Nach fast 2 Jahren mein erster Thread hier

    • atuerke
      atuerke
      Bronze
      Dabei seit: 06.04.2005 Beiträge: 4.695
      Tja... jeder landet anscheinend einmal hier. Wie viele in meinen Coachings mitbekommen haben erreignete mich Ende Juli nen richtig dicker Down. Insgesamt 30 Stacks verteilt auf NL600, NL400 und NL200. Insgesamt gings dabei 9k$ down und das innerhalb von 3 Tagen. Das war nicht mein erster dicker Downswing auch davor hatte es mich schon 2 mal mit 20+ Stacks erwischt.

      Jedenfalls scheine ich aus keinem davon irgendwas gelernt zu haben. Es verlief nämlich immer nach dem gleichen Prinzip. Wenn ich mal down bin, dann bin ich auch richtig "stuck". Also riesige Marathonsessions mit jeder Menge Tilt. Das kann natürlich nicht gut enden. Aber sowas gabs regelmäßig bei mir.
      Trotzdem lief es meist auch ganz gut und ich hatte in meiner bisherigen Pokerkarriere noch nicht einen losing Month. Selbst den Juli konnte ich trotz des Downs noch mit +7,5K$ abschließen.
      Aber eines ist von diesem Down leider geblieben: Der Tilt. Es ist einfach unglaublich. Ich habe zur Zeit so ein dünnes Fell. Ein Beat und schon gehts los...
      Jedenfalls dachte ich dann Mitte August endlich da raus zu sein. Zu dem Zeitpunkt habe ich nur noch Headsup auf FTP gespielt und es lief extrem gut.
      Bis heute...
      Ich werde jetzt hier keine Hände posten, denn jeder weiss ja wie solche Suckouts aussehen.

      Es fing also damit an, dass ich sehr schnell 7 Stacks down bin auf NL200 Headsup auf FTP. An sich eine Sache, die durchaus oft vorkommt im Headsup. Verkraften konnte ich es wohl nur nicht, da ich gegen totale Vollfische verloren habe. Also wirklich Spieler, die ich normalerweise mit 15+PTBB/100 schlagen sollte.
      Weiter gings auf Party: Nl200 SH. Innerhalb von einigen Händen auch gleich flockige 3,5 Stacks down.
      Tja, ich hätte dann wahrscheinlich auch direkt den ganzen Tag durchgezockt, wenn ich nicht zwischendurch mit den Hunden rausgehen würde. Normalerweise beruhigt mich sowas dann auch und ich spiele danach gut weiter. Heute war dem nicht so...
      Weiter gings: Diesmal FL 5/10 (Ich hab schon total lange kein FL mehr gespielt und hab auch schön den Maniac mit 32/26 Stats raushängen lassen, also wohl definitiv nicht +EV)
      Glücklicherweise kam ich aus der Sache nach 2,2k Händen breakeven raus.
      Naja und was macht man dann, wenn man schon mal so richtig auf Tilt ist? Na klar, weiterspielen:
      NL100 Omaha auf FTP. 500 Hände später und 700$ ärmer bin ich dann hier im Forum gelandet.

      Ich weiss echt nicht wie es weitergehen soll. Sobald ich die kleinsten Beats bekomme, fange ich an zu tilten. Pausen habe ich auch schon eingelegt. Erfolgslos...
      Spieltheoretisch bin ich sicherlich in der Lage NL400+ zu schlagen, aber psychologisch wohl keinesfalls.
      Damit hatte ich mich eigentlich auch schon abgefunden und hatte deshalb auch nicht mehr vor aufzusteigen. Mit dem grinden von NL200 lies sich auch sehr schön ne hourly von über 100$ erreichen. Jedenfalls vor meinem 9k$ down, als ich noch tiltfreier war.
      Davor hatte ich übrigens auf 80k Hände NL200 ne Winrate von 6PTBB/100.
      Doch momentan bin ich allemal Breakevenspieler.

