Ab wann ist man Pot-Commited?

  • 7 Antworten
    • Thymba
      Thymba
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 65
      Pot-Committet bist du wenn dein Stack, oder der Stack deines Gegners so klein, bzw. der Pot so groß ist, daß du ein All In aufgrund der Pot Odds callen musst, auch wenn du dir nicht sicher bist vorne zu liegen.

      Ein Beispiel:

      Du spielst NL10. Du und dein Gegner hatten zu Beginn der Hand jeweils 10$ und bis zum Turn habt ihr beide jeweils 5$, also euren halben Stack gebettet. Der Pot ist damit 10$ groß (Blinds lass ich grad mal weg), andere Leute sind nicht mehr in der Hand.

      Wenn dein Gegner jetzt am River seine verbleibenden 5$ setzt kriegst du Pot Odds von 1:3, d.h. wenn du glaubst mindestens in jedem 4. Fall vorne zu liegen musst du callen, weil du sonst auf lange Sicht Geld verlierst. Da es sehr schwierig ist sich zu 75% sicher zu sein, daß man hinten liegt ist man in dieser Situation eigentlich pot-committet und sollte abgesehen von wenigen Ausnahmefällen callen.

      Allgemein gilt: Wenn du mehr als 1/3 deines Stacks, oder des Stacks deines Gegners in eine Hand investierst und dann foldest, hast du wahrscheinlich irgendwo einen Fehler gemacht. Denn wenn du und dein Gegner z.B. jeweils mit 10$ anfangen und ihr beide z.B. bin zum Turn 3,40$ gebettet habt, ist der Pot 6,80$ groß, aber jeder von euch hat nur noch 6,60$ übrig, d.h. jede potsize bet bringt dich all in. Auf eine potsize bet kannst du aber nur folden, wenn du sicher bist nicht in mindestens 1 von 3 Fällen vorne zu liegen. Dann würde sich aber die Frage stellen, wieso du überhaupt so viel Geld investiert hast.

      Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Deine Hand könnte sich an Turn oder River verschlechtern weil irgendwelche Draws ankommen o.ä., dann wäre es natürlich richtig gewesen hoch zu betten und dann zu folden.

      Ich hoffe ich konnte etwas Klarheit bringen.
    • TimTolle
      TimTolle
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2006 Beiträge: 1.160
      Pot committed definiert nicht sich nicht allein an dem Verhältnis Pot zum Reststack.

      Es ist auch sehr gegner abhängig.

      Gegen einen sehr tighten Spieler, der große Bets nur mit super starken Händen macht, ist man mit top two pair bei 3:1 pot odds möglichweise nicht committet.
      Aber bei einem LAG, der gern mal blufft, ist man manchmal schon mit TPTK bei Pot Odds von 2:1 committed.

      Es wird niemand für dich definieren, ab wann du committed bist. Das musst du in jedem Spiel neu entscheiden. Du gibst deinem Gegner aufgrund deiner Beobachtungen aus vergangenen Spielen und der Art, wie er in diesem Spiel gebettet/gecallt/gecheckt/geraist hat eine Range aus möglichen Händen. Dann vergleichst du es mit deiner Hand und weißt dann, wie hoch deine Gewinnchance ist. Passen dazu die Pot Odds, bist du pot committed. Das geht natürlich nicht mathematisch exakt, aber je mehr man das übt, und je besser man die Gegner einschätzen kann, um so genauer werden die Ergebnisse.
    • Thymba
      Thymba
      Bronze
      Dabei seit: 20.08.2006 Beiträge: 65
      Stimmt natürlich absolut. Ist ein Aspekt, den ich in meiner Antwort ganz übersehen habe.
    • Thorsten77
      Thorsten77
      Black
      Dabei seit: 28.05.2006 Beiträge: 12.896
      Ich finde das neue 2+2 NL Buch hat eine gute Definition: Man ist pot commited, wenn ein Push bzw. der Call eines Pushes einen positiven Erwartungswert hat.
    • Folcwine
      Folcwine
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2007 Beiträge: 296
      Original von Thorsten77Man ist pot commited, wenn ein Push bzw. der Call eines Pushes einen positiven Erwartungswert hat.
      Das ist doch nicht das gleiche. Der EV eines eigenen Pushes ist genau dann positiv, wenn wir in über der Hälfte der Fälle vorne liegen, sofern wir davon ausgehen, dass Villain callt. Ansonsten hängt er auch noch davon ab, wie hoch wir unsere Folding Equity einschätzen. Der Call eines Pushes hingegen kann eben schon profitabel sein, wenn wir uns nur in z.B. einem Viertel der Fälle vorne sehen, sofern der Pot im Vergleich zum kleineren der beiden Reststacks genügend gross ist. Ich fände also nur "wenn der Call eines Pushes einen positiven Erwartungswert hat" eine exakte Definition von pot commited.
    • dhw86
      dhw86
      Bronze
      Dabei seit: 07.12.2006 Beiträge: 12.263
      Das ist doch nicht das gleiche. Der EV eines eigenen Pushes ist genau dann positiv, wenn wir in über der Hälfte der Fälle vorne liegen, sofern wir davon ausgehen, dass Villain callt.



      und das deadmoney (den pot) vernächlässigst du in dem fall?
    • Folcwine
      Folcwine
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2007 Beiträge: 296
      Original von dhw86
      Das ist doch nicht das gleiche. Der EV eines eigenen Pushes ist genau dann positiv, wenn wir in über der Hälfte der Fälle vorne liegen, sofern wir davon ausgehen, dass Villain callt.



      und das deadmoney (den pot) vernächlässigst du in dem fall?
      Ja. Für die Frage, ob Du gerne weiteres Geld in den Pot wandern siehst, spielt es doch keine Rolle, wie gross dieser bereits ist. Entweder siehst Du dich vorne oder nicht.

      Ein triviales, praxisfernes Rechenbeispiel: Du siehst Dich am River in 40% aller Fälle vorne, hast einen Reststack von einem Drittel des Pots und weisst, dass Dein Gegner auf Deinen Push nicht mehr folden wird. Ein eigener Push ist hier -EV, den Push des Gegners zu callen aber +EV. Du bist also commited, obwohl es sich nicht lohnt, selbt ai zu gehen.