Leaks finden und beheben

  • 3 Antworten
    • Django3
      Django3
      Bronze
      Dabei seit: 16.10.2009 Beiträge: 1.365
      Showdown winnings im Plus: Schonmal gut.
      Non-Showdown winnings im Minus: Nicht so gut, aber erstmal nichts außergewöhnliches.
      EV-Kurve im Minus: Nicht so toll.
      Reale winnings im Plus: Glück gehabt.


      Mehr kann man da nicht ablesen.
    • CoconutDealer
      CoconutDealer
      Bronze
      Dabei seit: 05.10.2010 Beiträge: 442
      ja.. eindeutig zu große bet/fold river range im blindbattle. würde schleunigst beheben.
    • KTU
      KTU
      HeadAdmin
      HeadAdmin
      Dabei seit: 24.01.2007 Beiträge: 6.427
      Hey,

      wir hatten ein sehr ähnliche Diskussion vor kurzer Zeit. Hier der wichtigste Post aus dem Thread:

      Original von Ghostmaster
      Ich kann mich meinen Vorpostern überwiegend nur anschliessen. Meiner Meinung nach agierst du nicht angriffsfreudig genug, sondern spielst einen Stil, der sich an sehr fischigen Tischen bewährt hat. (sehr tight und straightforward)

      Wenn du jedoch da ein paar Leute (oder heutzutage sogar überwiegend) hast, die nicht nur Openlimp oder Fold spielen, sondern signifikant deine Leaks angreifen, dann musst du selber was unternehmen. Ich denke persönlich, dass du Aggression (unglücklicherweise) mit noch mehr Aggression angreifen musst - die Edges befinden sich hier nicht mehr in so offensichtlichen Spots, sondern primär in fehlerhaften Frequenzen.

      Fische z.b. habe den "Fehler", dass sie Preflop oft zu schlechte Calls machen und sich dann in Postflopsituationen mit Ranges/Händen verirren in denen sie zuviel folden oder zuviel callen (kommt immer auf den Spieler an). Im Prinzip greifst du jeden Spieler auf dieser Ebene an, nur das die meisten Regs nicht so extreme Ausreisser in ihren Frequenzen haben.

      Z.b. kannst du einen Fold to Cbet von 80% einfach exploiten indem du immer den Flop bluffst. Der Gegner foldet einfach zu oft.

      Wenn der Gegner aber jetzt grade mal noch 40% oder sogar 30% am Flop foldet auf eine Cbet, dann sind deine Cbets isoliert betrachtet gar nicht profitabel und du musst dir angucken, ob du diesen Spieler entweder später (Turn, River) angreifen kannst, weil er dort irgendwas zu oft macht oder deinen Cbetplan vielleicht schon überdenken.


      Deinem Graph nach zu urteilen bist du so der typische NL25 Reg. Du hast eine grundlegende Preflopidee und machst auch Postflop keine riesigen Böcke - aufgrund deiner zu hohen Passivität lässt du aber zuviele +EV Spots aus. Meiner Ansicht nach sind ausgelassene +EV Spots fast genauso problematisch wie offensichtliche Fehler - irgendwann überkompensierst du das ganze nicht mehr.

      => d.h. meiner Coachingerfahrung nach lässt du entweder bewusst marginale Spots aus oder suchst nicht aktiv genug danach



      Stell dir folgendes mal vor: Du und 100 andere NL25 Regs spielen in einem Pool. Ihr seid ungefähr alle gleich gut und schiebt wochenlang das Geld hin und her. Am Ende werden rein zufallsbedingt einige auf NL50 aufsteigen und andere pleite sein/abgestiegen sein - im mathematischen Mittel habt ihr aber alle verloren (und zwar am Rake).

      Deine Aufgabe ist dabei folgende. Du willst der eine von 100 sein, der

      A. eine signifikante Edge auf die 99 anderen hat

      B. die größe ist als der Rakeabzug

      => dann wirst du Winningplayer



      Du erkennst vielleicht das Grundproblem. Es reicht nicht aus so gut wie der Durchschnitt auf einem Limit zu sein, sondern du musst signifikant besser als der Durchschnitt sein. Dazu gibts zwei Möglichkeiten:

      1. Du konzentrierst dich auf die Fische und baust auf diese eine Edge auf, die signifikant genug ist, um die potenzielle BreakEven Edge gegen die Regs zu überkompensieren.

      Problem: Fische werden immer rarer und die Wartezeiten auf solche Tische werden immer begehrter. Auf NL25 - 200 wirst du das Problem allerdings noch nicht unbedingt haben.


      2. Du konzentrierst dich auf die anderen Regs und hälst dort Ausschau nach Leaks. Im Rahmen der PS 2.0 werden viele Artikel zum Gameplan veröffentlicht - dieser ist schon sehr ordentlich und aggressiv im Ausgangspunkt. Vielleicht liest du dir die Sachen mal durch.

      => optimalerweise weisst du natürlich wie du Fische gut exploitest und wie du eine kleine Edge auf die Gesamtpopulation aufbaust



      Meiner Erfahrung nach haben die meisten NL10 - 100 Spieler extrem große technische Leaks. D.h. sie machen Spielzüge die unter keiner Argumentation Sinn ergeben und zu offensichtlichen Spielfehlern führen. In der Regel sind das unsinnige Argumentationen für Bets, der Versuch Poker auf einzelnen Straßen zu lösen (ohne das gesamte Szenario zu berücksichtigen), falsches Verständnis von Spielzügen etc.

