Der Gameplan UTG - Als Hai unter den Robben

    • erlent
      erlent
      Bronze
      Dabei seit: 10.03.2007 Beiträge: 52
      Der Gameplan UTG - Als Hai unter den Robben

      Der Hai braucht sich bei der Nahrungssuche keine Gedanken machen, solange es noch genügend Fische gibt. Da sieht es beim NL10-Hai schon ganz anders aus, wenn der sich ins falsche Gewässer vorwagt wird er schnell zum Goldfisch und wird vom nächsten Karpfen gefressen.

      Hab noch nie n Gameplan aufgeschrieben, aber dank der Videos und der zahlreichen Beteiligung der Community hatte ich keine andere Wahl. Für mich ist es naheliegend einen Gamplan für NL 10 zu machen. Nicht nur weil meine Erfahrung im Cashgame begrenzt ist sondern auch gerade deswegen. Weil ich noch nicht so eingebrannte Gedankengänge habe. Die ganze Erfahrung vom Sit&Go grinden mit ins Gepäck und los geht’s.

      Tendenzen des NL 10 Spielers

      Wir sitzen UTG an einem Sorthanded-Tisch, jeder hat 100bb vor sich stehen und wir haben keine speziellen Reads auf unsere Gegner. Ich habe versucht sie Punkte so aufzulisten das oben die wichtigen Aspekte stehen.

      Preflop:

      -Gegner verteidigen ihre Blinds gegen BU oder CU Raise nicht aggressiv genug
      -Gegner callen viele schlechte Hände Schlechte Broadways, Suited-Aces, Suited- Connectors
      -Wenig 3-Bets (Wenig bluffs) wenn dann für Value
      -Wenn einer mal gecallt hat, neigen die anderen dazu eine weite Range zu callen.
      -Wenig Isoraises, Squeezeouts
      -Ein Openlimp aus dem Smallblind ist meistens eine schwache Hand
      -Es kommen sehr kleine 3-Bets vor. Meiner Einschätzung nach oft starke Hände, auch ab und zu Bluffs mit Händen die gut aussehen wie zum Beispiel 910s


      Postflop:

      -Ceck-Raise Turn oder River sind sehr starke Hände
      -Auf gleichfarbigen Boards und Boards mit kleinen Karten geben die Spieler nicht so schnell auf
      -Oft mehrere Gegner im Pot
      -Donkbet meistens gute oder mittelgute Hand
      -Kleine Turn-Bet oft schwäche (Insbesondere Bei Passiven Spielern)

      An den Gegner anpassen

      Wichtig ist es, die 2-3 Spieler direkt hinter einem zu Beobachten, da man mit ihnen oft im Pot sein wird und sie einem in Position Probleme machen können. Gegen schlechte Spieler ist natürlich auch das Bauchgefühl sehr wichtig, sie geben oft sehr viel preis. In späteren Positionen wird die Range sehr weit, da wir eine hohe Foldequity haben und in Position spielen wollen.

      Erstmal viele Hände spielen und schauen wie die Gegner reagieren. Wichtig ist es dabei den Bogen nicht zu überspannen. Wir wollen einen soliden Eindruck vermitteln. Wir wollen das Image eines Spielers haben den man fürchtet, nicht des eines Clowns der seine Chips verschenkt! Die Kunst ist es keine aggressionen zu wecken, und es einfach so aussehen zu lassen als ob man eine gute Hand nach der anderen bekommt.

      Preflop

      -Gegen 3-Bets haben wir eine Tighte Defending/4-Bet –Range
      -Wir Openraisen viel in später Position
      -Aus früher Position Hände spielen die stark sind, oder zu sehr starken Händen werden können
      -Kleine Betsize da man gerade Spielern OOP die Möglichkeit geben will Fehler zu machen
      -Aggressives Spiel gegen Openlimp
      -Wir versuchen uns schnell anzupassen

      Postflop

      -Gegen Postplop 3-Bets, insbesondere bei plötzlich auftretender aggression, sehr tighte Defending-Rage (Nuts)
      -Wenig Bluffen
      -Viel Value-Betting (Dünne Value-Bets)
      -Betsize stark vareieren (oft fällt es unseren Gegnern nicht auf, dass wir in bestimmten Situationen bestimmte Betsizes haben)
      -Gegner zeigen oft aggression, wenn man das betten einstellt
      -Wir folden viel auf Donkbets

      Geschätzte Calling-Range

      http://img4web.com/view/WH8XP8

      Ich gehe mal davon aus, das wir nicht viel 3-Bets bekommen, da dies auf NL 10 nach meiner Erfahrung nicht so ist. Versuchen wir also eine Calling-Range vorzustellen. Es ist halt schwierig bei den Händen, die man oft sieht. Deswegen habe ich nicht immer alle Farbkombinationen in der Range, weil ich annehme, dass diese Combos ab und zu gecallt werden. Die kleine Zahl rechts unten zeigt die Anzahl der Combos.