      Dies möchte ich möglichst wieder ändern, da ich momentan als Student von meinem Pokereinkommen lebe. Es ist allerdings nicht so, dass ich jetzt bedrohlich wenig Geld hätte - Rücklagen für mindestens 3 Jahre sind da, aber die würde ich nur ungern aufbrauchen.


      Jedenfalls bin ich dann heute 2,6k$ down insgesamt und habe wieder tiltig ne Marathonsession über alle Spielarten von bestimmt 5k Händen eingelegt. (Ok, mit 2 Pausen dazwischen)
      Wie schaffe ich das nur abzustellen? Sobald ich nen Pokertisch sehe fange ich an zu tilten....

      Das macht einen irgendwie schon fertig :(
  • 37 Antworten
    • Ulek
      Ulek
      Black
      Dabei seit: 01.02.2006 Beiträge: 3.682
      Du bist Coach, also geh ich mal davon aus dass du weißt wie das läuft mit der Varianz. Das Problem bei dir ist glaub ich dass du mit extremer Varianz im Fall eines Downswings leben musst. Hab mal einige Coachings von dir gehört, du bist ja eher LAG, was an sich schonmal die Varianz vergrößert. In nem Downswing tendiert der Mensch (auch wenn er emotionslos spielt) zu varianzreicherem Spiel (in diesemArtikel aus dem 2+2 Magazine nachzulesen). Und bei dir kommen, wie du selbst sagst, die Emotionen dazu. Wir haben hier also mehrer Faktoren, die sich teilweise gegenseitig hochschaukeln.
      Die üblichen Methoden (Pause machen, Ausgleich schaffen, mit den Hunden raus) scheinen ja nicht mehr zu helfen. Wenn du also den Tilt nicht unterdrücken kannst, solltest du wenigstens versuchen, dieses hochschaukeln zu verhindern, um ihn so gering wie möglich zu halten und billig durchzukommen. Am besten wäre es, wenn dir gar nicht mehr bewusst wärst, im Downswing zu sein. Ich würd dir also empfehlen, nicht mehr nach jedem Beat auf den Kontostand zu schauen, und dir keine Graphen von den Losing Sessions anzuschauen.

      Hoffe das hilft dir, so psychologische Tipps sind halt immer sehr individuell, manchen hilfts, anderen nicht.

      Hab übrigens letzten Monat keinen Down gehabt und trotzdem weniger als 7k gemacht ;)
    • -=Diablo666=-
      -=Diablo666=-
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2005 Beiträge: 3.290
      geht mir leider auch oft so :( ich bin auch daran am arbeiten. ich denke der erste und wichtigste schritt ist selbst zu merken wann man tilted. ich arbeite gerade daran zu merken wann ich tilte und sich dadurch mein spiel verschlechtert. ich versuche dann sofort aufzuhören, sofort schaff ichs dann zwar noch nicht, aber nach 15min tilt hab ichs schonmal geschafft und so geld gespart. hoffe du kommst da klar! GL!
    • skedar
      skedar
      Bronze
      Dabei seit: 16.07.2006 Beiträge: 11.100
      Original von Ulek
      Hab übrigens letzten Monat keinen Down gehabt und trotzdem weniger als 7k gemacht ;)
      da muss ich dich als platin member doch glatt als low roller beschimpfen!


      und sowas bei cap any two :rolleyes:
    • Quentin73
      Quentin73
      Bronze
      Dabei seit: 23.09.2005 Beiträge: 17.162
      Je höher man in den Limits steigt, desto wichtiger wird die psychische Komponente bei dem Spiel, hab ich das Gefühl.

      In BB zu denken, statt in Dollar fällt einem deutlich schwerer wenn man in ner Session mal eben so mehrere K umsetzt.

      In Marathonsessions, gerade auf den Middle/High Stakes kann das ganz schnell, sehr teuer werden und am Ende einer solchen Session geht’s einem dann noch viel beschissener, wenn man sieht, wie viel Kohle man versenkt hat.