      Hier kann dir ein Coach oder eine Lerngruppe sicherlich weiterhelfen. Man selber bewertet seine eigenen Fähigkeiten oft falsch ein.



      Zu den Stats:

      Wenn ich dich subjektiv beurteilen müsste, dann wärst du keine Gefahr. Du spielst kaum Hände, du greifst kaum an (ausser du hast eine wirklich starke Range).

      Der einzige Zeitpunkt wann du wirklich etwas aggressiver wirst (absolut betrachtet ist das immer noch zu tight imo) sind die Blinds. Du hast im SB und BB eine deutlich höhere 3-Bet Frequenz als im BU - ich denke dir ist bewusst, dass Buttonmanipulation der größte Gewinnfaktor ist. Frag dich also selber mal, wieso du im BU eine tightere 3-Bet Range hast als aus den Blind!

      Das ganze Phänomen zieht sich dann auch Postflop weiter - deine Aggressionswerte sind grenzwertig niedrig auf Flop und Turn (AFq). Das könnte Sinn ergeben, wenn du 30/24 oder so spielen würdest und Postflop etwas selektiver sein musst, aber du spielst schon sehr ausgewählte Ranges und bist in dem Zusammenhang tendenziell zu passiv.

      => das Ergebnis ist die fallende Redline und der niedrige W$WSF (bei den Preflopstats müsste das eigentlich eher in Richtung 45 - 50 gehen)



      Der erwähnte WTS mit 21 ist auch zu tight. Du bist Postflop nicht superaggressiv und hast eine recht starke Ausgangsrange - d.h. eigentlich musst du viel öfter am Showdown mit der besten auftauchen. Das grundlegende Problem wird hier eine Mischung aus fehlender Angriffslustigkeit Preflop und Postflop sein (Stichwort Bluffs und dünne Valuebets) und die falsche Einschätzung deiner relativen Handstärken in Bluffcatchingspots.


      Deine C/R bzw. Raise Flop Werte und die Flop Call bzw. Flop Fold Werte. Du foldest am Flop gegen Cbets fast 60% - eine Potsizebet für den Gegner muss in 50% der Fälle Erfolg haben => überleg dir also vielleicht, ob du nicht öfter mal den Flop angreifen solltest.

      C/R Werte von ca. 5% beinhalten am Flop größtenteils eine sehr nuttige Range (Sets, Twopair, Straight, Flush und bisschen Monsterdraw). Diese Range wird vor allem von Spielern ausbezahlt, die sich keine Gedanken um dein Spiel machen - sobald jemand Stats hat, wird er mit seinem Overpair auf T82dd gegen dich B/F spielen. Der Trick ist es die C/R Range schrittweise zu erweitern - und zwar füllst du sie z.b. mit weiteren Bluffs auf, um in Richtung 8 - 10% zu kommen (kannst auch erstmal in Richtung 7% oder so gehen).

      An irgendeiner Stelle wird es plötzlich schwierig für AA B/F zu spielen - denn entweder foldet er weiterhin zu tight (und du kapitalisierst darauf, dass du die ganze Zeit Deadmoney gewinnst, das du gar nicht gewinnen solltest) oder er spielt zurück (und die Implied Odds deiner Sets, Straights, Flushes etc. steigen massiv an).



      Du musst dich zwischendurch selber mal fragen, wieso du dir selber eine Edge gibst und diese Frage vielleicht auch mit anderen (oder hier im Forum) diskutieren. Oft fallen dir dann die Details auf. Und mach dir wegen der ganzen Kritik keine Sorgen -

      1. was wir/ich dir schreibe sind nur subjektive Meinungen. Es gibt durchaus sehr starke Spieler, die ähnliche Stats (Preflop) haben wie du, aber dafür Postflop ihre Edge aufbauen. Es sind häufig nur Kleinigkeiten, die Loosingplayer von Winningplayern unterscheiden

      2. Integrier Sachen nur schrittweise ins Spiel und hinterfrage sie konstant.

      => es ist ganz wichtig, dass du jetzt nicht alles was du bisher gemacht hast völlig umschmeisst. Selbst wenn du jetzt anfängst die 3-Bet Frequenz im BU zu erhöhen oder deine C/R Frequenz am Flop, wirst du Spots kreieren, die du nicht kennst und in denen du Fehler machen wirst (also Geld verlierst).

      Das ist völlig normal und teil des Lernprozesses. Das Ziel ist es Spots zu finden in denen deine Gegner noch größere Probleme haben als du sie (hattest).

      Wenn du dann einen bestimmten Spielzug in dein Spiel integriert hast, dann überprüfst du das ganze auf Profitabilität und kannst dann Anpassungen vornehmen oder einen anderen Spielzug integrieren.

      Das schwierige beim Pokern ist, dass du ganz viele Stellhähne hast. Wenn du einen einzigen umlegst, dann kann sich plötzlich alles ändern und die Auswirkungen einer Änderung können schon drastisch sein.


      Falls du Fragen hast, dann her damit :)
      Dieser stammt aus dem folgenden Thread:
      Wie konkret Spiel verbessern?

      Falls du ein paar Videos zum Thema sehen willst, kann ich dir:
      Abschied vom Chartpoker I

      und

      Redline

      empfehlen :)