Bluffcatcher

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.681
      Hallo,

      ich hätte gerne mal ein paar Statements zu Folgenden Aussagen bzgl. eines 10 BB Potts:

      Board 9 :diamond: 8 :diamond: 2 :spade: 3 :club: 3 :heart:

      A:

      Villain bluffed optimal. Er hat 10% Bluffs. Es ist also egal, ob ich calle oder folde. Ich kann nicht gewinnen (aber auch nicht verlieren gegen seine Bluffs).

      B:

      Villain ist overbluffy. Er hat > 10% Bluffs. Ich calle ALLE Hände, die seinen besten Bluff schlagen (bspw QJ auf 982 3 3, weil ich 76, 54 aber eben auch JT schlage. Action sei so, dass die Hände alle möglich sind.).
      B2 Problem: Er hat auch K^ FDs in seiner Range!!!

      C:

      Villain ist underbluffy. Ich folde Bluffcatcher. Wie viele hängt von seiner tatsächlichen Blufffrequenz ab. Callen muss ich aber definitiv die Hand, die die schwächste Hand seiner valuerange schlägt/splittet. Wenn er bspw. AK for value bettet, dann habe ich mit AK immer ein Call.

      D:

      Villain hat keine Bluffs mehr in der Hand, weil alle Draws angekommen sind. Ich folde alle Bluffcatcher. Meine valuehände müssen 10% EQ gegen seine valuebettingrange haben.

      Problem macht mir C. Wie viele Bluffcatcher folde ich? Wenn er nur 5% Bluffs hat, muss ich dann auch nur die Hälfte meiner Bluffcatcher callen? Was sind eigentlcih Bluffcatcher? All die Hände, die ausschließlich gegen seine Bluffingrange vorne liegen oder? Häufig eben Ax. Wenn ich auf dem Board also Ax ui als Bluffcatcher halte (A4, A5, A6, A7, AT, AJ, AQ, AK), dann calle ich AT-AK?
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    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      A)
      Bei einem 10 BB Pot wäre eine Blufffrequenz von 8,5% optimal. Du bekommst 11:1 Pot Odds und benötigst für einen Call 1/12 = 8,5% Equity. So oft sollte Villain also bluffen, damit du indifferent wirst. Indifferent wirst du nur mit den Bluffcatchern. Hände, die seine schlechtesten Valuebets schlagen callst du immer. Ein Bluffcatcher ist eine Hand, die keine Valuebet mehr schlägt, aber seine Bluffs.

      Indifferent bedeutet aber nicht, dass es egal ist, was du tust. Für diese eine Hand gilt das zwar, aber wenn du deine Bluffcatcher jedesmal foldest bzw callst, dann kann Villain das bemerken und von der optimalen auf eine exploitive Linie umschwenken. Zu viele Folds sind leichter zu bemerken als zu viele Calls. Deine optimale Callingfrequenz mit den Bluffcatchern liegt bei 91,5%, was von 100% nicht so leicht zu unterscheiden ist wie eine Callingfrequenz von 0%.

      B)
      Prinzipiell richtig (wg. Frequenz siehe oben). Wenn er deutlich mehr blufft als seine optimale Frequenz, dann kannst du auch Hände callen, die nur einen Teil seiner Bluffs schlagen, weil du dann immer noch die nötigen 8,5% hast.

      C)
      Blufft der Gegner zu wenig, dann foldest du alle Bluffcatcher. Das ist die Linie mit dem höchsten EV, weil ein Call mit einem Bluffcatcher einen negativen EV hat. Du bist mit deinen Calls nicht mehr indifferent.

      Wichtig dabei ist, ob die Range des Gegners polarisiert ist oder nicht. Ist sie polarisiert, dann kannst du deine Bluffcatcher klar bestimmen. Ist sie nicht polarisiert, dann sind deine Bluffcatcher ein sehr enger Bereich deiner Range, der schwierig zu bestimmen ist.

      Beispiel:
      Der Gegner bettet AK und jedes Paar und besser. Sonst nichts. Das ist eine kontinuierliche Range. Man kann schlecht zwischen Valuebets und Bluffs unterscheiden. AK wirkt prinzipiell als Bluff, der deine Pairs und AK angreift. Wenn aus irgendwelchen Gründen seine Kombos von Pair und besser = 176 sind, dann ist sein Angriff sogar optimal und deine Bluffcatcher sind 42 (call) und AK (fold). Alles darüber sind Valuecalls, alles darunter ist Trash.

      Blufft er dagegen JT und bettet AK und besser für Value, dann ist seine Range polarisiert und alles zwischen AK und JT ist ein Bluffcatcher.

      Gegen eine polarisierte Range ist es in allen praktischen Fällen korrekt, die schlechteste Hand zu callen, die gegen eine Valuebet des Gegners splittet. Theoretisch sind Ausnahmen denkbar, aber so spielt niemand.