      Die Zeiten der Marathonsessions um BE zu kommen, sowie Tilt in dem Maße gibt, wie du ihn beschreibst, liegen definitiv hinter mir, bzw. waren nie so ausgeprägt wie bei dir und bei anderen.

      Allerdings scheinst du mit dem Problem nicht allein zu sein, wie ich in letzter Zeit immer öfter mitbekomme.

      Es scheint darüber auch Literatur zu geben. Welche Bücher das sind weiss ich aber jetzt nicht genau.

      Wir wissen doch eigentlich alle, dass es wirklich eine große Session ist, oder nicht?

      Auf der einen Seite versuchen wir jede, auch nur die kleinste Edge, auszunutzen und alles analytisch zu betrachten und andererseits reicht ein Suckout um uns auf Tilt zu bringen?
      Das kann es doch nicht sein, Leute!

      Da ich tagsüber arbeiten gehe und eh nur begrenzt Zeit hab zum zocken, muss ich mich quasi nicht dazu zwingen ne Session zu beenden, ich werde eh müde.
      Marathonsessions kanns höchstens mal am Wochenende geben, wenn ich die dicken Fishe Nachts ausnehme.
      Sobald ich 4 Stacks hinten bin ist eh Ende im Gelände.

      Ferner rate ich dir speziell, da du mit den Swings nicht klarzukommen scheinst, etwas tighter zu werden.
      Tight is always right, zumindest auf NL400 noch. Wie es drüber aussieht weiss ich nicht.
    • Sh1LLa
      Sh1LLa
      Bronze
      Dabei seit: 14.08.2006 Beiträge: 7.591
      hat jemand ace on the river gelesen? wo du grad von büchern über psychologie redest, soll ja angeblich nicht schlecht sein ;)

      @ atuerke, ich hab das gleiche problem. heute z.b. in der privatrunde NL2/5 und NL1/2 spielen gewesen, 500€ verdonkt. ich kann einfach superschlecht live spielen, 10 hände/stunde und pausenlos vollidiotengelaber is einfahc irgendwie zu viel für mich :(
      komme um 8 uhr morgens nach hause und was mache ich? koch mir n kaffee und ab auf party. zum glück tilte ich nimmer so krass rum, ich sag mal was mir meiner meinung nach dabei geholfen hat.

      1. nicht auf die $ balance guckn (echt wichtig!)
      2. tischanzahl reduzieren. spiele atm 4 statt 6.
      3. länger über hände nachdenken. intensiver nachdenken.
      4. marginale hände eher mal folden. ich ertappe mich immer gerne bei total absurden call(-down)s, also wenn ich stuck bin, dann bluffen mich die leute auf einmal immer total häufig. denke ich zumindest :(

      dummerweise habe ich das mit den marathonsessions nicht wirklich im griff, denn ich bin jetzt halt auch schon > 24h auf den beinen und anstelle von ins bett gehn um 8 uhr morgens muss ich natürlich noch 3 stunden zocken, naja, dummerweise gehen diese sessions in der regel gut aus bei mir und daher werd ich's wohl nicht so schnell lernen.

      hoffe meine ratschläge helfen ein bisschen und viel glück beim überwinden des DS. hab jetzt auch etwa nen monat down/be gespielt, suckt irgendwie :(
    • Nichtschwimmer
      Nichtschwimmer
      Black
      Dabei seit: 19.02.2007 Beiträge: 6.974
      Ich hab meinen 25 Stacks down glücklicherweise hinter mit. Was mit sehr geholfen hat: Leise vor mich hinreden, warum ich das oder jenes mache - als ob ich coachen würde. Dadurch hinterfragt man seine Entscheidungen besser.
    • atuerke
      atuerke
      Bronze
      Dabei seit: 06.04.2005 Beiträge: 4.695
      Ich finde diese Varianzdiskussion bzgl LAG/TAG immer recht interessant, da jeder dort irgendwie andere Argumente hat.
      Letztlich ist es doch aber eher so: Wer viel in reraised Pots spielt, der hat ne sehr großte Varianz. Aber nur, weil jemand 26/21 Stats hat heißt das ja noch nicht, dass er öfter in nem reraised Pot spielt, als jemand, der 19/15 hat. Die Stats geben darüber doch gar keine Aussage.
      Desweiteren bin ich übrigens gar nicht so loose wie viele denken. Meine Stats sind so im 24/21 Bereich, was also durchaus noch tight aggressive ist.
      Und damit konnte ich früher NL200 sehr deutlich schlagen.



