Pokern vs. berufliche Karriere

    • Pokerkritiker
      Pokerkritiker
      Einsteiger
      Dabei seit: 20.06.2016 Beiträge: 1
      Hallo zusammen,

      ich würde hier gerne mal eine kritische Diskussion einleiten, die in meinem Umfeld gestern Abend schon ausgiebig diskutiert wurde.

      Die Frage: Ist es sinnvoll als ein Mensch mit überdurchschnittlichem „educational background“ überhaupt mit Pokern strategisch Geld verdienen zu wollen? Spaß und gelegentliches Grinding hier mal außen vorgelassen, genauso wie die Sinnhaftigkeit für Leute mit eher schwach qualifiziertem Ausbildungsweg.

      Kurz zu mir: Vom Namen kennt mich vielleicht der ein oder andere, ich schreibe allerdings hier anonym. Ich bin mittlerweile Anfang 30, habe zu Zeiten des Pokerbooms extrem viel gepokert und dies in Ansätzen auch erfolgreich (u. a. 2-mal 3. Platz Sunday Warm-Up, sowie mehrere Cashes deutlich über 20k). Allerdings habe ich in der Summe viele Turniere gespielt. Insgesamt habe ich mir von dem Geld eine kleine Eigentumswohnung gekauft (<100k) (ob das die beste Lösung war, ist ein anderes Thema) und gut gelebt sowie ein bisschen Geld noch neben der Wohnung angespart. Mein Studium (Betriebswirtschaftslehre) hat dadurch leicht gelitten, habe etwas länger studiert, allerdings an namhaften Universitäten mit gutem Abschluss. Vom Profil und den Möglichkeiten wäre noch mehr drin gewesen. Ich habe das Pokerspielen mittlerweile reduziert (alle 8-10 Wochen spiele ich noch oder im Urlaub wie jetzt), da ich in der Berufswelt 50+ Stunden fahre und am Wochenende, insbesondere am heiligen Pokersonntag, natürlich keine Zeit habe bis nachts zu spielen, wenn ich morgens um 6:30 Uhr am Flughafen aufdribbeln muss.

      Meine oder unsere These: Selbst wenn du mit Pokern heute (oder früher) 3.000-4.000 Euro pro Monat verdienst (und es gibt kaum Spieler, die mehr Geld verdienen – da lege ich meine Hand für ins Feuer!), dann ist es auf lange Sicht für einen guten Absolventen nicht sinnvoll, dies zu machen.

      Denn durch die Zeit, die du mit Pokern verbringst, zerstörst du deinen Lebenslauf so irreparabel, dass du das nie wieder aufholen kannst. Während andere 2-3 Praktika bei hoch attraktiven Unternehmen durchführen, pokerst du in deinen Semesterferien von morgens bis abends. Während die anderen mit Mitte 20 auf dem Arbeitsmarkt einsteigen, bist du gechillt im Bachelor. Wenn du dann mit Ende 20 auf die Idee kommst, dass Poker nicht nur unglaublich monoton ist und auch wenig soziale Komponenten beinhaltet, dir kaum Möglichkeiten zur Absicherung für Rente etc. bietet, dann haben es viele schwierig, den Start ins Berufsleben erfolgreich zu meistern. Die ersten, die sich auf die Karriere konzentriert haben, sind heute Projektleiter in der Beratung oder im Dax-Konzern Teamleader und verdienen ihre >80k und haben vor allem die Möglichkeit, auch mal richtig viel Asche zu machen mit +40 Jahren.

      Auch ich verdiene mittlerweile durchaus solide, doch öfters stelle ich mir die Frage, ob ich noch stärker auf meine Karriere schon im Studium hätte setzen sollen. Und genauso frage ich mich, ob bspw. 2-3 gute Kumpel, die heute noch extrem viel pokern und im Enddefekt nur über den Rakeback oder mal den Glücksschuss im Turnier ihr Geld verdienen (einigen glaube ich sogar nicht, dass sie noch wirklich profitabel spielen!), damit ihre Karriere bereits jetzt ruiniert haben. Wenn man sich beispielsweise mal die Listen der EPT-Sieger von vor 5 Jahren anschaut, dann sieht man, dass ein Großteil im Nirgendwo versunken ist. Danach noch 1-2 Jahre alle möglichen Turniere gespielt und dann war der Gewinn gefühlt komplett verspielt. Genauso wenn man sich auf den gängigen Plattformen mal anschaut, wie oft von den ersten 20 der Sunday Million, die Hälfte ihre Statistiken verschleiert (warum wohl?).
      Kann es also wirklich für die Leute, die gute Möglichkeiten beruflich haben, eine sinnvolle Alternative sein, Poker zu spielen oder sollte man sich kritisch hinterfragen, ob das am Ende der richtige Weg sein kann?

