PreFlop Entscheidungsffindung

    • 42Tommy1989
      42Tommy1989
      Bronze
      Dabei seit: 09.05.2015 Beiträge: 27
      Hallo,
      bisher habe ich PreFlop nach Starting Hands Charts gespielt. Nun Möchte ich nach Equity spielen.
      angenommen ich spiele an einem 6max Tisch, ich sitze im CO und kenne die Ranges aller Spieler für jede PreFlop Situation. Jetzt folgendes Beispiel:

      MP2: limp
      Mp3: limp
      CO: ???

      Ich weiß das meine Hand die Range der Limper schlägt, weil diese eine sehr loose Range haben. Nun stellt sich die Frage wie ich die Spieler nach mir in meine Kalkulation mit einbeziehe. Je nachdem ob es loose Spieler sind oder TAGs sollte das meine Entscheidungsfindung beeinflussen.
      Wie kann ich mit Reads auf alle Spieler den EV in einer solchen Situation berechnen? ORC und Starting Hands Charts könnten ja im Fall looser Gegner zu tight sein.

      Grüße,

      Tom
  • 2 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.496
      EV-Berechnungen werden im allgemeinen nur da gemacht, wo man möglichst wenige Parameter hat, die man zum einen gut bestimmen kann und wo es nur noch wenige Möglichkeiten gibt, in die sich das Spiel entwickeln kann. Dafür eignen sich Situationen am River, eingeschränkt am Turn und am Flop nur, wenn es Draws mit ihren Outs geht.

      Preflop kennst du viele Parameter nicht. Du kennst ja die preflop Ranges der Spieler, aber die Hand wird nicht preflop aufhören. Eine Ausnahme wäre eine all-in Situation, die man im FL aber nur mit einem ausgesprochenen Shortstack hat.

      Zum Erwartungswert gehören drei Dinge: Equity, Potgrösse (Pot Odds) und implied Odds. Die Equity gibt dir an, wie gross die Gewinnwahrscheinlichkeit deiner Hand ist, wenn du sie jedesmal zum Showdown bringen könntest. Die Pot Odds geben das Risiko-Gewinnverhältnis einer Imnvestition an, was zur Equity in Relation gesetzt werden kann. Die implied Odds berücksichtigen das Geschehen auf den verbleibenden Streets, die die effektiven Pot Odds verbessern oder verschlechtern können (dann hättest du reverse implied Odds).

      Deine durchschnittliche Equity kannst du ausrechnen. Du kennst die Wahrscheinlichkeit, mit der die verbleibenden Gegner noch mitspielen können auf Grund ihrer preflop Ranges. Wenn sie nicht mitspielen, dann zählt deine Equity gegen die Spieler vor dir, wenn sie mitspielen, dann zählt die Equity gegen alle mitspielenden Gegner. Du erhältst so Fallunterscheidungen mit dazugehörigen Teilequities. Die kannst du entsprechend der Häufigkeit gewichten, mit der die übrigen Spieler noch einsteigen und erhältst so die Durchschnittsequity.

      Für die Potgrösse gilt entsprechendes. Je mehr Leute mitspielen, desto grösser wird der Pot und desto besser werden die Pot Odds. Du bekommst also auch durchschnittliche Pot Odds. Die implied Odds kannst du nicht so leicht bestimmen, da du nicht ausrechnen kannst, was die Gegner nach dem Flop machen. Sie hängen auch von deiner Hand ab, so dass du nicht einfach die Gewinnrate der Gegner heranziehen kannst, um eine Abschätzung zu machen. Nicht zuletzt zählt auch deine Position und deine Fähigkeit, die Position nutzen zu können.

      Ungefähr an dieser Stelle wird der Versuch enden, einen preflop EV berechnen zu wollen.

      Die Frage ist auch, was ist das Ziel? In der Praxis willst du etwas haben, das dir am Tisch innerhalb weniger Sekunden eine Entscheidung ermöglicht und zwar in möglichst vielen Situationen. Interessant sind dabei die Fragen: mit welchen Händen kannst ich raisen, mit welchen mitgehen und welche Hände sollte ich folden?