      Zu Ace on the River:
      Ich hab das Buch sogar und vor ner Weile auch gelesen, war recht interessant und schön zu lesen, aber ich muss sagen für mein Spiel bzw. dem Umgang mit Tilt hat es mir absolut nichts gebracht.


      Ich habe mir jetzt übrigens folgendes überlegt:
      Da ich in meinen normalen Sessions stark zu Tilt neige, werde ich ab jetzt einfach von jeder Session ein Video machen. Sammy wird sich freuen, da ich ohnehin ab und zu Videos für PS.de produziere ;)
      Ich denke so kann ich das jetzt erstmal ganz gut in den Griff kriegen. Der Nachteil dabei ist halt, dass ich so sehr viel weniger Hände spiele.
    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      Also, ich würde Dir auf jeden Fall Mentaltraining empfehlen, da ich das früher regelmäßig gemacht habe und auch jetzt noch ab und zu. Es ist meines Erachtens nach die effektivste Methode, um auf die eigene Stimmung und Wahrnehmung einzuwirken. Da gibt es viele Übungen - z.B. versuchen, Gedankenleere im Kopf zu erzeugen und diesen Zustand so lange wie möglich halten. Oder einen bestimmten Gedanken festhalten und jeden anderen Gedanken abzuweisen. Auch wenn das am Anfang sehr schwierig ist, so lernt man doch sehr schnell dazu und es bringt wirklich viel.

      Und was mir unmittelbar am Tisch in solchen Situationen hilft, ist folgendes: ich überlege mir schon vorher, wie mein Plan für die Hand ist. Z.B. "okay, ich hab jetzt QJ auf nem JT3 board, mein Gegner würde mich in dieser situation sicher nicht bluff raisen, also werde ich auf einen reraise folden". Das klingt jetzt vielleicht etwas simpel, aber das ist ja genau das Problem beim Tilten. Man knallt unüberlegt ne Contibet rein - was ja auch richtig ist -, der Gegner raist und man denkt "der muss doch nen draw haben" und kann sich nichtmehr zurückhalten, irgendne blöde aktion zu machen.
    • jackoneill
      jackoneill
      Bronze
      Dabei seit: 13.08.2006 Beiträge: 2.480
      Also ich finde die Definition von Tilt in dem Artikel wirklich gut.

      Sie beinhaltet naemlich auch einen Effekt, den man sehr gerne uebersieht, den ich aber bei mir selbst sehr oft beobachte wenn ich meine Sessions im Nachhinein analysiere:

      Waehrend einem Downswing tendiere ich manchmal dazu, Haende zu folden die ich normalerweise gecallt haette - halb aus Angst noch mehr zu verlieren, halb weil ich mir ploetzlich nicht mehr sicher bin ob ich vorn liege.

      Tilt muss also nicht bedeuten dass man anfaengt sinnlos wie ein Maniac zu bluffen und seine Haende overplayed - es kann genausogut heissen dass man aengstlich und damit weak wird. Wenn sich z.B. ploetzlich und wie von Geisterhand der Total AF in PokerTracker von 3.4 auf 2.6 aendert und man sich nicht erklaeren kann wieso.

      Nach meinem letzten harten Downswing hatte ich beschlossen in jeder Session immer exakt 1000 Haende zu spielen, niemals mehr, niemals weniger - egal wie die $-BR gerade ist. Allerdings funktioniert das auch nicht wirklich, wenn ich nach 200 Haenden schon 3 Stacks down bin funktioniert danach bei mir gar nichts mehr.

