Das leidige SSS-Thema mal konstruktiv...

    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Hallo liebe PS-Community
      Bin ziemlich neu hier, habe bereits meine 50$ Startguthaben verzockt und befinde mich gerade mit 25€ selbst eingezahltem am Neubeginn. War zwischenzeitlich ziemlich frustriert habe aber, zumindest für mich Lösungen gefunden und diese hier mal zur Diskussion stellen bzw. vielleicht auch anderen damit helfen denen es ähnlich geht.
      Wird übrigens ein längerer Thread, nur zur Warnung. Hier mal ne grobe Gliederung im Text:

      Zunächst lässt sich ja feststellen das die SSS nicht unbedingt höchsten Spielspass verspricht, die persönlichen Erwartungen meist zu hoch sind ect...(1)
      Darüber hinaus kommen noch gewaltige Frustmomente zusammen wenn man feststellt an den Tischen teilweise übel ausgenommen zu werden weil manche Gegner genau wissen was man wie spielt.(2)
      Ausserdem kommt man sich von PS dann ziemlich alleine gelassen wenn nicht sogar verarscht vor. Mir z.B. ist es ziemlich übel aufgestossen festzustellen das einige PSler Artikel (Spiel gegen andere SSSler) lesen können um die anderen zu schlagen und ich dies noch nicht durfte.(3)
      Habe für mich jetzt Lösungen gefunden mit denen ich nach ersten Versuchen auch feststelle gefühlsmäßig profitabel zu spielen (4) und wieder Spass(5) an der Sache zu haben und . Nämlich:

      1. Spielspass kommt zunächst sicher auf wenn die Bankroll steigt. Dabei gilt es, wie im Artikel ja gesagt, zunächst mal die Erwartungshaltung in den Griff zu bekommen. KEINER der neu anfängt zu pokern wird es mit 50 $ Startguthaben schaffen in den nächsten drei Monaten Profi zu werden und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. (Nett wäre hier nochmal ein konkreter Hinweis in den Artikeln dass einn 05./10sssler mit ca. 20c pro 100Hände rechnen darf.) Klingt einfach, musste ich aber lernen zu akzeptieren. Dabei hilft vor allem zu bedenken dass jeder andere auch am Tisch sitzt um Geld zu verdienen, andere Menschen auch intelligent sind und niemand etwas zu verschenken hat. Vor allem: Am Tisch sitzen auch intelligente zielstrebige Menschen, nicht immer nur der gern genannte Ami-betrunken-vollhonk-fisch-Stereotyp der hier von Fortgeschrittenen gerne erwähnt wird. Also: Erwartungshaltung runterschrauben.

      2. Man fühlt sich mit der SSS an den Tischen gerne als sei man der Fisch, auch wenn (vielleicht sogar weil) man 100% nach Chart spielt.
      Einfacher Gedanke: Ich bin mit meiner Situation unzufrieden, dann ändere ich sie. Niemand zwingt uns mit der SSS zu spielen. Man wird zwar im Forum ziemlich unter Druck gesetzt wenn man abweicht und es wird der Eindruck erweckt die SSS müsste funktionieren, aber: Eine Strategie bei der ich (laut verbreiteter Meinung) ca. 2BB pr 100Hände Gewinn mache ist für Anfänger die ähnlich viele Leaks wie ich haben nicht profitabel spielbar. 2BB pro 100Hände verliere ich mit meinen Fehlern und eventuellen Anfangsschwierigkeiten(verklicken, Telefon, Tischauswahl, zu viele Tische) ganz locker. =>für jemanden der noch Anfängerfehler macht ist die reine SSS, auch wenn es anders verbreitet wird, nicht profitabel.
      Wenn ich dazu noch bedenke dass mir mit berechneten Reraises, grundsätzlichen Raises wenn zwei SSSler in den Blinds sitzen und Leuten die genau wissen auf welche range sie einen setzen müssen auch nochmal Geld verlierere wird die Situation nicht besser.
      Daher meine Meinung: Die reine SSS mag rechnerisch aufgehen, unter Würdigung der Gesamtsituation ist sie für einen Anfänger jedoch -ev.

