Aggression Frequency

    • 0Bee
      0Bee
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 2.106
      Ich spiele seit Kurzem mit Pokerace und habe dabei die Aggression Frequency zum ersten mal gesehen. Ich habe mich gefragt, ob man statt dem Aggression Factor die Aggression Frequency ins Overlay nehmen sollte. Allerdings scheint ja bisher der Aggression Factor deutlich weiter verbreitet zu sein (von Aggression Frequency hatte ich vorher noch nie gehört).
      Ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass der AF bei kleiner samplesize noch sehr großen Schwankungen unterliegt und erst ab ca. 500 Händen einigermaßen verlässlich ist, d.h. für mich, ich kann den AF nur für wenige Spieler im Overlay verwenden, da ich meistens noch nicht genug Hände von den anderen Spielern im Pokertracker habe. Außerdem glaube ich, dass die Aggression Frequency die Aggression/Aktivität von Spielern besser beschreibt als der AF und dabei möglicherweise früher verlässliche Infos ergibt, da zur Berechnung mehr Daten einfließen als beim AF.

      Dem Zitat unten von Delta211 kann ich mich nur anschließen.


      Hier die Berechnungsformeln aus dem Pokerace Handbuch:

      (Player) Aggression Frequency Flop / Turn / River / Total: Dieser Wert gibt an, wie viel Prozent der Aktionen des Spielers in einer bestimmten Wettrunde oder aber insgesamt aggressiv, also Bets oder Raises, waren. Bestimmt wird er nach folgender Formel: (Anzahl Raises + Anzahl Bets) / (Anzahl Raises + Anzahl Bets + Anzahl Calls + Anzahl Folds)

      (Player) Flop / Turn / River / Total Postflop Aggresion: Dieser Wert gibt das Verhältnis zwischen aggressiven und passiven Handlungen des Spielers in einer bestimmten Wettrunde oder alle Postflop Wettrunden an. Er wird nach folgender Formel berechnet: (% Raise + % Bet) / % Call



      Original von Delta211


      AF ist eh nicht gerade das, wonach man sich besonders gut richten kann, wenn es um die gegnerische Aggressivität geht. Aggression Frequency ist da DEUTLICH aussagekräftiger.

      AF gibt nur das Verhältnis von Bets und Raises zu Calls an. Jemand, der vielleicht wenig bettet und raist, aber so gut wie nie callt, hat nen hohen AF.
      Aggression Frequency gibt dagegen an wie oft ein Spieler die Initiative ergreift, also wie oft er prozentual Bettet oder raist.


      Mal als Beispiel:

      Spieler 1 hat postflop von 100 möglichen Aktionen:

      15 Bets, 5 raises, 5 Calls, 80 checks/Folds.

      AF = 20/5 = 4
      Aggression Frequency = 20%


      Spieler 2 hat postflop von 100 möglichen Aktionen:

      35 Bets, 10 raises, 15 Calls, 40 checks/Folds.

      AF = 3
      Aggression Frequency = 45%



      Wer ist nun der aggressivere? Spieler 1 oder Spieler 2? Oder anders gefragt: Wem muss ich eher Credit für ne gute Hand geben, wenn er aggressiv bettet und raist? Viele, die nur auf den AF schauen würden Spieler 1 weniger abkaufen, dabei ist er eigentlich der passivere, der weniger bettet und raist.

      Und genau das ist der Grund, warum ich mir immer Bet% und Raise% für alle Streets anzeigen lasse und darauf auch viel mehr achte als auf den AF.

      Lasst ihr euch Aggression Factor oder Aggression Frequency anzeigen und warum?
      Was haltet ihr für aussagekräftiger?
      Hat jemand Erfahrungen welche Werte aggressive/passive Spieler haben?
      Lassen sich Aggression Factor und Aggression Frequency direkt vergleichen?

      Meinungen dazu bitte.
  • 4 Antworten
    • Feldhase7
      Feldhase7
      Bronze
      Dabei seit: 04.05.2005 Beiträge: 1.631
      *bump*

      kann hierzu jmd der sich dabei auskennt was sagen? Find das nämlich auch nicht uninteressant..
    • Delta211
      Delta211
      Bronze
      Dabei seit: 27.01.2007 Beiträge: 1.075
      Die gepostete Formel von 0Bee sagt eigentlich wie die Werte zu verstehen sind.

      Der Aggressionfaktor gibt einfach das Verhältnis von Bets und Raises (also aggressiven Aktionen) zu Calls an. Er gibt keinerlei Aufschluss darüber wie oft ein Spieler aggressive Aktionen unternimmt.
      Extrembeispiel: Ein Spieler bettet in 1000 Händen einmal, raist nie, callt nie und foldet/checkt sonst immer nur: Aggressionfaktor = unendlich.
      Dass der Spieler aber das genaue Gegenteil von aggressiv ist, dürfte einleuchten.

      Aggressionfrequency berücksichtigt neben dem Verhältnis von Bets/Raises zu Calls auch noch die Folds, weshalb dieser Wert schon aussagekräftiger als der "normale" AF ist. Folds haben hier einen (negativen) Einfluss auf den Aggressionwert (was ja auch richtig so ist, schließlich ist es ja eine passive Aktion).
      Problem hier: Checks werden NICHT berücksichtigt. Eine Runde die durchgecheckt wird, hat keinerlei Einfluss auf die Aggressionfrequency. Obwohl ja auch hier eine passive Aktion vorliegt, die sich entsprechend negativ auf die Aggressionfrequency auswirken müsste.



