Beitrag zu Poker kein Glückspiel von Korn?

    • Kooort
      Kooort
      Black
      Dabei seit: 15.08.2006 Beiträge: 6.109
      Hallo,

      gab es früher nicht mal nen Artikel oder Forumsbeitrag, daß Poker kein Glückspiel sei (nur Argumente, nichte empirisches) von Korn oder einem anderen ps-mod?

      Wäre schön wenn mir jemand den Link posten könnte, hab in SuFu nichts gefunden.
  • 6 Antworten
    • TheOneAndOnlyMarkus
      TheOneAndOnlyMarkus
      Bronze
      Dabei seit: 20.02.2006 Beiträge: 3.784
      Meinste den hier: http://www.pokerstrategy.com/wbb_de/thread.php?threadid=161886 ?
    • Kooort
      Kooort
      Black
      Dabei seit: 15.08.2006 Beiträge: 6.109
      Leider nicht, aber trotzdem Danke! Den hatte ich schon selbst gefunden.

      War in 7 Punkte oder so unterteilt und hat dargestellt, warum Poker kein Glückspiel sei. (Hab ich als Anfänger mal gelesen)

      Nach dem Muster: 1. Langfristig jeder gleiche Karten
      2. Nur mit Strategie besser als andere............
      3. .......
    • CorPOK
      CorPOK
      Bronze
      Dabei seit: 24.03.2007 Beiträge: 501
      Können und Glück bei Limit Hold'em

      Vor lauter spieltechnischen Feinheiten sollte man niemals das große Ganze aus den Augen verlieren. Philosophische Überlegungen bringen Ordnung in ein komplexes Gedankengebäude und erleichtern das Lernen, Strukturieren und erfolgreiche Praktizieren. Dieser Artikel soll das Wesen und die Elemente von Texas Hold’em beleuchten. Jeder kann dadurch den optimalen Zugang für sich finden.
      Manchem der Anfänger wird der folgende Text an einigen Stellen zu schwierig erscheinen. Dies könnte den falschen Eindruck vermitteln, dass der Einstieg ins Pokern selbst eine komplizierte Angelegenheit ist (stimmt nicht!). In diesem Fall empfehle ich, den Text zunächst beiseite zu legen und sich sofort mit den spieltechnischen Aspekten zu beschäftigen. Später kann man sich ihn wieder vornehmen.

      Warum kann Hold’em kein Glückspiel sein?

      Natürlich existiert das Clichee von Poker als Glücksspiel. Grund genug, ein für allemal damit aufzuräumen. Also, warum kann Hold’em kein Glückspiel sein?

      a) Die empirische Erklärung: Viele Spieler auf dieser Plattform verdienen beachtliches Geld mir Hold’em. Weltweit leben Tausende Profis von diesem Spiel. Jedes Jahr qualifizieren sich immer wieder die gleichen Gesichter für Entausscheidungen großer Turniere. Wäre all dies möglich, wenn Zufall und Chaos das Spiel regierten?
      b) Die strukturelle Erklärung: Hold’em besteht aus vier Wettrunden, bei denen es darum geht drei prinzipielle Entscheidungen zu treffen: mitgehen, erhöhen oder aussteigen. Geht man bis zum Showdown, muss man aus zwölf potent iellen Entscheidungen die drei richtigen auswählen. Drei richtigen stehen neun falsche entgegen. Wir haben es also mit einer Art Labyrinth zu tun, durch es sich geschickt zu manövrieren gilt. Auf Profiebene sind bei jeder Entscheidung diverse Kriterien zu beachten:

      1. die eigenen Karten
      2. die Position (blinds, early, middle, late)
      3. die Anzahl der Gegner
      4. der Preis für die nächste Karte
      5. das Niveau des Tisches
      6. das Temperament des Tisches
      7. die Beschaffenheit einzelner Spieler und die relative Position zu ihnen
      8. das (eigene) Table Image
      9. die letzten Hände.

      Keine Angst! Nicht alle Kriterien sind gleich bedeutend. Im Anfängerbereich kann man auf viele davon verzichten. Ich wollte nur zeigen, dass Hold’em alles andere ist als trivial. Hier geht es eindeutig ums Können!

