdem ist jemanden zu erwürgen bzw. jemanden von einem Gebäude zu stoßen natürlich auch Mord/Totschlag.


      Hier wurde das ganze zum Beispiel gefilmt und es konnte eine Tötungsabsicht festgestellt werden: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1084194/

      Aufnahmen einer Videokamera im Bahnhof Alexanderplatz haben den 23-Jährigen, der bei seiner Mutter in Berlin-Hellersdorf lebte, den Ermittlungen zufolge überführt. Die Bilder der Tat vom Mai des Vorjahres schockierten die Öffentlichkeit. Dort ist zu sehen, wie mutmaßlich der Angeklagte eine Frau niederschlägt und dann immer wieder gegen den Kopf des reglos am Boden liegenden Opfers tritt und es anspuckt. Erst nach Einschreiten eines Zeugen ließ er von ihr ab. Die 35-Jährige kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Mord.