BB vs SB open --> korrekte Adaption

    • dancre
      dancre
      Bronze
      Dabei seit: 15.10.2012 Beiträge: 286
      Hallo zusammen,

      ich hab mich mal drangesetzt und versucht, mein Spiel im Bereich der Blinds zu verbessern. Bin allerdings nicht allzu weit gekommen.

      Ein wesentlicher Faktor davon ist das attackieren des Big Blinds als Small Blind. Ich kann getrost zugeben dass ich viel zu tight agiert habe in meinen 3 Monaten in denen ich zuletzt intensiv gespielt habe.

      Ich habe noch einen Beitrag von Crownupguy hier rein zitiert, weil ich ihn relativ interessant finde (allerdings handelt es sich hierbei um einen Beitrag von ihm in einem Cash Game-Blog, daher Achtung! Kann gut sein dass ich deshalb Fehler reingehauen habe).

      Um herauszufinden, wie ich am besten gegen verschiedene Regs, Fische und Unknown agiere, benötige ich zunächst mal eine Auflistung der vorhandenen Stats (bei Unknow und vielen Fischen natürlich keine / nur wenig vorhanden).

      Ich habe mir mal drei Regs aus meiner History rausgesucht, auf die ich eine annehmbare Samplesize habe. Im Anschluss ergänze ich das ganze um meine Einschätzung von Unknown-Ranges im BB.

      Reg 1:

      1283 Hände
      VPIP/PFR: 19/17

      BB vs SB open - 3Bet: 18% (9/50)
      BB vs SB open - Call: 14% (7/50)
      BB vs SB open - Fold: 68% (34/50)


      Reg 2:

      1899 Hände
      VPIP/PFR: 21/19

      BB vs SB open - 3Bet: 7% (5/72)
      BB vs SB open - Call: 15% (11/72)
      BB vs SB open - Fold: 78% (56/72)


      Reg 3:

      2181 Hände
      VPIP/PFR: 16/11

      BB vs SB open - 3Bet: 27% (6/22)
      BB vs SB open - Call: 32% (7/22)
      BB vs SB open - Fold: 41% (9/22)


      Unknown:

      BB vs SB open - 3Bet: 7%
      BB vs SB open - Call: 27%
      BB vs SB open - Fold: 66%

      Die Stats sind natürlich phasenübergreifend und dienen erstmal lediglich zum vermitteln des mathematischen Contents. Mit ziemlicher Sicherheit muss man die Stats bei einer Feinanschauung nochmal nach den einzelnen Blindleveln aufschlüsseln und außeinandernehmen.

      So. Zunächst mal eine Prüfung des Autoprofit-Spots:

      Original von Crownupguy
      Autoprofit SB
      Wir sind im Small Blind und haben die Entscheidung welche Size mit welcher Range wir openraisen. Generell mache ich meine Strategie hier komplett vom Gegner abhängig. Grundsätzlich zählt für mich: Defended mein Gegner weit (was die "richtige" Variante ist), dann limpe und raise ich, defended mein Gegner wenig (was ein Fehler ist), dann nutze ich das aus und minraise alles. Doch wo ist der Mittelpunkt zwischen diesen beiden Strategien?

      So finden wir es raus: Zunächst einmal müssen wir rausfinden wo die Autoprofitschwelle ist - die Frage ist also ab welchem Punkt können wir openraisen, mucken unsere Hand wenn er called direkt und machen trotzdem Profit. Wir riskieren 1,5BB (raise auf 2BB, 0,5BB ist schon geposted) um 1,5BB (BB+SB) zu gewinnen.
      Die Formel ist:
      Benötigte Foldequity = Betsize / (Betsize+Potsize)
      1,5BB / (1,5BB + 1,5BB) = 1,5 / 3 = 0,5
      Je nach Phase, in welcher wir uns im SnG gerade befinden, raisen wir ja entweder auf 2, 2,5 oder 3 BBs.