      Gibt es überhaupt kein Glück beim Hold’em?

      Doch, natürlich gibt es das! Kurzfristig kommt dem Glück sogar eine herausragende Rolle zu. Man kann beim Pokern alles richtig machen, d.h. geduldig auf gute Karten warten und diese dann gemäß Lehrbuch interpretieren. Wenn es das Schicksal so will, verliert man dennoch. Trotzdem ist Pokern kein Glückspiel. Der gute Spieler verliert zwar während einer Pechsträhne, doch er verliert bedeutend weniger als ein schlechter Spieler mit den gleichen Karten. Wenn die Karten günstig kommen, dann gewinnt er damit einiges mehr als der schlechte Spieler. Ein schwacher Spieler kann auf kurze Sicht gegen die besten Spieler der Welt Profite einfahren, langfristig wird er jedoch immer unterliegen. Nach dem Gesetzt der großen Zahl bekommen alle Spieler auf lange Sicht die gleichen guten wie schlechten Karten. Glück und Pech gleichen sich aus. Danach bleibt, als reines Destillat, die bloße Spielstärke zurück.

      Glück und Profitabilität

      Zwar setzen sich Könner oft auch kurzfristig durch, doch sind sie keinesfalls gegen Pechsträhnen gefeit. Der Focus sollte daher eher im mittelfristigen und langfristigen Bereich liegen. Aus dem Gesagten könnte man folgern, dass das Glück den schlechten Spieler beschützt und den Profit des Könners schmälert. Das Gegenteil ist der Fall! Es ist gerade dieses magische Verhältnis zwischen Glück und Können, was Texas Hold’em so derartig profitabel macht. Beim Schach spielt keiner, der auch nur 100 DWZ-Punkte (DWZ = Deutsche Wertungszahl) weniger hat als ich mit mir um Geld. Die Angelegenheit wäre zu einseitig. Beim Pokern dagegen spiele ich mit Leuten, die mir teilweise deutlich unterlegen sind. Wie ist das zu erklären? Nun, beim Pokern erhält halt jeder seine Chance. Auch schwache Spieler kommen zu Erfolgserlebnissen. Sie werden auf diese Weise bei Laune gehalten und kommen immer wieder, obwohl sie kontinuierlich Geld verlieren. So funktioniert halt unser Gedächtnis. Schöne Erinnerungen werden aufgebläht, Misserfolge werden verdrängt. Viele Spieler täuschen sich selbst und besitzen eine unrealistische Vorstelllung vom eigenen Kön-nen. So machen sie dann "exzessive Pechsträhnen“ für ihre Niederlagen verantwortlich. Sie hoffen auf mehr Glück in der Zukunft, anstatt an ihrem Spiel zu arbeiten. Wäre das Ver-hältnis von Können und Glück nicht so ausgewogen, würden die schlechten Spieler irgendwann fort bleiben. Die Profis wären unter sich und müssten sich bald nach einem neuen Beruf umschauen.

      Woher kommt der Profit?

      Die Gesamtheit aller Pokerspieler bildet ein marktähnliches System. In diesem Markt wer-den keine neuen Werte geschaffen. Es geht ausschließlich um Umverteilung. Das Geld wandert von den schlechten Spielern zu den guten. Die guten Spieler verdienen am Pokern, weil sie weniger Fehler begehen (auch die guten Spieler begehen Fehler, da sie unter Zeitdruck schwierige Entscheidungen zu treffen haben). Die Differenz ihrer kleinen Fehler zu den großen Fehlern ihrer Gegner ist ihr Profit. Da Mehrzahl aller "Markteilnehmer“ beim Pokern große Fehler begeht, ist Pokern für Experten definitiv ein profitables Unternehmen.

