Weniger Tische= Mehr Aufmerksamkeit/Konzentration?

    • MistaMijagi
      MistaMijagi
      Bronze
      Dabei seit: 17.06.2007 Beiträge: 11
      Hallo Leute,
      ich versuche mich seit langer Zeit wieder im Poker und habe hierzu mal eine Frage. Ich halte mich im Vergleich zu den hier aktiven Usern definitiv nicht für einen guten Spieler, sehe mich aber klar im Vorteil gegen die durchschnittlichen Spieler auf meinem Limit (6max NL5). Trotzdem will es mit der WinRate einfach nicht so recht klappen. Mein Wissensvorsprung ist da wohl eher theoretischer Natur und es gelingt mir nicht, hieraus Profit zu schlagen. Ich habe mir aus einem anderen aktuellen Thread hier („Loosing Player bräuchte euren Rat.“) schon einige nützliche Tipps abschauen können,es geht mir hier aber nochmal um die Sache mit der richtigen Anzahl der Tische. Es heißt ja immer, man sollte als Anfänger möglichst wenige Tische spielen, um vom Spiel so viel wie möglich mitzubekommen.

      Ich habe nun folgendes Problem: Meine RedLine sieht für mich soweit okay aus, die Werte bei Showdown-Winnings und Show-All-In EV sind allerdings haarsträubend.

      Hierfür mache ich weniger die verlorenen Coin-flips (das gehört dazu) verantwortlich, sondern mehr die nicht funktionierende Bluffs (also sowas wie AK wird ohne Hit bis einschließlich River gebarrelt und verliert am Ende gegen Villians Midpair-Call) und meine schlechten Calls am River (mit TopPair gegen Set verloren, oder hoher Flush verliert gegen Nut-Flush).
      Ich denke in solchen Situationen dann oft: „Endlich treffe ich den Flushdraw am River, es kann einfach nicht sein, das Villian genau jetzt auch einen höheren Flush hat. Jetzt, wo ich nach ~30min Leerlauf mal einen starken Draw am River treffe.“

      Ich spiele aktuell 2 Tische und das so 1-2 Stunden am Abend; also etwa 300 bis 400 Hände. Oftmals erwische ich mich dabei, wie ich nach einigen Minuten anfange, nebenbei im Netz zu surfen oder ich spiele mit dem Hold'em Manager rum.

      Ich glaube, würde ich öfter in solche Situationen kommen, wäre es für mich auch leichter hier zu folden, bzw. in solchen Situationen einen klaren Kopf zu behalten. Meistens ist mir nicht erst im Nachhinein, sondern insgeheim schon vor dem Call klar, dass ich verloren habe, aber in dem Moment...

      Also meine Theorie: Mehr Tische= Mehr gute Hände=Mehr Action= Mehr benötigte Konzentration= weniger schlechte Calls/Moves durch anderweitige Ablenkung und Langeweile.

      Das ganze gilt natürlich nur, solange ich gegen schlechtere Gegner spiele, die nicht wegen ihrem höheren Spielverständnis gegen mich gewinnen, sondern wegen meiner eigenen mangelnden Disziplin.

      Was sagt ihr dazu? Habt ihr irgendwelche Tipps oder Erfahrungswerte? Freue mich auch über Links zu ähnlichen Posts oder Strategieartikeln, falls das Thema hier schon erschöpfend besprochen wurde.
  • 3 Antworten
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Hallo MistaMijagi,

      wenn ich das richtig verstehe spielst du "normale" Tische, also keine Fast-Variante?

      Dann sind zwei Tische schon etwas wenig. Wenn dir dann "langweilig" wird ist es ein Zeichen dass du ruhig einen dritten oder vierten Tisch dazu nehmen kannst/solltest.

      Du solltest alle Tisch im Blick haben und dennoch immer sagen können "ich habe gefoldet/geraist weil..." sprich alles im Blick haben und keinen Autopiloten spielen.

