Cold-Calling-Range konstruieren

    • illwhisky
      illwhisky
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2006 Beiträge: 903
      Hallo zusammen,

      ich bin gerade dabei mein Preflopplay etwas zu optimieren und habe für mich einen Leak bei der Cold-Calling-Range gefunden. Diese beschränkt sich lediglich auf Pairs, AK in LP und Broadways in den Blinds. Ich denke da gibt es noch deutlich Verbesserungspotential, was mich zu diesem Post veranlasst hat.

      Ich könnte natürlich irgendein Chart spielen, dass ich irgendwo finden, aber ich würde auch gerne den Hintergrund bzw. die Überlegungen hinter so einem Chart, wie bspw. das KTU-Chart verstehen.

      Bei der Konstruktion der eigenen Cold-Calling-Range denke ich ist es sinnvoll, die Cold-Calling-Range vom Gegner und der Position abhängig zu machen, sowie vom Raisesizing. Da ich leider keine Populationstendenzen mit meinem Pokertracker machen kann - falls jemand weiß wie das geht, darf er mir das gerne mitteilen - gehe ich erst einmal von meiner default Range aus. Die Frage ist nun, wie konstruiere ich diese sinnvoll?

      Ich weiß, dass eine Value-3bet mind. 50% Equity gegen die Openraising-Range von Villain benötigt. Aber wieviel Equity benötige ich bei einem Cold-Call? Intuitiv würde ich sagen 50-30(35)% Equity. Wie seht ihr das?
  • 9 Antworten
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Weiss nicht ob du das hier kennst - da kannst du auch noch ein paar Anregungen raus nehmen:

      [Coaching] Generalüberholung Gameplan
    • illwhisky
      illwhisky
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2006 Beiträge: 903
      Original von torytrae
      Weiss nicht ob du das hier kennst - da kannst du auch noch ein paar Anregungen raus nehmen:

      [Coaching] Generalüberholung Gameplan
      ich hatte mir das coaching angetan. leider ging er nicht auf hintergründe ein, sondern hat "nur" das KTU-Chart BU vs CO vorgestellt. Und da ich kein Platin habe, kann ich mir auch nicht alle Charts anschauen. Wobei ich ja auch eigentlich nachvollziehen will, welche Gedanken, Überlegungen bzw. Herangehensweise bei der Erstellung der Charts zugrunde liegen.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Ja, das Problem hab ich auch gerade :)
    • onese7en
      onese7en
      Bronze
      Dabei seit: 19.12.2010 Beiträge: 4.708
      Original von illwhisky
      Ich weiß, dass eine Value-3bet mind. 50% Equity gegen die Openraising-Range von Villain benötigt. Aber wieviel Equity benötige ich bei einem Cold-Call? Intuitiv würde ich sagen 50-30(35)% Equity. Wie seht ihr das?
      Ist halt super schwer, bzw. fast unmöglich zu sagen, weil es darauf ankommt, wieviel Equity wir postflop realisieren können.

      Ich meine, selbst 72o hat preflop gegen eine Range aus TT+,ATs+,KTs+,QJs,T9s,ATo+,KTo+ noch 27,50% Equity. Danach können wir also nicht gehen.

      Es kommt eben darauf an, was Villain openraist und vor allem auch, wie er postflop weiterspielt. Gegen einen Spieler, der postflop aggressiv alles durchbarrelt haben wir natürlich massig Implied Odds und wir können auch spekulative Hände fast immer coldcallen. Gegen einen, der postflop sehr nitty unterwegs ist, lohnt sich teilweise nicht einmal ein Call auf Set Value.

      Auch wenn es unbefriedigend ist: Es kommt darauf an...

      Das einzige, was ich dir als Tipp mit auf den Weg geben könnte:
      Ein Coldcall ist meistens dann gut, wenn wir Teile aus Villains Range dominieren, uns mit einer 3bet aber gegen eine bessere Range isolieren.

      Heißt also:
      Villain openraist AT+, KT+, QJs. Er spielt gegen eine 3bet aber nur QQ+ und AK weiter.
      Dann dominieren wir mit AQ viele Hände aus seiner Range und können coldcallen.

      Je mehr Hände wir dominieren, desto klarer wird der Call. Je weniger Hände, desto knapper.
      Anderes Beispiel, um das zu veranschaulichen:
      Villain openraist nur A2s+, wir haben A8s. Wir dominieren A2s-A7s, damit also 24 Kombis. Wir sind von A9s-AKs dominiert, das sind lediglich 20 Kombis.
      Dennoch ist dieser Unterschied einfach zu knapp, um A8s zu coldcallen, weil Villain eben mit Inititative spielt. Ausnahme ist natürlich, dass wir irgendwelche Reads/Stats haben, die es uns möglich machen, ihn postflop so zu exploiten, dass sich der Call wieder lohnen würde.