      Mich würde mal eure Meinung interessieren.

      Gruß

      X
  • 638 Antworten
    • mju12
      mju12
      Bronze
      Dabei seit: 18.04.2006 Beiträge: 14.119
      Ich warte mal ab was Fedor hier antwortet :coolface:
    • paulfelzpp
      paulfelzpp
      Bronze
      Dabei seit: 28.12.2007 Beiträge: 7.261
      Nur mal "by the way": Du kannst davon ausgehen, dass ein großteil der Spieler die ihre Stats "verschleiert" haben Winner sind und das aus eben diesem Grund machen.
    • RLcAnWait
      RLcAnWait
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2015 Beiträge: 252
      warum denkt denn hier jeder 0815 bwler das er irgendwann mal dick asche machen wird und ein hohes tier in irgendeinem namhaften unternehmen wird... die meisten von euch werden für ihre berufliche zukunft nur einen satz benötigen: "schön das sie zeit gefunden haben, dürfte ich sie über unser neues finanzprodukt informieren?"
    • ubetterfold
      ubetterfold
      Bronze
      Dabei seit: 07.11.2010 Beiträge: 2.057
      Denke dass du mit vielem recht hast aber diese ideal von schnell Geld verdienen und Erfolg im Job auch mit Erfolg im Leben gleichzusetzen nervt mich schon..

      Man kann besseres mit seiner Zeit anstellen als 24/7 online zu pokern...aber Erfolg im Leben bedeutet nicht für alle eben diese wirtschaftliche von dem du hier schreibst.
      Das wird uns nur immer so beigebracht aber das heisst ja nich das es auch richtig is.
    • kronenbourg
      kronenbourg
      Black
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 6.488
      Komische Frage. Niemand sollte obv Pokerpro sein mit dem Plan, danach Angestellter zu werden bzw Karriere in einem Konzern zu machen.
      Poker sollte imo das Mittel zum Zweck sein, um sich finanziell mittel- oder langfristig andere Möglichkeiten im Bereich der Selbständigkeit zu geben. So war und ist es bei mir und vielen anderen Pokerpros, die ich kenne.
    • Heinz021
      Heinz021
      Black
      Dabei seit: 27.09.2007 Beiträge: 6.263
      justus, bist du's?
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.535
      3-4k pro Monat sind nicht das obere Ende der Fahnenstange. Kannst du dir auch einfach ausrechnen. Nimm einen durchschnittlichen NL100-NL200 Grinder mit +-150k Händen pro Monat und +-5bb Winrate, plus Rakeback. Das muss man in der Real- oder Finanzwirtschaft erstmal bekommen. Ist nicht sehr wahrscheinlich ein solches Salär zu bekommen. Das ist als Gambler auch nicht einfach, aber imo schon realistischer.

