Realisierungsfaktor bestimmen (Ansatz)

    • Ruslan89
      Ruslan89
      Bronze
      Dabei seit: 10.01.2008 Beiträge: 707
      Der Thread baut auf folgendem Zitat auf aus diesem Thread:
      Probleme mit der Redline? - eroticjesus hilft!

      Original von eroticjesus


      Hier mal fix eine Formel, wie ich den Steal EV berechnen kann:

      Wir sind im SB und raisen 3bb, wir riskieren 2,5bb um 1,5bb zu gewinnen, benötigen also nach der Formel aus dem Vid 62,5% FE.

      W ---> Wahrscheinlichkeit

      adjusted Equity ---> ist der Prozentsatz der Equity die wir realsieren können, das ist der schwerste Faktor, weil man ihn nicht berechnen kann und das hängt auch wiederum von meheren Faktoren ab, nehmen wir an, Villain ist gleich stark wie du, dann solltest du einen Realsierungsfaktor von 0,8 nehmen imo. Wenn du sicher gehen willst, dann 0,75.

      Steal-EV = W(3bet)*(-2,5)+W(call)*(potsize*adjustedEquity-2,5)+W(fold)*(1,5)

      Mit der Formel kann man jetzt den EV jeder Hand ausrechnen, wenn dieser mit jeder Hand in der Kartenmatrix > 0 ist, dann sollte man 100% raisen. Ich mache das halt mit CREV, wer es nicht hat, muss halt rechnen^^

      Dadurch, dass du ja Equity realisieren kannst, wenn Villain called, würde ich immer den AT-Test machen (any-two-Test).

      Wenn Villain eine mixed-Strategie nutzt (wird jeder machen, ich kenne niemanden der in dem Spot nur 3bet oder fold spielt, weil er ja dann 37,5%+ 3betten müsste um einen anytwo-steal unprofitabel zu machen), dann muss er schon mindestens 60-65% defenden, damit wir nicht any two stealen können.

      Ich kann ja mal spaßenshalber den EV von 32o gegen einen Villain ausrechnen, der 50% foldet, 10% 3bettet und 40% called:

      Gegen eine 40% Callingrange (ich habe 5% Toprange discountet weil 3bet, ich gehe einfach davon aus, dass Villain hier balanced ist), haben wir 31% Equity, da wir nur 80% realisieren (davon gehe ich mal aus, viele folden auf lowlimits noch zu viel auf cbets auf vielen Boards + wir können hitten), kommen dabei 24,8% realisierbare Equity raus.

      stealEV(32o) = 0,1(-2,5) + 0,4(6bb*0,248 - 2,5) + 0,5 * 1,5

      = -0,25 - 0,4048 + 0,75

      = 0,0952

      Man sieht, der Steal ist +EV. Ich hab das mit CREV gegen gecheckt, dort hat der Steal mit 32o einen EV von -0,014, also so slightly -EV, dass es wohl so um 0 liegt bei dieser Strategie von Villain. Man kann also durchaus auch gegen Strategien 100% openraisen, die mehr als 62,5% defenden, weil wir ja noch Equity realsieren.

      Villain seine Strategie muss also verhindern, dass wir profitbabel any two openen können.

      Was ist wenn er das macht?

      Ich schaue mal meine derzeitige Strategie an:

      3bet 16% Call 50% fold 34% (defending-frequenz von ca. 66%)

      Okay, ich denke nicht, man mich mit any two durch reines raisen exploiten kann, brauch ich auch nicht nachrechnen.

      Hier wird das tricky, wir müssen hier mit Equity-Vorteil openraisen.

      also wieder Formel her:

      stealEV = 0,16 (-2,5) + 0,5 (6*AE - 2,5) + 0,34 * 1,5

      0 = -0,4 + 3AE - 1,25 + 0,51

      AE = 0,38 = 38%

      Durch meine schwache callingrange und aufgrund der Tatsache, dass wir auch eine stärkere Range raisen müssen + ich bin capped etc. können wir uns nun einen Realsierungsfaktor von 0,9 geben, also 90%, nun dividieren wir die adjusted Equity mit dem Realisierungsfaktor um auf unsere geforderte Potequity zu kommen, gegen meine Range.

      0,38/0,9= 0,42

      Wir benötigen also 42% Equity gegen meine Callingrange.

      Obv schreibe ich jetzt nicht meine default-callingrange hier rein und die ändert sich ja von Gegner zu Gegner, meine HUD-Werte beruhen also auf Exploits und Annahmen.

      Aber wir müssen ja irgendwo ansetzen, da gibts nen kleinen Trick mit Equilab.

      Ich gebe einfach mal 50% der Hände ein, die man so callen kann in den Equilab:

      sowas in der Art (macht das ruhig auch mal):

      66-22, ATs-A2s, KJs-K2s, Q3s+, J4s+, T5s+, 95s+, 85s+, 75s+, 64s+, 54s, ATo-A2o, K4o+, Q6o+, J6o+, T7o+, 97o+, 87o, 76o

      ---> übernehmen ---> Tools ---> Handrange-Rechner ---> Mindestequity von 42% eingeben

      Dann erhält man folgende Range:

      22+, A2s+, K2s+, Q2s+, J3s+, T6s+, 97s+, 87s, A2o+, K2o+, Q4o+, J7o+, T8o+ (53%)

      (die Range würde ich obv noch etwas adjusten, ich raise lieber 76s als K2o obv, das hat nur Equilab ausgespuckt)

      Und nach dem Schema kann man seine Ranges anpassen. Also gegen mich sollte und kann man 53% am SB profitabel openraisen können.

