Contibet auf drawlastigen Boards

    • DonalyGately
      DonalyGately
      Bronze
      Dabei seit: 30.07.2014 Beiträge: 12
      Hallo, mir ist die Argumentation aus den Strategieartikeln in dieser Hinsicht nicht ganz klar.
      1)Angenommen, ich sitze im Button und raise und alle bis auf der BB folden. Der Jetzt kommt der Flop 567 mit 2 Diamonds. Meistens wird davon abgeraten, auf einem solchen Board zu contibetten. Aber warum? Sicher, der Gegner könnte einen der vielen Draws halten, aber eigentlich doch nur einen Flushdraw, oder vielleicht ein Set. Welche Hände, die eine 4 oder eine 8 enthalten callen denn ein Raise? Bis auf Pocketpairs doch eher keine. Ein sehr looser Spieler mag vielleicht noch A8 oder A7 spielen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass mein Gegner hier 2 Overcards hat, allein schon der zahllosen Combos, die da möglich wären, wegen. Klar sind viele Draws möglich, aber die ganzen made straights und straightdraws treffen die calling Range meines Gegners idr nicht.
      2) Selbst wenn der Gegner hier einen Draw hält: das wäre doch gerade ein Grund hier zu betten, oder? Ich will ihm ja keine freecard geben. Wenn der Draw nicht ankommt, kann ich ihn zum folden bringen.
      ->Das einzige wirkliche Problem sind die made Hands, und es ist nicht wahnsinnig wahrscheinlich, dass mein Gegner eine solche hat.

      Also so wie es sich für mich darstellt, ist der einzige Grund, nicht zu contibetten nur der Versuch, weniger lesbar zu sein.

      Jetzt bin ich mal gespannt auf eure Weisheit.
  • 5 Antworten
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.964
      Wenn du vom BU raist, vll. 40-50%, kannst du oft davon ausgehen, dass die Blinds auch entsprechend loose callen. ZB. könnte Villain folgende Range weiterspielen (ein Teil via 3Bet): 22+, A2s+, K7s+, Q8s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, 54s, A2o+, K8o+, Q9o+, J9o+, T9o, 98o

      Seine Range enthält also durchaus viele Hände, die er weiterspielen kann. Er hält auch viele Backdoors, die er gut bluffen kann und viele Semibluffs. Einige Draws wird er auch einfach flatten, einige Backdoors floaten oder am Turn x/raisen. Villain kann auf so drawlastigen Boards also immer mehr als genug Hände weiterspielen, mehr als er eigentlich braucht. Warum willst du genau in den Fällen viel betten? Auf nem Board wie K72 oder K22 hingegen, hat Villain so gut wie garnichts getroffen. Warum nicht hier viel cbetten? K22 und 876 sind so die Extremfälle, wo Villain auf der einen Seite kaum was trifft und auf der anderen Seite viel trifft. Das muss man einfach akzeptieren. Wenn die gegn. Range viele brauchbare Hände enthält, blufft man eben weniger. In den anderen Fällen blufft man dafür mehr. Stattdessen solltest du in Erwägung ziehen deine Madehands größer zu valuebetten oder gegen die richtigen Gegner versuchen x/raises zu inducen. Bedenke dabei aber auch, dass Villain nicht anbeißen muss. Was du auch machen solltest, wie immer, ist, deine dominierende Air oft behindzuchecken, um dann ggf. den besseren Hit zu haben. Mittelmäßige Hände, die keine 3 Streets gehen können, kannst du auch immer irgendwo checken.

