Buchrezension: "Postflop" von Ben Hayles

    • ZorroZock
      ZorroZock
      Bronze
      Dabei seit: 13.02.2009 Beiträge: 24
      Der britische Autor Ben Hayles ist Vollzeit-Pokercoach mit annähernd 20 Jahren NLHE-Erfahrung. Sein Werk “Postflop” beschäftigt sich ausschließlich mit dem komplexen Postflop-Universum füllt damit eine eklatante Lücke in der Poker-Literatur. Es richtet sich in erster Line an fortgeschrittene Low- und Midstakes-Spieler. Als erfolgreicher Online-Turnierspieler alias gamb64 verwendet Ben in erster Linie Beispiele aus 6-max-SNGs, die sich aber aufgrund meist unkritischer ICM-Situationen auch auf Cash-Games projizieren lassen.

      Um die vielfältigen Flop-Szenarien strukturiert zu besprechen, hat Ben ein plausibles System zur Klassifizierung der Spielsituationen entwickelt. Je nachdem, wer in einer Hand Position hat, wer Preflop-Agressor war und welches die bisherigen Aktionen waren, fällt jede Flop-Situation in eine genau definierte Kategorie.

      Abhängig davon, wie der Flop sich darstellt und wie hoch der SPR ist, gibt Ben für jede gängige Starthand in jeder dieser kategorisierten Situation konkrete Handlungsempfehlungen. Durch diese strukturierte Vorgehensweise eignet sich das Buch auch hervorragend als Nachschlagewerk.
      Seine Vorschläge folgen einerseits plausibler Poker-Logik und werden nachvollziehbar hergeleitet. Andererseits zieht er in vielen Situationen seine sehr umfangreiche Datenbank zu Rate, und kann so in jeder Situation den Vorschlag mit der empirisch höchsten expected Value (EV) machen. Diese Mischung aus scharfer Poker-Ratio und situationsgerechter Anwendung empirischer Daten zeichnet dieses Buch aus. Man merkt sofort: hier schreibt ein Praktiker für Praktiker.

      Dabei ist das Buch frei von schwieriger Poker-Arithmetik und Theorie. Nur Berechnungen, die jeder erfolgreiche Spieler während des Spiels im Kopf durchführen können sollte, werden angewandt. Dazu zählen die Komplexe Outs, Betting-, Calling- und Shoving Odds, sowie SPR.

      Aus dem SPR ergibt sich der Commitment-Level, dessen praktische Konsequenzen in “Postflop” eine große Rolle spielen. Wer zuvor den Klassiker „Professional No-Limit Hold'em“ (PNLHE) gelesen hat, erhält mit diesem Buch quasi einen Praxis-Aufbaukursus, in dem die Konzepte “Range, Equity, Maximize” in fast jeder Hand berücksichtigt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Maximierung, d.h. so viele Chips wie möglich zu akkumulieren, wenn man eine Hand gewinnt. Besondere zum Spiel auf dem River hat Ben hierzu viele rentable Denkanstöße parat.

      “Postflop” hat mein Spiel definitiv beeinflusst. Der wichtigste Rat, den ich für mich mitgenommen habe, ist ein psychologischer: wenn aufgrund von vorab definierten Kriterien feststeht, dass man in einer Hand committed ist, dann konzentriere man sich nur auf den Teil der Range des Gegners, den man schlägt und blende mental alle möglichen negativen Verläufe, die eintreten könnten, aus. Ohne Angst und Zweifel kann man sich dann bemühen, so viele Chips wie möglich in den Pot zu bekommen.

      Als Ergänzung zum Buch empfehle ich, unbedingt Bens kostenlosem Poker-Podcast zu folgen. Darin vertieft er thematisch analog zu den Kapiteln jeweils zwei bis drei Beispielhände und diskutiert sie ausführlich mit zwei Studiopartnern. Der synergetische Effekt aus Buch und Podcast ist wirklich ungeheuerlich. In dieser Kombination könnte ein persönliches Poker-Coaching kaum effektiver sein.

      Postflop Vol 1 & 2: The Edge You Need in No Limit Hold'em Poker (Englisch), 456 Seiten, erschienen 2015, von Ben Hayles, ISBN-13: 978-1514132203, € 38,95 (Kindle: € 29,21)

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