      Versuche es doch einfach mal mit vier Tischen voll konzentriert ohne nebenbei zu surfen oder sonstwas zu machen. ;)

      Da musst du dich selbst rantesten was da deine Wohlfühlzone ist.

      Mit dem HM sollst du ja arbeiten, markiere dir dann genau solche Hände und stelle sie nach der Session in die HB-Foren. So kannst du diese knappen Fälle aufarbeiten und schauen ob du alles richtig gemacht hast.

      Aber letztlich egal ob du einen oder 24 Tische spielst - Bad Beats gibts immer und Set over Set oder Flush over Flush wirst du so oder so häufig genug in deinem Pokerleben verlieren. ;)
    • MistaMijagi
      MistaMijagi
      Bronze
      Dabei seit: 17.06.2007 Beiträge: 11
      Erstmal vielen Dank für deine Antwort, auch im Handbewertungsforum! Das man heutzutage für Gratis solch eine qualitativ hochwertige Hilfe bekommt, halte ich nicht für selbstverständlich. *Schleimermodus aus* :-)

      Ja, ich spiele die "normalen" Tische. Bisher halt nur 2 Tische, um ja nicht in die Situation zu kommen, in mehrere Hände gleichzeitig verwickelt zu werden um dann evt. den Überblick zu verlieren. Die Folge vom expliziten Vermeiden von zuviel Aktion ist dann halt, dass man die meiste Zeit zu wenig Aktion bekommt. Die Folge davon habe ich ja oben beschrieben.

      Bin grundsätzlich doch eher perfektionistisch veranlagt, es mangelt dann aber immer wieder am Durchhaltervermögen :f_frown:

      Wohlfühlzone, bzw. verlassen der Wohlfühlzone ist da wohl ein gutes Stichwort.

      Ich werde jetzt mal einfach versuchen mehr Tische zu spielen, auch wenn es am Anfang wohl etwas ungewohnt sein wird.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.540
      2 Tische sind sicher wenig. Wenn du aber bereits jetzt Probleme hast dich zu konzentrieren, dann glaub ich nicht, dass es hilft, wenn du mehr Tische spielst. Und Langeweile am Pokertisch sollte es nicht geben, schon garnicht für Perfektionisten. Wenn du versuchst allen Händen zu folgen, in die du nicht verwickelt bist und versuchst die Hände bzw. Ranges zu "erraten", wirst du schnell ins Schwitzen kommen, auch bei nur zwei Tischen. Der Vorteil dieser Arbeit ist, dass du dich viel schneller weiterentwickelst. Dein Handreading wird sich so innerhalb weniger Wochen deutlich verbessern, sodass du bald ziemlich viele Lines als offensichtlich weak oder strong erkennen wirst. Zusätzlich solltest du noch alle schwierigen Hände im HBF posten und selbst Hände bewerten. Schneller kannst du kaum vorwärts kommen. Wenn du mehr Tische spielst, 4 sollten recht schnell möglich sein, 6 Tische und mehr nicht mehr so schnell, leidet das Handreading und die Autopilotgefahr steigt. Dafür kannst du mehr Hände pro Stunde spielen und unterm Strich vll. ne höhere Hourly erreichen. In absoluten Zahlen sind das aber auch nur ein paar Dollar. Interessanter wirds auf den höheren Limits. Bis es soweit ist, solltest du den Fokuss auf deine Skillentwicklung legen. Und je detaillierter du dich mit den Händen befasst, desto schneller wirst du besser. Darum würd ich dir empfehlen erstmal wenig Tische zu spielen. 4 sind ok, sollten aber die vorläufige Grenze markieren. Und zwing dich konzentriert zu bleiben. Wenn du alle Aktionen laut analysierst und kommentierst, sollte das dabei helfen. Wenns mal garnicht geht, brich die Session einfach ab. Mach dir klar, dass es auf den Micros nur um den Lernfaktor geht. Dann klappts auch mit dem Nachbarn. :-)