tptk vs FD

    • pokerstar2222
      pokerstar2222
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2013 Beiträge: 67
      Hallo,

      wie spielt man am besten die obengenannten situationen?

      1. Hero hat TPTK, es liegt ein FD --> Hero conti bettet, gegner 3 bet

      Meine Gedanken: Entweder Hero capped um einen möglichst großen Pot zu gewinnen, wenn FD bustet (Set etc. lassen wir mal aussen vor)

      oder

      Hero spielt callt runter (pot control)

      2. Hero hat am flop FD zu den nuts --> Hero bettet, villain 3 bet

      Meine Gedanken: Entweder pot großen machen und cappen, um FE auszunutzen und großen pot zu gewinnen

      oder

      Hero spielt den FD call down

      Wie spielt ihr das?
  • 2 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      1)

      Du meinst vermutlich nicht 3-bet und Cap, sondern raise der Contibet und 3-bet (von dir).

      Es kommt auf mehrere Faktoren an: deine Position, Zahl der Gegner, das Board und was der Gegner davon getroffen haben kann und die Neigung des Gegners, welche Hände er aggressiv spielt. Dein Kicker spielt ebenfalls eine Rolle. Hast du einen schwachen Kicker, dann schlägst du seine top Pairs nicht.

      Du musst also abschätzen, wie viele Flush Draws er in seiner Range haben kann und ob es mehr Kartenkombinationen für Hände gibt, die deine Hand schlagen.

      In einer Situation mit mehr als einem Gegner ist es fast immer am besten, schon am Flop zu 3-betten. Vorausgesetzt, deine Hand hat einen guten Kicker, so dass sie Aussichten hat, top Paar des Gegners zu schlagen. Mit einer 3-bet setzt du die übrigen Gegner unter Druck, so dass sie entweder Outs folden oder es kommt viel Geld in den Pot, wo du Favorit bist.

      Zu zweit hat man die Möglichkeit, am Flop nur zu callen um am Turn auf eine sichere Karte zu raisen. In Position ist das leichter als ausser Position, da man in Position keine kostenlose Karte für den Gegner riskiert.

      Das Board spielt eine Rolle, weil es entscheidet, wie oft der Gegner top Paar oder eine stärkere Hand getroffen haben kann. Mittlere und niedrige Boards werden von loosen Spielern oder in den Blinds getroffen. Boards mit hohen Karten werden vom preflop Raiser getroffen. Spieler in den Blinds oder loose Spieler haben viele suited Hände in ihrer Range. Das erhöht die Zahl ihrer möglichen Flush Draws.

      Um einen Draw beim Gegner zu vermuten, muss er aggressiv genug sein, den mit einem Raise spielen zu können.

      2)
      Mit einem Flush Draw zu den Nuts hast du viele Outs (Flush Draw + Ass zum neuen top Pair), aber du kannst auch vorne sein (gegen einen gegnerischen Draw). Wenn du das Ass hast, dann wird es schwierig, eine bessere Hand später noch zum folden zu bekommen, weil der Gegner ein Paar folden muss. Foldequity gegen schlechtere Hände nützt dir nicht viel, da du gegen schlechtere Hände auch im Showdown gewinnst. Mit dem Flush Draw blockierst du Outs des Gegners. Grundsätzlich kommt statt des Reraises sehr oft auch ein Calldown als Alternative in Frage.

      Aggressiv spielt man eher Draws, mit denen man sehr wahrscheinlich hinten liegt. Also nicht der Nut Draw, sondern ein schlechterer Draw. Dann muss man später nur high Card zum folden bringen, was viel leichter ist, als ein Paar zum folden zu bringen.

      Beispiel:

      Du hast 6 5
      Das Board ist 9 T 3

      Der Gegner könnte ausser einer made Hand auch einen Straight Draw oder einen anderen Flush Draw raisen. Das sind nur high Cards, aber sie sind höher als deine 6. Wenn du aggressiv weiterspielst, dann kannst du QJ vielleicht am River zum folden bekommen, weil es nur Q high ist.

