Völlig verunsichert (to scoop, eroticjesus und Co)

    • Mistbaer
      Mistbaer
      Global
      Dabei seit: 23.09.2014 Beiträge: 328
      Nun lass ich mich also auch mal beim "Mindset" sehen;
      ist -glaub ich- dringend nötig!

      Was ist los?
      Seit 2,5 Monaten dilettiere ich Poker... ähm... versuche ich, Poker zu lernen.
      Ich bin ein extremer Kopfmensch, extrem neugierig, also les ich min. so viel, wie ich spiele!
      Am meisten liebe ich die Posts von Scoop, eroticjesus und Co, weil die von einem Spiel sprechen, das ICH ganz sicher noch nicht mal ansatzweise kenne oder verstehe! Wenn ich die (immer noch ANSATZWEISE!!!) richtig interpretiere, geht das Spiel so:
      "Vergiss alle Filme und alles, was du je gesehen hast!
      Poker ist Stochastik, also bereite dich vor, indem du mathematisch korrekte Züge PLANST!
      Baue dir EXAKTE Ranges für jede Position!
      Nicht nur eine, sondern eine OR-Range, eine 3-Bet-Range usw!
      Spiele diese Ranges, die du nach klaren mathematischen Vorgaben entworfen hast, Preflop knüppelhart durch, denn deine Range ist der Range des anderen überlegen (im positiven Fall).
      Beachte dabei jedes Detail des Gegners, schaue, welche Range er spielt, passe deine an!"


      Das ist -in etwa- die Grundlage, sprich das Preflop-Entscheidungsfindungs"tool" der Sache... und das ist eben nur der Anfang, ab jetzt wirds kompliziert, denn jetzt ist postflop-Skill gefragt.

      Das war ein Mini-Überblick über das, was ich verstanden zu haben glaube.
      Und ICH? Ich zähle Outs, habe Odds und staune, weil es Leute gibt, für die das killefit ist, die glasklar sagen können:
      "Ich hatte postflop ne Equity von 33%, dazu kam die FoldEquity von 21%, dann war das doch ein klarer +EV-Spielzug!"
      Ich staune, ich weiss, dass ich das (noch?) nicht kann, ich zweifle sogar, dass das Range-Denken auf den in den untersten Mikros funktioniert, weil viele Villains schlicht keine Ranges haben...
      und ich spiele mir eine Scheisse zusammen, dass es hackt!
      WEIL ich ständig an jeder Entscheidung zweifle!
      Beispiel: Session heute! Der Graph dazu:
      [img][IMG]http://www11.pic-upload.de/thumb/06.12.14/fhl81g7ztd7j.png[/IMG][/img]
      Sieht doch eigentlich nicht schlecht aus!
      Ich hab aber aufgehört!
      Ich hatte das Gefühl, keine meiner Entscheidungen auf höherem Niveau ausreichend begründen zu können und hab gespürt, dass ich in spätestens einer Minute komplette Sch*** baue, weil ich glaube, dass Scoop oder eroticjesus oder miiwiiin oder einer der anderen GUTEN Leute doch hier durchraisen würde, statt weak zu passen (Die Angst, "zu weak" zu sein, "verdanke" ich auch stark bastip und onese! :f_biggrin: Ist aber ok... ich muss ja wenigstens wissen, was sein KANN, um es zu verstehen!)... oder umgekehrt HIER doch trotz "gutem Aussehen von Hand und Board" rausgehen würden.

      Ich stehe im Moment da, wie Karl Doof, weil ich einfach nicht einordnen kann: Was muss ich wissen, was sollte ich noch nicht wissen/komplett beiseite legen? Was ist "noch viel zu weit weg, um daran zu denken"? Was implementiere ich wann in mein Spiel? Was ist wann sinnvoll?
      Zwar SAGE ich mir:
      "Deine 70k Hände sind ein Treppenwitz, lern erstmal, was ABC-Poker eigentlich ist!",
      aber ob das richtig ist, weiß ich grad auch ganz und gar nicht.

      Und darum frag ich euch das jetzt, vielleicht kriege ich von den Erfahrenen hier ja ein bisschen Feedback, das mir nen Hinweis auf die richtige Richtung gibt!

