Der "positive" Tilt

    • Simschi
      Simschi
      Bronze
      Dabei seit: 15.07.2006 Beiträge: 865
      Also ich hab so meine Probleme mit der Tilterei.
      Nach einigen Suckouts, einem schlechten Run etc merkt man ja relativ schnell, das die Emotion mehr und mehr Einfluss auf das Treffen von Entscheidungen nimmt.
      Allerdings, zumindest bei mir persönlich ist es umgekehrt fast noch schlimmer.
      Sprich ich runne Hot, und plötzlich wird nicht mehr nachgedacht was meine Asse am Flop jetzt checkraised.
      Dann gehts mal 1-2 Stacks runter aber anstatt über Fehler nachzudenken wird der Verlust Schulterzuckend zur Kenntniss genommen, da man eh 4,5+ Stacks up ist.
      Generell erkenne ich im Nachhinein einige Sympthome, wie zum Beispiel das sehr viel schnellere Treffen von Entscheidungen, welche mir aber schwer während der Sessions auffallen.
      Nach dem Unverwundbarkeitssyndrom(ich nenn das mal so :D ) , egal es läuft gerade, kommt dann der Panikmodus.
      Wenn sich die Dinge wieder normalisieren, und man eben nicht mehr jeden Flop hittet, fällt es oft schwer wieder auf normal zurückzuschalten, mein Hirn will Geld, das ging die letzten 40 Minuten das geht auch jetzt.
      Wenn es der Logik eben nicht gelingt sich durchzusetzen, spiel ich meine Hände wie eben vor 15 Minuten, nur mit dem riesen Unterschied vor 15 Minuten hatte ich die Nuts, jetzt bloß Toppair bzw Scnd Pair.
      Und gehts dann weiter runter, kommt die pure Angst dazu seine Stacks wieder zu verlieren.
      Was wiederum zu schlechten Entscheidungen führt.......etc etc
      Habt ihr irgendwelche Tips wie man mit dieser, meiner Meinung nach, viel zu selten diskutierten Form des Tilts umgeht?
  • 7 Antworten
    • muebarek
      muebarek
      Bronze
      Dabei seit: 31.07.2008 Beiträge: 532
      Ich denke, das von dir beschriebene Phänomen hat so ziemlich jeder schonmal in der einen oder anderen Form bei sich beobachten können.

      Ein Gegenmittel muss wie bei vielen Mindset-Dingen jeder für sich selbst entwickeln. Was aber definitiv wichtig ist: sich darauf zu trainieren das beim Spielen schon früh zu erkennen. Gezielt nach sagen wir 2-3 Stacks + auf Anzeichen dieser Tiltform achten und sich vorher eine Routine entwickeln/überlegen, die man dann durchführen kann.

      Diese könnte je nach Intensität deines Zustands von mehrmals tief durchatmen, über ein kurzes Sit-Out und mal kaltes Wasser ins Gesicht bis hin zum Quit (bei den ersten Versuchen, falls du merkst, du kommst gar nicht mehr runter - grundsätzlich natürlich zu vermeiden) alles sein - es muss halt für dich passen; da hilft nur Ausprobieren.
    • oettinger4
      oettinger4
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2006 Beiträge: 1.672
      Ich kenne das auch. Diese Form von Tilt entwickelt sich bei mir meistens, wenn ich in den ersten 20-30 Minuten extrem gut runne. Bin dann ziemlich gepusht, das Adrenalin strömt, und wie du schon selber sagst, die Entscheidungen werden viel schneller getroffen.

      Standard Antwort zur Vermeidung wäre natürlich sich die Symptome bewusst zu machen und dann möglichst schnell zu quitten. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass das es in solchen Situationen ziemlich schwierig ist, weil man eben noch gut im Plus ist und deswegen die Notwendigkeit nicht erkennt.

      Vorschäge von muebarek finde ich recht gut. Tiefdurchatemen, evtl. kurze Pause mache, was trinken und sich wieder an die Tische setzen, wenn man ruhiger geworden ist.
    • PunkD123
      PunkD123
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2010 Beiträge: 4.656
      Den hatte ich grade eben, verstehe also gut was du meinst. Hab meine ersten 5 Tables SitnGo aufgemacht und 4 von denen gewonnen. Es hat einfach alles gehittet was ging. Hab dann ca 15 Tables am Ende der Session gezockt und bei 10+ hab ich schon gemerkt wie die Entscheidungen anders wurden, wie leichter geraist und ge3bettet wurde. Alles looser als sonst, denn ich hatte das Gefühl heute hitte ich sowieso alles. Und ich bin an sich schon keine Nitt, aber da ging dann noch viel mehr zum Flop als im Normalfall. Als mir das bewusst wurde wie ich spiele, hab ich die restlichen Tische noch so gut es ging zuende gezockt und keine neuen mehr aufgemacht.