      Ich muss das vielleicht auch mal probieren mit dem laut vor mich hinreden oder mir vorher ueberlegen was mein Plan fuer die Hand ist.

      Erstmal mache ich jetzt aber mal 'ne Woche komplett Pause und beschaeftige mich nur mit Theorie.

      Gruss,
      Jack
    • Nichtschwimmer
      Nichtschwimmer
      Black
      Dabei seit: 19.02.2007 Beiträge: 6.974
      Original von Merlinius
      Also, ich würde Dir auf jeden Fall Mentaltraining empfehlen, da ich das früher regelmäßig gemacht habe und auch jetzt noch ab und zu. Es ist meines Erachtens nach die effektivste Methode, um auf die eigene Stimmung und Wahrnehmung einzuwirken. Da gibt es viele Übungen - z.B. versuchen, Gedankenleere im Kopf zu erzeugen und diesen Zustand so lange wie möglich halten. Oder einen bestimmten Gedanken festhalten und jeden anderen Gedanken abzuweisen. Auch wenn das am Anfang sehr schwierig ist, so lernt man doch sehr schnell dazu und es bringt wirklich viel.

      Und was mir unmittelbar am Tisch in solchen Situationen hilft, ist folgendes: ich überlege mir schon vorher, wie mein Plan für die Hand ist. Z.B. "okay, ich hab jetzt QJ auf nem JT3 board, mein Gegner würde mich in dieser situation sicher nicht bluff raisen, also werde ich auf einen reraise folden". Das klingt jetzt vielleicht etwas simpel, aber das ist ja genau das Problem beim Tilten. Man knallt unüberlegt ne Contibet rein - was ja auch richtig ist -, der Gegner raist und man denkt "der muss doch nen draw haben" und kann sich nichtmehr zurückhalten, irgendne blöde aktion zu machen.
      Könntest du auf das Mentaltraining ein wenig näher eingehen und ein paar Tipps geben, wie du das gelernt hast, was du empfehlen kannst etc.? Würde mich sehr interessieren. Danke :)

      Vorausplanen der Hände halte ich auch für sehr wichtig und ist auch Teil meines "zuhörerlosen Coachings", das ich mir fürs Spielen angewöhnt habe.
    • Kreatief
      Kreatief
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2006 Beiträge: 13.896
      Schnibbi ist/war ja der Tiltkönig.

      Damals hatte er nach Leuten gesucht, die ihn ständig beobachten wenn er spielt, so dass er keine Session alleine spielt. Ich war einer der auserwählten und habe es wohl am längsten durchgehalten.

      Zumindest konnten wir seinen Tilt stark eindämmen. Ich habe nie viel zu den Händen gesagt, da ich diese eh nicht bewerten kann. Ab und zu mal eine Frage zu einer konkreten Spielweise, damit er konzentriert erklären muss und sich beobachtet fühlt.

      Gerade im HU habe ich immer wieder auf ihn eingeredet, dass er Geduld haben muss. Und es hat gut geholfen.

      Wie es heute um ihn steht weiss ich nicht, da er momentan viel unterwegs ist.

      Ich denke, dass sowas am meisten hilft. Das ganze ist eine Symbiose. Der Zuhörer lernt von deinem Spiel und du verlernst das Tilten. Dabei geht es nicht darum, dass du nur noch vier Tische spielst und jede Hand wie im Coaching erklärst, sondern ganz gewohnt deine Tischanzahl beibhälst und gar nicht viel zu den Spielweisen sagst, nur ab und zu mal eine konkrete Frage beanworten (gerade wenn eine Hand nach Tilt aussieht, wird schon mal nachgefragt).

