Mathematische Hintergründe für soliden Gameplan

    • Walleeee
      Walleeee
      Silber
      Dabei seit: 30.01.2012 Beiträge: 14
      Hallo zusammen

      ich spiele zurzeit NL10 6-max cashgame ohne stats und habe in letzter zeit versucht mehr über einen soliden Gameplan
      zu lernen. Bis hier hin habe ich sehr inkonsequent gespielt (inkosequent mit openraising ranges/
      3bets/bluff3bets, nur simple mathematik wie potodds etc.verwendet)
      Um in den limits aufzusteigen versuche ich die mathematik des spiels besser zu verstehen und einen soliden
      preflop/postflop gameplan aufzustellen, um zu verstehen wo ich mich mit meiner Range vs Villain befinde.

      Nach einigem Input durch videos sind bei mir ein paar verständnisfragen aufgetreten.

      1. Wie funktioniert das Zusammenspiel von defending frequencies und pot odds?
      Um meine Frage zu verdeutlichen gebe ich ein fiktives, aber häufig auftretendes beispiel.

      Bsp.: Hero openraised UTG 3BB, Villain 3bettet vom Button auf 9BB.

      Zur vereinfachung (auch weil ich mich mit der kompletten mathematik noch nicht auskenne) verzichte ich erstmal auf
      aspekte wie implied odds, equity realisierung etc., um das theoretische problem bezogen auf meine frage klein zu halten.

      Simpel ausgedrückt:

      Um Villains Autoprofit zu verhindern müssen wir in diesem spot mindestens 33% defenden.
      Denn aus Villains sicht:

      1-alpha = bet/(pot+bet) = 9bb/(1,5bb(blinds)+3bb(openraise)+9bb = 67%
      alpha = 33%

      Also müssen wir mit 33% unserer openraising Range durch Call3bet (oder 4bet defenden).

      In diesem Beispiel muss Hero 6BB für einen Pot von 9bb+9bb+1,5bb=19,5bb (3bet+call3bet+blinds)
      => 6bb/19,5bb = 30,8%

      D.h. wir benötigen ~31% equity um profitabel callen zu können (4bets außenvor)

      -Wie konstruiert Hero jetzt seine Range korrekt? Wir wollen natürlich die besten 33% der Hände nehmen, nur wie spielt
      dort die Equity mit rein? Versuchen wir hier eine Average Equity von ~31% (pot odds) mit unserer Range gegen Villains
      3bet Range zu erstellen?

      -Was wäre rein theoretisch wenn Villain nur AA 3betten würde?
      In der Praxis könnten wir hier exploitable overfolden (oder? :D ) aber für mein theorie verständnis tut sich hier ja eine
      Diskrepanz auf zwischen dem was wir tun sollten und was wir nicht tun können.

      Denn an sich müssten wir 33% defenden, aber wir finden keine Kombination von händen die ~31% equity erreicht.

      Habe ich das zusammenspiel von defending frequency und equity richtig verstanden?

      Sodass wir zuerst eine gewisse Anzahl an Händen aufgrund der Mathematik defenden müssen, quasi als notwendige Bedingung.
      (Range von Villain spielt erstmal keine rolle oder? Da es nur um die Preis für den Pot geht?)
      Und dann versuchen mit unserer Average Range die nötige Equity zu erreichen um hier profitabel callen zu können, quasi
      als hinreichende Bedinung?

      Ich hoffe meine Problemstellung ist klar geworden und mir kann geholfen werden, ein gutes verständnis für einen soliden
      gameplan und Ebenso die verwendung dieser mathematischen grundlagen als Analyse Tools (welches ist das beste play (raise/call/fold))
      zu erhalten.

      Falls nicht beantworte ich natürlich gerne rückfragen :)

      Weitere Fragen zu diesem Thema stellen sich mir auch postflop, aber der Einfachheit halber stelle ich die dann später ;)

      Vielen Dank im voraus!
  • 4 Antworten
    • toatreffnix
      toatreffnix
      Bronze
      Dabei seit: 19.10.2007 Beiträge: 657
      Die 33% Defendingrange kommen zu Stande, um keinen autoprofit zu bieten bzw. dem Gegner keinen direkten Ansatz für einen exploit zu liefern egal wie er spielt.
      In dem Moment wo wir gesichert (oder mit einer hohen Wahrscheinlichkeit) wissen, dass er nur AA 3bettet ändert sich im Grunde das Spiel. Seine 3betting Frequenz steht fest. Seine Hand nach einer 3bet steht fest. Er reagiert im ersten Schritt nicht mehr auf unsere openingrange. WIR sind hier diejenigen, für die ein exploit das spieltheoretische Optimum darstellt. Das Spiel hat sich quasi von "Texas Holdem no limit shorthanded" gewandelt zu "Texas Holden no limit shorthanded mit einem bestimmten Spieler, der ausschließlich AA 3bettet".

      Klar ist, dass es neben "nur AA 3betten und wir wissen es" noch "AA only 3betten und wir wissen es nicht" gibt. Wenn wir dann gegen eine GTO range versuchen weiterzuspielen werden wir seinen AA genau so viel Geld geben, wie wenn er noch mehr 3betten würden. Er exploitet sich aber selber (immer angenommen wir spielen selbst immer GTO) dadurch, dass er z.B. KK nicht 3bettet. Warum dass ein exploit ist - da könnte ich mich jetzt ehrlich gesagt nur in vagen Aussagen verlieren wie "er nimmt sich selbst gegen uns die profitablere Situation mit KK zu 3betten". Warum das profitabler ist, das ist im Moment leider nur eine Behauptung, ich lasse das einfach mal stehen und hoffe keinen auf den Deckel zu kriegen ^^.

      Bzgl. dem genaueren Zusammenhang mit der Equity kann ich leider gerade auf die Schnelle nichts sagen, da würde mich selbst aktuell eine Buchempfehlung interessieren, die das wirklich mal streng mathematisch aufzulösen versucht.
    • mnl1337
      mnl1337
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 13.01.2008 Beiträge: 15.462
      siehe oberer post. ergänzend ist zu sagen dass die equity egal ist da wir ja versuchen gegen schlechte hände uns zu protecten. nicht gegen gute. also dass er nicht 48o profitable 3betten kann.
      dass du mehr als 33% defenden musst weisst du aber? villains bluffen hitten ja schon manchmal.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.527
      Gibt zu den Mathehintergründen auch 2-3 gute Bücher, die alles Wesentliche recht gut erklären, zB. Analytical Hold'em. Es gibt noch ein neueres, das noch weiter in die Tiefe geht. Leider fällt mir der Titel nicht mehr. Ist so ein schwarzes mit irgendwas "theoretical sound poker". Ich werd nacher mal nachschauen gehen. Ich habs noch in ner Lade rumliegen. War sehr interessant. Für NL10 dürfte das aber zu fortgeschritten sein.
    • mnl1337
      mnl1337
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 13.01.2008 Beiträge: 15.462
      matthew jandas buch sehr gtoish orientiert