Wechsel von durchsichtigen Lines

    • Feano
      Feano
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2006 Beiträge: 406
      Hab mir ein paar Gedanken gemacht über meine Lines und wann ich welche anwende. Ich weiß nicht obs was neues ist, wüsste aber trotzdem gerne, was ihr dazu denkt.

      Voraussetzungen bei Folgendem:

      • Gegner TAG der mich und meine Lines studiert.

      • Ich halte eine Hand, die sehr stark ist, mein einziges Ziel ist, soviel aus ihm rauszuquetchen wie möglich

      • Ich habe zwei vernünftige Lines zur Auswahl.

      • Line 1 ist Valuemäßig Line 2 überlegen, allerdings spiele ich damit eher Monster

      • Line 2 ist Valuemäßig Line 1 unterlegen, mit ihr spiele ich normalerweise normalstarke Hände.

      • Villain hat mich Line 2 mit normalstarken Händen machen sehen, hat aber Line 1 noch nicht gesehen.



      Frage ist, wie ich meine Hand spiele. Meine These:

      • Das Erste mal, wenn ich eine solche Hand gegen ihn spiele, spiele ich Line 1. Villain kann meine Line nicht zuordnen (siehe letzte Voraussetzung)

      • Das Zweite mal spiele ich Line 2. Er weiß wie ich meine starken Hände spiele und wird wahrscheinlich eher folden, wenn ich Line 1 spiele.

      • Das dritte mal weiß Villain dann, dass ich meine Lines varieeren kann. Deshalb muss ich wohl beide Lines bei beiden Arten von Händen anwenden (Monster und normale Hände). Es stellt sich die Frage nach dem optimalen Mischverhältnis. Wahrscheinlich öfter die jeweils optimale Line spielen.
        D.h. z.b. 75% Line 1 zu 25% Line 2 mit Monstern und umgekehrt mit normalen Händen.
        Hat sich hier schon mal jemand Gedanken über die Ideale Mischung gemacht? Kommt wohl auf viele Faktoren an, wie oft ich welche Hand kriege, usw. Wahrscheinlich nicht einfach, aber Faustregeln kanns ja vielleicht geben.


      Was beim zweiten Punkt noch schwammig ist: Meine Begründung "wird wahrscheinlich eher folden".


      Mathematischer (aber wohl auch nicht anwendbar in der Praxis):

      Vereinfachte Annahmen:
      • Wir gehen davon aus, die Hand zu 100% zu gewinnen.
      • Die Foldequities beider Lines sind gleich, wenn Gegner nicht weiß, welche Hände sich dahinter verstecken. D.h. Pfold1=Pfold2


      Value1 bezeichnet den Value, den Line 1 bring wenns zum SD geht
      Value2 den von Line 2

      Value1>Value2

      Durch den Fakt, dass Villain jetzt hinter Line 1 ein Monster vermutet, lässt Pfold1 ansteigen:

      Pfoldneu1:= Pfold1 + F
      F>0

      Größeres Pfold (== größere Foldequity) ist hier schlecht, da wir ja die Hand zu 100% gewinnen.


      Der EV der zwei Lines berechnet sich wie folgt:

      EV(Line1)= Value1*(1-Pfoldneu1) + 0*Pfoldneu1=
      Value1(1-Pfold1) - Value1*F

      EV(Line2)= Value2*(1-Pfold2)= Value2*(1-Pfold1)

      Setzen wir EV(Line1)=EV(Line2) ergibt sich:

      F= (Value1 - Value2)*(1-Pfold1) / Value1

      Das ist die Schwelle für die zusätzliche Foldequity F.
      Ist F tatsächlich größer, sollte man zu Line 2 wechseln. Ist F kleiner als der Schwellwert, sollte man bei Line 1 bleiben.
  • 4 Antworten
    • SiggiMundorf
      SiggiMundorf
      Global
      Dabei seit: 14.01.2007 Beiträge: 637
      wenn du nicht 1tabling amchst oder auf 100/200 spielst ist das glaub ich relativ irrelevant
      ich z.B. weiß nicht was mein gegner für ne line mit der letzten hand gespielt hat, weil ich 6 SH tische spiele
      und da dein gegner ein TAG ist, wird er auch multitabling betreiben

      so tricksereien sind wohl eher was für die dicken limits
    • tooHigh
      tooHigh
      Bronze
      Dabei seit: 29.01.2007 Beiträge: 532
      Seh ich ähnlich. Ich mach mir zwar schon über seine Range etc. Gedanken, aber wenn er jetzt keine ganz komischen Moves macht, merk ich mir jetzt nicht wie er jede einzelne Hand spielt. Und genug Deception solltest du eigentlich sowieso haben, da du z.B. nen starken Draw genau so spielst wie ein Monster und ein thinking TAG dich auf nem drawheavy Board evtl. sogar mit A high runtercallt.

      Ab und zu variier ich zwar ganz gerne mal ne Hand gegen TAGs, aber ich denke so min. 90% der Hände solltest du schon so spielen, dass du maximalen EV rausholst. Vor allem mit Monstern würde ich keine komischen Moves wie nen c/r oder so probieren, da bleibt imo zuviel Value auf der Strecke.
    • Feano
      Feano
      Bronze
      Dabei seit: 25.05.2006 Beiträge: 406
      Ihr habt recht, je niedriger das Limit, desto weniger wichtig ist das oben geschriebene.
      Auch das zweite Argument stimmt, dass der TAG ja sowieso Draws und Monster gleich spielt.

      Ich hab mir mal ein Beispiel für meinen Post überlegt. Gar nicht so leicht, was zu konstruieren, was halbwegs Sinn macht :)

      • Wir sind hu oop, Gegner hat ini.
      • Board ist drawless QQ5
      • Wir setzen Villain auf 77-JJ.
      • Wir halten Q8o.
      • Villain lässt sich nicht so leicht aus einer Hand bluffen


      Line1: Jetzt würde ich standardmäßig call flop/raise turn spielen. Villain wird mich nach meinem Turnraise downcallen.

      Villain merkt sich, dass ich meine Trips in dieser Situation erst am Turn raise. Deshalb Raise ich sie nächstes mal am Flop, um einen Calldown zu induzieren. Allerdings gibts durch diese Line 1SB weniger am SD.

      Wobei in Wirklichkeit wohl eher die zweite Line empfehlenswert ist, da wir die Range nicht so genau einschätzen können und uns damit evtl. noch gute Ahighs downcallen. Außerdem könnte Villain mit seinem Underpair den Flop 3-betten, was natürlich super wäre für uns :)
    • schiep
      schiep
      Black
      Dabei seit: 11.04.2006 Beiträge: 13.601
      Das Problem ist, dass die TAG Raise Flop, Call 3-Bet, Raise Turn so offensichtlich ist, dass ein TAG hier wiederum zu oft einen leichten Ausstieg hat. Um das auszugleichen, müsste man die Line auch mit einem Bluff spielen.
      Desweiteren kennen viele TAGs diese Line bereits und folden dann auch mal Ace high bzw. 3-Betten kein Underpair mehr in der Situation am Flop, sondern callen einfach nur noch down => weniger Value.

      Starke made hands am Flop und mittlere oder Draws erst am Turn zu raisen - so einfach ist es dann doch nicht :P .
      Das eigene Spiel darf nicht transparent sein. Es darf demnach einfach keine Line geben, die man normalerweise nur mit Monstern oder nur mit marginalen Händen spielt. Entweder man bleibt halt bei Call Flop, Raise Turn oder - was auf höheren Limits zum Einsatz kommt - man mischt sie mit Flopraises.

      Diese "Valueline" Raise/Call Flop, Raise Turn oder Bet/Call, Bet/3-Bet spielt man daher auch nicht gegen gute TAGs (wenn man sie nicht mit (Semi)bluffs gebalanced hat), sondern eher gegen schwache Spieler.