      Danke vorab für jede Antwort,
      einen schönen Samstagabend euch,
      der Mistbaer
  • 38 Antworten
    • Mistbaer
      Mistbaer
      Global
      Dabei seit: 23.09.2014 Beiträge: 328
      Und bevor am Ende noch einer was falsch versteht:
      Hier ist kein Vorwurf zu lesen!
      Ich schüttle den Kopf über mich und bin zugleich dankbar, durch die Beiträge der genannten mir-weit-Überlegenen wenigstens eine Vorstellung bekommen zu können, wo so ne "Reise Poker" hingehen kann!
      Ich hätte halt nur am liebsten nen guten Reiseführer! :f_biggrin: :f_biggrin: :f_biggrin: :f_biggrin:
    • hanz007
      hanz007
      Gold
      Dabei seit: 08.02.2010 Beiträge: 2.019
      Wenn du eine Hand spielst musst du durchgehend einen Plan haben wie du auf welche Aktion reagierst. Du musst auf jeder Street dir überlegen welche Hände würden mitgehen und welche werden folden. Wichtig ist es auch, dass du schon am Flop für den Turn bescheit weisst auf welche Karten du bettest und auf welche du lieber folden willst bevor sie da liegen und warum du das machst.

      Für so etwas haben mir Videos von Liveplays deutlich mehr geholfen als alle Strategieartikel. Wenn du die Videos schaust überlege dir am besten selber wie du die Hand spielen würdest und warum der jeweilige coach die Hand anders spielt. Schaue dir auch nur Videos von deinem eigenen Limit und deiner Variante an.
    • Duygutschi
      Duygutschi
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2010 Beiträge: 717
      Poker ist imo für viele ein langfristiger Lernprozess. Ich weis nicht wie viele Stunden du schon in Poker investiert hast aber es klingt als wärst du am Anfang deiner Pokerlaufbahn.
      Verwendest du stats?

      Was kannst du machen um besser zu werden?

      - Was spielst du denn für eine Variante? Wenn cashgame würde ich dir von Zoom abraten. Ich denke gerade am Anfang ist es wichtig zu sehen wie Hände generell verlaufen können. Aus den Händen deiner Gegner bekommst du viele wertvolle Infos. Zum Einen wie die in der Hand verwickelten Mitspieler ihre Hände spielen (overplayen von Händen, betsizings usw.) zum Anderen bekommst du ein Gefühl (ja nenne ich bewusst so) was relative Handstärke anbelangt. Du siehst lines du vl. gar nicht in Erwägung ziehst und kannst diese dann exploiten oder diese selbst in dein Spiel integrieren.

      - sie dir session reviews deines Spiellimits an und vergleiche deine Spielzüge mit denen der coaches.

      - nimm ein video deines eigenen Spiels auf und stell es hier ins Forum. Muss gar nicht lang sein (würde 20-30 Minuten machen). Du wirst hier sicher einiges an Verbesserungsvorschlägen bekommen. Darauf kannst du dann Schritt für Schritt aufbauen.

      - denk nicht an deine winnings oder hourley sondern lege den Fokus darauf besser zu werden. Je schneller du besser wirst desto schneller wirst du aufsteigen und Geld gewinnen.
    • FischFutterP
      FischFutterP
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2011 Beiträge: 5.995
      Ja scoooop ist einer der richtig guten hoffe er liest das hier alles mit :coolface:
    • pantokrator7
      pantokrator7
      Bronze
      Dabei seit: 22.07.2008 Beiträge: 861
      Die Tipps von Duygutschi solltest du dir allesamt zu Herzen nehmen, er ist anscheinend auch einer von den Guten :f_thumbsup:

      Eine Idee wäre eine Art Contentblog zu führen, wo du deine Gedanken und Fragen niederschreibst und dir Feedback von erfahrenen Membern holst.
      Ich denke davon wirst du bei deinem Problem am ehesten profitieren können.
    • Sulpfur
      Sulpfur
      Bronze
      Dabei seit: 07.04.2014 Beiträge: 111
      Will nur mitlesen.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.758
      Was imo am meisten hilft, sind Handbewertungen. Du kannst zB. im HBF Hände analysieren. Dabei sollst du aber nicht erst die guten Analysen der erfahreneren Spieler lesen oder abwarten, sondern selbst denken. Da du schon viel gelesen hast, weißt du ja sicher schon wie die diversen Ranges oft ausschauen. Durch das Bewerten von Händen, lernst du ohne Zeitdruck und Autopilot das Ganze anzuwenden. Wenn du dort mal Müll postest, wird dir niemand den Kopf abreißen. Du kannst auch selbst Hände posten, in denen du deine Gedanken zur Hand schilderst und schauen, was andere darüber denken. Das, was du dabei lernst, kann man unter Rangethinking zusammenfassen. Das ist das A und O im Poker. Alles weitere, wie die vielen Artikel und Videos zu den verschiedensten Themen (zB. way ahead way behind, pot control, check/raise usw.) kauen nur das vor, was du durch detailliertes Rangethinking schon selbst erkannt hast (oder haben solltest). Du kannst auch eigenständig Hände aus deiner DB suchen und sie analysieren. Was ich dabei gerne mach, und was ich dir auch empfehle, ist, im Verlauf der Analyse Karten auszutauschen (Blanks oder Scarecards kommen lassen), Spielertypen und Betsizes ändern. Auf die Art kannst du aus einer Hand das Maximum rausholen. Besonders das Kartentauschen ist hilfreich. Du hast sicher schon oft in einer Hand gesessen und gehofft, dass diese eine Karte nicht kommt, weil du nicht wüsstest, was du dann machen sollst. Wenn du sie im Trockentraining kommen lässt, kannst du dich in aller Ruhe damit befassen. Mit Betsizes rumspielen ist genauso sinnvoll. So kannst du dich mit unangenehmen Situationen vertraut machen und sie lösen. Später kannst du deine Gegner dann in genau diese unangenehmen Spots manövrieren und dir ins Hemd lachen, wenn sie nicht wissen, was sie tun sollen. Das ist dann imo das, was den Reiz ausmacht, den Gegner ausspielen und sich freuen. :) Soviel zum Training abseits der Tische.

      Ingame hilft es alle eigenen Aktionen und alle der Gegner laut mitzukommentieren und zwar vor jedem Klick. Bevor du in eine Hand einsteigst, solltest du sie grob bis zum River durchplanen. Was machst du gegen 3Bets, 4Bets, multiway, welche Range bettest du auf Board xyz am Flop, welche Teile foldest du gegen Raises, was barrelst du bei dieser und jener Karte am Turn/River weiter, was machst du mit welchem Teil deiner Range, wenn Villain als PFA checkt oder durchballert usw. Das Alles solltest du vorm Einsteigen in die Hand grob durchdenken, damit du in der Hand nicht überrascht werden kannst. Das sind viele Gedanken bzw. Sätze, die du sprichst. Deshalb wird das anfangs wohl nur an 1-2 Tischen klappen. Mit der Zeit wirst du darin aber ziemlich gut und schnell, sodass du mehr Tische spielen kannst und auch aufs Mitsprechen verzichten kannst. Aber immer Vorsicht vorm bösen Autopiloten. Der Modus ist bei vielen Spielern relativ schwach, weshalb du vermeiden solltest so zu spielen.

      Was mir noch einfällt, ist folgendes: Du wirst vermutlich Probleme haben dir zu vergegenwärtigen, wie oft Villain stark oder schwach ist. Zumindest ging es mir früher so. Ich hab dann irgendwo nen super Tipp gelesen. Stell dir drei leere Tüten vor, eine für starke, eine für mittlere und eine für schwache Hände. Nachdem du Villain eine Range gegeben hast, packst du alle starken Hände in die starke Tüte, die mittleren in die mittlere Tüte und die schwachen in die Tüte für schwache Hände. Das kann nen Aha-Effekt geben. Stell dir mal folgendes Szenario vor. Du raist aus MP und BU-Reg callt. Seine Range sieht wie aus? Am Flop kommt K64r, du bettest 1/2 Pot und BU raist. Teil jetzt seine Range in in die drei Tüten auf. Welche Tüte ist am kleinsten? Was bedeutet das für diese Hand (Tipp: capped und polarierste Rangeteile)? Das solltest du beim Trockentraining anfangs mitmachen. Und du musst die Kombos nur grob abschätzen. Genaues Abzählen ist nur ne Fleißaufgabe, die du aber auch gern machen kannst.