      Ausserdem hat es mir psychologisch sehr geholfen bei Händen die zwar gut aussehen aber nicht spielbar sind (QJ, QT) mir den Flop anzusehen nachdem ich gefoldet habe und mich dann zu fragen was ich jetzt machen würde. Eine befriedigende Antwort finde ich meißtens nicht. Daher: alles richtig gemacht.

      3. Umgang mit PS:
      Zunächst mal finde ich einige Inhalte im Content und im Forum hier weder konstruktiv noch aufbauend. Zum einen der erwähnte Spielen gegen sssler-Artikel und der ständige Verweis darauf dass man einige Dinge noch nicht kann und deshalb nicht tun soll.(Slowplay, limpen...) Daran wäre nichts auszusetzen wenn man damit nicht ständig in Berührung käme. Wenn ich mir Videos anschaue und sehe wie (bei entsprechender Anzahl anderer) mitgelimpt wird, Blindsteals erkannt und gespielt werden ect. oder threads im Forum lese hinterlässt das einfach ne zwiespältige Gefühle. Ich fühle mich komisch wenn mir jemand sagt: das geht besser bzw. manches hier ist vielleicht sogar falsch, ich verrate dir aber trotzdem noch nicht wie es richtig geht.
      Trotzdem bleibt festzuhalten dass PS eine klare winwin Situation produziert. Ich hatte die Chance mit 50$ erste Gehversuche zu machen und musste dafür lediglich das Quiz lösen und PS gewinnt wenn ich gut spiele. So gesehen bin ich zufrieden, musste mich dazu lediglich von dem Gedanken lösen PS nehme mich an der Hand und ich bekomme dadurch automatisch Geld. In Worten: Ich habe 50$ geschenkt bekommen, PS schuldet mir nichts!

      4. Meine Lösungen für das Spiel:
      a) Erweiterung des SHC:
      Wie es auch von einigen Handbewertern/Coaches erwähnt wird. Man kann auch mit kleinen Pocketpairs und SC den SB completen oder mitlimpen wenn schon einige Limper vor uns sind. Im Zweifel gewinnen wir dadurch mehr und sind nicht ganz so berechenbar. Anhaltspunkte dafür finden sich auch in den Foren wann dies +ev ist.

      b) Raises aus early positions werden meiner Erfahrung nach zu ca. 80% von allen gefoldet, da die meißten wohl wissen dass man JJ+ oder AK hält. Daher: wenn man lange keine Hand bekommen hat einfach mal machen (natürlich selten), meißtens bekommt man die Blinds. Kaum ein Spieler auf den Micros benutzt PT/PA und beobachtet euch so intensiv dass er euch deshalb callt wenn ihr dezent damit umgeht.

      c)genau deshalb raise ich z.B AA und KK nicht UTG mit diesen Händen kann man ziemlich sicher mehr Gewinn machen wenn man sie gegen einen Gegner spielt. AK, JJ und QQ dagegen sind mir wegen Overcards zu gefährlich die Raise ich normal. Hier wird sicher die Antwort kommen dies sei zu gefährlich, man müsse eine gute Preflop Hand ja protecten. Wenn jemand damit kommt möge er mir bitte mal berechnen ob ich mit ein paar limpern wenn ich nicht jedesmal gewinne oder mit nur den Blinds langfristig besser fahre.

      d)Slowplay: Wenn ich die Nuts halte und kein gefährliches Board vor mir habe wird auch mal slowgeplayt. Es macht keinen Sinn jemanden mit nem AI reraise zu verscheuchen wenn ich ein Asse-FullHouse halte.

      e)Blindsteals: Wenn zwei SSSS in den Blinds sitzen und ich bin in Late raise ich.

