[SNG] Wie trifft man ohne ICM-Programm die richtige Entscheidung?

    • gaaish
      gaaish
      Bronze
      Dabei seit: 23.02.2010 Beiträge: 1.258
      Heute haben wir euch einen Spot gezeigt, in dem noch 34 Spieler eines 180-er SNGs verbleiben, während ihr A7o im Small Blind haltet:



      Es ist eine Situation, in der euch die Entscheidung nicht leicht gemacht wird, wenn ihr euch auf eure ICM-Intuition verlasst.

      Wir wollen die Hand nun mit einem ICM-Programm - dem ICMIZER - durchrechnen.



      Nach einer detaillierten ICM-Berechnung sieht man, dass die Hand unter den gegebenen Umständen ein Fold ist. Callen kann man hier etwa mit den Top 10% der Hände.

      Man braucht aber nicht zwangsläufig die Hilfe eines solchen Programms, um zu einer Entscheidung zu kommen. In unserer aktuellen Lektion zeigen wir euch, wie ihr diese Situationen angehen könnt und welche Begründungen dahinter stecken.

      In der Lektion "Das Preflopspiel: Callen und Isolieren von All-ins" haben wir euch die drei Schritte gezeigt, denen ihr folgt, wenn ihr euch einem All-in gegenüber seht:
      --> Berechnen der notwendigen Chip-Equity
      --> Risikoaufschlag und mögliche Overcaller einbeziehen
      --> Range festlegen

      Es ist immer von Vorteil, wenn man seine Berechnungen unter Berücksichtigung von Reads, Stack-Situation und Risikoaufschlag anstellen kann. Aus praktischer Sicht ist es aber quasi unmöglich, jedesmal eine präzise Berechnung durchzuführen. Man muss also mit der Zeit die richtige Intuition entwickeln. Bis es soweit ist, hilft es, wenn man einen Standard für durchschnittliche Situationen ohne Reads hat, an den man sich halten kann. Deswegen haben wir die Lektion "Preflop-Strategie: Charts zum Callen und Isolieren von All-ins" erstellt, die euch zeigt, wie ihr im Durchschnitt und ohne Reads spielen könnt.

      Werfen wir nun einen Blick darauf, wie euch diese Lektion bei unserem Beispiel hilft.

      Als erstes müsst ihr die benötigte Chip-Equity berechnen (die Equity, die ihr für einen +cEV-Call braucht). Dazu müsst ihr den Betrag, den ihr zum Callen investiert (5.650) durch den Gesamtpot (12.900) teilen.

      Benötigte Chip-Equity = 5.650 / 12.900 = ~0,44 = 44%

      Zweitens passt ihr den Risikoaufschlag an. Dabei hilft euch eine der Tabellen aus besagter Lektion. Wie erwähnt, sind noch 34 Spieler dabei, ihr nehmt also die Anzahl, die dieser am nächsten liegt:



      Das bedeutet, dass die nötige Equity für einen profitablen Call auf 44% + 8,8% = 52,8% ansteigt.

      Zuletzt müsst ihr noch berücksichtigen, dass ein Spieler (oder Mehrere) hinter euch ebenfalls callen (in unserem Beispiel bleibt der Big Blind). Wie in der Lektion dargestellt, ist es sinnvoll, 0,5% pro möglichen Overcaller zur vorher angestellten Berechnung hinzuzufügen. In unserem Beispiel also 52,8% + 0,5% = 53,3% benötigte Equity für einen Call.

      Im dritten Schritt weist ihr dem Pusher eine Range zu, mit der er vermutlich All-in geht. Auch hierzu könnt ihr eine Tabelle aus der Lektion verwenden. Euer Gegner pusht 10BB vom Button, also wahrscheinlich eine Range von etwa 40%:





      Nun vergleicht ihr noch die Equity eurer Hand gegen die Range, die ihr dem Gegner zugewiesen habt und erkennt so, ob eure Equity die vorher berechnete Schwelle überschreitet. Ist eure Equity höher, könnt ihr callen, ist sie niedriger, wird es ein Fold.

      Im Beispiel haben die folgenden Hände mehr als 53,3% Equity gegen die angenommene Pushing-Range des Gegners: 66+, A8s+, KJs+, A9o+ (11% aller Hände). Mit all diesen Händen solltet ihr also callen, mit allen Anderen folden.



      Natürlich könnt ihr auch die vereinfachten Charts nutzen, um zu einem Ergebnis zu kommen:



      Wie ihr seht, ist das Ergebnis unserer Methode recht nah an dem tatsächlich vom ICMIZER berechneten. Das Ergebnis belegt, dass unsere Charts - wenn auch vereinfacht - einen guten Anhaltspunkt liefern und euch helfen können, eure ICM-Intuition zu verbessern.

      Viel Spaß mit den neuen Inhalten und viel Glück an den Tischen!
  • 3 Antworten
    • kingpin12
      kingpin12
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2009 Beiträge: 890
      super grafik + erläuterung und leicht verständlich geschrieben, aber mal ehrlich, diese rechnungen soll man innerhalb von sekunden treffen, wenn die timebank am ablaufen ist? nicht falsch verstehen, finde den beitrag wirklich gut,aber da ich oft an die 10 tische parallel spiele, fallen mir dann solche rechnungen einfach zwecks kurzer timebank relativ schwer oder wie machst du/ihr das am beste n? by the way, programme die einem anzeigen, ob man pushen oder folden soll sind in der pokersoftware verboten richtig ? d.h. zum anschließend review gut geeignet,aber beim spielen leider nicht erlaubt oder sehe ich das anders?
    • DasWodka
      DasWodka
      Bronze
      Dabei seit: 25.11.2009 Beiträge: 5.684
      Hey,
      Ich geb dir Recht, dass beim multitabeln so genau die Rechnung schwer wird. Da kommt es dann imo auf Erfahrung an, um die möglichst schnell zu überschlagen, bzw bei typischen Situationen die ungefähre Callingrange gegen oft vorkommende ranges zu wissen.
      by the way, programme die einem anzeigen, ob man pushen oder folden soll sind in der pokersoftware verboten richtig ? d.h. zum anschließend review gut geeignet,aber beim spielen leider nicht erlaubt oder sehe ich das anders?

      Bei pokerstars ist das auf jeden Fall richtig. Bei anderen Seiten bin ich mir da nicht ganz so sicher. Mir ist so, als wäre das bei partypoker erlaubt (ohne Gewähr). Allerdings muss man ja alle stacksizes und Auszahlungsstruktur angeben, sodass das kaum geht ohne auszutimen. Diese Programme sind somit wirklich am besten für die nachanalyse zu gebrauchen. Das sollte auch möglichst viel geschehen.
      Gruss DasWodka
    • kingpin12
      kingpin12
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2009 Beiträge: 890
      @ "daswodka", muss sagen, so sehe ich es auch. der beitrag oben ist top, aber die diversen rechnungen kann man wirklich meißtens nur im nachhinein anstellen und beim spielen halt grob überschlagen/kalkulieren, wann man am besten pushen/folden sollte.