NL2-10: mit Flushdraw auf dem Flop immer reraisen?

    • mazurholdem
      mazurholdem
      Bronze
      Dabei seit: 18.01.2015 Beiträge: 153
      Hallo Freunde!

      Ich versuche gerade, mir die Konzepte in "the theory of poker" von David Slanksy auf modernes NL Holdem umzurechnen. Slansky empfiehlt als Antwort auf einen Semibluff idR einen raise, wenn man selbst auf einem Draw sitzt. Dazu habe ich zur Überprüfung folgende Rechnung angestellt für den Fall, dass ich auf einem Flushdraw sitze und villain auf dem Flop bettet:

      Im Pot sind 100$. Villain raist 2/3=66$.
      Ich will ihn x3 raisen, ergo raise ich 196$.

      Da habe ich pot odds von 166:196=0,85:1. Dh. meine bet macht 54% vom Pot aus.
      Ich habe odds von 4:1 auf meinen Flush bei der nächsten Karte, d.h. in 20% der Fälle gewinne ich das Geld, das im Pot liegt.
      Ich brauchte demnach noch eine Fold Equity bei villain von 34%.
      Die kriege ich ohne weiteres, denn villain muss nach Pot Odds jeden Flush- und Straigtdraw folden und er foldet auf einen reraise ja wahrscheinlich auch sonst alles außer Monster. In den wenigen Fällen, in denen er callt oder reraist, weiß ich mit Sicherheit, dass ich geschlagen bin.
      Sehe ich ich das richtig, oder habe ich hier einen elementaren Denkfehler gemacht? Habe ich insbsondere das mit den Odds und Outs richtig gemacht?

      Zweite Frage: Im Grunde müsste ich hier ja sogar die gesamten 54% Fold Equity bekommen, so dass ich noch nichtmal selbst auf einem draw zu sitzen brauche, sondern einfach bluffen kann. Zumindest in denjenigen Limits, in denen Gegner auf sowas noch nicht achten und mich später damit exploiten könnten - oder im Zoom - würde ein Bluff gegen einen Gegner, den ich auf einen Draw setze, also immer Sinn machen, sehe ich das richtig?

      Dritte Frage: Macht der reraise nicht sogar immer Sinn, wenn villain am Flop vs. 1 bettet? Also nicht nur dann, wenn ich villain auf einen Bluff oder Semibluff setze und/oder wenn ich selbst einen Draw halte, sondern auch wenn ich gar keine Ahnung habe, was villain hat und nur die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Monster gefloppt hat, nicht ungewöhnlich hoch ist?

      Liebe Grüße
      mazur
  • 1 Antwort
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.622
      Du meinst, Villain c-betten den Flop und du willst ihn mit einem Draw raisen oder hast du die C-Bet gemacht, Villain geraist und du willst ihn jetzt nochmal raisen (aka 3betten)? Und es geht um 100b Stacks? Da hast du glaub ich was durcheinandergebracht.

      Für die Raisesize gegen ne C-Bet reicht um die 55-60% potsize. Nicht größer raisen als unbedingt sein muss. Nutflushdraws würd ich flatten, damit die Callingrange ein bisschen aufgemotzt wird und schwerer zu lesen/spielen ist.

      Wenn du zu oft attackierst, wird Villain beginnen sich zu wehren. Dadurch spielt er mehr oder weniger automatisch besser. Das Leak, dass du mit loosen Raises exploiten willst, verschwindet. Du willst aber, dass Villain möglichst lange nicht merkt, wo du ihn aufmachst. Deshalb nicht übertreiben. Außerdem bist du selber offen für Gegenangriffe, wenn du immer Müll oder Müll und starke Valuehände raist. Dann kann er dich jedesmal aus dem Pott drücken, wenn du anstatt zu raisen, nur callst. Villains Exploit gegen deine schwache Callingrange lautet ganz simpel bet-bet-bet. Gegen deine polarisierte Raisingrange kann er erstmal nicht so viel machen, bis er weiß wie blufflastig du das machst. Dann kann er entweder light runtercallen u/o light drübergehen. Muss man halt schauen wie die Sizes sind, also ob sich ein Allin noch sinnvoll ausgeht. Soviel zum theoretischen Teil. Da du am Matheüben bist, kannst du selber rechnen und tüfteln. Was du aber zu vernachlässigen scheinst, ist, dass du Microlimits spielst. Wenn da einer seinen Flushdraw raist und du 3bettest, foldet der seinen Draw wahrscheinlich nicht so oft, wie du glaubst. Allzu dünn solltest du da also nicht 3betten. Kommt aber immer individuell auf den Gegner an. Was auf den Limits auch oft vorkommt, ist, dass Villain mit guten Toppairs einfach broke geht. Wenn du ihn toppair- oder overpairheavy siehst, bluffe ihn nicht. Deine Line kann stark aussehen, aber Villain hat Toppair, das foldet er nicht gerne. Du musst bei denen Rechnungen auch die limitspezifischen Aspekte berücksichtigen. Du kannst den geilsten und besten Bluff aller Zeiten spielen. Wenn Villain nicht juckt, was du representierst, callt der dich runter und du ärgerst dich über die Dummheit des Gegners, obwohl du in dem Fall der dumme bist.