      5. Seitdem ich mein Spiel so umgestellt habe macht es wieder Spass. Ich musste mich jetzt einige Tage damit auseinandersetzen und habe durch die jetzt entwickelte Eigeninitiative vermutlich auch einige Punkte aus den Artikeln unbewusst erst umgesetzt. Ich bin niemandem böse. PS schuldet mir nichts und niemand hat mich gezwungen mit der SSS zu spielen, es wurden teilweise nur sehr unglückliche Voraussetzungen geschaffen von denen man sich erstmal lösen muss. Vielleicht hilft dem ein oder anderen dieser Thread, vielleicht weiss jemand etwas besser. Würde mich über Reaktionen sehr freuen.

      ThommyTo

      PS: Jetzt gehe ich erstmal meinen Screennamen ändern.
  • 32 Antworten
    • daegga
      daegga
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2007 Beiträge: 2.255
      BRM lässt grüßen... bei der Varianz von SSS bist du bald wieder Broke...
      würd an deiner stelle zu FL wechseln...macht mehr spaß, die varianz ist nicht so groß und du kannst dich mit deinen 25$ ans BRM halten.
      wenn du dann wieder auf >50$ bist kannst du ja wieder auf SSS umsteigen...
    • Yavalana
      Yavalana
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2006 Beiträge: 497
      broke soon :=)
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Bin mir bewusst dass die BR nicht zwingend reicht, möglich ist es trotzdem da die Varianz ja zwei Seiten hat. Momentan bin ich auf etwa 30€, zu den umgerechnet ca. 35€ von PS ist es dann ja nicht mehr weit. Ausserdem wollte ich nicht mehr erarbeitetes Geld investieren. Wäre aber froh wenn jetzt nicht nach anderen Fehlern (habe viele) bei mir gesucht wird, sondern auf die im thread aufgeworfenen Themen eingegangen werden würde. Habe mir doch so viel Mühe gegeben...
      LG ThommyTo
    • daegga
      daegga
      Bronze
      Dabei seit: 11.02.2007 Beiträge: 2.255
      du hast ja aus eigener erfahrung gelernt, dass manchmal auch die 50$ von PS.de nicht reichen...aber ok, deine entscheidung..

      hin und wieder any2 UTG raisen.... zonk..
      solltest schon ne brauchbare hand haben, für den fall dass dich jemand callt... wenn du mit ATs raist, ist das auch selten, aber du hast noch einigermaßen chancen am flop. und das eigentlich auch nur mit reads...gegen loose gegner keine chance mit 72o :D
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Dass ich nicht mit 72 raise ist klar. gehe eher von sowas wie KJ, AT oder kleinem pp aus, ausserdem NATÜRLICH nur first in.
      Zu den ersten 50$ muss ich natürlich noch sagen dass ich mir vollkomnen bewusst bin die selbst in den Wind geschossen zu haben. Habe alle genannten Anfängerfehler gemacht und noch neue erfunden. Hatte bereits 20$ verspielt bevor ich konsequent SSS versucht habe. Habe danach die üblichen möglichen Badbeats kassiert und dann irgendwann gefrustet die letzten 4$ vertiltet.
      Wie gesagt: Ich glaube dass die SSS funktionieren kann, lediglich die Erwartungen die für einen Anfänger (solche wie ich es war, die glauben sie können schon pokern) geweckt werden sind zu gross.
      LG
      ThommyTo
    • Wody
      Wody
      Black
      Dabei seit: 23.01.2007 Beiträge: 3.737
      1. Es ist schon möglich in 3 Monaten Pokerprofi zu werden, wenn man es nicht nebenher zur Arbeit/Studium/Schule macht. Trotzdem ist das natürlich unwahrscheinlich. Aber nach dem ersten Monat Eingewöhnung (SHC lernen, sich an Multitabling gewöhnen, ...) hat bei einer 40 Stunden Woche in den nächsten beiden Monaten 320h Zeit für Pokern. Wenn man 120 Stunden dafür in Theorie investiert bleiben noch 200h in denen man bei 12 Tabling ~150k Hände schafft. Wenn man jetzt 30k Hände auf NL10 spielt, 50k auf NL25 und 70k auf NL50 kann man dann nach den zwei Monaten auf NL100 als Pro sein Glück versuchen. Es ist nicht unrealistisch, aber sehr schwer und erfordert Disziplin.
      Wenn übrigens bei der SSS von einer Gewinnrate von 1-2BB gesprochen wird, bedeutet das 2-4 Big Blinds. Das liegt daran, dass Pokertracker, mit dem die Hände aufgezeichnet werden, seinen Ursprung im FixedLimit Bereich hat und die Gewinnrate standardmäßig in Big Bets (=2 Big Blinds) angibt. Also kann man auf NL10 mit 40 Cent auf 100 Hände rechnen.