      Und mit so Blufflines wie bet-bet-bet auf drawy Boards solltest du nicht spielen, solange du postflop nicht wirklich stark spielst. Deine FE wird so oder so immer überschaubar sein. Gerade auf den kleinen Limits glänzt die Masse nicht gerade mit grandiosen Folds sondern eher mit haarsträubenden Calls. Nutz das aus und valuebette groß, auch Overbets sind immer wieder ein probates Mittel. Halte dich mit wilden Bluffmanövern zurück.
    • DonalyGately
      DonalyGately
      Bronze
      Dabei seit: 30.07.2014 Beiträge: 12
      Danke!
      Ich hätte seine coldcalling Range zugegebenermaßen viel tighter eingeschätzt.
      Eher so 22+, AT+, JT+, KT+. Ist sicher auch vom Gegner abhängig, aber ich spiele relativ viel zoom, wo man über diesen meist nicht viel weiß.
      Wie würdest du denn spielen, wenn du auf einem drawheavy board sagen wir ein Set triffst? Würdest du für value und protection betten? Wenn nicht: Sind wir auf solchen boards dann nicht zu leicht zu lesen, so, dass jedenfalls ein guter Spieler (derer es auf den unteren Limits zugegeben nicht viele gibt) auf eine 3/4-potsize bet seine schwächere Hand immer foldet?
    • lust1gerMolch
      lust1gerMolch
      Bronze
      Dabei seit: 28.12.2008 Beiträge: 2.490
      auf 7d6d5c hat dein gegner mit der range von renne: 22+, A2s+, K7s+, Q8s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, 54s, A2o+, K8o+, Q9o+, J9o+, T9o, 98o

      auf dem board zu 65% irgendwas gutshot+,pair+.
      d.h. du willst hier keine any2 cbet raushauen da die fold equity einfach nicht reicht oder: er kann hier gar nicht oft folden selbst wenn er tight ist.
      falls er sogar 2card backdoorflushdraw und ahigh hier callen sollte sind das schon 82%

      außerdem brauchst du keine angst haben hier exploitet zu werden, ich weiß das sagt man immer so aber du bettest hier halt auch draws und pairs usw also nicht nur sets außerdem hat villian wie gesagt eine range mit der er improven kann und wird deshalb nicht zu oft folden.


      sieht schon wieder anders aus auf 7d4d2c
      dort hat dein gegner nur zu 38% gutshot+,pair+.
      WENN dein gegner dazu in der lage ist hier Ahigh zu folden hast du eine any2 cbet

      beachte aber das dies jetzt für die situation btn vs bb wäre, kann schonwieder anders mit tighteren ranges aussehen.

      jo, falls das mal selber machen willst hol dir Flopzilla, ist ziemlich nützlich :)
    • DonalyGately
      DonalyGately
      Bronze
      Dabei seit: 30.07.2014 Beiträge: 12
      Ja mach ich, klingt auf jedenfall interessant. Mal sehen, was rauskommt, wenn man mal etwas an den Ranges dreht.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.964
      Jo, ist ne gute Idee. Du kannst auch mit Equilab rumspielen. Ranges ändern, Blanks und Scarecards kommen lassen etc. Und wenn du das übst, spiel die Hände sowohl aus Heros Sicht durch als auch aus Villains Sicht. So bekommst du ein besseres Verständnis für die Defendranges auf den verschiedenen Streets und musst nicht immer mehr oder weniger blind bzw. nach Pseudogefühl barreln. Achte dabei besonders auf Spots, wo eine oder mehrere Ranges capped oder polarisiert sind. Das ist ingame sehr wichtig um die richtigen Bet- und Raisesizes zu finden.

      Und wenn dein Gegner nicht übermäßig aggro ist, solltest du auf drawy Flops relativ straightforward spielen. Einzig Topset kann man vertretbar als x/r spielen, wenn Villain auch öfter bettet. Denn mit Topset blockst du recht viele Toppairs, was bedeutet, dass du in dem spezifischen Fall mit mehr Folds als overall rechnen musst. Im Zweifel ist die Bet aber besser, weil Villain nicht kostenlos drawen sollte. Von der Betsize her würd ich per default min. 3/4 betten. Wenn die Gegner wirklich viel weiterspielen können, kannst du auch vollen Pott setzen. Und besonders gegen Fische würd ich sogar overbetten. Wenn der Turn keine Draws ankommen lässt, kannst du ab und zu auch dort potten, wenn du am Flop 3/4 gemacht hast. Viele Leute werden die Size mehr oder weniger ignorieren und viele schlechte Calls mit ihren Draws machen, obwohl die Odds nicht reichen. Intgelligentere Spieler werden hingegen viel folden. Da musst du dann gegnerspezifisch einschätzen, ob du eher bluff- oder valuelastig pottest. Das würd ich aber wirklich nur hin und wieder machen, quasi zur Abwechslung und damit die Gegner zwischendurch mal ins Grübeln kommen.