      D)
      8,5%, sonst richtig. Vergleiche Beispiel in C)
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.681
      Original von cjheigl
      A)
      Bei einem 10 BB Pot wäre eine Blufffrequenz von 8,5% optimal. Du bekommst 11:1 Pot Odds und benötigst für einen Call 1/12 = 8,5% Equity. So oft sollte Villain also bluffen, damit du indifferent wirst. Indifferent wirst du nur mit den Bluffcatchern. Hände, die seine schlechtesten Valuebets schlagen callst du immer. Ein Bluffcatcher ist eine Hand, die keine Valuebet mehr schlägt, aber seine Bluffs.

      Der Pott soll mit seiner bet 10 BB groß sein, aber egal. Um die paar % geht es nicht. Finde 10% einfacher zu rechnen.

      Indifferent bedeutet aber nicht, dass es egal ist, was du tust. Für diese eine Hand gilt das zwar, aber wenn du deine Bluffcatcher jedesmal foldest bzw callst, dann kann Villain das bemerken und von der optimalen auf eine exploitive Linie umschwenken. Zu viele Folds sind leichter zu bemerken als zu viele Calls. Deine optimale Callingfrequenz mit den Bluffcatchern liegt bei 91,5%, was von 100% nicht so leicht zu unterscheiden ist wie eine Callingfrequenz von 0%.

      Geht mir ums Vakuum. Dass ich zu viel folde denkt wohl eh niemand.

      B)
      Prinzipiell richtig (wg. Frequenz siehe oben). Wenn er deutlich mehr blufft als seine optimale Frequenz, dann kannst du auch Hände callen, die nur einen Teil seiner Bluffs schlagen, weil du dann immer noch die nötigen 8,5% hast.

      C)
      Blufft der Gegner zu wenig, dann foldest du alle Bluffcatcher. Das ist die Linie mit dem höchsten EV, weil ein Call mit einem Bluffcatcher einen negativen EV hat. Du bist mit deinen Calls nicht mehr indifferent.

      Wichtig dabei ist, ob die Range des Gegners polarisiert ist oder nicht. Ist sie polarisiert, dann kannst du deine Bluffcatcher klar bestimmen. Ist sie nicht polarisiert, dann sind deine Bluffcatcher ein sehr enger Bereich deiner Range, der schwierig zu bestimmen ist.

      Beispiel:
      Der Gegner bettet AK und jedes Paar und besser. Sonst nichts. Das ist eine kontinuierliche Range. Man kann schlecht zwischen Valuebets und Bluffs unterscheiden. AK wirkt prinzipiell als Bluff, der deine Pairs und AK angreift. Wenn aus irgendwelchen Gründen seine Kombos von Pair und besser = 176 sind, dann ist sein Angriff sogar optimal und deine Bluffcatcher sind 42 (call) und AK (fold). Alles darüber sind Valuecalls, alles darunter ist Trash.

      Blufft er dagegen JT und bettet AK und besser für Value, dann ist seine Range polarisiert und alles zwischen AK und JT ist ein Bluffcatcher.

      Gegen eine polarisierte Range ist es in allen praktischen Fällen korrekt, die schlechteste Hand zu callen, die gegen eine Valuebet des Gegners splittet. Theoretisch sind Ausnahmen denkbar, aber so spielt niemand.

      D)
      8,5%, sonst richtig. Vergleiche Beispiel in C)
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.681
      bei A) sagst du, Villain kann das merken und mehr bluffen, daher kann man nicht immer folden. Aber bei C) sagst du, man soll alles folden. Dieser Spieler kann das aber doch auch merken?!
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Prinzipiell haben Spieler immer die Möglichkeit, Tendenzen des Gegners zu erkennen und sich anzupassen. Vermutlich ist ein Spieler, der die optimalen Frequenzen verwendet, darin geschickter.

      Die optimale Strategie für dich ist, den Anteil an Bluffcatchern zu folden, der dem optimalen Anteil der gegnerischen Bluffhände entspricht. Dann ist der Gegner indifferent zu Bluffes. Der Gegner kann dann dein Spiel nicht ausnutzen, was eine gute Strategie gegen Spieler ist, die solche Chancen schnell erkennen.

      Wenn ein Spieler vom optimalen Spiel abweicht, dann kann man das ausnutzen, in dem man selbst auch von der optimalen Strategie abweicht. Natürlich kann man sich dabei die Frage stellen, wie hart man versucht, die Fehler des Gegners auszunutzen. Je weicher man das tut, desto eher besteht die Chance, dass der Gegner es nicht bemerkt und man länger von seinem Fehler profitiert. Was da aber das beste Verhalten ist hängt von der Intelligenz des Gegners ab. Das kann man schlecht pauschalieren.