      Das Ding dabei ist, dass du das Tilten verlernst, es dir abgewöhnst. Du kommst in einen psychologischen Trott, der ständig überwacht wird.
    • draghkar
      draghkar
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2006 Beiträge: 12.432
      Original von Nichtschwimmer
      Original von Merlinius
      Also, ich würde Dir auf jeden Fall Mentaltraining empfehlen, da ich das früher regelmäßig gemacht habe und auch jetzt noch ab und zu. Es ist meines Erachtens nach die effektivste Methode, um auf die eigene Stimmung und Wahrnehmung einzuwirken. Da gibt es viele Übungen - z.B. versuchen, Gedankenleere im Kopf zu erzeugen und diesen Zustand so lange wie möglich halten. Oder einen bestimmten Gedanken festhalten und jeden anderen Gedanken abzuweisen. Auch wenn das am Anfang sehr schwierig ist, so lernt man doch sehr schnell dazu und es bringt wirklich viel.

      Und was mir unmittelbar am Tisch in solchen Situationen hilft, ist folgendes: ich überlege mir schon vorher, wie mein Plan für die Hand ist. Z.B. "okay, ich hab jetzt QJ auf nem JT3 board, mein Gegner würde mich in dieser situation sicher nicht bluff raisen, also werde ich auf einen reraise folden". Das klingt jetzt vielleicht etwas simpel, aber das ist ja genau das Problem beim Tilten. Man knallt unüberlegt ne Contibet rein - was ja auch richtig ist -, der Gegner raist und man denkt "der muss doch nen draw haben" und kann sich nichtmehr zurückhalten, irgendne blöde aktion zu machen.
      Könntest du auf das Mentaltraining ein wenig näher eingehen und ein paar Tipps geben, wie du das gelernt hast, was du empfehlen kannst etc.? Würde mich sehr interessieren. Danke :)

      Vorausplanen der Hände halte ich auch für sehr wichtig und ist auch Teil meines "zuhörerlosen Coachings", das ich mir fürs Spielen angewöhnt habe.
      das gleiche wollte ich auch gerade schreiben. stimme quentin zu, dass der psychologische effekt immer stärker an bedeutung gewinnt und habe selbst auch enorme probleme damit (nicht unbedingt nur aufs pokern bezogen)

      Würde mich auch freuen mehr darüber erfahren zu können
    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      Also, ich hab vor ein paar Jahren mal ein Buch gehabt, ich weiß nicht mehr welches, und da waren drei Übungen drin, nach Schwierigkeitsgrad sortiert:

      1. Übung: man setzt sich oder legt sich hin, schließt die Augen und lässt seine Gedanken einfach schweifen. Allerdings versucht man den Gedankengang mitzuverfolgen. Nach fünf Minuten beendet man dies und versucht genau zu rekapitulieren, welche Gedanken man hatte und wie man von dem einen auf den anderen gekommen ist. Das liest sich jetzt sehr simpel, ist es aber nicht, wenn man es mal ausprobiert.

      Für die 2. und 3. Übung nimmt man am besten eine Schnur mit 10-20 Kugeln oder einen Rechenschieber oder halt irgendein Objekt, wo man irgendetwas weiterschieben kann, um mitzuzählen ohne die Zahlen im Kopf zu halten. Eine Schnur, in die man 20 Knoten macht, tut es auch.

      2. Übung: man wählt einen Gedanken und versucht, diesen festzuhalten. Also, ich denke zum Beispiel an einen Brunnen oder so und versuche, nur diesen einen Gedanken vor meinem inneren Auge zu halten. Sobald ein anderer Gedanke kommt, weise ich ihn ab und schiebe eine Kugel oder einen Knoten weiter, um meine Fehler zu zählen und hinterher festzustellen, ob ich besser geworden bin. Das kann man natürlich auch auslassen, aber es hilft auf jeden Fall, während der Übung konzentriert zu bleiben.

      3. Übung: man versucht, an nichts zu denken. Dies ist sehr schwierig, da eigentlich ständig Gedanken in den Kopf schießen. Man hält es anfangs maximal für 5-6 Sekunden durch, wenn man ungeübt ist. Ich hab es immer so gemacht, dass ich meine Aufmerksamkeit auf meine Atmung gelenkt habe und jeden Atemzug dazu genutzt habe, mich daran zu erinnern, alle Gedanken zu verwerfen. Das Problem ist nämlich, dass man ständig "vergisst", dass man gerade die Übung macht und auf einmal fällt einem auf, dass man schon seit 3 Minuten an irgendeine Sache denkt. Hier kann man auch seine Fehler mitzählen wie bei der 2. Übung.

