Banale Frage zu Herofolds

    • Lausbub7
      Lausbub7
      Bronze
      Dabei seit: 28.11.2008 Beiträge: 2.397
      Hallo Leute, angenommen der Pot ist bis zum River 6BB groß, und der Gegner donkt in mich rein und wir gehen davon aus, dass er made hands hat und pure air. Theoretisch blufft villain hier 14.28% (1/7) und wir folden diese % Zahl. Ist es nun aber nicht so, dass wir auch am river theoretisch 14.28% der Fälle geblufft hätten, d.h. wir folden nur unsere Bluffs und callen jeden Bluffcatcher? Ab wann können wir hier Herofolden? Was für Stats sind relevant und was für eine Samplesize benötigen wir? Habe ich einen Fehler in meiner Denkweise?

      Pls help, danke!
  • 2 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.616
      Deine Ranges in beiden Situationen sind verschieden. Insbesondere unterscheidet sich deine Valuebetrange von deiner Valuecallrange. Du bettest einen viel kleineren Teil deiner Gesamtrange als du callst, da du auch checken kannst, wenn dir die Initiative überlassen wird. Daraus folgt, dass der Anteil deiner Bluffs an deiner Gesamtrange (nicht: deiner Bettingrange) kleiner ist als der Anteil deines Trashs nach einer Bet des Gegners.

      Im Fall eines Calls auf eine Bet sieht deine Range so aus:

      Valueraise/Bluffraise | Call/Bluffcatcher | Trash
      EQ > 66/0...............| >= 1/8 (Odds)...| < 1/8

      Valueraise: EQ > 66% gegen die Callrange des Gegners (kann mit Reads auch weniger sein, aber niemals weniger als 50%).

      Bluffraise: aus der Trashrange, also EQ < 1/(Odds+1) = 1/8 gegen die Bettingrange des Gegners, falls sich solche Hände in deiner Range befinden. Bessere Hände könntest du ja profitabel callen. Wenn du keinen Trash hast, dann sind das die schlechtesten Bluffcatcher.

      Call/Bluffcatcher: EQ >= 1/(Odds+1) = 1/8 gegen die Bettingrange des Gegners. Ein Bluff des Gegnes richtet sich gegen diesen Teil deiner Range.

      Trash: EQ < 1/8. Diese Hände musst du immer folden, egal wie gross der Anteil dieses Teils an deiner Range ist. Besteht deine Range aus 50% Trash, dann foldest du 50%. Abgesehen von dem Teil, den du für Bluffraises verwendest.


      Wenn du bettest, dann sieht deine Range so aus (ich gehe hier davon aus, dass du Position hast, damit die Apsekte aus negativem Freeroll keine Rolle spielen):

      Valuebet | Bluff
      EQ >50...| ~ 0

      Valuebet: EQ > 50% gegen die Callrange.

      Bluff = Trash: EQ ~ 0 gegen die Gesamtrange des Gegners. Alles, was eine bessere Equity als 0 hat, kann auch mit einem Check den Showdown gewinnen. Solltest du zu wenig Hände mit EQ = 0 haben, um deine Bluffrange aufzufüllen, dann haben auch deine Bluffs Equity, aber möglichst wenig. Auf diese Weise maximierst du die Zahl der Pötte, die du gewinnst.

      Die Bettingrange ist also polarisiert. Ihr fehlen die Bluffcatcher. Du bettest in der Regel einen deutlich kleineren Teil deiner Range als du auf eine Bet callen würdest.

      Der Anteil des Trashs an einer Bet von dir ist immer 1/7 entsprechend der Odds. Der Anteil des Trashs bei dir nach einer Bet des Gegners kann viel grösser sein, da die Range des Gegners nach einer Bet stärker ist als seine Gesamtrange und stärker ist als seine Callrange nach einem Check.


      Was können wir daraus für Herofolds folgern? Bet nach check und call nach bet sind zwei verschiedene Situationen, bei denen wir es mit unterschiedlichen Rangeverteilungen beim Gegner und bei dir zu tun haben. Beides hat nichts miteinander zu tun.

      Einen Herofold kann man dann machen, wenn man sich sicher ist, dass der Gegner in der gegebenen Situation nicht blufft. Reads helfen hier mehr als Stats. Generell sind rationale Gegner (tight) leichter einzuschätzen als irrationale Gegner. Manche Callingstations können bluffen. Nits bluffen oft sehr wenig. Die Einordnung des Gegners auf Grund von Stats ist aber nicht verlässlich. Nit/Rock Typen neigen sehr wenig zu Bluffs bei Riverraises und River 3-bets, noch weniger bei Checkraises. Fehleinschätzungen können sie natürlich unterliegen.

      Am aussagekräftigsten sind direkte Stats wie won River when bet River und won River when raise River. Ein Spieler, der W$wRR > 80 hat wird so gut wie nie bei einem Riverraise bluffen. Bei W$wbR muss beachtet werden, dass der Wert sehr positionsabhängig ist. Bets ausser Position sind prinzipiell schwächer als Bets in Position, da man ausser Position die Problematik des negativen Freerolls hat.

      Went to Showdown wird auf grosse Samplesize aussagekräftig. Ist dieser Wert nahe bei 30 oder weniger, dann blufft der Spieler nicht (FR ca. ab 33 und weniger, SH ca. ab 35). Wer blufft, hat automatisch einen höheren WtS, da er öfter Calls bekommt als der ehrliche Spieler.

      Die Samplesize ist abhängig vom VPIP. Wenn man 100 Messwerte am River hat, dann bedeutet ein mal mehr oder weniger am Showdown gewesen zu sein / am Showdown gewonnen zu haben eine Abweichung von 1%. Die Standardabweichung wird bei dieser Grösse oft um die 5 Prozentpunkte oder mehr ausmachen. 100 mal den Showdown gesehen bedeutet bei einem VPIP von 25 und einem WtS von 40 eine Samplesize von 1000 Händen. Da ein Spieler nicht jedesmal gebettet hat bevor er den Showdown sieht, braucht man für die W$wbR und W$wRR noch grössere Samplesizes.

      Es ergibt nicht viel Sinn, Aussagen für Stats an einer Genauigkeit auf das einzelne Prozent festzumachen. Wir reden dann von Samplesizes jenseits von 10k Händen. So viele Hände hat man einerseits selten, zum anderen will man vielleicht nicht so lange warten mit seinen Exploits.
    • Lausbub7
      Lausbub7
      Bronze
      Dabei seit: 28.11.2008 Beiträge: 2.397
      'Danke für deinen Post. Klarer Brainfart von meiner Seite aus! Werde noch mal alles durchgehen und bei Verständnisfragen hier reinposten.