      Der Erwartungswert – das Maß aller Dinge

      Ein Fehler beim Pokern ist nichts anderes als ein Zug mit einem subopitmalen Erwartungswert. Diese Behauptung impliziert, dass ein Fehler nicht zwangsläufig einen negativen Erwartungswert haben muss (obwohl dies meistens der Fall ist). Wenn ich mitt AA preflop nur calle anstatt zu raisen, hat dieser Zug einen positiven Erwartungswert, allerdings nicht den optimalen. Ziel muss es daher sein, stets Züge mit dem höchsten möglichen Erwartungswert zu produzieren. Das Selbstverständnis eines Pokerspielers sollte daher das einer Maschine sein. Man sollte alles Wünschen, Hoffen, Wollen, Negative Gedanken wie Ärger, Rache, Frustration, Rache etc unterdrücken und völlig emotionslos und gelassen versuchen, gute Züge auszuspucken. Als guter Pokerspieler nimmt man eine ähnliche Stellung ein wie ein Casino. Man bringt seine Gegner ständig in Situationen mit einem negativen Erwartungswert und etabliert dadurch für sich selbst positive Rahmenbedingungen. Gegen schlechte Gegner könnte das so aussehen, dass man in jedem Spiel ein durchschnittliches Übergewicht von 55 zu 45 bezüglich der Gewinnerwartung besitzt. Die Rahmenbedingungen haben allerdings nur einen begrenzten Einfluss auf kurzfristige Ereignisse. Manchmal kommt es vor, dass sich das Schicksal vornehmlich aus den 45 % bedient. Das nennt man dann Pechsträhne. Was zählt, ist jedoch die langfristige Perspektive. Das Casino ärgert sich nicht darüber, wenn ein Spieler den Jackpot knackt, da es langfristig enorme Gewinne einstreicht. Daher sollten kurzfristige Rückschläge den Pokerspieler unbeeindruckt lassen. Seine einzige Aufgabe besteht darin, Züge mit +EW auszuführen und damit für günstige Rahmenbedingungen zu sorgen.

      Was sollte ich können?

      Wenn ein Pokerexperte von den Fehlern seiner Gegner leben muss, dann ist es für ihn um so günstiger, je mehr potentielle Fehlerquellen es gibt. Eines kann ich versprechen: Davon gibt es mehr als genug! Um auf hohem Niveau zu spielen, sollte man sich in sechs grundlegenden Bereichen auskennen (Keine Sorge! Im Anfängerstadium ist das nicht erforderlich, da man gegen äußerst fehlbare Mitspieler antritt.):

      1. Mathematik (triviale Wahrscheinlichkeitsrechnung)
      2. Strategie
      3. Die Psychologie des Gegners
      4. Innere Psychologie / Selbstmanagement
      5. Bankrollmanagement
      6. Hilfsmittel (Literatur, Software, Daten etc)

      Jeder Bereich wird von uns in diversen Abhandlungen ausführlich besprochen (werden). An dieser Stelle nur ein kleiner Überblick:

      1. Zum Pokern braucht man kein Mathematikgenie zu sein. Es kommt aber immer wieder zu Situationen, in denen man triviale Rechenoperationen vornehmen muss. Wie gesagt, es geht darum, Züge mit positivem Erwartungswert auszuführen. Der EW muss daher grob berechnet werden. Bei dieser Berechnung geht es um die Bestimmung zweier Werte:

      a) Das Verhältnis zwischen meinem künftigen Einsatz (Risiko) und dem möglichen Gewinn

      b) Das Verhältnis zwischen der Chance, dass ich nicht die beste Hand haben werde und der Chance, dass ich als Sieger aus dem Kampf hervorgehe

      Zum Schluss muss ich diese beiden Verhältnisse zueinander in Beziehung setzen. Ist das Verhältnis günstig für mich, besitze ich einen positiven Erwartungswert. Beispiel:Ich setze einen Dollar um die 10 Dollar im Pott zu gewinnen (Verhältnis 1 zu 10). Die Chance, dass ich gewinne ist 1 zu 5 gegen mich. Mein Risiko ist nur halb so groß, wie der mögliche Gewinn. Ich profitiere.

      2. Unter Strategie verstehe ich die Gesamtheit aller Spielziele und die Mittel zur Erreichung dieser Ziele. Bei allem was man tut ist es wichtig, stets die Ziele klar vor Augen zu haben.

