Setzt du dein Turnierleben mit AQ hier auf's Spiel?

    • gaaish
      gaaish
      Bronze
      Dabei seit: 23.02.2010 Beiträge: 1.258
      In diesem Artikel ging es um das folgende Beispiel:



      Die Hand wurde bei einem 6-Spieler-SNG mit typischer Auszahlungsstruktur (65%, 35%) gespielt. Es wurde angenommen, dass euer Gegenspieler die Top 33,6% seiner Hände hier pusht (22+, Ax+, K4s+, K9o+, Q8s+, QTo+, J8s+, JTo, T7s+, 97s+, 87s, 76s).

      Um Situationen wie diese vollständig zu verstehen, sollte man zunächst die erforderliche Chip Equity berechnen. In der Lektion "Das Preflopspiel: All-ins callen und isolieren" findet ihr genaue Informationen, wie ihr diese Rechnung durchführt. In der folgenden Gleichung ist die für einen +cEV-Call benötigte Equity bereits berechnet.

      Benötigte Equity für einen +cEV-Call (Chip Equity) = 3725 / (4425+3725) = 45,71%

      Für einen +cEV-Call benötigt man gegen die Range des Gegners also eine Equity von mehr als 45,7%. Folgende Hände verfügen über diese Equity:



      AQo verfügt gegen Villains Pushing Range über eine Equity von 60,82%. Dies bedeutet, dass ein Call langfristig einen Profit von jeweils ca. 1232 Chips bringt.

      Allerdings muss zusätzlich der Risikoaufschlag (auch Bubble Factor oder ICM-Effekt genannt) berücksichtigt werden. Die theoretischen Grundlagen dieses Konzepts könnt ihr in dieser Lektion nachlesen: "Der Chipwert: Der Risikoaufschlag".

      Um den Risikoaufschlag zu berechnen, werden die zwei möglichen Entscheidungen (Call und Fold) simuliert und die so veränderten Werte eurer Stacks miteinander verglichen. Den Wert eurer Chips könnt ihr in einem speziellen ICM-Calculator wie diesem berechnen. Um diese Berechnung selbst durchzuführen, nehmen wir an, das SNG habe ein Buy-in von $11. Weitere Informationen zur Berechnung von Stack-Werten mit dem ICM findet ihr in dieser Lektion: "Der Chipwert: Die Grundlagen des Independent Chip Model (ICM)".

      $EV eures Stacks nach einem Fold: $25,45
      $EV eures Stacks nach einem erfolgreichen Call: $37,30
      $EV eures Stacks nach einem erfolglosen Call: $0
      Wahrscheinlichkeit des Erfolgs nach einem Call: 60,82%
      $EV eures Stacks nach einem Call: $37,30 * 60,82% + $0 * 39,18% = ~$22,69

      Ihr seht also, dass der Wert eures Stacks nach einem Fold höher als nach einem Call ist. Deshalb ist ein Fold hier die beste Entscheidung. Ein Call bringt euch zwar durchschnittlich 1232 Chips, er kostet euch aber gleichzeitig - im Verhältnis zum Wert eures Stacks nach einem Fold - $2,76.

      Mithilfe dieser Berechnung ist es möglich, den konkreten Risikoaufschlag in der Beispielssituation zu errechnen.

      Benötigte Equity für einen +$EV-Call = $37,30 * %Equity > $25,54 = 68,47%
      Benötigte Equity für einen +cEV-Call = 45,71%
      Risikoaufschlag = 68,47% - 45,71% = 22,76%

      Zusammengefasst: Die Equity eurer Hand muss in diesem Spot mindestens um 22,76% über eurer Chip Equity liegen, damit ein Call nach $EV profitabel ist.

      Dieses Ergebnis liefert uns sehr wichtige Informationen, denn es zeigt, mit welchen Händen ein Call überhaupt profitabel ist. In unserem Beispiel ist ein Call nur mit dieser Range +$EV:



      Ihr seht also, dass AQ hier ein klarer Fold ist.

      Wenn ihr das PokerStrategy.com Equilab dazu nutzt, um diese Hände mit der Pushing Range eures Gegners zu vergleichen, seht ihr, dass diese eine Equity von mehr als 68,47% haben. Zum Beispiel:



      Im Artikel zu dieser Übung haben wir euch außerdem gefragt, in welchem Sit&Go ihr das All-in callen würdet. Wir wollen diese Frage auf die anderen beiden beliebten SNG-Formate beziehen: 9-Spieler-SNGs und 180-Spieler-SNGs. Um das Beispiel nicht zu kompliziert zu machen, nehmen wir die gleiche Pushing Range für unseren Gegner an (diese würde sich wohl auch in der Realität nicht zu sehr verändern).