      Meine Empfehlung lautet beides parallel zu machen, wobei die Uni nach Möglichkeit nicht darunter leiden sollte. Wer weiß, ob man in 5 Jahren noch gut grinden wird können. Deshalb finde ich ein zweites Standbein sehr wichtig, wobei das imo kein Uniabschluss sein muss. Karrieretechnisch dürfte die Pokerei eher selten von Vorteil und häufig von Nachteil sein. Daher würde ich das wenn möglich verschweigen und entsprechend eher nebenbei zocken, außer die Winnings sind so gut, dass man die wirtschaftlichen Karrierechancen vernachlässigen kann/will. Unterm Strich gehts den meisten Leuten um ihre finanzielle Unabhängigkeit. Da ist es egal, ob sie mittels Poker oder echter "Arbeit" geschaffen wird. Und da sehe ich im Gambling höhere Chancen als als BWLer.
    • Kamikaze001
      Kamikaze001
      Bronze
      Dabei seit: 20.11.2007 Beiträge: 5.832
      Poker ernsthaft betreiben wird denke ich kaum jemand, weil es sinnvoll ist, sondern weil die Leute den persönlichen Drive entwickeln in dieser Sache richtig gut zu werden und einige davon werden dabei Profis (über wie lange Zeit und wie erfolgreich sei mal dahingestellt und die Zahlen sind ja ungefähr bekannt bzw vorstellbar).
      Niemand setzt sich an den Schreibtisch und rechnet sich den Kapitalwert von Pokerpro vs. traditionellem Berufsweg aus bzw. ein solcher jemand würde ersteres nie schaffen (was auch nichts schlechtes ist).

      Wenn der finanzielle Erfolg die Messlatte ist, macht es mit deinen Annahmen nie Sinn, da die Erfolgswahrscheinlichkeit in der finanziellen Dimension eines Top Executives sehr nah an 0 ist. Wobei auch diese Karrierestufe auch im Geschäftsbereich realistisch betrachtet von nicht so vielen erreicht wird, allerdings wird natürlich auch im mittleren Management auf lange Zeit mehr verdient als bei den meisten durchschnittlichen Pokerpros (da hier Verdienst eher ab- als zunimmt).
      Die Ausnahmen der super erfolgreichen Pokerpros über Jahrzehnte gibt es natürlich, aber dieser Erfolg ist schlichtweg nicht planbar, da abhängig vom Drive, der Arbeitsmoral, Mindset, Glück zur richtigen Zeit in puncto Erfolgen, Bekanntschaften, Lebensumständen usw. usf.
    • Plastichamer
      Plastichamer
      Bronze
      Dabei seit: 04.11.2009 Beiträge: 2.909
      Original von Renne01
      3-4k pro Monat sind nicht das obere Ende der Fahnenstange. Kannst du dir auch einfach ausrechnen. Nimm einen durchschnittlichen NL100-NL200 Grinder mit +-150k Händen pro Monat und +-5bb Winrate, plus Rakeback. Das muss man in der Real- oder Finanzwirtschaft erstmal bekommen. Ist nicht sehr wahrscheinlich ein solches Salär zu bekommen. Das ist als Gambler auch nicht einfach, aber imo schon realistischer.

      Meine Empfehlung lautet beides parallel zu machen, wobei die Uni nach Möglichkeit nicht darunter leiden sollte. Wer weiß, ob man in 5 Jahren noch gut grinden wird können. Deshalb finde ich ein zweites Standbein sehr wichtig, wobei das imo kein Uniabschluss sein muss. Karrieretechnisch dürfte die Pokerei eher selten von Vorteil und häufig von Nachteil sein. Daher würde ich das wenn möglich verschweigen und entsprechend eher nebenbei zocken, außer die Winnings sind so gut, dass man die wirtschaftlichen Karrierechancen vernachlässigen kann/will. Unterm Strich gehts den meisten Leuten um ihre finanzielle Unabhängigkeit. Da ist es egal, ob sie mittels Poker oder echter "Arbeit" geschaffen wird. Und da sehe ich im Gambling höhere Chancen als als BWLer.

      :mdr: Das jemand der Coach auf Ps.de ist solche Zahlen auspackt zeigt schon wohin der Trend geht. Ich meine ich hab nie ernst gepokert, aber da musste selbst ich lachen.
    • ine23
      ine23
      Bronze
      Dabei seit: 11.10.2009 Beiträge: 1.600
      gabs die diskussion nicht schon drölf mal?

      ka was du dir an neuem input erwartest op, ist doch in jedem thread das gleiche.
    • Renne01
      Renne01
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 15.05.2007 Beiträge: 3.535
      @plastic
      KA. was du laberst. Ist mir aber auch wenig wichtig.
    • mnl1337
      mnl1337
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 13.01.2008 Beiträge: 15.462
      Also ich würde denken es gibt maximal 5 Spieler i der Welt die nl100/nl200 150k Hände im Monat soielen und 5bb+ machen. Realistischer sind 50k Hände und 2bb für den average Reg.