      3. Der Artikel der einem sagt wie man gegen andere SSSler spielt ist völlig überbewertet. Zum einen spielen längst nicht alle mit SS auf NL10 nach der SSS und zum anderen kann man mit Pokerstove auch ausrechnen, mit welchen Karten man gegen die Range des SSSlers vorne liegt.

      4.a) Der SHC war zu der Zeit wo ich angefangen habe anders (unter anderem mit PP limpen).

      b) In dem alten SHC hat man auch noch TT aus ep geraist. Man muß aber wissen, wann man sich von den Händen trennen muß, wo viele Anfänger Fehler machen. Wenn man dann mit der SSS mehr Erfahrung hat, kann man sie auch abändern, aber gleich zum Einstieg sollte man es nicht machen.

      c) AA und KK UTG nur limpen (habe ich doch richtig verstanden?) halte ich für einen sehr großen Fehler, vor allem wenn du dich von ihnen nicht trennen kannst. Oft wirst du da gegen 2 und mehr Spieler spielen und da weißt du nicht mehr wo du stehst.

      d) Da stimme ich dir zu, aber gerade Anfänger könnten es hier übertreiben. Man muß eben wissen wann man slowplayen kann und wann nicht, wo gerade Anfänger Fehler machen.

      e) Das ist so eine Sache. Gegen Standard SSSler ist das natürlich +ev, aber gegen gute Spieler oder Maniacs die sich nur ungern bestehlen lassen ist es vielleicht nicht erfolgreich.

      Man darf den PS-Content vor allem bei der SSS nur als Einstieg ansehen und die Strategie später abändern.
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Hi Wody
      Erstmal Danke für deinen konstruktiven fundierten Beitrag. Genau so etwas hatte ich mir erhofft.

      Meine Gedanken Zu 4.b(KK und AA limpen)
      Wenn ich mir hier eine typische Konstellation strikt nach SSS vorstelle gehe ich preflop nach einem Reraise eh allin.
      Wenn wir's bis zum Flop schaffen gehe ich dort in fast allen Fällen auch allin da ich UTG bis auf einen Flop mit A bei KK immer Overpair habe, betten muss und spätestens bei nem Reraise wegen Pot/Stack Verhältnis callen müsste.
      Also lande ich so gut wie immer Allin.

      Wenn ich aber nach meinem Plan vor dem Flop anderen noch die Chance gebe zu betten und dann spätestens am Flop allin gehe bin im Normalfall immer noch vorne, spare mir das Geld gegen Apair wenn ich KK halte und erziele doch mehr Gewinn.