      Was am Ende, wenn du also viel Übung im Handreading/Rangethinking hast, kommen sollte, sind Cojones. Oft wirst du ziemlich genau wissen, was Villain hat. Das gibt ungemein viel Sicherheit. Dann musst du dich vll. noch einige male dazu zwingen, das hart auszunutzen. Meistens gehts dabei ums Bluffen. Du wirst zB. oft sehen, wann Villain max. TP hält, also viele Kombos aus der mittleren Tüte hat. Diese Teile geben "normalere" Spieler oft noch auf, wenn man genug Druck macht. Was dir in dem Zusammenhang vll. auch helfen kann, ist, wenn du dir deinen Chipstapel als Magazin vorstellst. Wenn du glaubst, das böse Monster (die mittelprächtige Range) erledigen zu können, hälst du auch voll drauf und gibst nicht nur ein, zwei Schüsse ab. :D

      Ich hoff, das hilft dir ein bisschen weiter. Ich bin sicher scooop und jesus haben noch mehr Tipps für dich.

      Edit: So schnell zu erkennen, dass man nicht mehr sein A-Game spielt, und dann auch sofort aufzuhören, ist stark. Das solltest du auf jeden Fall beibehalten. :s_thumbsup:
    • FischFutterP
      FischFutterP
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2011 Beiträge: 5.995
      Ja genau Hände bewerten lassen das HBF wurde zwar fast komplett weg rationalisiert aber viel glück dabei :f_thumbsup:
    • Thomas6409
      Thomas6409
      Black
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 6.102
      Original von Renne01
      Was imo am meisten hilft, sind Handbewertungen.
      Handbewertungen sind heute nicht mehr zeitgemäß

      nicht meine Meinung, sondern wörtliches Zitat deiner Chefs, mit dem sie die Schließung des Handbewertungsforums begründet haben
    • Duygutschi
      Duygutschi
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2010 Beiträge: 717
      Die Kohle geht halt für paxis und co entertainment weg, find ich auch eher bescheiden.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.758
      Hab viel um die Ohren. Ist mir noch garnicht aufgefallen. In dem Fall gilt es, selbstständig u/o mit Skypefreunden zu analysieren. Und das Ganze halte ich für sehr wichtig... aber nur meine 2 Cents
    • karoel
      karoel
      Bronze
      Dabei seit: 04.06.2006 Beiträge: 9.114
      Original von Renne01
      Was imo am meisten hilft, sind Handbewertungen. Du kannst zB. im HBF Hände analysieren. Wall of Text

      :yaoming: Stop reading here


      ansonsten sehr gute Tipps :s_thumbsup:
    • bastip387
      bastip387
      Bronze
      Dabei seit: 23.02.2011 Beiträge: 2.397
      Die Angst, "zu weak" zu sein, "verdanke" ich auch stark bastip und onese! :f_biggrin: Ist aber ok... ich muss ja wenigstens wissen, was sein KANN, um es zu verstehen!)
      made my day, ich danke dir!:f_drink: :D :D
    • Scooop
      Scooop
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 23.697
      Der grundlegende Fehler ist dich als Anfänger mit Leuten zu vergleichen, die schon viele Jahre Poker spielen und da sehr viel Zeit und Energie reingesteckt haben und vor allem auch eine Unmenge an Erfahrungen gemacht haben.

      Poker ist wie so ziemlich jedes andere Lernfeld etwas, das man immer besser versteht und kann, je länger man das macht.
      Keine Ahnung was ein gutes Beispiel sein kann, aber nimm sowas alltägliches wie Kochen. Jemand der das noch nie gemacht hat, dem muss man erstmal beibringen, dass man Kartoffeln nicht roh essen kann, Karotten dagegen schon und sagt ihm daher vereinfacht, dass man Kartoffeln immer erst kochen muss. Dann später wird er lernen zwischen Salzkartoffeln und Pellkartoffeln zu unterscheiden. Noch später kommen dann Bratkartoffeln, usw. hinzu. Alles neu, alles schwierig.
      Jemand der schon seit Jahren quasi täglich selbst kocht kann das alles im Schlaf und wenn er sich für Kochen interessiert, dann kann es sein, dass er hört: Ungarischer Kartoffelauflauf - und dann weiß er nicht nur was da so die Standardzutaten sind und wie man den zubereitet, sondern vielleicht auch was der Unterschied zu anderen Kartoffelaufläufen ist oder noch weiter fortgeschritten er beginnt die bekannten Rezepte fein abzuändern und zwar so, dass es noch besser schmeckt und nie langweilig wird.