      Ich mache das so, sobald ich weniger als 50% profitabel openraisen kann, dann fange ich an mit einer limp-only-Strategie.

      ACHTUNG:

      Die Hauptschwäche an der Berechnung liegt in der Ermittlung vom Realisierungsfaktor. Das sind halt immer nur Annährungen und ich kann da auch total falsch liegen und die Werte können sich dadurch natürlich alle etwas ändern. Vielleicht schaut KTU mal rein, der kennt sich mit sowas etwas besser aus.

      Der Faktor wird halt beeinflusst vom eigenen Skill, vom Skill des Gegners, Position, Initiative, Range vom Gegner usw. usw. und kann daher nicht genau errechnet werden (was gut ist, wer die besten Annährungen macht, gewinnt ;) )


      Darüber hinaus knüpfe ich an das folgende Video an: http://de.pokerstrategy.com/video/30579/ Ab Minute 10:10 oder so.


      Ziel: Ich möchte versuchen, den Realisierungsfakto (RF) so genau wie möglich zu bestimmen.

      1.Frage: Welche Parameter würdet ihr verwenden?

      2.Frage: Wie gewichtet ihr diese?

      Hier ist mal mein Ansatz:

      Zu Frage 1:
      Imo reicht es, wenn man den RF von folgenden Parametern abhängig macht:


      -Hand // Ist unsere Hand eher auf Playability wie z.B. T9 oder auf Hitvalue wie z.B. mit 22 ausgerichtet.

      -Initiative // Raisen wir, oder wollen wir ein Raise callen. Wenn wir callen, ist der RF mit Playability Händen (T9) geringer, da Villain oft noch Cbettet etc. Mit Hitvalue Händen (22) hingegen höher, da wir eben diese "Cbet implieds" für ein Set brauchen.

      -Aggression // Nach ein paar Spielereien mit Kombinationen von Stats (Cbet, x/r, Float WTS etc.) bin ich der Meinung, dass der AFQ all diese Kriterien ausreichend abdeckt und ich mich hier Hauptsächlich an diesem Wert orientieren möchte.
      Haben wir eine Playability Hand, dann erhöht ein geringer AFQ der RF. Mit Hitvalue Händen hingegen wir der RF von einem hohen AFQ erhöht.
      Die Unterteilung des AFQ könnte man in folgende Kategorien einteilen:

      60-70 (sehr aggro)
      50-60 (mittel aggro)
      40-50 (leicht aggro)
      <40 (kaum aggro)


      -Position // IP ist unser RF höher, da wir die Möglichkeit haben eine FreeCard zu nehmen und die Streetaction closen.

      -Sowohl im Zitat, als auch im Video wurde zudem der Skillunterschied zu Villain als ausschlaggebend genannt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dass ich auch das durch den AFQ ausdrücken kann. Wenn Villain sehr aggro ist, dann spielt er gegen meine Hitvalue Hände sehr schlecht, wenn er sehr passiv ist, bekomme ich mit den Playability Händen viele günstige Streets zu sehen.


      Frage 2:
      Nun geht es um die Gewichtung der einzelnen Faktoren. Ich finde den Ansatz den RF im Bereich um "1" zu gestalten ganz gut und möchte daran anknüpfen.

      Ich habe selbst noch sehr wenige Erfahrungen mit Richtwerten für den RF. Eroticjesus schreibt oben z.B. für ein Openraise aus SB vs. BB : "Villain ist gleich stark wie du, dann solltest du einen Realsierungsfaktor von 0,8 nehmen."
      Im Video erklärt alderfalder, dass der RF auch über 1 sein kann, wenn Villain z.B. sehr schlecht ist.

      Zunächstmal die Unterfragen:

      a) In welchem Bereich kann sich der RF eurer Meinung nach bewegen?

      b) Was für Werte gebt ihr euch in welchen Situationen? Würde mich über ein paar Erfahrungswerte freuen.

      Ich denke Frage 1 und 2a sollten erstmal geklärt werden. Mein Ziel ist es, wenn man die Faktoren festgelegt hat, diese in dem möglichen RF-Bereich zu gewichten und zu bewerten. Wenn wir hier vorankommen, erkläre ich es genauer.


