GTO vs exploitive die 110.

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.683
      Mein Verständnis von GTO:

      Am River überlege ich mir, wie viele Valuekombos ich habe und dazu packe ich der Pottgröße angemessen Bluffs dazu.

      Exploitive:

      Jetzt eine andere Überlegung: Wenn ich weiß, dass Villain alle K^ and worse Hände am River foldet, und auch weiß, dass das 20% seiner Range ist, wie viel bluffe ich dann?Und vor allem: Welche? Es macht dann wenig Sinn KQ zu "bluffen". Was ist mit K2? Wie bestimme ich die Boarderline Hand?
  • 3 Antworten
    • Cornholio
      Cornholio
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2006 Beiträge: 25.674
      Das ist die Gretchenfrage. Simpel runtergebrochen hast du 3 Möglichkeiten.
      a) Du spielst ganz GTO, du bluffst trotzdem genau die "optimale" Menge
      b) Du spielst ganz Exploitive. Der Bluff ist +EV, also bluffst du deine gesamte Range
      c) Du spielst Variabel, ich nenne das integrativ. Du überlegst Dir, wieviel GTO du in einer konkreten Entscheidungsfindungssituation zu Grunde legen willst.
      Faktoren die das beeinflussen können sind:
      - Der Gegner (wie oft spiel ich ihn, Wichtigkeit von Image, Wie gut ist er ...)
      - Der Spot (Wie häufig kommt er vor, wie weit hinten in der Hand bin ich ...)
      - Die Größe des Leaks (Wie viel EV steckt konkret für mich drin bei einer Adaption)
      Nach der Entscheidung wählst du die Menge deiner Bluffs aus auf dem Kontinuum von 100% bis optimal.

      Ich halte Vorgehensweise c) für sinnvoll. Ich würde also von der optimalen Blufffrequenz weggehen in Richtung des Reads, ohne aber 100% zu bluffen.
      Ich denke das Spiel ist dann optimalish ausgepuffert ohne auf viel konkreten EV zu verzichetn.
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.683
      Original von Cornholio

      b) Du spielst ganz Exploitive. Der Bluff ist +EV, also bluffst du deine gesamte Range
      Ist mir noch nicht klar. Wenn er 20% foldet muss der Pott doch schon mal größer sein als 5 BB damit sich das lohnt oder?

      Gesamte Range heißt alles ab KJ? Das macht für mich keinen Sinn, da KQ als bessere Hand nur ein Bruchtel seiner 20% sind.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Ich denke, wenn man eine derartige Schwäche erkannt hat, dann beeinflusst das schon das Spiel am Turn. Es lohnt sich, gegen so einen Spieler den Pot gross zu machen. Im grossen Pot foldet der Gegner zuviel, im kleinen Pot ist seine Foldingfrequenz vielleicht nahe dem Optimum. Wenigstens eine BB muss am Turn in den Pot.

      Die Position gegenüber dem Gegner beeinflusst das Spiel. In Position ist es am einfachsten. Das exploitive Spiel sieht so aus:

      Q high und schlechter immer bluffen. Der Gegner foldet 20% einer Range, die uns schlägt. A high nicht bluffen. Ob man A high mit gutem Kicker für Value betten kann hängt von der gegnerischen Call-Range ab.

      K high dann bluffen, wenn der Gegner noch so viele bessere Kicker folden kann, dass er mehr als 1/(Pot+2) Anteil an Kombos mit besserem Kicker foldet. Dabei ist zu bedenken, dass man gegnerische K high blockiert, wenn man selbst einen K hat. Eventuell muss der Faktor von 20% dadurch korrigiert werden. Prinzipiell blockiert ein K in der eigenen Hand mindestens 1/4 der gegnerischen Kombos mit auch einem K. Hat der Gegner den gleichen Kicker in seiner Range, dann wird er noch etwas mehr blockiert.

      Beispiel:

      Der Gegner hat K9+ in seiner Range. Dazu K5s+. Angenommen, das Board weisst keine Karte zwischen K und 8 auf, dann hat er irgendwo zwischen 68 und 76 Kombos mit K high in der Hand (hängt von der Zahl der Kicker ab, mit der der Gegner das Board oder den eigenen Kicker trifft. Kombos für KQ sind bereits korrigiert.) Da das 20% sein soll, hat der Gegner insgesamt ca. 350 Kombos. Hat man selbst K9, dann hat der Gegner 36 bessere Kombos mit einem K, 9 gleich gute und ca. 9-12 schlechtere Kombos mit schlechterem Kicker.

      Geht man also davon aus, dass sich die Anzahl der gegnerischen Kombos für Hände ohne K nicht ändert, nur weil Hero einen K hat, lohnt sich der Bluff für Hero mit einem K nicht, wenn der Pot kleiner als 5 BB ist, weil der Gegner dann nicht genug bessere Kombos folden kann. Ist der Pot grösser, dann hängt es von der Potgrösse ab, welchen Kicker zum K Hero noch bluffen kann. Für einen Kicker, der in der Range der offsuit Kicker für den Gegner ist, reduziert sich die Zahl der gegnerischen Ks unter Umständen sehr stark.

      Ist man ausser Position zum Gegner, kann er noch etwas unternehmen, nachdem man zu ihm checkt oder bettet. Das eröffnet zwei Probleme, die gegensätzlicher Natur sind: negativer Freeroll und Bluffprevention.

      Bluffprevention: Ein K muss nicht das untere Ende der Range des Gegners sein. Man kann mit einer Bet vielleicht mehr als nur K high zum folden bekommen. Ausser Position kann es nützlich sein, auch schlechtere Hände des Gegners zum folden zu bekommen, damit er sie nicht blufft. Nämlich dann, wenn der Gegner insgesamt so viele Hände foldet, damit eine Bet einen positiven EV hat, er aber potenziell zu wenige Hände blufft, dass wir callen könnten. Insbesondere kann es sein, dass wir die Bluffingfrequenz des Gegners nicht gut kennen, so dass wir eine schwierige Entscheidung haben, wenn der Gegner bettet. Eine Bet wäre dann immer besser als cf. Daher kann es ausser Position gut sein, zu gute Hände für einen Bluff zu betten, obwohl es keine echte Valuebet ist.

      Zum integrativen Ansatz von Cornholio: verzichtet man dabei auf einen maximalen Exploit, dann ist dieser Ansatz für diese eine Hand nicht die Linie mit dem maximalen EV. Das kann nützlich sein, wenn man mit dem maximalen Exploit befürchtet, dass der Gegner sich schneller anpasst. Er wird ja in vielen Fällen unsere Hand zu sehen bekommen, da er zu einem grossen Teil callt. Zeigt man ihm T high, dann ist das unkritisch, weil er davon ausgehen wird, dass das wohl zu unserer Bluffrange gehören wird. Zeigt man ihm QJ oder K schlechter Kicker, dann wird er vielleicht aufmerksam.

      Wenn sich der Gegner anpasst, dann hat das Konsequenzen auf den EV von vielen Händen, daher wiegt der Verzicht auf Gewinn in einer Hand vielleicht weniger schwer. Gegen unaufmerksame Gegner sollte man die Linie mit dem maximalen EV suchen. Die gehen davon aus, dass sich der Bluff gegen A high gerichtet hat.

      Problematische Situationen ergeben sich vor allem dann, wenn A high für den Gegner nicht möglich ist (A auf dem Board oder andere Gründe).