      Vom Prinzip her ist Poker da ganz ähnlich. Man muss sich eben langsam rantasten und einarbeiten, hoffentlich mit halbwegs guten Kochrezepten, wobei die eben immer nur vorläufig sind - besser als gar keinen Plan, aber eben immer verfeinert werden können und sich später auch als falsch herausstellen (Kartoffeln muss man durchaus nicht immer kochen), aber eben für den Anfang als Faustregeln gut sind - wobei man immer den Kopf eingeschaltet lassen sein sollte und auch offen für Neues sein muss, denn die Gefahr ist sonst, dass man seine x Kochrezepte, bzw. x Pokergrundregeln für die ganze Geschichte hält und aufhört sich zu verbessern.

      Soviel als allgemeines Beispiel. Von daher: spiel einfach so wie du spielst, denk nicht darüber nach dass es Leute gibt die viel besser sind, sondern beschäftige dich mit deinem Spiel, versuche das was du verstanden hast so gut wie möglich umzusetzen und an deinen Schwächen zu arbeiten (die zeigen sich von ganz alleine) und du wirst automatisch mit der Zeit durch weitere Erfahrungen dein Spiel immer weiter verbessern, hinzulernen und Dinge besser machen als bisher oder ganz neue Dinge mit einbauen. Genauso wie beim Kochen.

      Wenn du dann nach langer Zeit zurückblickst wirst du dich wundern wie sehr du dich verbessert hast. Jeder gute Spieler wird von sich selbst sagen, dass er vor nem Jahr ein totaler Fisch war im Vergleich zu heute und das jedes Jahr auf's neue! :megusta:
    • Tackleberry
      Tackleberry
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 05.05.2006 Beiträge: 1.668
      Hey OP! Ich gebe mal meine 2cents zum besten (auch wenn ich schon wieder fürchte, dass das länger wird, als beabsichtigt):

      "Früher" lag alles auf Exploits der Gegner, die sich nicht mit der Materie beschäftigt haben, da waren die "korrekten" Spielzüge relativ klar, und selbst bei kleiner Sample war es für jeden, der sich etwas mit der Theorie beschäftigt hatte, klar, wie man diese exploiten kann. Etwas Strategie-Input und ein wenig Erfahrung reichten für die meisten schon aus, um schonmal break-even zu sein.

      Heute ist die Messlatte wesentlich höher. Die Fehler der Gegner werden subtiler, die wirklich schwachen Spieler (vergleichbar mit dem "Pool" früherer Zeiten) treten nur noch vereinzelt auf, der "Pool" (früher schwach), ist heute eher von mehr oder weniger ernsthaften "Regs" besetzt. "Reg" bedeutet in dem Fall nicht, dass die alle da sitzen und Pokerstrategie pauken, aber es bedeutet zumindest, dass sie über ihr Spiel nachdenken, in der Regel mit einer halbwegs "definierten" Preflop-Strategie spielen und ein HUD benutzen, mit dem sie die Stats der Gegner verfügbar haben.

      Das ändert den Charakter des Spiels. Während die richtig talentierten "Cracks" früher quasi von der Pike auf winning player werden konnten, sich über 25k Hände die Füße "nass gemacht" und dann aufbauend auf dieser "Erfahrung" gecrusht haben, geht das heute für den Otto-Normal-Talentierten nicht mehr. Der Grund ist einfach, dass die Edges, die man sich heute mit "wenig Aufwand" erarbeitet, nicht mehr ausreichen, den Rake zu schlagen - insbesondere auf den low limits, wo die Edges leichter zu finden sind - dafür aber der Rake (relativ gesehen) viel höher ist. Das ist fast ein Paradoxon.

      Trotzdem wird heute immer noch der Eindruck vermittelt, gerade von anderen Spielern, Poker sei immer noch easy. Vermutlich, weil es a) cool klingt, und b) weil sich kaum einer eingestehen will (oder tatsächlich weiß), dass er losing player ist. Der Grad der "Verleugnung" im Poker ist unermesslich. :| Aber die Realität sieht obv. anders aus, denn wo sollte das Geld denn herkommen - wenn "alle" winning player sind (das "Haus" inklusive?!).

