Gameplan anyone?

    • Nani74
      Nani74
      Black
      Dabei seit: 15.12.2005 Beiträge: 12.386
      War vorhin ziemlich überrascht dass es tatsächlich Spieler gibt die sich einen Gameplan erstellt haben. Also richtig, mit "middlepairtopkicker+, OESD und FD ohne SD value check raise ich am flop" oder och calle am River bei dry Board "Toppair und besser" usw... alles aufgeschrieben

      einerseits MUSS das ja ähnlich wie GTO da viel value auf der strecke bleiben, wenn man einfach wirklich nur einen 2 DIN A4 seiten großen Plan hat wo alle SItuationen abgearbeitet sind und im Endeffekt gar nicht auf spezielle Reads eingeht, andererseits hat er die micro limits absolut zerstört mit über 5 BB/100 nur mit seinen ausarbeitungen, die er sich vorher einfach ausgedacht, zusammengestellt und abgearbeitet hat.

      muss auch eingestehen dass ich schon semi fasziniert war als er die blätter rausgeholt hat und so gut wie für jede situation einen plan gehabt hat.die boardstrukuren hat er in 6 oder 7 strukuren unterteilt. Die Gegner hat er nicht in TAGS LAGS usw, sondern einfach gar nicht beachtet. hat dabei vorranging nicht mit frequenzen gearbeitet wie glaube ich bei GTO sondern ausschliesslich mit seinen ranges, also ist somit gegenüber GTO durchaus teilweise exploitbar wenn man seinen plan kennt, da er definitiv nicht perfekt gebalanced ist. er hat auch teilweise lines gar nicht im repertoire wie c/r mit ini oder raise flop. wirkte alles recht solid und ein paar bluffsituationen die er zwecks balancing mit reingenommen hat, aber halt immer die selbe range die er zum bluffen nutzt, also z.bsp no pair + no draw oder "low pair". besonders sprachlos haben mich die timings auf der rechten seite des blattes gemacht, da steht aller wieviel Minuten er einen Bluff mit o.g. range spielt. also er 12 tabled und aller 3 Minuten macht er auf dem nächsten paired board einen c/r mit no pair/no draw z.bsp ^^


      Deswegen meine Frage, gibts jemanden der tatsächlich sich ein Schema F zusammengeschrieben hat, neben den Rechner legt und einfach abarbeitet? Warum ich natürlich fasziniert bin, ist natürlich wenn das möglich WÄRE dann müsste man ja ganz leicht einen BOT programmieren können der FL schlägt :coolface: ?

      Lasse unser Gespräch gerade noch auf mich wirken, aber umso mehr ich darüber nachdenke umso mehr denke ich einfach dass die micros halt so unglaublich schwach sind, dass es DA funktionieren könnte. er hat 34k hands auf 10/20 cent gespielt mit 5,6BB. ich weiß nur dass ich damals defintiv keine so hohe winrate gehabt habe, sondern irgendwas um 2-3BB.


      Meinungen?
  • 5 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Das Ding mit alle 3 Minuten ein Bluff ist cleverer als es aussieht. Er ist von randomisierten Bluffs nicht unterscheidbar. Er könnte stattdessen genau so gut würfeln und bei einer 6 auf einem 6-seitigen Würfel bluffen (oder einer 5 und einer 6). Durch die grosse Zahl seiner Tische kommt es aufs gleiche raus. Da nicht exakt alle 3 Minuten das richtige Board auf dem Tisch liegt, wirkt auch die Zeit zufällig.
    • Nani74
      Nani74
      Black
      Dabei seit: 15.12.2005 Beiträge: 12.386
      finds trotzdem overall irgendwie crazy, ich meine er bedenkt ja auch nicht die ranges der gegner, also wenn er gg UTG oder gg BU spielt ist für ihn jedes toppair das selbe obwohl es manchmal die range des raisers voll hittet und manchmal eben überhaupt nicht, das kann doch niemals funktionieren auf den höheren limits?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Es wird nicht auf jedem Board gegen jede Range funktionieren. Gegen MP2 oder einen 3-Bettor ein Board von AKQ zu bluffen ist schwierig, weil die Range sehr gut trifft und es wenig gibt, was der Gegner wegwerfen kann. Auf vielen Boardstrukturen wird es aber funktionieren. Es wird mit Sicherheit mehr als 100 Hände brauchen, bis ein guter Spieler auf den Trichter kommt, was eigentlich los ist. Sein grundsätzliches Spiel ist ja vernünftig und die meisten Moves haben wahrscheinlich eine gute Frequenz.

      Die Bots, die im cash game in betrügerischer Absicht eingesetzt werden sind recht primitiv. Die bestehen aus einem Skript, das Regeln abarbeitet. Also gar nicht so unähnlich diesem Spieler. Er scheint ein sehr gutes Regelset gefunden zu haben. Er macht aber vielleicht doch noch etwas mehr als ein Bot, der einfach ein Regelset abarbeitet. Insbesondere in der Mustererkennung (Boardstrukturen, gegnerische Aktionen) wird er besser sein. Die Regeln der Bots und deren Mustererkennung läuft eher wie in den Einsteigerartikeln. Die Bots werden meines Wissens nur in den kleinsten Micros eingesetzt. Ich habe das mal im Rahmen eines Coachings untersucht.

      Die richtig guten Bots aus den Universitäten, die keine Regeln abarbeiten, sondern Modelle berechnen, die spielen nicht um Geld.

      Coachingskript: Pokerbots
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Ich glaueb nicht, dass er die Winrate halten kann. Aber 2-3 Bbs sind so sicher drin auf den micros.
    • Cornholio
      Cornholio
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2006 Beiträge: 25.674
      Je höher und je besser die Gegner, desto eloborierter muss das Ganze dann in jeder Hinsicht werden.

      Um auf 2/4 mit sowas noch erfolgreich zu sein, braucht es sicher ein höheres Maß an EV- bzw. Vakuum- Anpassung sowie eine Form der Gegneranpassung (Adaption) und auch ein besseres Balancing bzw. Frequenzen.
      Aber ich glaube man kann auch auf 2/4 noch mit sowas sehr erfolgreich sein, selbst/gerade wenn es noch meilenweit von GTO entfernt ist. Lieber ein paar generelle Leaks und Tendenzen spotten und seinen Gameplan daran anpassen, aber ohne allzu große Angriffsflächen zu bieten.

      Ich glaube wenige betreiben wirklich den Aufwand, es ist eben sehr komplex und mit vielen Fragezeichen, wie man sowas macht. Man muss eigene Kategorien entwerfen um die Komplexität zu reduzieren, z.B. Boards unterteilen, Ranges klassifizieren, Line- und Frequenzentscheidungen treffen, die dann oft auf fragwürdigem theoretischem Fundament stehen etc.
      Dann muss es auch noch spielbar / realisierbar sein.

      -> Viel Aufwand, viel eigenes Denken, viel Heuristik
      -> 95% aller Spieler sind zu faul dazu oder brechen Versuche früh ab