      Anders gesagt. Nach SSS bin ich so gut wie immer allin.
      Nach meiner Theorie auch, aber später, dadurch größere Pötte.
      Ist der gedanke denn falsch?
      LG
      ThommyTo
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Ach ja, muss noch zu deinem letzten Satz anhängen:
      Genau das nochmal zu betonen war die Intention des Threads. Ich musste nur erst auf die Schnauze fallen um derartige Initiative zu entwickeln und mich vom Bot-Spielen zu lösen.
    • Wody
      Wody
      Black
      Dabei seit: 23.01.2007 Beiträge: 3.737
      Wenn jemand raist nachdem du aus ep gelimt hast, hast du mit AA oder KK natürlich kein Problem. Was machst du aber, wenn noch zwei reinlimpen und der BB checkt? Dann spielst du gegen 3 Gegner und du weißt nicht mehr, was dein AA noch wert ist. Wenn du da sehr oft nur mit einem OVerpair (in einem unraised Pot) AllIn gehst, wirst du mMn Verlust machen (auf NL10 bin ich mir da nicht ganz sicher) Und die Limper würde bei weitem nicht alle ihre Hände gegen ein Raise aus ep von dir wegwerfen. Viele callen da auch noch mit kleinen PocketPairs oder sowas wie QJs oder auch A9s.
      Starke Hände würden dich sowieso reraisen.
      Auf höheren Limits würde es auch auffallen, wenn du aus UTG limpst, vor allem wenn man dich anhand deiner Stats eindeutig als SSSler indentifizieren kann.
    • Flothetier
      Flothetier
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 43
      asse nicht betten ist ein großer fehler. stur sss zu spielen auch. blind steal und bb defend sind wichtig und sollte auch gemacht werden. vorallem blind steal ist wichtig. bei vielen limpern ist es meiner meinung nach kein fehler vom button und sb einzuzahlen, um zu schaun ob monsters droppen.

      Habe hier schon gehört es soll sich als sss net lohnen find ich aber ehrlich gesagt nicht.


      Am anfang ist es aber am besten nur sss zu spielen da der rest einen üerfordert. hbae 3-4 anläufe auf nl20 gebraucht um es zu schlagen. immer dachte ich sss ist schuld ich spiel richtig. wenn du aber nen bissle den überblick hast und deine raises auch den positionen der gegner anpasst die vor dir geraised haben, und eventuell auch hände aufgebe kannst dann wirds schnell berg auf gehen.


      btw heute weil ichs net mitbekommen habe aa gelimped. und gegen ne flush verloren.
    • Publius
      Publius
      Bronze
      Dabei seit: 26.02.2006 Beiträge: 1.339
      Will auch mal meinen Senf dazugeben ;-)

      Zu 1.
      Neben dem (finanziellen) Erfolg ist es jedenfalls für mich eine wichtige Motivation, dass ich gerade nicht Poker spiele(-n lerne), um Profi zu werden. Dazu kommt: Mit der SSS wird aus einem normalen Fisch niemals ein Hai, höchstens ein Piranha werden. SSS sollte also nur spielen, wer an dieser Perspektive Spaß.

      Zu 2. und 3.
      Ein wesentlicher Punkt der SSS ist es imho schwierige Entscheidungen (vor allem Post-Flop) zu vermeiden, weil das Änfänger nie gut können. Blindsteals, PP-limpen und ähnliches kann zu massiven Post-Flop Verlusten führen, wenn man nicht weiß, was man tut, daher muss dass warten. Der Preis, um das zu vermeiden, ist eine Strategie, die um so mehr sehr, sehr viel Geduld und Disziplin erfordert. Beides Tugenden die jeder Pokerspielen haben muss, um langfristigen Erfolg zu haben.
      Ich gebe dir aber recht, dass das durchaus noch konsequenter kommuniziert werden sollte.
      Ich sehe im Übrigen keine Alternative.
      FL mit dem ich noch angefangen habe, ist out obwohl es besser zum lernen geeignet ist. NL BSS verlangt von Anfang an ein fortgeschrittenes Post-Flop-Spiel und außerdem eine zu große Bankroll.

      Zu 4. a+b (limpen, SB completen, Hand-Range erweitern)
      Wenn man es kann, sind das Mittel für ein fortgeschrittenes Spiel. Natürlich ist es sinnvoll an einem tighten Tisch auch mal ein etwas mehr Hände zu spielen und umgekehrt an einem extrem loosen Tisch weniger. Aber das lässt sich kaum in einen Chart verpacken und erfordert Erfahrung. Ansonsten ist der Schaden weitaus größer als der Nutzen.