      Zur Diskussion. Wer "nur" 3-4k im Monat macht, sollte nicht professionell spielen, sofern er andere Möglichkeiten hat. Unter ~10k pro Monat average würde ich keinen soliden Job quitten.
    • BubbleNedRum
      BubbleNedRum
      Bronze
      Dabei seit: 13.02.2011 Beiträge: 3.608
      Original von Pokerkritiker
      Meine oder unsere These: Selbst wenn du mit Pokern heute (oder früher) 3.000-4.000 Euro pro Monat verdienst (und es gibt kaum Spieler, die mehr Geld verdienen – da lege ich meine Hand für ins Feuer!), dann ist es auf lange Sicht für einen guten Absolventen nicht sinnvoll, dies zu machen.

      Denn durch die Zeit, die du mit Pokern verbringst, zerstörst du deinen Lebenslauf so irreparabel, dass du das nie wieder aufholen kannst. Während andere 2-3 Praktika bei hoch attraktiven Unternehmen durchführen, pokerst du in deinen Semesterferien von morgens bis abends. Während die anderen mit Mitte 20 auf dem Arbeitsmarkt einsteigen, bist du gechillt im Bachelor. Wenn du dann mit Ende 20 auf die Idee kommst, dass Poker nicht nur unglaublich monoton ist und auch wenig soziale Komponenten beinhaltet, dir kaum Möglichkeiten zur Absicherung für Rente etc. bietet, dann haben es viele schwierig, den Start ins Berufsleben erfolgreich zu meistern. Die ersten, die sich auf die Karriere konzentriert haben, sind heute Projektleiter in der Beratung oder im Dax-Konzern Teamleader und verdienen ihre >80k und haben vor allem die Möglichkeit, auch mal richtig viel Asche zu machen mit +40 Jahren.
      Das ist hier halt der springende Punkt, auf den es keine rationale Antwort geben wird.
      Wenn du "erfolgreich sein" dadurch definierst, "auch mal richtig viel Asche mit +40 Jahren zu machen" ist die 20er Jahre für 4k€ im Monat zu "verschwenden" nicht der richtige Weg,
      Wenn du "erfolgreich sein" dadurch definierst sich in seinem Leben Freiräume zu lassen um zu Reisen, Menschen kennenzulernen, im Ausland zu leben + Sprachen zu lernen, sich weiterzubilden (nicht zwingend nur anerkannte Uni-/whatever-Abschlüsse) kann Poker dir diese Freiräume ermöglichen, die du in einem 50h Job mit 3 Wochen Urlaub im Jahr nicht hast.
      Mein Ziel ist es im Leben finanziell von niemandem abhängig zu sein, meine Familie in der Gegenwart + Zukunft versorgen zu können und eine Arbeit zu finden, in der mir niemand vorschreibt was ich zu denken haben (studiere Politikwissenschaft). Ob das ganze mit 4k€ durch Poker passiert oder einem Job für 4k€ ist irrelevant.
      Das ist wohl das krasse Gegenteil, wenn ich jetzt mal vom klassischen Stereotyp-BWL-Studenten ausgehe, der eben im Sommer Praktika machen muss um später in seinem Dax-Konzern ein Teilchen ist, der das tut was im gesagt wird, oder am Ende der Leiter anderen sagt was sie zu tun haben.
      Ich übertreib hier ein bisschen, um meinen Punkt deutlich zu machen.

      Und auch der Punkt, dass Poker nur schlecht für "das Leben nach dem Poker" ist, würde ich nicht 100% zustimmen.
      Wie viele Leute haben durch das Pokern Menschen kennengelernt, mit denen sie jetzt zusammenarbeiten und gemeinsam Ideen (v.a.Start-Ups) realisieren, auch mit Eigenkapital durch Poker.
      Auch die anderen oben genannten Skills sind nicht unwichtig für das spätere Leben, schnelle Auffassungsgaben, Situationserkenntnis, Selbständig zu arbeiten und andere Sachen habe ich noch gar nicht gennant.