      Wenn Villains Range deutlich mehr Hände beinhaltet, die wir dominieren, als welche, die uns dominieren und wir uns gegen seine 3bet-call/raise-Range aber hinten sehen, ist der Coldcall meistens korrekt.

      Neben der Initiative spielt natürlich auch die Position eine enorme Rolle. Spielen wir gegen UTG oder den CO? Die Ranges sind halt völlig anders. Sind wir IP oder OOP? BU vs. CO können wir halt deutlich mehr callen, als SB vs. CO.
    • eroticjesus
      eroticjesus
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2009 Beiträge: 4.875
      Es kommt beim Coldcallen auf mehrere Sachen an.

      Ersteinmal, sind die Spieler hinter uns wichtig, sprich, sitzen Squuezer da? Dann spielt die Equity gar nicht mal eine so große Rolle, sondern die playablity der Hand und das ist der wichtigste Punt dabei. Mit AJo hat man gegen eine relativ loose MP-Range bspw. ca. 55%. 98s bspw hat nur um die 36%.

      Bsp:

      A:heart: J:diamond: und 9:spade: 8 :spade: Board: A :spade: 7:heart: 4:diamond:

      Wenn Villain hier drei mal barrelt, dann haben wir mit AJ auf nahezu jedem Runout eine eklige Entscheidung, trotz guter Preflopequity. Mit 98s haben wir leichtes Spiel.

      1. helfen viele Runouts, jede 6, jede 5, jede T, jede 9, jede 8 und jedes Spade bringen uns outs

      2. Checkt Villain den Turn, können wir oft die bessere Hand zum folden bringen (wenn er foldet ist es meist sogar die bessere Hand, mit AJ können wir das nicht und es callen auch kaum schlechtere Hände.

      Das wäre jetzt der Ansatz vs. unknowns, ansonsten sollten Coldcalls IP immer ein Exploit sein. Man sollte auch Hände nehmen, die Teile der Range von Villain dominieren und sich bei 3bets oft isolieren AQs, AKs, QQ und JJ bspw.

      Das gilt eher für UTG und MP raises.. Vs CO ist es viel mehr abhängig von den Blinds, sitzen dort Fische? Sitzen dort lighte Squuezer? usw. Die Entscheidung 3bet/fold/call sollte in den heutigen Games weniger vom Openraiser und seiner Range, sondern auch von den Spielern abhängen, die noch ihre Entscheidung treffen müssen.

      Ich würde da gar nicht so viel basteln, sondern Hände posten, es reicht ja zu folden und dann zu fragen, ob ein call hier sinnvoll wäre. Oder machs im Rahmen von U2Us usw.

      Wie gesagt, playability und Villains Tendenzen sollten bei der Entscheidung wichtiger sein, als Preflopequity. Ich habe kaum eine Hand in der Range, die ich default coldcalle, das ist immer spotabhängig.
    • torytrae
      torytrae
      Bronze
      Dabei seit: 07.01.2008 Beiträge: 15.944
      Sehr gutes Feedback, danke :)
    • illwhisky
      illwhisky
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2006 Beiträge: 903
      Original von torytrae
      Sehr gutes Feedback, danke :)
      #this

      Aber weißt du, welche Parameter Einfluss hatten bei dem KTU-Chart? - Ich weiß nur, dass es sich auf die Populationstendenzen von NL200 beziehen.

      Das mit dem Hände posten, werde ich auf jeden Fall in Angriff nehmen. Dank dir eroticjesus.
    • CountZero
      CountZero
      Silber
      Dabei seit: 21.07.2006 Beiträge: 3.681
      schaut euch doch das neue Video von W34z3l an:
      http://de.pokerstrategy.com/video/32673/

      darin wird eine Coldcalling-Range aufgebaut, die zwar für NL10 gedacht ist, aber einige Anhaltspunkte liefert.

      Interessant ist zudem die Diskussion darüber im entsprechenden Thread - Stichwort Equity vs. Playability:
      http://www.pokerstrategy.com/forum/thread.php?threadid=309916
    • Woerni
      Woerni
      Bronze
      Dabei seit: 11.09.2006 Beiträge: 904
      Ich habe mir den unteren Link mal angesehen und die RFI Ranges und Callingranges mit random Flops gegeneinander laufen lassen. Ich habe durch die Bank eine Equtiy um die 50%. Ich glaube ich hatte max. 55%.

      Unter diesen Umständen kann ich Jesus´ und onese7en´ Argumente nachvollziehen. Und bei meinem Skill bräuchte ich eine entschieden tightere Range um Postflop weniger Fehler zu machen. Oder ich mache mir eine Range die nur aus Value und nicht dominierten Händen besteht zb. SCs.