      Zu 4.c (KK und AA limpen)
      Es gibt schon diverse Threads zu dem Thema (Suchfunktion benutzen). Nach meiner Meinung ist es so gut wie nie richtig. Du liegt vor dem Flop mit diesen Händen vorne und diese Edge muss man nutzen! Am Flop bekommst du imo zu oft Calls nur noch von Händen, die sich zuviel verbessert haben (also dich schlagen). Halbwegs vernünftige Gegner zahlen dich Post-Flop nur aus, wenn sie zufällig TPTK treffen.

      Zu 4.d
      Natürlich kann man Monster slowplayen. Aber selbst bei Straight und Flush kann und wird es Situationen geben, wo Slowplay -EV und zum Teil katastrophal ist. Es braucht also Erfahrung (siehe oben).
    • Lynar
      Lynar
      Bronze
      Dabei seit: 11.07.2005 Beiträge: 7.701
      Wie schon gesagt wurde, AA und KK aus UTG nur limpen ist ein Fehler. Ich ärgere mich auch immer wenn all Folden. Genauso ärgere ich mich wenn ich AA in CO bekomme und 2 SSS Spieler hinter mir sitzen.
      Aber kann man halt nix machen.

      AA und KK sind halt am Flop immer nur ein paar(ausser man hat sein Set getroffen). Du Limpst jemand in LP called mit KJs und flop kommt Jxx. Die bietest er raised und du gehst allin. Am Turn kommt noch ein K und du vierlierst. Du ärgerst dich der andere freut sich weil du die AA nicht geraised hast und er einen schönen Suckout gemacht hat(Nur mal so z.B.). Natürlich wird das auch nicht immer passiern. Aber umso mehr Spieler dabei sind umsomehr sinken die Chachen, dass deine AA am Flop noch gut sind. Und jeder Limper erhöht die Potodds für den nächsten Limper, der mit noch sehr viel mehr crap miteinsteigen kann.


      Ausserdem wirst du wie auch schon gesagt lesbar. Wenn alls SSS in EP nicht limpen du aber schon und mal AA zeigst werde ich mir ganz sicher ne Note machen. Wenn ich wieder von dir nen Limp in EP sehe werde ich ziemlich sicher mein AQ weglegen.



      Mitlimpen in LP ist sicher profitabel. Unter der Einschränkung man kann es spielen. Meist hat man am Flop nämlich noch keine Made Hand(z.B. mit SC). Und da kommt es dann auf die richtige Spielweise an. Hier haben beim letzten SHC viele Geld verloren, weil z.B. Odds und Outs bzw. Impliedodds nicht berücksichtig oder falsch gespielt wurden. Deshalb wurden diese Hände rausgenommen.
      Wenn du sie spielen kannst ist es sicher kein Fehler bei entsprechender Anzahl von Limpern mit SC oder PP zu callen um auf ein Set, Flush oder Straight zu hoffen.
    • Wody
      Wody
      Black
      Dabei seit: 23.01.2007 Beiträge: 3.737
      Original von LynarDu Limpst jemand in LP called mit KJs und flop kommt Jxx. Die bietest er raised und du gehst allin. Am Turn kommt noch ein K und du vierlierst. Du ärgerst dich der andere freut sich weil du die AA nicht geraised hast und er einen schönen Suckout gemacht hat(Nur mal so z.B.).
      Das ist aber gerade ein schlechtes Beispiel, da man ja gerade will, dass jemand mit einer schlechteren Hand das AI callt. Aber oft rennt man da gegen two pair, flush oder kassiert einfach nur die Blinds ein wenn man am Flop bettet.
    • Flothetier
      Flothetier
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 43
      also das problem bei aa limpen ist das viele drawing hands callen. die einen aber nicht ausbezahlen weil sie nicht weiterspielen wenn sie ihre draws nicht treffen. wir aber meißtens all in gehen wenn wir schon drawing dead sind

      ganz einfach
    • primorac
      primorac
      Black
      Dabei seit: 06.04.2007 Beiträge: 12.414
      Hallo ThommyTo,
      zu 1.) "Spielspass kommt zunächst sicher auf wenn die Bankroll steigt."
      Das tut sie mit der SSS. Und sei es anfangs nur durch Boni. Die 1-2ptBB (2-4BB) sind hierbei eine sehr pessimistische Rechnung für NL10. Auf etwas höheren Limits ist das wohl realistisch.