      Meine Erfahrung dabei war folgende: am Anfang wundert man sich, wie schwer die Übungen sind. Man merkt dadurch erst einmal, wie wenig man seine Gedanken unter Kontrolle hat. Es ist, als führt das Bewusstsein ein Eigenleben. Vor allem bei der 3. Übung hat man das Gefühl, kaum Fortschritte zu machen. Allerdings ist dies nur der subjektive erste Eindruck, da man schon ziemlich bald feststellen kann, dass man sich sehr wohl verbessert hat und seine Gedanken besser kontrollieren kann. Die Übungen sind natürlich nur Mittel zum Zweck. Auch wenn man vielleicht nur 4-5 Sekunden länger einen Gedanken halten kann, ist dies für die Konzentrationsfähigkeit im Alltag (am Pokertisch) schon ein großer Fortschritt.

      Allerdings eine Warnung: die meisten kennen die Situation, dass man sich vornimmt, eine Diät zu machen oder mal öfter joggen zu gehen, und schon nach 2 Tagen wieder aufgibt, weil der Körper einem Steine in den Weg legt - man wird krank, sucht irgendwelche Ausreden oder "vergisst" es einfach. Bei solchen Mentalübungen wird einem das mindestens genauso stark widerfahren, weil das Bewusstsein eine natürliche Abneigung dagegen zu haben scheint, kontrolliert zu werden - was man ja auch beim Tilten merkt.
    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      Ach ja, was mir auch geholfen hat, ist Folgendes: ich erlaube mir einfach gar nicht mehr zu tilten. Mein Ziel ist nicht mehr $x im Monat zu machen, sondern perfekt zu spielen. Ich will meine Winrate maximieren und das erlaubt es mir dann natürlich nicht, mal eben 1000 Hände zumzudonken. Bei jeder Unkonzentriertheit muss ich daher sofort aufhören oder zumindest eine Pause machen. Allerdings ist es momentan bei mir so, dass ich, wenn ich im Minus bin, konzentrierter spiele und auch stundenlang A-Game durchspielen kann. Wenn ich allerdings 3-4 Stacks innerhalb von 200 Händen im Plus bin, muss ich meistens eine kurze Pause machen.
    • dns2309
      dns2309
      Bronze
      Dabei seit: 22.11.2006 Beiträge: 617
      "Übung 3" mache ich recht häufig vor dem Einschlafen, wenn ich z.B. am nächsten Tag wichtige Prüfungen o.Ä. habe.
      Es fällt mir an diesen Abenden oft schwer einzuschlafen, da ich unentwegt z.B. Prüfungsstoff im Kopf durchgehe.
      Wenn man ein paar mal trainiert an "Nichts" zu denken, klappts auch immer länger. Meistens schlafe ich dann dabei auch ein.
    • Denz
      Denz
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2005 Beiträge: 15.517
      Original von atuerke
      Ich finde diese Varianzdiskussion bzgl LAG/TAG immer recht interessant, da jeder dort irgendwie andere Argumente hat.
      Ziel eines LAG- Styles ist es im Prinzip eine höhere Winrate zu erzielen als mit einem TAG- Style. Dies macht Sinn da man als LAG oder Slight- LAG viel mehr marginal profitable Situationen eingeht, die man als TAG komplett vermeidet. Zudem ist ein LAG- Stle naturgemäß aufwendiger und man muss somit mit einer höheren winrate die geringere tischzahl kompensieren.