      Die Auszahlungsstruktur eines 9-Spieler-SNGs:

      1. Platz: 50%
      2. Platz: 30%
      3. Platz: 20%

      Im selben Spot wie oben würdet ihr mit den folgenden Händen einen +$EV-Call finden:



      Die Auszahlungsstruktur eines 180-Spieler-SNGs:

      1. Platz: 30%
      2. Platz: 20%
      3. Platz: 11,4%

      Hier wäre ein Call mit folgenden Händen nach $EV profitabel:



      Ihr seht anhand dieser Beispiele, dass die richtige Einschätzung des Wertes eures Stacks und die Vorgehensweise beim Call eines All-ins unglaublich wichtig sind. Ihr versteht so nicht nur besser, mit welchen Hand-Ranges ihr überhaupt spielen solltet, sondern auch die sogenannte "Magie des ICM" :) .

      Ihr wisst nun, wie ihr solche Situationen richtig analysiert. Macht euch die Mühe und führt die Berechnungen auch für 9-Spieler- und 180-Spieler-SNGs durch! Wie groß ist der Risikoaufschlag hier? Wie sieht es in anderen SNG-Varianten aus? Was geschieht, wenn sich die Stack-Größen ändern und/oder weitere Gegner am Tisch sitzen? Stellt euch die unterschiedlichsten Situationen vor und spielt diese durch!

      Eure Antworten und eigenen Berechnungen könnt ihr natürlich hier im Thread posten. Viel Spaß :)
  • 15 Antworten
    • Glubschauge
      Glubschauge
      Bronze
      Dabei seit: 30.11.2009 Beiträge: 5.571
      super artikel.
      bin über das ergebnis doch etwas überrascht. hätte hier glaub ich (bzw habe es wahrscheinlich auch oft genug schon getan) gesnap callt.

      da sollte ich wohl doch nochmal deutlich mehr hände genauer analysieren!
    • ChailenTT
      ChailenTT
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2011 Beiträge: 162
      Ich glaube es kommt auch ganz darauf an was für ne history man mit dem kontrahenten hat...

      wenn es ein 6max ist , man kennt den gegner und weiss man schlägt seine range würde ich es snappen....

      aber wenn es ein fremder ist würde ich es warscheinlich folden....
    • LeTrac
      LeTrac
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2012 Beiträge: 1.103
      bei 70/30 payout wäre die AQ Hand doch nen Snap oder?
    • Laccyby
      Laccyby
      Bronze
      Dabei seit: 21.04.2008 Beiträge: 3.197
      Original von shahin89
      Ich glaube es kommt auch ganz darauf an was für ne history man mit dem kontrahenten hat...

      wenn es ein 6max ist , man kennt den gegner und weiss man schlägt seine range würde ich es snappen....

      aber wenn es ein fremder ist würde ich es warscheinlich folden....
      :facepalm:

      lies den 1. post nochmal u versuch ihn zu verstehen
    • Didelidi
      Didelidi
      Bronze
      Dabei seit: 30.10.2009 Beiträge: 490
      Ich würde ihm hier gar nicht so ne loose range geben. Der SB hat ein bisschen mehr als 3bb, warum sollte Villain also riskieren an der bubble loose rauszufliegen.
    • ugluk89
      ugluk89
      Bronze
      Dabei seit: 13.02.2011 Beiträge: 107
      Original von Laccyby
      Original von shahin89
      Ich glaube es kommt auch ganz darauf an was für ne history man mit dem kontrahenten hat...

      wenn es ein 6max ist , man kennt den gegner und weiss man schlägt seine range würde ich es snappen....

      aber wenn es ein fremder ist würde ich es warscheinlich folden....
      :facepalm:

      lies den 1. post nochmal u versuch ihn zu verstehen
      #
    • Glubschauge
      Glubschauge
      Bronze
      Dabei seit: 30.11.2009 Beiträge: 5.571
      Original von Didelidi
      Ich würde ihm hier gar nicht so ne loose range geben. Der SB hat ein bisschen mehr als 3bb, warum sollte Villain also riskieren an der bubble loose rauszufliegen.
      anders rum gesehen kann er aber sehr oft chips damit gewinnen da wir ebenso denken sollten ;)
    • Kogologo
      Kogologo
      Gold
      Dabei seit: 22.12.2011 Beiträge: 1.838
      Ich find den Artikel gut, nur eine Sache stört mich: Villains Range ist hier meistens capped, die wenigsten stellen QQ-AA so deep first in direkt rein und minraisen stattdessen, auch JJ und AK sind eher unwahrscheinlich. Dadurch kann Hero natürlich looser callen.
    • gaaish
      gaaish
      Bronze
      Dabei seit: 23.02.2010 Beiträge: 1.258
      Vielen Dank für die Antworten und freut mich sehr, dass es euch die Analyse gefällt!

