Varianz beim Pokern

    • TriX
      TriX
      Bronze
      Dabei seit: 21.06.2006 Beiträge: 801
      Ich höre ab und zu, dass manche Spieler wenig Gewinne einstreichen, weil sie zu wenig Varianz hatten oder Ähnliches.
      Doch was genau ist mit Varianz im Zusammenhang mit Poker gemeint? Hat man wenig Varianz, wenn man sich strikt an ein System hält und man nicht auch ein wenig den Gegner spielt, anstatt nur seine Hand zu spielen? Oder wie habe ich mir das vorzustellen?
      LG

      TriX
  • 8 Antworten
    • fummi
      fummi
      Bronze
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 7.317
      man hat weniger varianz wenn man kleine edges sausen lässt .. kostet long, long, longterm aber geld ..
    • beg0r
      beg0r
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2006 Beiträge: 2.948
      ich kenn die mathematisch korrekte definition nicht, aber ich glaube dass varianz einfach nur die abweichung von deiner "realen" winrate ist. wenn du z.B. longterm ein 2bb/100 winner bist und auf 100 hände dann mit 60bb/100 gewonnen hast, ist das offensichtlich varianz. das liegt nicht am system mit dem man spielt oder daran, dass man "kleine edges sausen lässt", sondern z.B. daran, dass man eine zeit lang überdurchschnittlich gute karten ausgeteilt bekommt. solche faktoren werden eben kleiner je mehr man spielt, so dass man ab einer genügend großen samplesize (die hier vermutlich beliebig groß werden können muss) erst die wahre winrate sieht.
    • mosl3m
      mosl3m
      Bronze
      Dabei seit: 04.07.2007 Beiträge: 6.491
      Varianz ist z.B. wenn man 4 Mal hintereinander mit nem hohen PP und ca. 70% equity preflop AI geht und immer gerivert wird...

      Das kotzt vllt an sowas :(

      Oder anders:

      Varianz ist die Abweichung vom Erwartungswert.
    • Macr0s
      Macr0s
      Bronze
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 1.047
      Geht um den Punkt den Fummi genannt hat. Machen wirs an einem Beispiel
      deutlich:

      NL100 Preflop AI

      300 * QQ vs AKs (54-46) bringt dir im Schnitt ~ 2400$
      40 * QQ vs JJ (80-20) bringt dir im Schnitt ~ 2400$

      Gibt halt Leute die quasi Coinflips ala QQ vs AKs auslassen weil sie von den
      300 Flips 138 verlieren koennten. Wohin gegen sie bei QQ vs JJ nur 8 von 40
      verlieren wuerden um den gleichen Gewinn zu erhalten. Wenn man nun davon
      ausgeht das erst alle Verluste kommen (down) und dann die Gewinne (up)
      waer man bei QQ vs AKs 13.800$ down und bei QQ vs JJ 800$. Gibt halt
      Leute die diese kleinen Gewinnchance aufgeben um ihr Risiko zu mindern.


      Ich hoffe ich konnte anhand des Beispiels illustrieren worum es geht.
    • Crovax
      Crovax
      Black
      Dabei seit: 10.09.2006 Beiträge: 11.334
      Varianz hast du in jeder einzelnen Hand ... wie hoch die Varianz ist wird kurzfristig in erster Linie dadurch beeinflusst wie gross der gewonnene/verlorene Pot ist er führt zu einem Ausschlag Deiner Winrate in Richtung nach oben oder unten... mittelfristig wirkt sich dann eben nicht nur ein Pot sondern vielleicht gleich eine Menge aufeinander gewonnene oder verlorene Pötte, also irgendeine Art von Serie recht stark aus. Im Volksmund würde man sagen man hate ne kleine Pech- oder Glückssträhne.

      Weil Varianz immer da ist kannst du sie natürlich auch nicht verhindern.

      Aber du kannst sie ein wenig beeinflussen.
      Zb Jemand raised first in und du hast AJ ... wenn du die Hand spielst wirst du vermutlich in einen recht teuren Pot verwickelt und du weisst preflop nicht wo du stehst und auch am Flop nicht so ohne weiteres. Du rechnest Dir aber ein wenig Edge aus sonst bräuchtest du die Hand nicht spielen. Ob du recht hattest oder nicht spielt erstmal keine Rolle es wird ein teurer Pot gespielt und die Edge wird wenn vorhanden sehr klein sein und das Ergebnis schlägt auf die Winrate durch.
      Ein anderer Spieler foldet die Hand einfach, weil ihm diese Hand zu heikel ist und dadurch hat er kaum eine Varianz in dieser Hand.