      Das vorweg ... nun zum Kern:

      Ich fand die Zusammenfassung dessen, was du "verstanden" hast, im Übrigen hervorragend - und ich würde das 1:1 unterschreiben. Allerdings zeigt das eben auch, wieviel Arbeit notwendig ist, um irgendwann so locker daherkommen zu können, wie eroticjesus & Co. das vorleben. Da steckt halt jahrelange Arbeit dahinter, das kann man nicht abkürzen. :) Aber, wenn du darüber nachdenkst, ist das auch gut so, oder? Stell dir vor, jeder könnte sich die Grundlagen kurz anlesen, dann 100k Hände spielen und dann die Pampa rocken - wo sollte das ganze Geld denn herkommen?! :f_cool:

      Wenn mich heute jemand fragt, ob es sinnvoll ist, mit Poker anzufangen, würde ich folgendes sagen - und bitte, das ist meine ganz persönliche Meinung(!!!):

      1) Liebst (!) du dieses Spiel - erfüllt es dich mit großer Leidenschaft, betrachtest du auch die mathematische Seite des Spiels als Herausforderung, die zu meistern dich tief im Inneren antreibt?

      a) NEIN => Wenn du Geld "übrig" hast, und dir das Spiel Spaß macht, betreibe es als Hobby, so wie eben auch ein Kinobesuch oder ein Sportverein Geld kostet. Akzeptiere das einfach für dich und mache deinen Frieden mit dieser Idee. Höre nicht drauf, was andere sagen, die meisten sind losing player (wissen / akzeptieren es nur nicht).

      b) JA => Weiter mit 2)

      2) Hast du die Zeit und Energie, dich richtig hart mit der Theorie / Strategie auseinanderzusetzen? Also abseits der Tische viel Arbeit (gerade am Anfang) zu investieren? Dich mit anderen auszutauschen und zu geben und zu nehmen?

      a) NEIN => siehe 1a)

      b) JA => Weiter mit 3.

      3) Glückwunsch! Vor dir liegt ein harter Weg. Habe GEDULD mit dir selbst, die meisten Profisportler haben jahrelanges Training hinter sich, bevor sie in die Elite aufsteigen. Egal, was dir alle erzählen, man liest heutzutage kein Pokerbuch und räumt dann die Tische leer. Den Eindruck vermitteln gern alle, aber das ist Bullshit. Kauf dir als erstes CardrunnersEV (und / oder Flopzilla), suche dir ein Starting Hand Chart deines Vertrauens (z.B. in der Strategiesektion von PS), und fange dann an, dir einen Preflop-Gameplan aufzustellen. Nimm´ deine 70k Hände, analysiere die Ranges deiner Gegner und schaue, wo und warum (!) du in diesem Gameplan Anpassungen vornehmen willst. Dann druck dir die Charts aus (oder hab sie als Screenshot auf einem zweiten Monitor verfügbar) und spiele diesen Stiefel einfach "runter". Wenn du postflop unsicher bist (am Anfang "hoffentlich" in 95% der Fälle), fange an, zu posten, zu diskutieren (such dir Gleichgesinnte!), und nutze CardrunnersEV (CREV), analysiere die Hände, rechne aus, wo der EV herkommt (bzw. warum er vielleicht nicht da ist), und überlege dir, was man hätte machen können.

      Das machst du dann tausende und abertausende Male ... und über die Zeit - und damit meine ich nicht Wochen oder einige Monate oder 50k Hände, sondern Jahre (!) und Hunderttausende Hände (!!!), wirst du merken, wie dir 80% der Spots einfach von der Hand gehen, wie du immer weniger über Standardspots nachdenkst und immer sicherer wirst. Wenn das der Fall ist, fängst du von vorne an - und überlegst dir, wie du die Standardspots optimieren kannst. :coolface:

      Und dann - werden andere dich so wahrnehmen, wie du eroticjesus heute wahrnimmst, weil er genau das gemacht hat und immer noch macht.