      Gameplan preeflop?

      Wir spielen UTG eine polarisierte Range, da wir davon ausgehen das wir gegen viele Broadways antreten werden. Wenn man die Populationstendenzen auf NL 10 betrachtet folden die Gegner nicht gerne. Deshalb spielen wir abgesehen von unseren starken Händen kleinere Suited-Connectors und Pockerpairs in der Range. Da sie nicht so oft dominiert werden, und der Gegner uns oft ausbezahlt, wenn wir getroffen haben. Die Gegner setzen uns auch eher auf hohe Karten bei einem UTG-Raise, sodass sie uns auf Boards mit niedrigen Katen keine starken Hände geben. Da auf NL 10 viel gecallt wird ergeben sich Pötte mit vielen Spielern, was die Wertigkeit für Suited-Connectors und Pockerpairs anhebt. Wenn der Gegner zu kleine 3-Bets macht können wir oft callen ohne dominiert zu sein.




      Alle Pockerpairs => Auf Höheren Limits nicht unbedingt Profitabel. Aber auf NL10 gut, da die Gegner dazu geneigt sind uns auzubezahlen wenn wir getroffen haben. Da der Durchschnitts-Spieler nicht unbedingt aggressiv ist, kann die Equity realisiert werden (Wir betten wenn wir treffen)

      Suited-Connectors => Gleiche Gründe wie oben, aber wir haben noch den Vorteil dass Postflop häufiger Flushdraws und Straightdraws treffen, wir stärken damit unsere Ceckbehind-Range. In gut ausgewählten Spots können wir auch mal semibluffen.

      Broadways => Brodways wie KTs, KJo werden nicht gespielt, da sie gegen die angenommene Callingrange des Gegners nicht gerade gut aussehen. Es ist für uns schwierig sie am River noch zu Valuebetten.

      Openraising-Range:

      http://img4web.com/view/VKGCEL

      Wo ist die Openraising-Range angreifbar?

      Gute Spieler können uns mit 3-Bets in Position unter Druck setzen. Es muss aber nicht gleich angepasst werden, da wir UTG nicht so viele Hände spielen, so machen wir es unserem Gegner schwer uns viel zu 3-Betten (Wir wollen nur mit guten Händen große Pötte spielen, in denen wir keine Position haben).


      Wenn ihr bis hier her geschafft habt, würde ich mich freuen wenn ihr ein kurzes Feedback gebt.

      Was haltet ihr von meinen annahmen?
      Was denkt ihr wie die Tendenzen des typischen NL 10 Spieler sind?
  • 9 Antworten
    • buschips
      buschips
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 25.10.2010 Beiträge: 13.466
      Ich verschiebe den Thread mal ins NL-Strategieforum. Dort stehen dir auch unsere Experten mit Rat zur Seite.

      Grüße buschips
    • fraleb
      fraleb
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2006 Beiträge: 2.761
      Man kann über dies und jenes diskutieren, zb. warum du 54s in die ORR nimmst, JTs u. T9s draußen läßt, wir eine Bluff-3Betting-Range haben sollten, vorallem gegen Spieler die > 70% folden, overall finde ich den Gameplan aber solide.
      Wir sollten halt genau definieren was mit zb. (kleiner Turnbet) gemeint ist. So 20% bis 30% bets sind meist draws oder thrd. - midpairs. 40-50% nachdem auch der Flop gebettet wurde mind. TP.
      Wir sprechen vom standart NL10 spieler ohne besondere reads
    • Krad85
      Krad85
      Bronze
      Dabei seit: 02.01.2014 Beiträge: 67
      Original von erlent
      Postflop

      -Gegen Postplop 3-Bets, insbesondere bei plötzlich auftretender aggression, sehr tighte Defending-Rage (Nuts)
      danke erstmal für deine Reaktion auf meine Nachfrage im anderen thread ;)

      eine Nachfrage:
      Meinst du an der Stelle wirklich 3bets, oder eher raises (also 2bets?)
    • erlent
      erlent
      Bronze
      Dabei seit: 10.03.2007 Beiträge: 52
      Hallo Krad,

      War vielleicht ein bisschen undeutlich formuliert. Ich meine die Situationen in denen der Gegner uns Postflop Check-Raist.