      Ich bitte um Anmerkungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge :)
  • 6 Antworten
    • eroticjesus
      eroticjesus
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2009 Beiträge: 4.875
      Wollte demnächst einen ähnlichen Thread aufmachen, auch fragender weise...

      erstmal booked
    • Benzodiazepin
      Benzodiazepin
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 16.07.2009 Beiträge: 3.456
      Finde ich auch interessant. Imo gehört FE auch irgendwie mit in die Betrachtung.

      zb:
      gegner checkt immer down, wir auch -> rf = 1 für beide spieler
      gegner checkt immer down, foldet low EQ vs bluffbets weg -> rf für ihn < 1, für uns ergo > 1
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.540
      Original von Benzodiazepin
      Finde ich auch interessant. Imo gehört FE auch irgendwie mit in die Betrachtung.

      zb:
      gegner checkt immer down, wir auch -> rf = 1 für beide spieler
      gegner checkt immer down, foldet low EQ vs bluffbets weg -> rf für ihn < 1, für uns ergo > 1
      Das mit Gegner checkt immer down wäre aber ein Grund nicht GTO zu spielen. Bei den Überlegungen würd ich bei optimalem Gegnerverhalten bleiben, sonst wirds noch komplizierter.


      Ich hab das bisher so gemacht, dass ich je nach Weite der Ranges 5-10% Defend draufgeschlagen habe und tendenziell in position mehr, weil man die teils schwachen Hände dann leichter weiterspielen kann. Auf die Art lässt sich das Schema ingame noch halbwegs gut spielen. Ist sicher nicht so exakt, wie ihr das gerne hättet, ist aber imo sinnvoll und ingame anwendbar.
    • KTU
      KTU
      HeadAdmin
      HeadAdmin
      Dabei seit: 24.01.2007 Beiträge: 6.231
      Hey,

      Ich denk mal, ihr habt meine Ansicht zum Thema bereits gelesen?
      redlinejunkies: Video zum Blitz-BRM ist da!

      Wenn man in einer Situation auf ein Call-Case callt, dann würd ich versuchen die folgenden Fragen zu beantworten:

      1. Wie gut bekomme ich marginalen SD Value durch?

      2. Was für einen Payoff erwarte ich auf 1-,2- und 3-Street Value Hits?

      3. Wieviel gewinn ich durch FE Postflop?

      Könnten anfangen jeder dieser Fragen im Detail auszuarbeiten, wenn ihr Lust habt :)

      Rechnung würd ich immer recht simpel halten, Abschätzung von Call-Cases ist einfach:

      EV(Call) = equity * EQRF * Pot - Investment
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.540
      Original von KTU
      Hey,

      Ich denk mal, ihr habt meine Ansicht zum Thema bereits gelesen?
      redlinejunkies: Video zum Blitz-BRM ist da!

      Wenn man in einer Situation auf ein Call-Case callt, dann würd ich versuchen die folgenden Fragen zu beantworten:

      1. Wie gut bekomme ich marginalen SD Value durch?

      2. Was für einen Payoff erwarte ich auf 1-,2- und 3-Street Value Hits?

      3. Wieviel gewinn ich durch FE Postflop?

      Könnten anfangen jeder dieser Fragen im Detail auszuarbeiten, wenn ihr Lust habt :)

      Rechnung würd ich immer recht simpel halten, Abschätzung von Call-Cases ist einfach:

      EV(Call) = equity * EQRF * Pot - Investment

      Das ursprüngliche Problem bleibt aber bestehen. Die Punkte 1-3 können kaum in Zahlen gefasst werden und somit bleibt der Realisierungsfaktor (RF) ebenfalls unbekannt. Somit läuft es am Ende wieder auf ne Daumen mal Pi Rechnung raus.

      Aber vll. könnte man das so angehen, dass man einige Beispielboards HU durchrechnen lässt und dabei selbst einen RF (via Auge mal Pi) einsetzt und schaut bei welchem RF man am nächsten an 0 rankommt. Oder man verwendet anstatt eines RFs einen Prozentwert (Range +x% zusätzlich). Ab 3way wirds dann so oder so schon zu kompliziert. Wie würdet ihr da rangehen, RF dritteln?
    • deluxeodelic
      deluxeodelic
      Black
      Dabei seit: 09.11.2007 Beiträge: 614
      Ich würde gerne R für eine Hand vergleichen bzw. Faktoren finden, die R beeinflussen, wenn die Hand bettet oder behindcheckt. Dabei gehts mir um low-Equity-Bluffs in Situationen mit weiten Ranges.
      Als Beispiel:
      BTN openraised ca. 55% und BB flattet ca. 50%
      Flop T :spade: 4 :diamond: 5 :diamond:
      BB checkt und wie würdet ihr BTN´s R für J :heart: 8 :diamond: für Betten bzw. Checken einschätzen?
      Welche Faktoren beeinflussen hier R?

      Faktoren für Betten:
      - Je kleiner BB´s x/r-range, desto höher R
      - je größer BB´s x/f-range, desto höher R
      - wenn BTN bettet, kann er meist for free den River sehen
      - wenn BTN bettet, kann er mehr streets bluffen
      - ???

      Faktoren für checken:
      - Wenn BB Turn stabbt hat Jh8d am Turn oft eine leichte Entscheidung - fold ist meist nur geringste Equity und call oder raise bei improvement mit backdoors, die am River gute Implieds haben sollten.
      - ???

      Wie würdet ihr hier R am Flop für beide Entscheidungen einschätzen - warum? Wäre dankbar für ein paar Tips ;)