zunehmende legalisierung von online glücksspiel in den usa, um budgetlöcher zu stopfen

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Anbieter wittern das große Geld

Es war ein schwerer Schlag für die Glücksspielindustrie, als der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 überraschend ein Verbot des Onlinegamblings erließ. Nach Jahren der sinkenden Umsätze im klassischen Glücksspiel hoffen Onlineanbieter nun aber durch eine schrittweise Legalisierung auf das große Geld. Eine Hoffnung, die die betroffenen Bundesstaaten teilen.

Der börsennotierte Anbieter von Onlineglücksspiel bwin.party (Fusion des österreichischen Anbieters bwin und der britischen PartyGaming) darf nach siebenjähriger Auszeit wieder in den USA agieren. Diese Woche brachte der Konzern sein Internetpokerportal für den Bundesstaat New Jersey auf den Markt. 2006, vor dem Verbot des Onlineglücksspiels in den USA, hatte Partypoker dort einen Marktanteil von 47 Prozent.

Zunehmende Konkurrenz

New Jersey ist nach Nevada und Delaware der dritte US-Bundesstaat, der Onlineglücksspiel legalisiert. Während aber zum Beispiel in Nevada im Netz nur Poker erlaubt ist, ist es in New Jersey eine ganze Palette an Onlinespielen. Vorerst ist es noch einigen wenigen Casinos vorbehalten - durch die Kooperation mit einem solchen erhielt bwin.party nun die erste der begehrten Lizenzen.

Für die Casinos aus New Jersey ist die Marktöffnung jedenfalls ein wichtiger Schritt, haben sie doch in den vergangenen sechs Jahren fast zwei Mrd. Dollar an Umsatz eingebüßt. 2012 erwirtschafteten sie drei Milliarden. Der Rückgang rührt von der Konkurrenz in den umliegenden Bundesstaaten Pennsylvania, New York und Maryland her.

Zig Millionen an Steuereinnahmen

New Jersey wird nun als großer Testballon von der Branche mit Argusaugen beobachtet. Nicht nur, weil dort erstmals in einem US-Staat wieder ein breites Angebot an Internetspielen erlaubt ist, sondern auch aufgrund seiner großen Einwohnerzahl. Chris Christie, republikanischer Gouverneur des Staates, rechnet mit einem Umsatzpotenzial von bis zu einer Mrd. Dollar allein im ersten Jahr, wie die „New York Times“ („NYT“) berichtete. Das brächte dem Staat 150 Millionen an Steuergeld. Geld, das nicht nur in New Jersey dringend benötigt wird, um Milliardenlöcher im Staatshaushalt zu stopfen.

Enormer Markt für die gesamte USA

Branchenanalyst H2 Gambling Capital schätzt die Umsätze hingegen weit vorsichtiger auf 300 Mio. US-Dollar bzw. 45 Mio. Steuereinnahmen für den Staat. Das Marktpotenzial für die gesamten USA wird jedoch auf neun Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre prognostiziert.

Voraussetzung: Die Großen, wie zum Beispiel Kalifornien, müssen mitmachen. Und das könnte auch im bevölkerungsreichsten US-Staat bald der Fall sein, die Branche lobbyiert seit Jahren dafür. Robert Heller, Präsident der Beratungsfirma Spectrum Gaming Capital, schätzt, dass abhängig vom Erfolg New Jerseys bis 2018 bis zu 18 Staaten Onlineglücksspiel legalisieren könnten.

Warum nicht gleich legalisieren?

Für die Anbieter ist die Legalisierung nur ein logischer Schritt. Denn, so argumentieren sie, das Internetglücksspiel existiere ohnehin bereits abseits des Gesetzes. Da wäre es besser, es gleich zu legalisieren, denn dadurch könnte der Staat nicht nur Steuern kassieren, sondern gleichzeitig auch den Markt regulieren und Spieler besser unter seine Fittiche nehmen. Weltweit ist der Onlinespielemarkt 33 Milliarden Dollar schwer - drei Milliarden davon stammen aus illegalen Wetten aus den USA, so die „NYT“.