      Anderes Beispiel wäre du hast einen Flushdraw ... gibt es auch 2 Möglichkeiten entweder du spielst ihn aggressiv oder passiv... wenn du die Potodds hast und ihn passiv spielst wirst du wenn er nicht ankommt weniger verlieren und wenn er ankommt vermutlich auch weniger gewinnen.
      Spielst du ihn aggressiv wird der Draw meissten teurer wenn er nicht ankommt, aber du gewinnst auch mehr wenn du triffst.
      Völlig unabhängig davon, welche der beiden Varianten profitabler ist hast du bei der passiveren Variante eine kleinere Varianz als in der aggressiven

      Das ist im Grunde sogar immer so... aggressives Spiel hohe Varianz und passiv niedrige... völlig unabhängig davon was profitabler ist

      Bezogen auf Deinen Anfangspost wären damit zB aktionen gemeint, die riskant, aber vermutlich profitabel sind (mutig sozusagen)... also angenommen Dein Flushdraw bustet und du movest am River all in... dies kann longterm profitabler gegen einen bestimmten Gegner sein als die Hand aufzugeben. Aber du zahlst dafür den Preis einer riesen Varianz ... denn oft wirst du auch Deinen ganzen Stack verlieren, was Dir wenn du aufgibst nie passiert.
    • larseda
      larseda
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2006 Beiträge: 9.299
      Varianz: "Die Varianz ist in der Statistik ein Streuungsmaß, d.h. ein Maß für die Abweichung einer Zufallsvariable X von ihrem Erwartungswert" ((c)wiki)


      Beim Pokern dient Varianz(oder Downswing aka negative Varianz) vorallen Anfängern um schlechtes Spiel zu rechtfertigen. Frei nach dem Motto, ich hab nicht schlecht gespielt sondern hatte nur Pech. Zur Untermauerung werden dann 2-3 Hände von 2000 angeführt bei denen die Varaianz stark war.


      Grundsätzlich gilt, um so höhere deine Edge(Vorteil durch teoretisches Wissen oder Erfahrung oder Reads) auf deine Gegner um so geringer wird die Varianz sein.
    • Tunneleffekt
      Tunneleffekt
      Bronze
      Dabei seit: 25.06.2007 Beiträge: 909
      Wie schon alle hier sagten ist die Varianz das Quadrat der Standartabweichung.
      Hier mal ein Bild von einer Normalverteilung:



      Einmal ist die Varianz relativ groß und einmal ist die relativ klein, obwohl das Maximum an der gleichen Stelle ist. Es bedeutet also das bei großer Varianz die Streung um den Mittelwert sehr groß ist. Wer viele Coinflips eingeht oder oft Situationen mit kleiner Edge eingeht erhält die flachere Kurve. Das heist man hat gößere Swings, da die Tatsache ob man einen Swing hat oder schlecht spielt an der Varinaz abhängt. Also je größer die Varianz, desto größer kann der Swing sein um nach der Wahrscheinlichkeitstheorie im normalbereich zu sein. Bedenke:

      Die Varianz und die Grafik gelten für die Standartverteilung, was man beim Pokern nicht hat, den hier ist die Wahrscheinlichkeit für Gewinn nicht immer gleich. Aber das Prinzip bleibt das selbe.




      Gruß
    • FuaVarra
      FuaVarra
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2006 Beiträge: 3.381
      Original von Macr0s
      Geht um den Punkt den Fummi genannt hat. Machen wirs an einem Beispiel
      deutlich:

      NL100 Preflop AI

      300 * QQ vs AKs (54-46) bringt dir im Schnitt ~ 2400$
      40 * QQ vs JJ (80-20) bringt dir im Schnitt ~ 2400$

      Gibt halt Leute die quasi Coinflips ala QQ vs AKs auslassen weil sie von den
      300 Flips 138 verlieren koennten. Wohin gegen sie bei QQ vs JJ nur 8 von 40
      verlieren wuerden um den gleichen Gewinn zu erhalten. Wenn man nun davon
      ausgeht das erst alle Verluste kommen (down) und dann die Gewinne (up)
      waer man bei QQ vs AKs 13.800$ down und bei QQ vs JJ 800$. Gibt halt
      Leute die diese kleinen Gewinnchance aufgeben um ihr Risiko zu mindern.


      Ich hoffe ich konnte anhand des Beispiels illustrieren worum es geht.
      das beschreibt ja nur die Minimierung der Varianz, nicht, was varianz ist.

      leichter wäre varianz wohl so zu beschreiben:

      Nach 300 mal Preflop allin QQ gegen AKs wäre der "exakte" Erwartungswert 162 gewonnene zu 138 verlorene Hände. Das wird aber so nicht eintreten. In der Realität haste dann 150 oder 200 oder 165 der Hände gewonnen. Je weiter der Wert "gewonnene Hände" von dem Erwartungswert abweicht, desto höher ist die Varianz.

      Je größer die Gesamtanzahl an Ereignissen ist, desto wahrscheinlicher ist eine kleine Abweichung von der Norm.
      Ein anderes Beispiel hierfür ist der immer beliebte Münzwurf:

      Wenn du 4 mal ne Münze wirfst, wirst du sehr selten zu genau 50% das Ergebnis "Zahl" erhalten. Es wird häufig nur einmal, also nur 25%, oder aber auch dreimal, also überdurchschnittliche 75% der Ausgang "Zahl" eintreten.
      Wirfst du aber 10 mio mal, wird sich das Ergebnis mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nah an das erwartete Ergebnis von 50% angleichen.

      Beim Pokern ist das Ergebnis, welche Hand gegen eine andere nach dem River vorn ist. Und da es hier einen Erwartungswert gibt, haben wir als tighte Spieler gegenüber den loosen Spielern eine edge.

      PS: zum kotzen, dass diese bescheuerte frage nicht im bbv gestellt wurde und ich grad so unglaubliche langeweile habe und mir die mühe gemacht hab zu antworten... FU