      Neben diesen beiden Werten gibt es noch die Möglichkeit sich die Betfrequency (Bet%) und die Raisefrequency (Raise%) durch PA anzeigen zu lassen.

      Betfrequency gibt dabei an, wie oft ein Spieler, wenn er dazu die Chence hatte, gebettet hat.
      Also wenn vor ihm noch kein Einsatz getätigt wurde und er nun checken oder betten kann.
      Betfrequency also = Bets/Checks*100 (Folds müssen hier ja nichts berücksichtigt werden, da man ja eigentlich keine openfolds postflop macht ;) ).

      Raisefrequency das Gleiche, nur halt für Raises. Hier also das Verhältnis von Raises zu Folds/Calls (hier können natürlich keine Checks mehr berücksichtigt werden, da man nur raisen kann, wenn vorher einer gebettet hat, checken ist da dann recht schwer ;) ).
      Raisefrequency also = Raise/(Folds+Calls)*100



      Ich persönlich lasse mir im Tableoverlay die Aggressionfrequency für alle Streets einzeln anzeigen und den gesamten Aggressionfaktor (halt noch aus Gewohnheit und weitere Entscheidungshilfe), im Pop-up-Menü dann noch die Betfrequency und Raisefrequency für alle Streets um dort nochmal genauer nachschauen zu können wie eine Bet/ein Raise vom Gegner am Flop/Turn/River einzuordnen ist.
    • BassT88
      BassT88
      Bronze
      Dabei seit: 17.01.2007 Beiträge: 94
      Letztendlich dienen diese Werte ja dazu um die Gegner auf einen gewissen Spieltyp festsetzen zu können.

      Ich werde dennoch beim AF bleiben, weil sich darauf die meisten beziehen.

      Außerdem glaube ich dass durch die Einbeziehung der Folds die Aggressivität des Gegners, wenn der Gegner handelt, verfälscht wird.
    • Delta211
      Delta211
      Bronze
      Dabei seit: 27.01.2007 Beiträge: 1.075
      Original von BassT88

      Ich werde dennoch beim AF bleiben, weil sich darauf die meisten beziehen.
      Das klingt wie "Millionen von Fliegen können nicht irren, Scheiße schmeckt" ;)

      Verwenden wird eh jeder das, was ihm beim Spielen am meisten bringt, also die Werte anhand derer er die Gegner und ihre Aktionen am besten einschätzen kann und sein Spiel dementsprechend anpasst.

      Das Argument "Ich nehme das, weil es die anderen auch nehmen" ist aber reichlich dünn. Man sollte sich schon überlegen, was mir die Werte bringen und wie ich sie einordnen muss und nicht dumpf einfach was machen "weil es die anderen auch machen" ;)


      Außerdem glaube ich dass durch die Einbeziehung der Folds die Aggressivität des Gegners, wenn der Gegner handelt, verfälscht wird.
      Ähm nein, genau das Gegenteil ist der Fall ;)
      Letztlich ist es doch so: Wenn ein Gegner bettet oder meine Bet raist, stellt sich mir die Frage, wenn ich eine marginale Hand/Draw/was auch immer halte "Was habe ich von seiner Bet/seinem raise zu halten?" Also: Wie oft bettet/raist der Gegner? (Je öfter er das tut, desto eher kann/muss ich auch mal eine marginalere Hand callen, je seltener er bettet, desto eher kann ich meine Draws auf Implied Odds chasen, da der Gegner dann wohl wirklich was Gutes hat). Und genau diese Sache wie oft ein Gegner bettet/raist kann ich in keinster Weise am Aggression Faktor ablesen.
      Daher ist der für mich hier einfach nutzlos und ich schaue mir lieber seine Betfrequency/Raisefrequency an, da sehe ich nämlich haargenau in wieviel % der Fälle ein gegner bettet oder raist.


      Mal anders: Für das Preflopspiel lässt sich doch auch keine den Preflop-Aggressionfaktor anzeigen, oder? Jeder schaut sich den PFR beim Gegner an, um zu schauen wie ein Raise dieses Gegners einzuschätzen ist.
      In meinen Augen auch unlogisch, dass man dann postflop plötzlich aber den Aggressionfaktor betrachtet, statt Bet-/Raisefrequency, die postflop das Gleiche sind wie der PFR preflop.

      Preflop können wir die Absurdität des Aggressionfaktor auch recht schnell sehen:

      Spieler 1: 20% Vp$iP, 16% PFR
      -> Preflop-Aggressionfaktor: 4 (16/4)

      Spieler 2: 40% Vp$iP, 30% PFR
      -> Preflop-Aggresssionfaktor: 3 (30/10)


      Würde man also den Preflop-Aggressionfaktor nehmen würde man denken, dass ersterer Spieler preflop aggressiver ist. Macht aber keiner, jeder schaut sich den PFR an und sagt Spieler 2 ist aggressiver.

      Postflop macht es jeder (bzw. die meisten) andersrum ;)