      Mit "Insbesondere bei Plötzlich auftretender Aggression" habe ich wohl Situationen gemeint in denen man einfach nicht erwartet das der Gegner bettet. Wenn ich mir das aber nochmal durch den Kopf gehen lasse, sind das meistens Check-Raises.

      Also ja ich meine 3-Bets

      @fraleb

      Habe nicht ganz verstanden was du mit "wir eine Bluff-3Betting-Range haben sollten" meinst, meintest du Bluff-4Betting-Range? Wir raisen ja UTG dementsprechend können wir ja nur 4-Betten

      Deine Einschätzung über die Turnbetsize teile ich, wenn man mal nen 0815 Spieler entdeckt hat gibt sie Turn-Betsize sehr viel preis
    • erlent
      erlent
      Bronze
      Dabei seit: 10.03.2007 Beiträge: 52
      @Krad

      Kleine Ergänzung noch ein check raise auf dem River sind meistens die NUTS, es ist ja schon klar, dass man in solchen Situationen tight ist. Aber mir war lange Zeit nicht klar wie tight man wirklich sein muss.

      Ich rede davon die Zweitbeste Hand wegzuwerfen, vor allem mit 2nd-Nut Flushdraw.
      Natürlich nicht in allen Situationen.

      Man muss ich in den typischen NL10 Spieler hineinversetzen. Es gibt Boards in denen ein nicht so guter Spieler, seine Handstärke überschätzt.

      Kleines Beispiel:
      Wenn das Board ein Flush ermöglicht, aber eine Karte 2 mal da liegt und somit verschiedene Fullhouse möglich sind. In dem Fall würde ich die 2nd Nuts nicht folden.


      Bauchgefühl sehr wichtig in solchen Situationen !
    • fraleb
      fraleb
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2006 Beiträge: 2.761
      Habe nicht ganz verstanden was du mit "wir eine Bluff-3Betting-Range haben sollten" meinst, meintest du Bluff-4Betting-Range? Wir raisen ja UTG dementsprechend können wir ja nur 4-Betten

      Da hast du natürlich recht. Es geht ja um UTG weshalb die 3Bet wegfällt.
      Bin mir nicht sicher ob wir hier dann überhaupt eine Bluff 4Bet Range haben sollten. Ich habe keine wenn ich aus UTG raise und eine 3Bet bekomme.
    • erlent
      erlent
      Bronze
      Dabei seit: 10.03.2007 Beiträge: 52
      Es hängt natürlich auch ein bisschen von der 3-bet Größe und per Position, von der die 3-bet kommt ab. Gibt ja auch ab und zu situationen in denen man auf NL 10 ne Minbet bekommt :-)

      Generell würde ich aber sagen AA KK und AKo 4-Bet, und AKs 10-QQ call.

      Ne Bluffrange zu spielen is glaub keine gute Idee auf NL 10 da verbrennt man nur Geld, wir ziehen ja unseren Profit daraus, das wir seine guten Hände "erkennen" und gute folds machen. Unser Gegner Exploitet sich ja im Prinzip selbst.
    • erlent
      erlent
      Bronze
      Dabei seit: 10.03.2007 Beiträge: 52
      Zu der Frage mit den kleinen Suited-Connectors:

      Ich raise die kleinen lieber, da ich beim Gegner viele Broadways in der Range vermute, und 45s nicht so häufig dominiert wird wie 910s. Habe auch so das Gefühl, dass auf NL 10 nicht so gerne von Multicolor Borards mit niedrigen Karten abgelassen wird.
    • fraleb
      fraleb
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2006 Beiträge: 2.761
      Der Argumentation kann ich folgen, finde ich valide.
      Stimmt, wenn du die kleinen SC stark hittest, bekommste schon oft guten payout weil dich einfach kaum einer auf zb. 54s setzt. Allerdings ist halt ein TP damit fast nix wert. Mit JT,T9 bin ich oftmals gut selbst wenn einer Overcard liegt. Dominierst halt die ganzen kleinen pockets, ne straight ist natürlich offensichtlicher als mit 54s.
      Ist wohl ne Frage des Geschmacks aber wie gesagt, ich kanns gut nachvollziehen warum du die lieber magst.