      Denke beim Tilt ansich ist erstmal immer eine kleine Pause wichtig, 5-10 Minuten oder länger. Jenachdem wie man damit umgehen kann. Vllt die Session im Kopf nochmal durchgehen, Fehler klarmachen und dann von vorn.
    • lust1gerMolch
      lust1gerMolch
      Bronze
      Dabei seit: 28.12.2008 Beiträge: 2.490
      wenn dein default game gut ist einfach im tilt (egal welcher art) fragen: wie würde ich die hand hier als default spielen?
      so kommt man ganz gut wieder "zurück auf den boden"
      edit: bei mir ist das aber dann zeichen genug und ich lasse mich dann ausblinden mit dem mindset nur noch default zu spielen die letzten hands oder mich immer vorher zu fragen was ist jetzt wirklich max ev? bevor ich die entscheidung treffe so die richtung ^^
    • Simschi
      Simschi
      Bronze
      Dabei seit: 15.07.2006 Beiträge: 865
      Ich denke diese Form des Tilts ist scheinbar noch viel schlimmer, da es keine Bestätigung fürs schlechte Spiel gibt(Erstmal).
      Man wird oft wenns läuft für seine Fehler teilweise auch noch belohnt, und irgendein Schalter im Hirn springt an, der einem sagt du gewinnst alles richtig was du machst.
      Wenn man verliert kommt wenigsten dieses was Spiel ich den hier für einen Sch.. zusammen Gefühl.
      Allerdings guter Spieler/Spiel = Geld, Winning Geld = gutes Spiel bzw Spieler.
      Dieser Denkprozess scheint zumindest bei mir so tief verankert zu sein, das ich obwohl ich es besser weiß, ich immer wieder in diese Falle zu laufen scheine.
      Wenn man verliert is es relativ leicht auf Fehlersuche zu gehen.
      Aber bis man bei 5+ Stacks zum Beispiel überhaupt hinterfragt, ob man ohne Missplay xyz nicht auch auf 7 Stacks+ gewesen wäre, tja das dauert bei mir zugegebenermaßen leider noch viel zu lange.
      Natürlich kann man auf der Suche nach Lösungen zu dieser Tiltform vieles aus den Ratschlägen der klassischen Tilt diskussionen mitnehmen, aber viele Extreme Maßnahmen wie Stop/Loss Marken sind hier eher Kontraproduktiv.
      Soll ich mir jetzt zb wirklich eine Win/Stop Marke setzen?

      Also ich persönlich versuche mittlerweile den Holdemmanager immer nebenher nach jeder Veränderung der Loosings/Winnings ab 30BB zu kontrollieren ob Fehler begangen wurden.
      Und ich mache mir Dinge bewusst wie zb den Turn darf ich nicht mehr betten ich bin jetzt 30 BB Down hätte ich diesen Turn nicht gebettet wär ich im Plus, und ich sage mir DA LIEGT DIE KOHLE drin DA SCHAU HER STATT MINUS PLUS.
      Das hilft zwar ungemein, macht Multitabeln allerdings extrem schwierig, bis unmöglich.
      Mehr wie einen Zoom Tisch schaff ich so nicht, was diese Lösung auch nicht gerade zum Allheilmittel macht.
    • eroticjesus
      eroticjesus
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2009 Beiträge: 4.875
      Das ist ein grober Fehler nebenher Analyse oder Evaluation zu betreiben. Kein Sportler reflektiert "ingame" über seine Fehler in Form einer genauen Analyse und als Pokerspieler sollte man das erst Recht nicht machen, weil dadurch unnötig geistige Kapazitäten verloren gehen, die du fürs Game benötigst. Ich würde sowas an deiner Stelle halt immer vor der Session machen und dir dann das Ziel setzen, bspw. genauer auf deine Turnbets zu achten.

      Vielleicht war die 15bb Turnbet +EV vs. Villain seine Range und seine Foldfrequenzen und auch das Board hat gut gepasst, nur hat es eben diesmal nicht geklappt. Wenn du dann noch über sowas nachdenkst, dann ist es klar, dass du nicht mehr als 2 Tische spielen kannst^^

      Vielleicht wäre das Buch von Tendler was für dich. Schon die Basics verdeutlichen das Problem. Poker ist ähnlich dem Sport, und im (Profi-)Sport gilt immer:



      Was du da wärend deiner Performance machst, ist schlicht eine Mischung aus Evalutation und Analyse und das gehört da nicht rein, wenn du gut performen willst ;)
    • Spielratte
      Spielratte
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2012 Beiträge: 2.376
      Positiven Tilt kenne ich auch. Ich habe mir angewöhnt, als objektiver Beobachter zu spielen, ganz so, als ob ich einem fremden Spieler über die Schulter schaue. So halte ich meine Emotionen eher unter Kontrolle. In der Praxis geht das manchmal noch schief, aber das hat mein Game auf jeden Fall positiv beeinflusst.

      Dazu muss ich aber sagen, dass ich max. 4 Tische gleichzeitig spiele (MTTs). Andernfalls könnte ich das gar nicht (weil zu wenig Zeit). Spielst du mehr Tische, brauchst du einen guten Autopiloten, und den habe ich nicht. Zumal mir das auch weniger Spaß macht, dieses ewige Zerdenken jeder Hand ist ein bisschen wie Theorie. :D