      Ein Raise verfolgt das Ziel, die übrigen Spieler vom Spiel auszuschliessen und die zwei Gegner vor dir zu isolieren. Das machst du mit jeder Hand, die einen Equityvorteil hat und die in deiner Position gespielt werden kann. Nur einen Equityvorteil gegen die Limper zu haben genügt nicht, weil hinter dir noch Spieler kommen können. Je mehr es davon gibt, desto grösser ist die Gefahr, dass einer von ihnen etwas noch besseres hat bzw. dass sie einsteigen, weil sie gute Pot Odds bekommen. Das sind die Grundsätze, nach denen die Charts Erhöhen gegen Limper aufgebaut sind.

      Diese Charts kann man situationsbedingt anpassen. Sind die Spieler hinter dir tight, dann kannst du sie mit einem Raise zum folden bringen. Davon profitieren offsuit Asse, die sich um so schlechter spielen, je mehr Gegner im Pot sind. Bist du auf CO und ist der BU tight oder ein Rock, dann kannst du statt wie im Chart nur ATo vielleicht auch schon A7o raisen, weil die Gefahr gering ist, dass BU nach einem Raise noch mitspielt und du dir so mit einem Raise die Position erkaufen kannst. Bei tighten Blinds ist es ähnlich. Je tighter die Blinds, desto eher geben sie sie auf. Wenn die Blinds aufgeben, erzeugt das totes Geld im Pot, das den Raise unmittelbar profitabler macht und so einen Risikoausgleich für eine marginale Hand herstellt. Bei einem loosen BU bleibst du besser konservativ, weil du oft keine Position nach dem Flop haben wirst. Ähnliches gilt für kleinere Pockets, die gegen wenige Spieler auf dem Flop oft die beste Hand sind, gegen viele Spieler aber das Set treffen müssen. Hat man eine gute Chancen, die Gegner isolieren zu können, dann kann sich ein teurer Raise rechnen, ist die Chance auf Isolation klein, hält man die Hand lieber billig.

      Für das Mitlimpen gilt, dass du grundsätzlich nur Hände spielen willst, die sehr starke Hände treffen können und die daher gute implied Odds haben. Die implied Odds sind dabei wichtiger als die Equity. A2o oder K7o könnten eine bessere Equity haben als 65s, trotzdem spielst du in so einer Situation 65s viel lieber als A2o oder K7o. A2 oder K7 können keine grossen Pötte gewinnen, weil alle folden, wenn du triffst und sie nicht, und wenn du triffst und die anderen auch, dann bist du schnell in Schwierigkeiten. Mit 65s kannst du viel stärkere Hände treffen, die auch viel besser ausbezahlt werden. Die implied Odds fallen deshalb stärker ins Gewicht als der Equitynachteil, den 65s gegenüber dem Ass vielleicht hat.
    • Sendrafreak
      Sendrafreak
      Bronze
      Dabei seit: 31.05.2011 Beiträge: 2.074
      Original von 42Tommy1989Hallo, bisher habe ich PreFlop nach Starting Hands Charts gespielt. Nun Möchte ich nach Equity spielen.
      Hi Tom,

      zunächst einmal herzlich willkommen im FL-CLub! Immer wieder schön zu sehen, dass es allen Unkenrufen zum Trotz Einsteiger mit FL gibt, die mit der einzig wahren Pokervariante anfangen!

      Zum Fachlichen: Jaja, wenn es so easy wäre, einfach nach Equity spielen, wir berechnen alles und spielen dementsprechend perfekt und fertig!
      Wie Claus-Jürgen wie immer akkurat anmerkt, geht das aber nicht so einfach, da wir ja nicht wissen (auf Dein Beispiel bezogen), wie die Spieler hinter uns agieren, insofern helfen da eher Defaultannahmen (also tatsächlich die Charts) oder, wenn wir tiefer in die Materie eindringen wollen, STATS der Spieler hinter uns - nicht nur der Aspekt "TAG-oder-nicht" spielt eine Rolle, sondern konkrete Statistiken wie der BB-to-Fold-Wert, für den man allerdings - das sei als sehr wichtige Randbemerkung gesagt - eine gewisse Samplesize benötigt (1k oder mehr Hände).