      Die Foldequity für diese drei Möglichkeiten sähe dann so aus:

      Bei Minraise: 1,5BB / (1,5BB + 1,5BB) = 1,5 / 3 = 0,5
      Bei Raise auf 2,5 BB: 2 BB / (2BB + 1,5BB) = 2 / 3,5 = 0,57
      Bei Raise auf 3 BB: 2,5 BB / (2,5 BB +1,5BB) = 2,5 / 4 = 0,625

      Mein Gegner im BB müsste also demnach mindestens 50% folden, damit ich mit einem Minraise einen any2-Spot haben. Er müsste 57% folden, damit ich mit einem Raise auf 2,5 BB einen any2-Spot habe und er müsste 63% folden damit ich mit einem Raise auf 3 BB einen any2-Spot habe.

      Schaut man sich die o.a. Gegner an, so folden zwei der drei Regs sowie meine Unknown-Range genug, um bei jedem der drei Sizings profitabel mit any2 stealen zu können.

      Dazu ergänzend:

      Original von Crownupguy
      Unser Gegner muss also (50%) folden, damit wir any2 profitabel openraisen können wenn wir unsere Hand einfach mucken. Da wir unsere Hand aber nicht mucken, haben wir natürlich auch noch Equity in Addition dazu. D.h. solange unser Gegner nicht mindestens 60%+ im BB gegen uns defended haben wir einen profitablen Raisespot mit unserer gesamten Range. Wenn er das tut, gibt es einen Punkt an dem es anfängt mehr Sinn zu machen größer zu raisen, weil wir seine Equity mehr herausfordern wollen und mehr Value mit unserer Range extrahieren wollen. Dann würden wir anfangen unsere schlechtesten Hände zu gunsten unserer Gesamtrange zu folden.
      Extrembeispiel: Wenn im BB ein Funplayer sitzt der 10% Fold to SB Steal hat, dann nur eine 50% Range mit n = 3,5BB openraisen und unsere schlechtesten Hände limpen um das Maximum aus unserer Range rauszuholen!
      Das Beispiel bzw. den Teil mit dem limpen habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht kann jemand das nochmal erklären?

      Bzw. ist das so auf SnGs überhaupt übertragbar?


      Nochmal zurück zu den aufgeführten Ranges weiter oben.

      Einer der Regs foldet nur 41% gegen meinen SB-Steal.

      Wie adapten wir dagegen am Besten?

      Mit welcher Range raisen wir ihn?
      Mit welcher Range limpen wir vllt. auch nur (bestimmt in vielen Situationen vertretbar und immer noch besser als ein Fold)


      Viele Grüße,
      dancre
  • 5 Antworten
    • MrGambIing
      MrGambIing
      Bronze
      Dabei seit: 05.05.2014 Beiträge: 223
      Hi, ich Versuch mich mal aber ohne Garantie auf Richtigkeit... ;)

      Bei Fehdors bsp haben wir eine Station im BB sitzen, wenn vor uns keine Aktion kam möchten wir mit any2 gegen ihn spielen da wir uns eine große Edge geben! Ergebnisse ist das wir die bessere hälfte also Top 50% vor value raisen und bottem 50% limpen um günstig Flop zu sehen.

      Das Konzept an sich geht natürlich auch bei sngs jedoch gibt's bei den unterschiedlichen stacksizes halt immer andere Sachen die man nicht außer Acht lassen darf...

      Der von dir genannte reg 3bettet ja auch recht aktiv in dem Spot, da hätte ich eher keine limprange. Ich würde wohl relativ tight stealen dafür etwas lighter mal 4betten gegen ihn...

      Gruß
    • Kapitalo
      Kapitalo
      Bronze
      Dabei seit: 14.03.2008 Beiträge: 2.100
      Any2 ausm sb zu raisen ist quatsch. Selbst der groesste esel wird euch exploiten. Hab sehr intensive an ranges gearbeitet und 25bb deep kannst du unexploitable 80% range mit ner mixed strategy spielen die im limp-spot eher auf limp/fold limp/shove strukturiert ist da es schwierig ist oop nach iso eq zu realisieren. Die range die du nach unten hin spielen kannst erhöhert sich dadurch dass du schon viel shoven "darfst". Bau dir ne vernünftige range auf und pass die an nachdem du infos von den gegnern hast, wenn du einfach anfängst ausm sb rumzuspewen verbrennste geld
    • dancre
      dancre
      Bronze
      Dabei seit: 15.10.2012 Beiträge: 286
      Original von Kapitalo
      Any2 ausm sb zu raisen ist quatsch. Selbst der groesste esel wird euch exploiten. Hab sehr intensive an ranges gearbeitet und 25bb deep kannst du unexploitable knapp 60% range mit ner mixed strategy spielen die im limp-spot eher auf limp/fold limp/shove strukturiert ist da es schwierig ist oop nach iso eq zu realisieren. Die range die du nach unten hin spielen kannst erhöhert sich dadurch dass du schon viel shoven "darfst". Bau dir ne vernünftige range auf und pass die an nachdem du infos von den gegnern hast, wenn du einfach anfängst ausm sb rumzuspewen verbrennste geld
      Wie hast du denn an Ranges gearbeitet? Bin nämlich zur Zeit auch an dem Thema dran und würde mich da gerne weiterentwickeln, wenn du Tipps hast wäre das super!