      zu 2.) "Man fühlt sich mit der SSS an den Tischen gerne als sei man der Fisch, auch wenn (vielleicht sogar weil) man 100% nach Chart spielt."
      Also ich habe mich nicht als Fisch gefühlt. Im Gegenteil: Fische sind die Leute die genau deine Range kennen und trotzdem gegen dich falsche/zu viele Hände spielen.

      zu 3.) Wie bereits erwähnt kannst du dir diesen Artikel auch selbst basteln, denn es ist nichts anderes als ein paar zusammengefasste Equityberechnungen mit Pokerstove/Equilator.

      zu 4.) a)Die Leute die das SHC entwickelt haben, haben sich sehr viele Gedanken gemacht um das SHC einerseits so einfach und andererseits so profitabel wie möglich zu machen. Bei absoluten Anfängern steht die Einfachheit hier noch vor der Profitabilität. Wenn ein Anfänger mit seinen suited connectors am Flop einen Flush Draw trifft, jedoch nicht weiß wie er ihn richtig weiterspielen soll, weil er keine Odds und Outs berechnen kann dann bringt es eben nichts. Kleine PP ab 2-3 Limpern completen macht eh jeder sobald er sein erstes Coaching gesehen hat.

      b) Also selbst wenn deine UTG Raises von den 9 hinter dir sitzenden Leuten nur mit JJ+,AK (3,0% Range) gecallt/geraist werden würden entspräche das nur einer Foldhäufigkeit von 0,97^9=0,76 also etwa 76%. Und glaub mir, die Range ist auf NL10 DEUTLICH höher. Schlechte Hände - wenn auch nur ab und zu - aus UTG zu raisen ist leider ein riesiger Fehler. Genau dadurch verpasst du es genau gegen die Gegner die deine UTG Raises mit AQ, AJ, 99, etc. callen und somit einen schlechten Call machen, auszunehmen, denn plötzlich ist ihr Call ja gut und richtig.

      c) AA und KK aus UTG limpen. Grundsätzlich immer falsch! Wenn du Poker Tracker hast, und du weißt hinter die sitzen noch 4-5 Spieler mit einem pfr >40 dann kannst du vielleicht mal limp/push spielen, aber selbst dann würde ich es lassen. Die Fische sind eh nicht aufmerksam und es interessiert sie oft nicht einmal aus welcher Position du eine Hand erhöhst, solange ihre eigene halbwegs gut ist. Die ps.de'ler allerdings werden höchst aufmerksam eine Hand verfolgen in der ein SSS aus UTG limpt und sie werden sich ALLE eine Note zu dir machen. Und wenn die einmal da steht, dann steht die da.

      Außerdem: Gib doch mal in Pokerstove AA gegen 3 typische Limpinghände wie z.B. JTs, 33 und 65s ein. Deine Equity sinkt unter 50%.

      Außerdem: In einem unraised Pot wirst du es deutlich schwerer all-in zu kommen. Wenn du es schaffst bist du oft geschlagen.

      d) Slowplay meinetwegen ab A high Flush aufwärts. Allerdings fällt es schon auf wenn du immer eine Conti machst außer mit den Nuts.

      e) Blindsteals von SSS gegen andere SSS sind wirklich oft erfolgreich und auch ok. Solltest du auf Limits kommen in denen aber vermehrt Gegner PT/PA haben haben fällt ein Spieler mit 6pfr, 6vpip und 63ats natürlich auf (hatte genau das Beispiel vor kurzem).

      zu 5) Vielleicht macht dir die eine oder andere Anpassung mehr Spaß, aber langfristig wirst du so weniger Gewinn machen als mit der Standard Strategie.