      @LeTrac - bitteschön:




      @Didelidi - Das liegt daran, dass er die Bubble ausnützen könnte. Wenn du davon ausgehst, dass er uns tight nach ICM callen sieht, dann kann er das natürlich durch eine weite Pushing Range ausnutzen. Das gibt ihm zusätlich den Vorteil, dass er Chip Leader wird, was seinen EV später im Turnier noch einmal erhöht (future game concept).


      @Kogologo: Wenn Villain ein Reg ist, dann weiß er dass er nicht weit openraisen kann, weil du das wiederum durch Repushen exploiten könntest. Darum wird es gar nicht so einfach für ihn eine vernünftige raise/call und raise/fold Range da aufzustellen. Darum gehen wir davon aus, dass er ohne Split seine Range openpusht.

      Übrigens, selbst wenn wir QQ+, AK aus seiner Range rausnehmen, ist es immernoch ein Fold!

      Seine Pushing-Range:



      Unsere Calling-Range dagegen:



      :s_thumbsup:
    • DrPepper
      DrPepper
      Gold
      Dabei seit: 20.10.2006 Beiträge: 1.333
      Original von shahin89
      Ich glaube es kommt auch ganz darauf an was für ne history man mit dem kontrahenten hat...

      wenn es ein 6max ist , man kennt den gegner und weiss man schlägt seine range würde ich es snappen....

      aber wenn es ein fremder ist würde ich es warscheinlich folden....
      Ich freu mich immer, wenn Leute so denken wie du - wenn ich der 3bb Typ bin ;-)
    • Froned
      Froned
      Bronze
      Dabei seit: 30.07.2007 Beiträge: 4.636
      Original von DrPepper
      Original von shahin89
      Ich glaube es kommt auch ganz darauf an was für ne history man mit dem kontrahenten hat...

      wenn es ein 6max ist , man kennt den gegner und weiss man schlägt seine range würde ich es snappen....

      aber wenn es ein fremder ist würde ich es warscheinlich folden....
      Ich hasse es immer, wenn Leute so denken wie du - wenn ich der BU Typ bin ;-)

      FYP! ;)
    • Wadson
      Wadson
      Bronze
      Dabei seit: 20.02.2006 Beiträge: 2
      Ich kann nur empirisch antworten und stelle als Basis dafür dahin, in genau diesem Tunier ins Geld zu kommen:
      Wir sind kurz vor dem Geld und haben einen Smallstack mit 850 am Tisch, der ohnehin die nächsten zwei Runden weitere Allins anbieten muß, um nicht ausgebleindet zu werden.
      Calle ich jetzt, kommt es zu einer Entscheidung, die mich mit einer positiven Wahrscheinlichkeit boosten läßt. Folde ich, booste ich nicht und habe die Möglichkeit, aus der Veränderung der Chipstände aus den Konfrontationen von Smallstack und dem dritten Gegner zu partizipieren.
      Meine Entscheidung wäre: Fold
      Aber eben nur empirisch und ohne den Mathewahnsinn, der zwar rechnerisch richtig ist, aber eben auch dazu führt, daß man trotzdem kein Geld gewinnt.
    • Laccyby
      Laccyby
      Bronze
      Dabei seit: 21.04.2008 Beiträge: 3.197
      boosten :megusta:
    • DasWodka
      DasWodka
      Bronze
      Dabei seit: 25.11.2009 Beiträge: 5.684
      Hey Wadson und Willkommen im SnG Strategieforum :) ,
      Empirisch kannst du dir hier nur die pushingrange deines Gegners herleiten. Bei einer ICM Entscheidung wie dieser ist der Mathewahnsinn leider der einzige Weg die profitabelste callingrange aufzustellen. Grade das führt ja dazu, dass langfristig Geld gewonnen wird. Den boosten Part hab ich leider nicht verstanden.
      Gruss DasWodka
    • ElHive
      ElHive
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2007 Beiträge: 7.692
      Na, er hat eine positive Wahrscheinlichkeit zu busten. Ist doch jetzt echt nicht schwer, das rauszulesen. Spannend wirds erst, wenn er mal empirisch feststellt, dass er 'ne negative Wahrscheinlichkeit hat, zu busten. :D