      Klippen: man kann es nicht nur schwarz oder nur weiß sehen, jeder muss selbst wissen was er im Leben will
    • herbsch
      herbsch
      Black
      Dabei seit: 27.06.2007 Beiträge: 3.606
      Original von ine23
      gabs die diskussion nicht schon drölf mal?

      ka was du dir an neuem input erwartest op, ist doch in jedem thread das gleiche.
      ja,die frage kommt alle 4 Wochen :tongue:
    • kronenbourg
      kronenbourg
      Black
      Dabei seit: 30.01.2006 Beiträge: 6.488
      Original von herbsch
      Original von ine23
      gabs die diskussion nicht schon drölf mal?

      ka was du dir an neuem input erwartest op, ist doch in jedem thread das gleiche.
      ja,die frage kommt alle 4 Wochen :tongue:
      Und das seit 2006^^
    • DiscoStu85
      DiscoStu85
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 4.144
      ja die Frage kommt oft weils ein Traum ist. und ja für 99% lohnt es sich nicht.

      Bei mir hat sich mein Berufseinstieg durch mein Pokerspiel um 2 Jahre verzögert, allerdings habe ich auch durch Pokern ein steuerfreies Bruttojahresgehalt gewonnen, so dass ich nettowise nichts verloren habe. Mich stört es aber auch nicht, wenn jemand der 2 Jahre jünger ist als ich, auf der gleichen Hierachiebene buckelt. Im Klassischen-Weg wird der Bock vom Gehalt gesehen hinten fett, wenn du später einsteigst, hast du weniger attraktive Jahre. Beim pokern hast du halt früher Erfolge.

      bitter war nur die Erkenntnis, dass es eine Illusion war, früher dachte ich: ich bin schlauer als alle anderen, weil ich ez money mit Poker gemacht habe, aber jetzt stellt sichs heraus, dass es ein Nullsummenspiel war.

      edit: vielleicht hatte ich auch glück, denn man muss auch bedenken, dass es viele unbenannte Leute gibt, die durch Pokern auch broke gegangen sind. Und mit gutem Uniabschluss kannste halt faktisch nicht broke gehen.
    • 1outerHITS
      1outerHITS
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2014 Beiträge: 613
      Original von Plastichamer
      Original von Renne01
      3-4k pro Monat sind nicht das obere Ende der Fahnenstange. Kannst du dir auch einfach ausrechnen. Nimm einen durchschnittlichen NL100-NL200 Grinder mit +-150k Händen pro Monat und +-5bb Winrate, plus Rakeback. Das muss man in der Real- oder Finanzwirtschaft erstmal bekommen. Ist nicht sehr wahrscheinlich ein solches Salär zu bekommen. Das ist als Gambler auch nicht einfach, aber imo schon realistischer.

      Meine Empfehlung lautet beides parallel zu machen, wobei die Uni nach Möglichkeit nicht darunter leiden sollte. Wer weiß, ob man in 5 Jahren noch gut grinden wird können. Deshalb finde ich ein zweites Standbein sehr wichtig, wobei das imo kein Uniabschluss sein muss. Karrieretechnisch dürfte die Pokerei eher selten von Vorteil und häufig von Nachteil sein. Daher würde ich das wenn möglich verschweigen und entsprechend eher nebenbei zocken, außer die Winnings sind so gut, dass man die wirtschaftlichen Karrierechancen vernachlässigen kann/will. Unterm Strich gehts den meisten Leuten um ihre finanzielle Unabhängigkeit. Da ist es egal, ob sie mittels Poker oder echter "Arbeit" geschaffen wird. Und da sehe ich im Gambling höhere Chancen als als BWLer.

      :mdr: Das jemand der Coach auf Ps.de ist solche Zahlen auspackt zeigt schon wohin der Trend geht. Ich meine ich hab nie ernst gepokert, aber da musste selbst ich lachen.

      Hab vor 3 Monaten den Aufstieg auf NL50 vollzogen und in dem Monat 100k Hände mit 5.5bb/100 EV hingelegt + hab nebenbei mein Abi gemacht!

      Dokumentation + Graphen für Ungläubige finden sich in meinem Blog in einem anderen Forum ;)

      Also keine Ahnung was an den Zahlen Quatsch sein soll??
      Ohne Abistress wären es bequem 150k+ Hände geworden.