      Wenn man gegen nen ultra-tighten Reg der extrem Multitablet auf Annahmen seiner Stats any2 minraisen kann, wieso sollte man das nicht tun? Selbst wenn er irgendwann anfangen sollte zu adapten, kann man die eigene Range ja auch wieder adapten, oder wo ist mein Fehler?

      Ist es nicht so dass viel zu viele Spieler viel zu wenig defenden und man deshalb da mal genauer hinsehen sollte ob sich nicht ein any2-minraise hin und wieder lohnen könnte?


      Gruß,
      dancre
    • MrGambIing
      MrGambIing
      Bronze
      Dabei seit: 05.05.2014 Beiträge: 223
      Wenn man Angst vor Autoprofit hat ist ein any2 openraise aus dem SB natürlich immer quatsch...

      Geb natürlich recht das man es nicht überreizten sollte. Würde bspw auch keine drei Orbits in Folge any2 Open aber wie oft kommt das schon vor das man drei Orbits in Folge First in im SB kommt...

      Das dieses kein Standart Play vs Unknown ist sollte auch klar sein...

      Wenn man solche nits exploiten will empfehle ich aber auch die stats zu Filtern nach stacksize und Anzahl der Spieler da sie sonnst doch sehr verzehrt sein können....

      Gruß
    • DasWodka
      DasWodka
      Bronze
      Dabei seit: 25.11.2009 Beiträge: 5.684
      Hey,
      Bzw. ist das so auf SnGs überhaupt übertragbar?
      Natürlich nur bedingt, da ja jeder gewonnener chip weniger wert ist als jeder verlorener. Gerade bei bubble/nah bubble Situationen muss man es wohl sehr stark anpssen. Im early game hingegen ist es schon sinnvoll.
      Das Beispiel bzw. den Teil mit dem limpen habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht kann jemand das nochmal erklären?
      Hier geht man denke ich mal bei dem FZS von keiner grossen raise über limp range aus. Unsere value Hände (sind hier ne Menge) raisen wir da natürlich. Gegen den FZS werden wir auch mit unseren schlechten Händen postflop +EV spielen können und der Preis auf den complete ist ja sehr gut.
      Einer der Regs foldet nur 41% gegen meinen SB-Steal.
      Wie adapten wir dagegen am Besten?

      Hier sollte etwas grundlegendes erstmal klar sein. Gegen zu tighte Gegner machen wir Geld durch unsere steals, die häufiger durchgehen. DH unsere schwachen Hände machen mehr Geld als normalerweise. Wenn jemand zu loose ist, bekommen wir mehr value für unsere starken Hände.
      Die Adaption gegen zweiteren, vorallem wenn es ein reg ist, der postflop solide ist, ist also tighter zu openen.
      Mit welcher Range raisen wir ihn?
      Das genau zu sagen ist kaum möglich. Dazu spielen zu viele Faktoren vorallem postflop eine Rolle.
      Mit welcher Range limpen wir vllt. auch nur (bestimmt in vielen Situationen vertretbar und immer noch besser als ein Fold)
      Gegen einen guten aggressiven reg würde ich ehrlich gesagt keine limping range haben. Kann sich aber bei verschiedenen Eigenschaften der regs auch ändern. ZB wenn er sehr viel 3bettet kann man über eine grössere limp/calling range nachdenken. Diese range wären dann die Hände die man nicht r/f will, aber auch nicht open folden. Viel limp/folden würde ich ungern
      Hoffe ich hab keine Frage übersehen-
      Gruss DasWodka