      Ein großer Bestandteil dieses Spiels ist natürlich auch den Gegner zu tilten und quasi "set ups" für die Big Hands zu schaffen die einem dann ausbezahlt werden sollten. Das klappt natürlich nicht wenn man selbst anfällig für Tilt ist, da man wohl so einzig und allein sich selbst am schnellsten tiltet ;)

      Ich glaube mittlerweile eigentlich nicht mehr das ein looserer Style unbedingt die Varianz verringert, ich denke es kommt eigentlich hauptsächlich auf die winrate an: Ist diese hoch habe ich eine kleine varianz nach unten.

      Looses Spiel und Tilt bzw suboptimale Entscheidungen lassen den Faktor Varianz natürlich erheblich steigern!

      Als letztes: Ich habe schon eininge Leute gesehen die looseres Spielen mit Kamikaze style verwechseln. Ein LAG wird aber auch jede seiner Entscheidungen genau durchdenken und von einigen variablen abhängig machen. Kein guter Spieler denkt sich nur "hm ich hab A3s und spiele LAG also reraise ich mal" ;)
    • Neandertaler
      Neandertaler
      Bronze
      Dabei seit: 03.12.2006 Beiträge: 531
      Hallo,

      alles in deinem Beitrag schreit danach, dass Du momentan keinen Spass am Pokern hast. Du sagst Du hast für 3 Jahre Rücklagen:Mach dir klar, in was für einer absolut wahnsinnig finanziell sorglosen Situation du dadurch bist.
      Spiel wieder, wenn Dich nicht der finanzielle Anreiz an die Tische lockt, sondern der Wille, gut zu spielen und die Edge gegenüber den anderen Spielern am Tisch auszunutzen. Der Down hört dann automatisch auf, denn vom Skill her - wie du selbst sagst - schlägst du deine Limits.

      Ich habe selbst wahnsinnige Probleme mit Tilt. Wenn du dich darüber austauschen willst, add mich im ICQ: 131838584.
    • TeddybaermitHolzgewehr
      TeddybaermitHolzgewehr
      Bronze
      Dabei seit: 21.08.2007 Beiträge: 2.369
      Wenn das bei dir wirklich so extrem ist, hast du vllt dann schonmal überlegt, zu einem Psychologen zu gehen, der kann dir da professioneller helfen, weil normal ist es nicht, wenn man so krass tiltet. Besonders nicht mit deiner Erfahrung.
    • FlavourKai
      FlavourKai
      Bronze
      Dabei seit: 16.07.2007 Beiträge: 28
      Ich finde die beiläufige Moderation des eigenen Spiels durchaus sinnvoll (Selbstgespräche), den auf diese Weise sorgt das AlterEgo für die ständige Reflexion des eigenen spielerischen Handelns. Das gleiche geschieht, wenn ein Freund über meine Schulter schaut - dann bleibe ich auch konzentrierter und vermeide groben Unfug. Da Freunde nur bedingt verfügbar sind ist das Selbstgepräch eine passende Variante, die zudem auch noch das Sprachvermögen trainiert.

      Zu den Anmerkungen über die Entspannungstechniken usw.:

      Wie wäre es mit Mediation? Es gibt nahezu in jeder großen Stadt die Möglichkeit von geschulten Leuten unterrichtet zu werden (Vorsicht bei reinem Selbststudium!). Ich selbst hatte einmal die Möglichkeit bei einem Zen Großmeister ein halbes Jahr Unterricht nehmen zu dürfen und es war eine wunderbare Erfahrung und auf lange Sicht profitieren alle Bereiche des eigenen Lebens von der daraus erwachsenden inneren Ruhe.

      Evtl. Pokerst du dann auch ein wenig weniger, da die (DEINE) Zeit und ihr Wert wieder etwas in den Vordergrund gerückt wird und man sie gelegentlich doch wieder etwas "sinnvoller" (etwas provokant) nutzen könnte (Freunde, Lesen, Spazieren gehen, Sport ;-)).

      Dann bekommt das Pokern auch den Platz als Hobby (mit dem sicherlich Geld verdient werden kann) ohne das ganze Leben und Gemüt zu bestimmen.

      Dies kann auch der Qualität des eigenen Spiels nur zu Gute kommen.

      GruZZ & GL
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