      lG
      Primorac

      edit: In der Zeit in der ich den Post verfasst habe, haben 5 Leute vor mir geantwortet. Naja, hatte das Fenster auch noch versehentlich 2h offen. lol

      edit2: Nachdem ich die 5 Beiträge gelesen habe, hätte ich mir meinen auch sparen können. =)
    • Impulse
      Impulse
      Bronze
      Dabei seit: 16.12.2006 Beiträge: 407
      Hier noch ein Beispiel von einem Donk der AK gelimpt hat. Könnte aber ebensogut AA gewesen sein ;)


      Known players: (for a description of vp$ip, pfr, ats, folded bb, af, wts, wsd or hands click here)
      SB:
      $14.61
      UTG:
      $64.25
      UTG+1:
      $41.95
      UTG+2:
      $26.03
      MP2:
      $82.94
      MP3:
      $50.72
      CO:
      $49
      BU:
      $32.70
      Hero:
      $9.50
      MP1:
      $49.50

      0.25/0.50 No-Limit Hold'em (10 handed)
      Hand recorder used for this poker hand: Texas Grabem 1.7 by www.pokerstrategy.cc.

      Preflop: Hero is BB with K:diamond: , 4:heart:
      UTG calls $0.50, 8 folds, Hero checks.

      Flop: ($1.25) 5:diamond: , 4:spade: , K:spade: (2 players)
      Hero bets $0.50, UTG raises to $1.00, Hero raises to $3.00, UTG raises to $10.00, Hero raises to $9.00 (All-In).

      Turn: ($20.25) T:heart:
      River: ($20.25) 8:club:


      Final Pot: $20.25
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      So, guten Morgen !
      Da ich Optimist bin sehe ich das im Moment so: Ich bin auf dem richtigen Weg und muss jetzt wohl einsehen dass nicht alle Veränderungen richtig waren. Dann wird weiter daran gearbeitet (AA KK werden nicht mehr gelimpt ect.)
      Weiterhin vielen Dank
      ThommyTo
    • circe
      circe
      Bronze
      Dabei seit: 18.03.2005 Beiträge: 1.495
      Ich wünsche ebenfalls einen guten Morgen.

      Poker ist ein sehr komplexes und vor allem auch situationsabhängiges Spiel.
      Das kann man nicht in einige wenige Strategieartikel bzw. Tabellen pressen.

      Durch einen "Autopilot-No-Brainer-Spielmodus" wird man weder bei der SSS noch einer anderen Pokervariante zum winning player.

      Selbst im Anfängercoaching, das ja so einfach (einsteigerfreundlich) wie möglich gehalten werden soll, ergeben sich immer wieder Situationen, in denen die Coaches von den Strategieartikeln bzw. Charts abweichen (müssen), wenn sie die richtige Entscheidung treffen wollen. Mit den Strategieartikeln alleine kommt man nicht sonderlich weit.

      Was mir in meinen zahlreichen Coachingteilnahmen auch noch aufgefallen ist: Alle SSS Coaches können zumindest grundlegendes Basiswissen und praktische Erfahrungen mit FL und auch BSS vorweisen. Diese Kenntnisse lassen sie in ihr Spiel mit einfließen, wenn sie die SSS spielen.

      Es schadet also nicht, wenn man ein wenig über den Tellerrand hinausblickt sich ein gewisses Grundlagenwissen von anderen Spielarten aneignet. Das fördert das allgemeine Spielverständnis für Poker.

      Meines Erachtens wird die SSS von manchen Leuten etwas unterschätzt. Die SSS bedeutet eben nicht nur simples "push or fold", sondern es steckt schon etwas mehr Tiefgang dahinter.

      "Sapere aude!" , wenn ich mal Horaz zitieren darf.

      Liebe Grüße

      Christian
    • ThommyTo
      ThommyTo
      Bronze
      Dabei seit: 29.12.2006 Beiträge: 29
      Sapere aude ist lateinisch und bedeutet (in der bekannten Übersetzung Kants): "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
      Quelle: Wikipedia
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