      Original von Pokerkritiker
      Meine oder unsere These: Selbst wenn du mit Pokern heute (oder früher) 3.000-4.000 Euro pro Monat verdienst (und es gibt kaum Spieler, die mehr Geld verdienen – da lege ich meine Hand für ins Feuer!), dann ist es auf lange Sicht für einen guten Absolventen nicht sinnvoll, dies zu machen.
      Hä? 3-4k?

      Ich leg meine Hand ins Feuer, dass ich mindestens ein Dutzend solcher Spieler persönlich kenne :D
      Und ich kenne echt nicht viele Leute aus der Pokerszene ...
    • XdYe89
      XdYe89
      Bronze
      Dabei seit: 03.11.2008 Beiträge: 571
      Original von Pokerkritiker
      im Enddefekt
      X
      :coolface: same.

      Hab mit 18-19-20-21 gepokert, an die 100k verdient, alles auf den Kopf gehauen, eine geile Zeit gehabt, ein schlechteres Abi (2,6) in Kauf genommen, mit 22 nach Österreich gefluechtet. Bin jetzt 26 und mein Pharmaziestudium nähert sich dem Ende, ich habe vor in physikalischer Chemie zu promovieren und werde bald ein Philosophiestudium beginnen. Lebe atm von 500€ im Monat und bin glücklich wie nie zuvor. Ein angenehmes Leben ist leicht finanzierbar, ein sinnvolles Leben unbezahlbar. Gelobt sei die kleine Armut!
      Just my 2 cents.

      Gruß,
      XXX.
    • 4thePORSCHE
      4thePORSCHE
      Bronze
      Dabei seit: 11.01.2013 Beiträge: 1.236
      man darf nicht vergessen, dass pokern nicht bedeutet spielend geld zu verdienen. es ist harte und vor allem eintönige arbeit.

      wenn man online grindet sitzt man da alleine in seinem zimmer zwischen ausgekratzten microwellenmalzeiten und klickt irgendwelchen fischen hinterher. das mag, wenn man mitte zwanzig ist, ganz lustig sein, aber als erwachsener geht das gar nicht. um ehrlich zu sein, es ist mit mitte zwanzig schon sehr traurig und nur zu rechtfertigen wenn man sonst ein ordentliches leben führt. man muss bedenken, dass jeder pförtner, der knöpfe drückt um schranken zu öffnen und hin und wieder mal ans telefon geht, einen sozial interessanterern job hat.

      die alternative ist das dasein als live-pro. da sitzt man dann die nächte über in casinos oder in verrauchten privaten games und probiert irgendwelchen sozialversagern ihre letzten kröten abzunehmen. das sehe ich nicht grundsätzlich als problem an. es ist vielmehr der deprimierende kontakt zu solchen leuten. jeder mitarbeiter vom arbeitsamt muss sich nicht so viel scheiße anhören wie ein live-reg auf den midstakes. das dürfte gerade als akademiker nicht der anspruch und auf dauer auch kaum erträglich sein.

      die dritte gruppe stellen die live-turnier-regs. diese vagabunden ziehen zu unglaublich hohen reisekosten von ort zu ort, leben aus dem koffer, schlafen aus kostengründen im mehrbettzimmer und spielen gestaket turniere mit unfassbar hoher varianz. auch dies ist mit mitte zwanzig ganz lustig. so lernt man wenigstens mal die welt kennen. allerdings kann ich mir kaum denken, dass diese ständige klassenfahrt für erwachsene angenehm ist.

      im ergebnis muss man also sagen, dass pokern als beruf wohl deutlich schöner aussieht als es wirklich ist. im fernsehen sieht man die top stars, die im privatjet anreisen und um 100k flippen. und dann gibts noch wunderkinder wie fedor holz oder christoph vogelsang, die praktisch über nacht von NL5-kids zu million-dollar-winnern werden. aber die breite masse spiegeln diese nicht wieder und für die meisten dürfte es auch kaum realistisch sein dort zu landen. daher muss ich eure anti-nine-to-five-einstellung und die wild-west-romantik leicht bremsen. pokern ist ein kartenspiel und kein beruf!