      Das oberste Ziel:
      In einer gegebenen Zeiteinheit möglichst viel Geld verdienen

      Zwischenziele:
      1. Gewinne mit starken Händen maximieren
      2. Verluste mit schwachen Händen minimieren
      3. Pötte mit überlegenen Händen gewinnen; schlechtere Hände herausdrängen, um von diesen nicht eingeholt werden zu können
      4. Pötte mit untelegenen Händen gewinnen; bessere Hände herausdrängen

      Mittel:
      Der gesamte Corpus aller strategischen Regeln, Prinzipien, Techniken, Kunstgriffe etc.

      Strategie und Mathematik sind meiner Meinung nach zwei Seiten der gleichen Medaille. Aus den Erfordernissen der Erwartungswertmaximierung lassen sich strategische Regeln ableiten. Umgekehrt lässt sich die Plausibilität eines strategisches Prinzips mathematisch überprüfen.

      3. Im Gegensatz zu Schach ist Poker ein Spiel mit unvollständiger Information. Die gegnerischen Karten sind mir ja unbekannt. Alles kommt darauf an, die Gegner lesen zu können, um diese Erkenntnislücke zu verringern. Mit Hilfe einer psychologische Einschätzung ihrer Gegner können starke Spieler die Bandbreite deren möglicher Hände stark eingrenzen. Ihre Entscheidungen werden dadurch um einiges genauer. Langfristig ist ein Vorteil von nur wenigen Prozentpunkten bei der Entscheidungsfindung – die Welt.

      4. Pokern ist ein Kampf gegen das eigene Ich. Oft erlebt man ein Wechselbad der Gefühle. Glück und Pech, Erfolg und Misserfolg wechseln einander ab. Gerade in Zeiten ausgedehnter Pechsträhnen werden Standhaftigkeit und Charakterstärke auf die Probe gestellt. Es sind diese Downswings, die uns Dummheiten begehen lassen. Mancher, der das Spiel auf der technischen Ebene schlägt, retourniert dann seinen gesamten Gewinn. Der Umgang mit Downswings, aber auch charakterliche Widerstände, die der Vervollkommnung der eigenen Spielerpersönlichkeit im Wege stehen, sind daher nicht zu unterschätzende Themen des Pokerstudiums.

      5. Von großer Wichtigkeit für den Erfolg beim Pokern ist ein gut durchdachtes Bankrollmanagement. Man sollte stets genügend
      Geld zur Verfügung haben, um ausgedehnte Pechsträhnen aushalten zu können. Kapitalerhaltung steht an oberster Stelle, denn ohne Kapital lässt sich nicht pokern. Die Wahl des richtigen Limits hängt somit nicht nur von der Spielstärke, sondern auch von der Kapitaldecke ab.

      6. Effiziente Informationsbeschaffung ist natürlich auch von großer Bedeutung. Um erfolgreich zu pokern sollte man die Standardwerke der Pokerliteratur studieren (das Ausmaß hängt vom angestrebten Spielniveau ab) und sich mit der Software zur Erstellung von Gegnerprofilen vertraut machen (Fortgeschrittenen-Level).
    • Kooort
      Kooort
      Black
      Dabei seit: 15.08.2006 Beiträge: 6.109
      Wunderbar!
      Vielen Dank CorPOK
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.576
      Ein weiteres Argument für den Geschlicklichkeitsaspekt ist, dass Poker inzwischen ein Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz ist. Wäre Poker ein Glücksspiel, dann käme kein Wissenschaftler auf die Idee, im Rahmen der KI einen guten Pokerspieler basteln zu wollen.
    • Pokerhondas
      Pokerhondas
      Bronze
      Dabei seit: 20.07.2007 Beiträge: 3.439
      Original von cjheigl
      Ein weiteres Argument für den Geschlicklichkeitsaspekt ist, dass Poker inzwischen ein Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz ist. Wäre Poker ein Glücksspiel, dann käme kein Wissenschaftler auf die Idee, im Rahmen der KI einen guten Pokerspieler basteln zu wollen.
      sehr guter Punkt!!