      Hast du auf dem gleichen Board den Nut Draw A 5, dann liegst du gegen die Straight Draws und Flush Draws des Gegners vorne. Die besseren Hände sind eine T und vielleicht eine 9. Die wirst du mit Aggression nicht so leicht zum folden bekommen. Aggression nützt dir mit dem 65 Draw mehr als mit dem A5 Draw.

      Aggression mit dem Nut Draw lohnt sich dann, wenn der Gegner schwache Hände raist, die er später oft folden könnte (z. B. eine 3 im Beispiel). Ausserdem kann man den Gegner an Bluffs hindern, wenn man selbst die Initiative übernimmt. Das ist dann gut, wenn man noch gegen manches vorne liegt, es am River aber schwer hätte, mit der unverbesserten Hand eine Bet zu callen. Im Beispiel könnte das auf Straightkarten der Fall sein. Am besten gilt das, wenn der Gegner das Board selten zum Paar trifft.

      T93 wird von vielen Händen zum Paar getroffen, aber etwas wie 853 viel weniger. Wenn du ein Ass hast, dann kann es für dich später schwierig werden, wenn an Turn oder River eine 9, 7, 6, oder 4 fällt.

      Auf manchen Boards erzeugen aggressive Moves nur sehr wenig Foldequity, weil der Gegner keine Angst davor hat, dass du viel getroffen haben könntest.

      Beispiel:

      Du bist in MP3 und hast A J
      Der Gegner sitzt im BB.

      Flop: 7 6 2
      Du contibettest, der Gegner checkraist.

      Auf diesem Board hast du häufig die bessere Hand, weil der Gegner Straight und Flush Draws haben kann. Eine 7 oder 6 wirst du mit einer 3-bet nicht zum folden bringen. Ausser Overpairs kannst du kaum made Hände repräsentieren. Du kannst natürlich 3-bet Flop spielen, weil du mit den sehr vielen Outs eine gute Equity hast. Das machst du dann aber nicht, um eine bessere Hand zum folden zu bekommen, sondern um Calls zu bekommen, während du im Durchschnitt einen Vorteil hast.

      Du kannst aber den Checkraise auch nur callen und dich am Turn entscheiden, ob du zurück bluffst. Fällt auf dem Turn z. B. K, dann ist das eine Karte, die dem Gegner sehr selten hilft, die du aber gut getroffen haben kannst. Dann kommt ein Semibluffraise in Frage. Der setzt eine 7 oder 6 unter Druck und du wirst von schwächeren Händen gecallt (den Draws). 3-bets hast du kaum zu befürchten. Mit dieser Linie könntest vielleicht eine bessere Hand zum folden bekommen, was ein grosser Erfolg wäre. Du verlierst gegenüber einem Calldown nicht mehr Geld, weil du statt je einer Bet an Turn und River eben zwei Bets auf dem Turn bezahlst. Kritisch sind nur 3-bets, weil du die mit dem Draw bezahlen musst. Aber wenn die Gefahr der 3-bet gering ist und der Gegner zu den Spielern gehört, die ein schwaches Paar am Turn folden können, dann kommt der Raise sehr in Frage.

      Fazit:

      Aggressiv spielst du dann, wenn eine Aussicht besteht, bessere Hände zum folden zu bekommen. Da du schon ein Ass hast, sind bessere Hände sehr oft schon ein Paar. Hat der Gegner selbst etliche Draws in seiner Range und kannst du auf viele Karten in den Showdown gehen, dann ist ein Calldown oft vorzuziehen. Die Aussnahme ist, wenn man den Gegner an späteren Bluffs hindern will, weil man eben auf einige Karten nicht gut callen kann.
    • pokerstar2222
      pokerstar2222
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2013 Beiträge: 67
      Danke für die sehr ausführliche und sehr hilfreiche antwort.

      Habe mir auch schon gedacht, dass es wie überall im poker von vielen verschiedenen faktoren abhängig ist, aber war mir nie sicher, wie ich diese situationen am besten analysieren kann, um die richtige entscheidung zu treffen.

      Hast mir sehr geholfen. =)