      In der Hoffnung, dich nicht demoralisiert, sondern motiviert zu haben - wünsche ich dir maximalen Erfolg!! :s_drink:
    • Tackleberry
      Tackleberry
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 05.05.2006 Beiträge: 1.668
      Im Übrigen finde ich den Vergleich von Scoop phänomenal - super geschrieben!! Ganz dickes "#"!
    • pantokrator7
      pantokrator7
      Bronze
      Dabei seit: 22.07.2008 Beiträge: 861
      Ganz großes Kino von Scooop und Tackleberry :f_love:
    • Duygutschi
      Duygutschi
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2010 Beiträge: 717
      @scoop: Irgendwie bin ich jetzt fast traurig das ich nicht kochen kann :s_grin:
    • Mistbaer
      Mistbaer
      Global
      Dabei seit: 23.09.2014 Beiträge: 328
      Jetzt bin ich platt!
      Um der unerwarteten Fülle der wirklich aufbauenden Antworten auch nur andeutungsweise gerecht zu werden, beantworte ich das in mehreren Posts step by step, nicht, ohne aber vorher das Wichtigste zu sagen:
      Meinen ganz ganz herzlichen Dank an euch, die ihr euch für mein(e) Problem(e) Zeit und Mühe genommen habt!!!!

      Los gehts:
      @ hanz:
      Der "Plan", das ist es!
      Um den Stück für Stück zu lernen, muss ich nochmal neu preflop ansetzen;
      ist heut morgen geschehen, Ranges hab ich mir individuell (nach etlichen Vorgaben) gemacht, werden im Content-Blog (noch zu erstellen) eingestellt!
      Videos such ich mir mal raus, das ist sicherlich ein guter Ansatz, Klabautermann gab mir da auch nen großartigen Hinweis.

      @Duygutschi:
      Stats seit 5 Tagen, aufgr. von zeitlich-passend sich-zerlegender Festplatte sammle ich seit gestern neu, ein wirklciher Verlust wars aber nicht. Das HUD finde ich noch recht irritierend.
      Ich hab die ersten Wochen FR gespielt, bin aber (auch aufgr. der großartigen Vorbilder... es gewinnen immer dieselben Nits (VPIP9, PF5 oder so), die nach 10 Stunden an jedem Tisch 2 Stacks mehr haben) in einen "Ich warte ausschließlich auf AK+Modus" (ist übertrieben, triffts aber im Kern!) verfallen und hab mich zu Tode gelangweilt. Darum dann SH, angefangen mit dem ORC aus dem Strategie-Content. Meine BR hab ich in etwa 10 Wochen von 92€ (eingezahlt) auf aktuell 190 gespielt, also wohl nicht alles falsch gemacht. Allerdings nitte ich (meine einschätzung) auf FR meist rum, raise zu selten, calle zu viel usw... da fehlt ne Weiterentwicklung, deshalb ja die Suche nach Input, die mich dann doch sehr verwirrte.
      Zoom ist im Moment für mich noch nix, als ichs probiert habe, hab ich zwar durch Glück was gewonnen, aber nur, weil ich im Autopiloten gefoldet habe, bis AK+... siehe oben! Ist auch nicht das, was ich aktuell will!
      Video vielleicht später; dazu müsste ich erst lernen, wie man so was macht!

      @pantokrator:
      Contentblog ist sehr guter Gedanke, wird eingerichtet (und hier verlinkt)!
      Meinen alten Blog (ich hatte da bzgl. Blog was falsch verstanden) lasse ich gnädig da verschwinden, wo er wohl hingehört: in der Versenkung!

      @renne
      -Handbewertungen gibts eben jetzt als Diskussion...
      ich denke, auch das hilft mir als Anfänger schon!
      Muss ich mehr nutzen, werd ich!
      -Für Rumspielen werd ich wohl auf die Anfängerversion des Cardrunner EV zurückgreifen;
      den Tip von Tackleberry weiter unten hab ich insoweit aufgegriffen, als dass ich mich schon al informiert habe, was das ist und glaube, es ist sehr sinnvoll, mich damit vertraut zu machen!
      -Mitkommentieren ja, aber bei mir Kopfmensch ist das eher ne Sache des "Im-Kopf-Vorsprechens"... ich probiers aber mal!
      UND ich spiele wirklich erstmal wieder 2 (ich hab gestern immer 3 gespielt) Tische und nute die gewonnene Zeit zum PLANEN während ich spiele. Um "Autopilot" zu spielen, bin ich echt noch nicht weit genug!
      -Durch dein Post hab ich grad nochmal nachgelesen und dabei endlich kapiert, was "polarisierte Range" bedeutet.
      Muss da aber noch weiter rein, um das für mich zu was Anwendbarem zu machen, das mir die Entscheidungsfindung erleichtert!

      Weiter im nächsten Post.
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